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Italienische Fregatte Carlo Margottini (1/700, Gwylan Models) von Lars Scharff Drucken
Montag, 12. Oktober 2015 um 05:00

 

12.10.1940 - 75 Jahre Schlacht bei Kap Passero

 

Heute vor 75 Jahren, am 12. Oktober 1940 kurz nach Mitternacht, trafen vier italienische Zerst├Ârer und drei Torpedoboote bei Kap Passero an der S├╝dostspitze Siziliens auf den britischen Leichten Kreuzer Ajax (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Die drei Torpedoboote Airone, Alcione und Ariel (alle Spica-Klasse) unter dem Kommando von Alberto Banfi ├╝berraschten die Ajax (Leander-Klasse) mit einem Torpedoangriff, aber alle Torpedos verfehlten den Kreuzer. Mit ihren 10 cm-Gesch├╝tzen trafen die Torpedoboote die Br├╝cke sowie verursachten einen Brand im Rumpf. Die Ajax schlug allerdings sehr effektiv zur├╝ck und versenkte Ariel und Arione mit Gesch├╝tzfeuer. Darauf griffen die vier Zerst├Ârer Artigliere, Geniere, Camicia Nera und Aviere (alle Soldati-Klasse) des 11. Zerst├Ârergeschwaders an, vers├Ąumten aber ihren Angriff zu koordinieren. Die Aviere wurde von der Ajax besch├Ądigt und musste sich zur├╝ck ziehen. Nur Artigliere gelang es mit ihren 12 cm-Gesch├╝tzen einige Treffer auf der Ajax zu erzielen, bevor sie von dieser zu einem brennenden Wrack zusammen geschossen wurde. Die besch├Ądigte Ajax zog sich darauf zur├╝ck, worauf die Camicia Nera versuchte die Artigliere abzuschleppen. Am n├Ąchsten Morgen wurden sie aber von dem britischen Schweren Kreuzer York sowie den Leichten Kreuzern Gloucester und Liverpool entdeckt. Die Camicia Nera konnte entkommen, aber die fahrunf├Ąhige Artigliere wurde von der York versenkt. Der Befehlshaber des 11. Zerst├Ârergeschwaders und Kapit├Ąn der Artigliere war Carlo Margottini. Er starb auf der Br├╝cke durch das Feuer der Ajax. Nach ihm wurde eine 1957-62 gebaute Fregatte der Bergamini-Klasse sowie eine neue 2010-14 gebaute Fregatte der FREMM-Klasse benannt.

Das Original

Die Carlo Margottini ist die dritte italienische Fregatte des FREMM (Fregata Multi-Missione bzw. Fr├ęgate Multi-Mission)-Typs. Nach der erfolgreichen Kooperation der franz├Âsischen und italienischen Marine bei den auf Flugabwehr spezialisierten Lenkwaffenzerst├Ârern (Fregatten) der Horizon/Orizzonte-Klasse wurde die Zusammenarbeit auch bei einer neuen Fregatten-Klasse fortgesetzt. Die franz├Âsische Marine ben├Âtigt Ersatz f├╝r die U-Jagdschiffe der Tourville- und Georges Leyques-Klasse sowie die Flugabwehrschiffe der Cassard-Klasse. Auf italienischer Seite m├╝ssen die Fregatten der in den 1980ern gebauten Lupo- und Maestrale-Klasse ersetzt werden. Entsprechend sind mehrere Varianten vorgesehen: f├╝r die franz├Âsische Marine eine U-Jagd- und eine Flugabwehrvariante (FREDA), f├╝r die italienische Marine eine Mehrzweck-, U-Jagd- und eventuell eine Flugabwehrvariante.

Die Fregatten haben einen gemeinsamen Rumpf. Auch einige andere Baugruppen sind identisch, z.B. der Bugsonar und Teile der Bewaffnung. Erhebliche Unterschiede gibt es bei den Aufbauten. Bei den italienischen Schiffen werden diese von dem Turmfockmast mit dem passiv phasengesteuerten (phased aray) EMPAR-Radar dominiert. Die bisherigen franz├Âsischen Schiffe haben stattdessen einen deutlich niedriger angebrachten, aktiv phasengesteuerten, pyramiden-f├Ârmigen Herakles-Radar. Bei den italienischen Schiffen f├Ąllt auf, dass im Gegensatz zur Horizon/Orizzonte-Klasse kein zweiter weitreichender Suchradar zur Erg├Ąnzung des kurzwelligen EMPAR vorhanden ist - lediglich SPS-791 f├╝r die Detektion von Schiffen und SPN-730 als Navigationsradar.

F├╝r die italienische Marine sollen zehn Schiffe als Ersatz f├╝r die zw├Âlf noch in Dienst befindlichen Fregatten der Lupo (Artigliere)- und Maestrale-Klasse gebaut werden: sechs der Mehrzweckvariante und vier der U-Jagd-Variante. Fertig gestellt bzw. im Bau befinden sich vier Schiffe der Mehrzweckvariante (Carlo Bergamini (F 590), Luigi Rizzo (F 595) sowie die noch nicht benannten F596-F597) und vier der U-Jagd-Variante (Virginio Fasan, Carlo Margottini, Carabiniere und Alpino (F 591-594)). Beide Varianten ├Ąhneln sich ├Ąu├čerlich stark, weisen aber einige Unterschiede auf:

  • Buggesch├╝tz: Die Mehrzweckvariante ist mit einem 12,7 cm-Gesch├╝tz ausger├╝stet, das auch pr├Ązisionsgelenkte Vulcano-Munition mit bis zu 120 km Reichweite verfeuern kann. Damit k├Ânnen auch Landziele bek├Ąmpft werden. Die U-Jagd-Variante hat stattdessen ein zweites 7,62 cm-Gesch├╝tz.
  • Teseo-Starter mittschiffs: Die Mehrzweckvariante verf├╝gt ├╝ber vier Zwillingsstarter f├╝r Teseo Mk2 Block IV-Raketen, die gegen Schiffe und Landziele gerichtet sind. Bei der U-Jagd-Variante sind vier dieser Raketen durch Milas-U-Jagd-Raketen ersetzt. Diese Torpedo-tragende Rakete kann aus den gleichen Startern abgefeuert werden.
  • Torpedorohre: Als Kompensation f├╝r die schw├Ąchere U-Jagd-Ausstattung hat die Mehrzweckvariante Drillingstorpedorohre, w├Ąhrend die U-Jagd-Variante nur Zwillingsrohre hat - beide hinter Klappen in den Aufbauten aufgestellt.
  • SLAT-Torpedoabwehrsystem: dieses ist nur auf der U-Jagd-Variante vorhanden und besteht aus Sensoren sowie T├Ąuschk├Ârperwerfern, wobei nur letztere sichtbar sind.
  • Heckklappe: Dahinter ist bei der Mehrzweckvariante eine Ausbringvorrichtung f├╝r zus├Ątzliche Beiboote angebracht, w├Ąhrend dort bei der U-Jagd-Variante der variable Tiefensonar aufgestellt ist.

Beide Varianten sind daf├╝r ausgelegt, mit Sylver A-70-Senkrechtstartern f├╝r SCALP Naval-Marschflugk├Ârper nachger├╝stet zu werden, was die Offensivf├Ąhigkeiten weiter steigern w├╝rde. Im Vergleich zum urspr├╝nglichen Zustand der Carlo Bergamini werden alle Schiffe achtern um 3,5 m verl├Ąngert, um auch die EH-101-Transporthubschraubervariante einsetzen zu k├Ânnen. Die letzten beiden Schiffe der Mehrzweckvariante werden wahrscheinlich mit verbesserten Flugabwehrf├Ąhigkeiten ausgestattet werden.

Die Carlo Margottini ist 144,6 m lang, 19,7 m breit und verdr├Ąngt 6700 t. Der Antrieb besteht aus vier Dieselmotoren, die Strom u.a. f├╝r zwei Elektromotoren erzeugen, die zwei Schrauben antreiben. F├╝r die Maximalgeschwindigkeit wird eine Gasturbine zugeschaltet. Insgesamt leistet diese Antriebsanlage 57.650 PS, womit 27 kn erreicht werden. Die Besatzung setzt sich aus 165-167 Mitgliedern zusammen, wobei Unterbringungsm├Âglichkeiten f├╝r 200 Personen vorhanden sind.

Bewaffnung
2 x 7,62 cm L/62 SR Strales Oto Melara
2 x 2,5 cm L/80 OTO Melara KBA
2 Zwillingsstarter f├╝r Teseo Mk2 Block IV-Antischiffsraketen (auch gegen Landziele)
2 Zwillingsstarter f├╝r Milas-U-Jagd-Raketen
1 16fach Sylver A-50-Senkrechtstarter f├╝r Aster 15 und 30-Flugabwehrraketen (Platz f├╝r einen zus├Ątzlichen 16fach Sylver A-70 vorhanden, der auch SCALP-Marschflugk├Ârper verfeuern k├Ânnte)
4 x 32,4 cm-Torpedorohre (zwei Zwillinge f├╝r MU-90-Torpedos)
2 NHIndustries SH-90A (NH90 NFH)-Bordhubschrauber oder ein SH-90A und ein WestlandAugusta EH101-Bordhubschrauber

Die Carlo Margottini (F592) wurde von Fincantieri in Riva Trigoso und Muggiano 2010-14 gebaut. Sie geh├Ârt zur COMGRUPNAV UNO und ihr Heimathafen ist La Spezia.

Das Modell

Gwylan Models hat ihren 2013 erschienen Bausatz der italienischen FREMM-Klasse noch einmal massiv ├╝berarbeitet. Der neue Bausatz beruht auf einem verbesserten Urmodell, dessen Oberfl├Ąchen deutlich glatter sind - es gibt aber immer noch einige Stellen, an denen man sieht, dass es urspr├╝nglich mal gedruckt wurde. Hier wurde auch der verl├Ąngerte Rumpf ber├╝cksichtigt. Ein gr├Â├čerer Teil der Kleinteile ist als Extrateile ausgef├╝hrt, so dass diese besser detailliert ausfallen. Auch die Foto├Ątzteile wurden verbessert, insbesondere in Bezug auf den Mast. Statt eines EH-101-Hubschraubers sind bei dem neuen Bausatz zwei SH-90A (NH-90) enthalten. Neu ist auch, dass sowohl die Mehrzweck- als auch die U-Jagd-Variante gebaut werden kann und dass Abziehbilder f├╝r die ersten sechs Schiffe der Klasse beiliegen: Carlo Bergamini (F 590), Virginio Fasan (F 591), Carlo Margottini (F 592), Carabiniere (F 593), Alpino (F 594) und Luigi Rizzo (F 595).

Da ich bereits aus dem alten Bausatz die Carlo Bergamini der Mehrzweckvariante gebaut hatte, entschied ich mich dieses Mal f├╝r die U-Jagd-Variante. Dabei viel meine Wahl auf die Carlo Margottini. Das Modell l├Ąsst sich sehr gut bauen. Die Passgenauigkeit ist ├╝berwiegend sehr gut. Vorbildlich sind die Passstifte, die den Zusammenbau stark erleichtern. Weniger gut war die Gussqualit├Ąt meines Exemplars. An vielen Teilen waren Luftblasen, die sich teilweise erst nach dem Vers├Ąubern gezeigt haben. Auch die Mastspitze war nicht einfach zu bauen. Die L├Âsung, dass die senkrechten Antennen am Mast aus zwei Teilen bestehen, die zusammengeklebt werden und dann nach oben bzw. nach unten gebogen werden, ist nicht optimal. In der Mitte entsteht so leicht eine h├Ąssliche L├╝cke. Hier k├Ânnen eventuell bessere Ergebnisse erzielt werden, wenn man diese Antennen aus Draht selbst zurecht schneidet und an die fotoge├Ątzten Halterungen klebt (und von diesen nur ein Teil verwendet). Auch die Passgenauigkeit dieser Teile am Mast war nicht gut. Auch die seitlichen Netze am Flugdeck haben nicht gepasst. Zwei Elemente mussten jeweils entfernt werden.

Bei diesem Modell habe ich eine der Beibootbuchten offen gezeigt. Dazu kam auf dieses Modell einer der SH-90A (NH-90) aus dem Bausatz, um mehr Unterschiede zur Carlo Bergamini aufzuweisen, auf der ein EH-101 auf dem Hubschrauberdeck steht.

Am Gro├čmast habe ich eine Radarantenne vorne auf der unteren Plattform erg├Ąnzt, von der nur der Unterbau im Bausatz enthalten ist. Auch die Antenne des unteren Radars (SPN-730?) auf den Plattformen hinter dem Mast fehlte, so dass ich sie selbst bauen musste. Um die NA25X-Feuerleitradarger├Ąte auf der Br├╝cke bzw. vor dem 7,62 cm-Gesch├╝tz auf dem Hangar habe ich noch Plattformen angebracht.

Das Modell wurde mit Acrylfarben von Vallejo Model Color bemalt. Die Seiten sind mit 153 Hellblaugrau und die Decks mit 160 Neutralgrau gestrichen. Das Hubschrauberdeck ist dunkler, was ich mit 166 Dunkelgrau dargestellt habe. Die Vertiefungen sind mit Vallejo Model Wash 76 515 Light Grey betont. Die Br├╝ckenfenster und die Fenster des SH-90A sind mit einem Uni Pin Fine Line 0,1 mm von Mitsubishi Pencil aufgemalt.

Hier ein Vergleich der Carlo Margottini (F 592) der U-Jagd-Variante mit ihrer Schwester Carlo Bergamini (F 590) der Mehrzweckvariante:

Als n├Ąchstes ein Vergleich mit zwei Schiffen einer Generation davor, der 1986 fertig gestellten Fregatte USS Reuben James (FFG-57) der Oliver Hazard Perry-Klasse (Revell-Bausatz) und des 1980 fertig gestellten Zerst├Ârers USS Fletcher (DD-992) der Spruance-Klasse (Umbau aus Fujimi- und Dragon-Bausatz):

Hier die Carlo Margottini zusammen mit dem 2007 fertig gestellten italienischen Lenkwaffenzerst├Ârer Andrea Doria (D 553) der Horizon-Klasse (Delphis Bausatz) und dem 2004 fertig gestellten d├Ąnischen Unterst├╝tzungsschiff Absalon (L 16) der gleichnamigen Klasse (NNT Bausatz):

Zum Abschluss ein Vergleich der 6700 t verdr├Ąngenden Fregatte Carlo Margottini mit zwei Schiffen der gleichen Generation, die ebenfalls als Fregatten klassifiziert sind bzw. eventuell bald so klassifiziert werden: der 3200 t schweren singapurischen Fregatte RSS Tenacious (F71) der Formidable-Klasse (gedrucktes Modell von Dutch Fleet Naval Miniatures) und der 3500 t schweren USS Freedom (LCS-1) der gleichnamigen Klasse (Dragon Bausatz).

Quellen

Lars