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Amerikanische Fregatte Freedom (1/700, CyberHobby) von Lars Scharff Drucken
Dienstag, 11. Juni 2013 um 06:00

Das Original

Die Freedom ist das Typschiff einer der beiden Klassen von Littoral Combat Ship der US Navy. Damit stellt sich die Frage, was ein Littoral Combat Ship, auf Deutsch etwa Kampfschiff f├╝r K├╝stenregionen, ├╝berhaupt ist. Eine Antwort darauf ergibt sich daraus, welche Schiffe die Freedom-Klasse (und der Alternativentwurf die Independence-Klasse) ersetzen: die Lenkwaffenfregatten der Oliver Hazard Perry-Klasse.

Diese waren als billige Geleitschiffe entworfen worden, um in hohen St├╝ckzahlen gebaut zu werden. Urspr├╝nglich waren es Mehrzweckschiffe mit Bewaffnung gegen Flugzeuge, Schiffe und U-Boote. Nach Ausbau des Raketenstarters bleiben aber nur ein Gesch├╝tz, Nahbereichsabwehr und zwei Bordhubschrauber. Dies entspricht in etwa der Grundbewaffnung der Freedom-Klasse. In dieser Konfiguration dienen die Schiffe der Oliver Hazard Perry-Klasse (und k├╝nftig die Freedom-Klasse) dazu global Pr├Ąsenz zu zeigen sowie der Seeraumkontrolle (z.B. zur Durchsetzung von Embargos und der Bek├Ąmpfung von Piraten) und Aufkl├Ąrung. Sie sind nicht in der Lage alleine in Zonen hoher Bedrohung zu operieren, da sie hierf├╝r zu schwach bewaffnet sind.

Die US Navy entschied sich aber nicht f├╝r eine typische Mehrzweckfregatte oder - als billigere Variante - ein relativ hoch entwickeltes Hochseepatrouillenschiff (OPV, wie z.B. die niederl├Ąndische Holland-Klasse, viel mehr sind die Schiffe der Oliver Hazard Perry-Klasse heute auch nicht mehr). Stattdessen wurde ein Typ entworfen, der sowohl f├╝r Operationen in k├╝stennahen Regionen als auch f├╝r die Unterst├╝tzung von Tr├Ągerkampfgruppen geeignet sein soll. Aus drei Entw├╝rfen wurden zwei ausgew├Ąhlt, die bisher parallel gebaut werden: die Freedom-Klase von Lockheed Martin, Gibbs & Cox und Marinette Marine (Teil des italienischen Fincantieri-Konzerns) sowie die Independence-Klasse von General Dynamics und dem australischen Austral-Konzern. Der neue Typ ist keine Mehrzweckvariante, obwohl er verschiedene Aufgaben wahrnehmen soll: U-Jagd, Bek├Ąmpfung kleiner Schiffe und Boote sowie Minenjagd. Die Freedom-Klasse (und die Independence-Klasse) k├Ânnen jeweils nur eine dieser Aufgaben wahrnehmen, wof├╝r sie mit spezialen Modulen ausger├╝stet werden. Die Idee der Module geht auf das STANFLEX-Konzept der d├Ąnischen Marine zur├╝ck, wie es auf der Flyvefisken- und Absalon-Klasse zum Einsatz kommt. Bei der Freedom-Klasse st├╝tzen sich die einzelnen Module auf die mitgef├╝hrten Sensoren, Bewaffnung, Drohnen und Hubschrauber. Diese - und die dazugeh├Ârigen Spezialisten - m├╝ssen f├╝r die jeweilige Aufgabe ausgetauscht werden - was mindestens einen Tag brauchen soll und nur im Hafen erfolgen kann. Das Minenjagdmodul soll der Klasse auch erm├Âglichen, die Minenjagdboote der Avenger-Klasse zu ersetzen. Ein weiteres Merkmal des neuen Konzepts ist der Rumpf, der f├╝r sehr hohe Geschwindigkeiten in flachen Gew├Ąssern ausgelegt ist. Dieser beruht auf dem Rumpf der von Fincantieri gebauten Rennyacht Destriero, der 1992 die schnellste ├ťberquerung des Atlantiks mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von 53,1 kn gelungen ist. Wof├╝r die hohe Geschwindigkeit in Zeiten von Raketen und Flugzeugen notwendig ist, ist eine interessante Frage - eventuell, um schneller einen Hafen zu erreichen, um die Module austauschen zu k├Ânnen...

Die Schiffe der Freedom-Klasse sind also im Endeffekt auch nur Fregatten, die billig und in gro├čen St├╝ckzahlen produziert werden sollen, um der US Navy zu erm├Âglichen, global Pr├Ąsenz zu zeigen. Es sind aber keine klassischen Mehrzweckfregatten, sondern erhalten Module, mit denen sie alternativ zur U-Jagd, der Bek├Ąmpfung kleiner Schiffe und Boote oder zum R├Ąumen von Minen eingesetzt werden k├Ânnen. Die Bewaffnung f├Ąllt dabei minimal aus. Weiterreichende Raketen und Flugabwehr, die ├╝ber eine Nahbereichsabwehr hinausgeht, fehlen. Auch die Sensoren sind eher minimal, die Schiffe d├╝rften stark von Informationen aus anderen Quellen abh├Ąngig sein. Man k├Ânnte diese Fregatten auch als eine etwas seltsame Mischung aus einem Schnellboot (hohe Geschwindigkeit), einem Kanonenboot (minimale Bewaffnung, f├╝r Eins├Ątze ohne hohe Bedrohung ausgelegt), einem Minenjagdboot (alternatives Modul) und einem kleinen Hubschraubertr├Ąger (relativ gro├čer Hangar und Flugdeck) betrachten...

Das Konzept der Littoral Combat Ship ist massiv in Kritik geraten. Der Ansatz mit den Modulen und relativ geringer Bewaffnung sollte f├╝r niedrige Kosten und damit hohe St├╝ckzahlen sorgen. Vier Schiffe der Freedom-Klasse sollten f├╝r den Preis eines Schiffs der Arleigh Burke-Klasse gebaut werden. Freedom selbst hat aber etwa 477 Millionen Euro gekostet, w├Ąhrend die zuletzt in Auftrag gegeben Schiffe der Arleigh Burke-Klasse etwa 503 bis 537 Millionen Euro kosten. Aufgrund der hohen Kosten wurden zeitweise die Folgeschiffe sowohl der Freedom- als auch der Independence-Klasse gestrichen und die Vertr├Ąge neu verhandelt. Der Preis soll auf 330 Millionen Euro pro Schiff sinken, was bedeuten w├╝rde, dass man f├╝r den Preis eines wesentlich st├Ąrker bewaffneten Zerst├Âres der Arleigh Burke-Klasse 1,5 Schiffe der Freedom-Klasse bekommt... Trotzdem wurden von der Freedom-Klasse bisher acht Schiffe bestellt: Freedom (LCS-1), Fort Worth (LCS-3), Milwaukee (LCS-5), Detroit (LCS-7), Little Rock (LCS-9), Sioux City (LCS-11), Wichita (LCS-13) und Billings (LCS-15) (man beachte den Schwenk auf St├Ądtenamen nach dem Typschiff). Die ersten beiden Schiffe sind bereits in Dienst.

Dazu sind auch die Module selbst in Kritik, da die Schiffe f├╝r die verschiedenen Einsatzwecke umger├╝stet werden m├╝ssen - z.B. die Freedom ausger├╝stet mit einem Anti-Schiffs-Modul h├Ątte gegen U-Boote schlechte Karten und bis sie umger├╝stet w├Ąre (falls sie nicht schon von dem U-Boot versenkt worden w├Ąre), h├Ątte sich die taktische Situation schon wieder komplett ver├Ąndert. Von drei Modulen ist bisher auch nur das Anti-Schiffs-Modul teilweise einsatzbereit. Dieses setzt sich aus zwei 3 cm-Kanonen, einem MH-60R-Hubschrauber (mit Hellfire-Raketen) und zwei MQ-8B Fire Scout-Drohnen zusammen. Nachdem die NLOS-Raketen nicht gebaut werden, fehlt der Klasse weiterreichende Raketen gegen Schiffe und Landziele. Wahrscheinlich werden sie mit AGM-176 Griffin-Raketen ausger├╝stet, die ├╝ber nur sehr geringe Reichweite verf├╝gen. Das U-Jagd-Modul soll auf einem Schlepp- und einem Tiefensonar sowie zwei MH-60R-Hubschraubern (ausger├╝stet zur U-Jagd) bestehen. F├╝r die Minenjagd sollen sie Minenjagddrohnen erhalten. Dazu sollten MH-60S-Hubschrauber mit Minenr├Ąumschlitten zum Einsatz kommen. Diese Hubschrauber sind aber f├╝r die vorhandenen Schlitten zu schwach motorisiert, weshalb Alternativen entwickelt werden m├╝ssen.

Die Klasse ist stark auf Automatisierung ausgelegt, wodurch die Zahl der Besatzung reduziert werden sollte. Anscheinend ist man zu weit gegangen, da es eine Reihe von Beschwerden der Besaztung gab und die Besatzung der Freedom f├╝r die Entsendung nach Singapur vergr├Â├čert wurde (und das Schiff mit zus├Ątzlichen Wohnmodulen ausgestattet wurde). Die Klasse ist, da sie auf Geschwindigkeit optimiert wurde, auch relativ leicht gebaut, d.h. die Standfestigkeit im Falle von Treffern d├╝rfte sehr gering sein. Die Verwendung von Aluminium bei den Aufbauten erh├Âht dazu die Brandgefahr. Bei der Freedom gab es dazu auch Probleme mit Rissen und Vibrationen, die z.B. ein genaues Zielen mit der 5,7 cm-Kanone bei hohen Geschwindigkeiten unm├Âglich machen.

Freedom ist 118,1 m lang, 17,6 m breit und verdr├Ąngt 3500 t. Der Antrieb erfolgt ├╝ber zwei Gasturbinen und zwei Diesel, die insgesamt 113 710 PS leisten und die vier Wasserstrahlantriebe antreiben. Bei den Probefahrten wurden 47 kn erreicht. Die Besatzung soll sich aus 75 Personen zusammensetzen, wovon 40-50 die Stammbesatzung darstellen, wozu noch die Spezialisten f├╝r die jeweiligen Module kommen. Inzwischen wurde die Besatzung auf 98 Personen erweitert.

Bewaffnung (Anti-Schiffs-Modul, 2013)
1 x 5,7 cm L/70 Mk 110-Gesch├╝tz
2 x 3 cm Mk 44 Bushmaster II-Gesch├╝tze
4 x 1,27 cm MG
1 21fach RAM-Nahbereichsabwehrraketenstarter
1 Sikorsky MH-60R Seahawk-Bordhubschrauber
2 Northrop Grumman MQ-8B Fire Scout-Drohnen (an Bord?)

Freedom wurde von 2005-08 von Marinette Marine (Teil des Fincantieri-Konzerns) in Marinette gebaut. In den folgenden Jahren wurde sie erprobt und diverse Probleme angegangen. Im M├Ąrz 2013 wurde sie zu ihrer ersten Einsatzfahrt nach Singapur abgeordnet, was sie im April erreichte. Allerdings gibt es immer noch Probleme, u.a. mit dem Antrieb.

Das Modell

Eigentlich hatten mich die beiden LCS-Klassen ├╝berhaupt nicht gereizt. Als dann erst das Ger├╝cht h├Ârte und dann die ersten Fotos der Freedom mit Tarnanstrich sah, fand ich dies dann doch so interessant, dass ich das Modell gebaut habe. Wo hat man den sonst noch die M├Âglichkeit, heutige (gr├Â├čere) Kampfschiffe mit mehrfarbigem Tarnschema zu bauen? Das Ziel war also ein Modell der Freedom im Zustand vom Fr├╝hjahr 2013.

Die Freedom habe ich aus dem Bausatz von CyberHobby/Dragon gebaut. Der Bausatz erm├Âglicht sowohl den Bau eines Wasserlinien- als auch eines Vollrumpfmodells. Der Grundteile sind gut detailliert, allerdings fallen die meisten kleinen Details wie Antennen, Scheinwerfer und MG viel zu gro├č und/oder zu dick aus.

Der Zusammenbau der Teile war unproblematisch. Die Stabantennen um den Schornstein herum habe ich durch d├╝nnere Drahtteile ersetzt. Die Unterbauten der beiden Antennen hinter dem Schornstein (Teile D25 und D26) habe ich aus Draht neu gemacht, da Dragon hierf├╝r genauso keine Foto├Ątzteile beigelegt hat, wie f├╝r die Antenne auf Teil D26 selbst. Insgesamt habe ich mich an Fotos orientiert, da es doch einige Ver├Ąnderungen in der noch kurzen Dienstzeit der Freedom gab - insbesondere bei den diversen Antennen.

Die Spritzgussteile f├╝r die MG sind viel zu gro├č, auch die Foto├Ątzteile sind eigentlich zu gro├č, insbesondere die Schutzschilder. Wer hier Alternativen hat, sollte diese benutzen. Ich habe die ├ätzteile aus dem Bausatz genommen - insbesondere, da dies nur ein kurzer Zwischendurchbau war. Um die achteren MG-Positionen auf dem Hangar habe ich aus Plastikplatten noch Schutzschilde erg├Ąnzt.

F├╝r den MH-60R Seahawk-Hubschrauber hat CyberHobby/Dragon den inzwischen sehr alten Spritzling mit westlichen Waffen und Ausr├╝stungsgegenst├Ąnden, der urspr├╝nglich von PitRoad stammt (neue Baus├Ątze von PitRoad selbst enthalten aber wesentlich bessere Teile), beigelegt. Dieser ist von der Form nicht stimmig und stellt auch keine MH-60R-Variante dar. Ich habe SH-60B Seahawk-Teile von Trumpeter benutzt, die schon die richtigen Modifikationen am Bug enthalten. Auf beiden Seiten habe ich Stummelfl├╝gel erg├Ąnzt, die mit angedeuteten Hellfire-Raketen ausger├╝stet wurden. Der eingeklappte Rotor ist ein Foto├Ątzteil von BJ-Modellbau. Die MQ-8 Fire Scout-Drohne stammt aus dem Bausatz der Coronado von CyberHobby (Dragon). F├╝r die Gitter am Hubschrauberdeck habe ich nicht die ├ätzteile aus dem Bausatz sondern welche von OceanSpirit benutzt.

Das Tarnschema besteht aus Vallejo 151 Grauweiss, 154 Signalgrau, aufgehellten 59 Franz├Âsisch Blau und 167 Anthrazitgrau. Die Decks sind mit 159 Staubgrau gestrichen. Die Abziehbilder f├╝r die Freedom selbst sind aus dem Bausatz. Die Markierungen f├╝r den Seahawk stammen aus der Restekiste - die von Dragon beigelegten sind High Viz-Markierungen! Die Markierungen f├╝r den Fire Scout sind aus dem Coronado-Bausatz.

Quellen:

Lars