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Chinesischer Leichter Kreuzer Ning Hai (1/700, Fairy Kikaku) von Lars Scharff Drucken
Montag, 25. September 2017 um 05:00

 

25.09.1937 - 80 Jahre Angriff auf die Kiangyin Festung

 

Heute vor 80 Jahren, am 25. September 1937, wurde der chinesische Kreuzer Ning Hai von japanischen Marinefliegern auf dem Yangtse versenkt (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Schon im August hatte die chinesische Marine auf dem Yangtse flussaufwärts von Shanghai bei Jiangyin (Kiangyin) eine Sperre aus versenkten Schiffe errichtet und dahinter den Großteil der Marine zusammen gezogen, um diese zu verteidigen - und so den Japanern den Zugang zur Hauptstadt Nanjing (Nanking) zu blockieren (siehe auch hier). Ab dem 22. September wurden die chinesischen Schiffe von japanischen Marinefliegern angegriffen. Bereits am 23. September wurde das Flaggschiff, der Kreuzer Ping Hai versenkt. Am 25. September wurde auch der Kreuzer Ning Hai nach dem Verbrauch des Großteils seiner Flugabwehrmunition versenkt.

Das Original

Der chinesische Leichte Kreuzer Ning Hai (甯海) war das Typschiff einer 1931-36 gebauten Klasse von zwei Schiffen, zu der noch Ping Hai (平海) gehörte. Die chinesische Marine hatte seit 1912 mehrfach versucht, neue Kreuzer zu beschaffen. Vier in Österreich-Ungarn bestellte Kreuzer fielen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer, andere Projekte erwiesen sich als zu teuer. Erst im Rahmen des Flottenprogramms 1928 gelang es bei der japanischen Werft Harima einen Leichten Kreuzer zu bestellen. Ein weiterer wurde mit Unterstützung von Harima bei der chinesischen Jiangnan (Kiangnan)-Werft gebaut. Um den Kreuzer möglichst billig zu erhalten, fiel der Kreuzer sehr klein aus und als Maschinen kamen nur schwache Dampfmaschinen zum Einsatz. Die Folge war, dass den Schiffe einige für Kreuzer essentielle Eigenschaften fehlten: Geschwindigkeit, Reichweite und Seetüchtigkeit. Dazu fiel die Ning Hai, typisch für damalige japanische Entwürfe, sehr toplastig aus. Man hatte die Hauptbewaffnung des sowieso mit etwas über 3000 t verdrängenden sehr kleinen Leichten Kreuzers Yubari auf einem noch kleineren Rumpf untergebracht und dazu noch die Zahl der Flugabwehrkanonen erhöht und einen Hangar eingebaut. Bei dem zweiten Schiff, der Ping Hai, fielen die Aufbauten und Masten deshalb leichter aus und auf die Hälfte der Flugabwehrbewaffnung und den Hangar wurde verzichtet. Allerdings wurden die damaligen chinesischen Kriegsschiffe überwiegend in Küstengewässern und Flüssen, u.a. dem Yangtse, eingesetzt, d.h. unter Bedingungen, in denen die Nachteile der Klasse weniger Bedeutung hatten. Im Endeffekt waren die Schiffe der Ning Hai-Klasse eher Küstenverteidigungsschiffe.

Beide Kreuzer wurden von japanische Marineflieger in der Schlacht um die Kiangyin Festung 1937 versenkt, aber 1938 wieder gehoben. Sie wurden bis 1943 nur als Wohnschiffe genutzt, aber dann wegen des Mangels an Geleitschiffen umgebaut. Die Aufbauten wurden reduziert, sie erhielten die typische Bewaffnung von damaligen Geleitschiffen. Dies erhöhte ihre Stabilität und Seetüchtigkeit. Sie wurden auch entsprechend klassifiziert, waren aber auch dafür vorgesehen, als Tender für Marinefliegerstationen zu dienen. Sie wurden als Ioshima (五百島, ex Ning Hai) und Yasoshima (八十島, ex Ping Hai) wieder in Dienst gestellt. Nach dem Verlust der Ioshima wurde Yasoshima im September 1944 zu einem Kreuzer 2. Klasse umklassifiziert.

Die Ning Hai war 109,7 m lang, 11,9 m breit und verdrängte 2526 t. Der Antrieb bestand aus vier Kesseln und drei Dreifachexpansionsdampfmaschinen, die zusammen 10.500 PS leisteten, womit 23 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 340 Mann.

Bewaffnung 1937
6 x 14 cm L/50 Typ 3 (drei Zwillingstürme)
6 x 7,62 cm L/40 Typ 3 ("8 cm") (Einzellafetten)
8 x 0,77 mm Lewis-Maschinengewehre
4 x 53,3 cm Typ 6-Torpedorohre (zwei Zwillingsrohe für Typ 6-Torpedos)
2 Aichi AB-3 Bordflugzeuge

Die Ning Hai wurde 1931-32 von der Harima-Werft in Aioi gebaut. Sie gehörte danach zum 1. Geschwader (mit Basis in Shanghai?) und war lange dessen Flaggschiff bis sie von der Ping Hai abgelöst wurde. 1933 war sie an dem erfolglosen Versuch beteiligt, die meuternden Kreuzer Chao Ho, Hai Chi und Hai Chen an dem Überlaufen nach Guangzhou zu hindern. Am 15. Juni 1935 meuterten die Besatzungen der gleichen Kreuzer erneut und wieder war die Ning Hai beteiligt, diese unter Kontrolle zu bringen - anscheinend dieses Mal erfolgreich. Bei Ausbruch des Zweiten Chinesisch-Japanischen Kriegs 1937 wurde die Ning Hai mit dem Rest der Flotte auf dem Yangtse zusammen gezogen, um die Schiffssperre bei Jiangyin (Kiangyin) zu verteidigen. Dort wurde sie von japanischen Marinefliegern, sowohl des Flugzeugträgers Kaga als auch landgestützte Maschinen, ab dem 22. September wiederholt angegriffen. Am 23. September erhielt sie vier Bombentreffer, am 25. September wurde sie durch zwei weitere Treffer und zwei Nahtreffer versenkt. 62 Mann der Besatzung wurden getötet oder verwundet.

Am 5. Mai 1938 wurde das Wrack von den Japanern gehoben und in der Jiangnan (Kiangnan)-Werft in Shanghai wieder seetüchtig gemacht und unter eigenen Kraft nach Aioi in Japan überführt. Dort blieb sie bis Ende 1943 inaktiv, als sie zum Geleitschiff umgebaut und in Ioshima umbenannt wurde. Am 10. Juni 1944 wurde sie in den Dienst der Japanischen Marine gestellt. Nach dem Einfahren wurde sie zum Schutz von Konvois eingesetzt. Bei ihrem zweiten Einsatz wurde die Ioshima am 19. September 1944 von dem U-Boot USS Shad mit drei Torpedos versenkt.

Das Modell

Von der Ning Hai-Klasse gibt es bisher nur die Bausätze von Kobo Hiryu als Ioshima und Yasoshima nach Bergung und Umbau für die japanische Marine (siehe hier) sowie den Satz "Chinese Navy 3" von Fairy Kikaku. Letzterer enthält Bausätze der Ning Hai und des Kanonenboots Zhongshan. Der japanische Kleinserienhersteller Fairy Kikaku bietet viele interessante Vorbilder an, von denen es zum Teil keine alternativen Bausätze gibt. Allerdings weisen die Resinbausätze eine Besonderheit auf: das Urmodell des Rumpfs wurde vor dem Abgießen in drei (teilweise nur zwei) Teile zerbrochen. Die Gussqualität ist dazu alles andere als perfekt, was in Kombination mit den nicht perfekten, teilweise recht groben Formen des Urmodells dazu führt, dass jedes einzelne Teil nachbearbeitet werden muss.

Die zerbrochenen Teile des Rumpfs passten wegen der schlechten Gussqualität nicht wieder zusammen. Eine Menge Nacharbeit war notwendig, um sie wieder halbwegs passend zu machen. Ich habe die drei Teile auf eine 0,25 mm Polystyrolplatte geklebt, um so den Rumpf zu stabilisieren. Die Hinterkante des Backdecks sah aus wie ein Trümmerfeld. Hier benutzte ich eine weitere Plastikplatte als Abschluss. Danach war eine Menge Spachtelmasse notwendig, um die Rumpfseiten glatt zu bekommen. Die Aufbauten sind auch relativ grob gemacht. Ich musste viel schnitzen, um sie relativ eben zu bekommen. Dabei entfernte ich auch die Türen, die später durch Fotoätzteile ersetzt wurden. Viele werden wohl auch die relativ grob dargestellte Holzbeplankung der Decks korrigieren wollen. Das Dach des Brückenhaus war viel zu dick, so dass ich es durch eine Polystyrolplatte ersetzte und das Schanzkleid um den Scheinwerfer neu herstellte. Aus Polystyrolplatten baute ich auch die seitlichen Plattformen mittschiffs neu, nach dem ich die sehr groben angegossenen Teile entfernt hatte. Auf den Brückenflügeln ergänzte ich aus Polystyrolstreifen ein Schanzkleid. Auf den Zeichnungen und Fotos, die ich gefunden hatte, ging die genaue Form der Brückenflügel nicht hervor. Sie wirkt falsch, aber ohne genauere Informationen, änderte ich sie nicht ab. Der Schornstein meines Exemplars wies massiven Formenversatz auf, so dass auch viel Spachteln und Schleifen angesagt war. Zuletzt gab es einige Luftblasen in den Schildern der 7,62 cm-Flak, die korrigiert werden mussten.

Die Masten baute ich aus Metallstäben auf. Aus Metallstäben und Kupferdraht ergänzte ich die Dampfrohre am Schornstein. Die 14 cm-Rohre ersetzte ich durch gedrehte Messingrohre von FlyHawk, für die 7,62 cm-Flak kamen Rohre von Master zum Einsatz. Die Torpedorohre und Scheinwerfer waren aus einem Tamiya-Bausatz übrig geblieben, die bei Beiboote aus Oceanmoon-Bausätzen. Die Davits sind Fotoätzteile von BJ-Modellbau, die Rettungsringe welche von NNT. Die Takelung erfolgte mit schwarzen, 20 Denier dicken Faden von Uni Caenis.

Das Modell der Ning Hai habe ich mit Acrylfarben von Vallejo Model Color bemalt. Der Tarnanstrich besteht aus 155 (990) Silbergrau, die Decks wurden mit 110 (986) Achatgrau bemalt. Das Innere der Beiboote ist mit 104 (884) Steingrau bemalt, den obersten Teil des Schornstein und einen Teil des Großmasts mit 167 (995) Anthrazitgrau.

Links noch ein Größenvergleich mit zwei weiteren chinesischen Kreuzern aus dem Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg, Chao Ho (Zhao He) und Yixian (Yat Sen/I Hsien). In der Mitte mit zwei etwa gleich altrigen Schiffen, dem russischen Flottillenführer Taschkent und dem japanischen Schweren Kreuzer Takao, rechts mit zwei modernen Fregatten, der chinesischen Yulin und der singapurischen RSS Tenacious.

Quellen

Lars