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Russischer Flottillenführer Taschkent (1/700, Kombrig) von Lars Scharff Drucken
Mittwoch, 28. Juni 2017 um 05:00

 

28.06.1942 - 75 Jahre Schlacht um Sewastopol

 

Heute vor 75 Jahren, am 28. Juni 1942, wurde der russische (sowjetische) Flottillenführer Taschkent von Flugzeugen der Luftwaffe schwer beschädigt (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Durch den deutschen Vormarsch gingen zahlreiche Stützpunkte der sowjetischen Schwarzmeerflotte verloren. Ab dem 30. Oktober 1941 wurde auch der Hauptstützpunkt Sewastopol belagert. Die Schwarzmeerflotte versuchte den Stützpunkt über See zu versorgen, woran u.a. die Taschkent beteiligt war. Bei ihrer letzten Fahrt wurde sie auf der Rückfahrt von Sewastopol von der Luftwaffe entdeckt. Trotz sehr schwerer Beschädigungen konnte die Taschkent nach Noworossijsk eingeschleppt werden, wo sie aber am 2. Juli durch einen weiteren Luftangriff versenkt wurde.

Das Original

Der russische Flottillenführer Taschkent (Ташкент) war das einzige Schiff des Projekts 20I. Nach den schlechten Erfahrungen mit den Flottillenführern der Leningrad-Klasse (Projekt 1), den ersten größeren Kampfschiffen, die in der Sowjetunion entworfen worden waren, suchte man Unterstützung bei ausländischen Werften. Gebaut werden sollte ein Schiff, dass den französischen Großzerstörern ähnelte, d.h. ein Schiff, dass größer als ein Zerstörer war und teilweise die Eigenschaften eines Kreuzers aufwies. Angebote französischer Werften erwiesen sich als zu teuer. Deshalb erhielt die italienischen Werft OTO den Auftrag. Deren Entwurf stützte sich auf Planungen für ein Spähschiff (Esploratori oceanici) für die italienische Marine, mit der diese auf die französischen Großzerstörer der Le Fantasque-Klasse reagieren wollte. Das Ergebnis war ein sehr schnelles Schiff mit einer starken Artillerie- und Torpedobewaffnung. Es erhielt auch eine relativ starke Flak, die allerdings sehr nahe zusammen um den Schornstein platziert wurde und deshalb relativ leicht durch einen einzigen Treffer ausgeschaltet werden konnte. Der Rumpf erwies sich als zu leicht gebaut. Die Taschkent wurde in Italien gebaut, aber die Bewaffnung erhielt sie erst in Nikolajew. Provisorisch wurden drei 13 cm-Einzellafetten montiert bis die geplanten 13 cm-Zwillingstürme 1941 verfügbar waren und eingebaut werden konnten. 1941 erhielt sie auch auf dem Achterdeck eine zusätzliche 7,62 cm-Zwillingsflak.

In der Sowjetunion wurde der Entwurf zum etwas kleineren Projekt 48 (Kiew-Klasse) weiter entwickelt, von der 12-14 Schiffe gebaut werden sollten. Nur drei oder vier Schiffe wurden begonnen, deren Bau aber während des Zweiten Weltkriegs aufgegeben werden musste. In Italien wurde der Entwurf zu den Spähschiffen (und späteren Leichten Kreuzern) der Capitani Romani-Klasse weiter entwickelt.

Die Taschkent war 139,7 m lang, 13,7 m breit und verdrängte 4175 t. Der Antrieb erfolgte über vier Kessel und zwei Dampfturbinensätze, die insgesamt 130.000 PS leisteten, womit bei den Probefahrten 43,5 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 250 Mann.

Bewaffnung 1942
6 x 13 cm L/50 (drei B-2L Zwillingstürme)
2 x 7,62 cm L/55 39-K (eine Zwillingslafette)
6 x 3,7 cm L/67 70-K (Einzellafetten)
6 x 1,27 cm DShK-Maschinengewehre (Einzellafetten)
9 x 53,3 cm-Torpedorohre (drei Drillingsrohre)
110 Minen
Wasserbomben

Die Taschkent wurde 1937-39 von OTO in Livorno gebaut. Sie wurde im Mai 1939 in Odessa übergeben und dann bis Oktober in Nikolajew fertig ausgerüstet. Anschließend wurde sie Teil der Schwarzmeerflotte und erhielt wegen ihrer blauen Farbe den Spitznamen "Blauer Kreuzer". Von Februar bis Juni 1941 erhielt sie in Nikolajew die 13 cm-Zwillingstürme und neue Flak. Zum Zeitpunkt des deutschen Angriffs am 22. Juni lag sie noch in der Werft, wurde aber im Juli noch nicht komplett fertig nach Sewastopol überführt, wo sie bis Mitte August voll einsatzfähig gemacht wurde. Die Taschkent wurde darauf primär zur Versorgung von belagerten Stützpunkten und zum Landzielbeschuss eingesetzt, u.a. zur Unterstützung des belagerten Odessa. Dort wurde sie am 30. August 1941 durch einen Nahtreffer von einem deutschen Junkers Ju 88-Bomber beschädigt, wobei drei Mann der Besatzung getötet wurden, die Steuermaschine ausfiel und achtern ein 2 x 4 m großes Loch in die Außenhaut gesprengt wurde. Sie musste von September bis Oktober in Sewastopol repariert werden, wobei auch die zusätzliche 7,62 cm-Zwillingsflak eingebaut wurde.

Anschließend diente die Taschkent zur Unterstützung des inzwischen belagerten Sewastopols durch Landzielbeschuss, den Transport von Truppen nach Sewastopol und der Evakuierung Verwunderter auf der Rückfahrt (insgesamt 17 Fahrten). Am 18. Juni schleppte sie den durch Luftangriffe beschädigten Flottillenführer Charkow ein. Bei ihrer letzten Fahrt aus Sewastopol hatte sie 2100 Mann an Bord, als sie am 28. Juni 1942 von deutschen Bombern schwer beschädigt wurde. Der Zerstörer Soobrazitelny übernahm 1975 Verwundete. Mit 1900 t Wasser an Bord konnte sie von den Zerströrer Bditelny nach Noworossijsk eingebracht werden, wo sie durch einen weiteren deutschen Bombenangriff von Heinkel He 111 H-6 des I./KG 100 am 2. Juli 1942 versenkt wurde. Dabei starben 76 Mann der Besatzung und 77 wurden verwundet. Das Wrack wurde 1944 gehoben und 1946-48 abgewrackt.

Das Modell

Von der Taschkent gibt es im Maßstab 1/700 meines Wissens zwei Bausätze: von Kombrig und von ŘOP o.s. (früher Samek). Der Bausatz von Kombrig hat besser detaillierte Kleinteile, es fehlen aber Fotoätzteile. Die Gussqualität ist sehr gut, die Verpackung der Kleinteile ist aber weniger gut. Bei meinem Bausatz waren z.B. fast alle Rohre der 3,7 cm-Flak abgebrochen, ebenso war eine der Ankerklüsen beschädigt.

Die Masten habe ich aus Metallteilen gebaut. Die Rohre der 13 cm-Geschütze habe ich durch 12,7 cm L/51-Messingrohre von Master für US Navy-Schiffe ersetzt, die Rohre der 7,6 cm-Geschütze wurden durch Messingrohre von Master für britische 12-Pfünder ersetzt. Die 3,7 cm-Geschütze erhielten neue Rohre aus Metallstäben. Aus Metallstäben wurden auch die Abstützungen der Brückenflügel ergänzt, der Schraubenschutz wurde mit Draht verfeinert. Die im Bausatz enthaltenen Scheinwerfer waren zu klein, weshalb ich sie durch welche aus der Restekiste ersetzt habe. Aus der stammt auch die Ankerkette und die Fotoätzteile für den Kran auf der Steuerbordseite. Die Peilantenne besteht aus Fotoätzteilen von GMM, die Rettungsringe sind bedruckte Fotoätzteile von NNT. Die Takelage ist aus UNI-Caenis 20 Denier-Fäden gemacht.

Die Taschkent wurde "Blauer Kreuzer" genannt, da sie mit einer blauen italienischen Farbe ausgeliefert wurde. Die Frage war dann natürlich, welcher Farbton benutzt wurde und ob dieser Anstrich 1942 noch erhalten war. In La mimetizzazione delle navi italiane 1940-1945 wird in einer Tabelle auf Seite 76 für die italienische Farbe "Azzuro" der Federal Standard 35352 als Äquivalent angegeben. Diese Farbe entspricht der Vallejo Model Color-Farbe 64 (906) Hellblau, die vom Farbton einem Bild ähnelt, das auf der Rückseite von Lider Taschkent (Gangut-Verlag) abgedruckt ist. Ich wählte diese, auch wenn nicht sicher ist, dass sie 1942 noch in dieser Farbe gestrichen war. Für die Decks benutze ich 139 (846) Mahagonibraun. Das Persenning habe ich mit 106 (971) Pastelolivgrün dargestellt.

Links ein Vergleich mit zwei ähnlichen Schiffen, dem niederländischen Leichten Kreuzer Hr. Ms. Tromp (1938, Niko Model) und dem französischen Großzerstörer Le Terrible (1936, Niko Model). Rechts ein Vergleich mit dem zeitgenössischen US-amerikanischen Zerstörer USS Ellet (1939, Midship Models) und dem britischen Schweren Kreuzer HMS Exeter (1931, ŘOP o.s). Schiffe, wie die Taschkent, lagen von der Größe und Kampfkraft zwischen Zerstörern und Kreuzern.

Links noch ein Vergleich mit zwei Kreuzern aus dem Ersten Weltkrieg, dem Leichten Kreuzer HMS Glasgow (1910, Kombrig) und dem Geschützten Kreuzer SMS Emden (1909, HP Models). Rechts ein Vergleich mit zwei Schiffen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, dem Flottillenführer MMI San Marco (1956, Niko Model) sowie dem Lenkwaffenzerstörer (auch ursprünglich als Flottillenführer klassifiziert) USS Preble (1960, Niko Model).

Quellen

Lars