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Deutscher Geschützter Kreuzer SMS Emden (1/700, HP Models) von Lars Scharff Drucken
Sonntag, 09. November 2014 um 06:00

 

09.11.1914 - 100 Jahre SMS Emden vs. HMAS Sydney

 

Heute vor 100 Jahre ging die Fahrt des bekanntesten deutschen Kreuzers aus dem Ersten Weltkrieg, der Emden, bei den Kokosinseln zu Ende (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Als die Emden die Kabelstation auf Direction Island zerstören wollte, konnte diese rechtzeitig um Hilfe rufen, worauf der australische Leichte Kreuzer Sydney von dem Geleit eines Truppentransportskonvois abgeordnet wurde und die Emden stellen und versenken konnte.

Das Original

Der Geschützte Kreuzer (Kleine Kreuzer) Emden gehörte zur Dresden-Klasse, die eine Weiterentwicklung der Königsberg-Klasse darststellte. Die Klasse fiel von den Abmessungen etwas größer aus, die Maschinen waren stärker und die Schornsteine standen wieder in gleichmäßigem Abstand. Mit der Dresden wurde erneut, wie schon zuvor auf Lübeck und Stettin, der Turbinenantrieb getestet. Emden dagegen erhielt, als letzter deutscher Kleiner Kreuzer, Dreifachexpansionsdampfmaschinen. Als die Dresden-Klasse geplant wurde, bauten nur wenige andere Marinen noch Kreuzer unterhalb der Größe der Panzer- und Schlachtkreuzer, u.a. die britische Marine, die mehrere Klassen von mit 10,2 cm-Geschützen bewaffneten Spähkreuzer erhielt. Diesen war die Dresden-Klasse überlegen. Allerdings wurde 1909, als die Emden fertig gestellt wurde, auch die ersten britischen Leichten Kreuzer der Town-Klassen, die Bristol-Klasse, auf Kiel gelegt, die wesentlich größer und stärker bewaffnet waren und eine größere Reichweite hatten. Dazu verfügten die letzten Zwölf dieser Kreuzer auch über einen Seitenpanzer. Es war ein Kreuzer der Town-Klassen, die 1913 fertig gestellte HMAS Sydney der Chatham-Klasse, der die Emden versenkte.

Die Emden war 118,3 m lang, 13,5 m breit und verdrängten voll beladen 4100 t. Sie wurde von zwölf Kesseln und zwei Dreifachexpansionsdampfmaschinen angetrieben, die 16 390 PS leisteten, womit sie 24,1 kn erreichte. Die Besatzung setzte sich aus 381 Mann zusammen.

Bewaffnung 1914
10 x 10,5 cm L/40
2 x 45 cm Torpedorohre C/03 (unter Wasser)

Emden wurde von 1906-09 auf der Kaiserlichen Werft in Danzig gebaut. Nach den Probenfahrten wurde sie zum Ostasiatischen Kreuzergeschwader abgeordnet. Anfang 1911 war sie an der Niederschlagung des Aufstands der Sokehs auf Pohnpei (eine Insel der Carolinen) beteiligt, 1913 bombardierte sie das Fort Tung-Lin-Chan, das von Rebellen während der Chinesischen Revolution gehalten wurde. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs war sie in Tsingtao. Schon am 4. August 1914 gelang es ihr den russischen Postdampfer Rjäsan (der spätere Hilfskreuzer Cormoran) zu erbeuten. Nachdem sie sich kurzzeitg den restlichen Schiffen des Ostasiatischen Kreuzergeschwader wieder angeschlossen hatte, wurde Emden zum Kreuzerkrieg in den Indischen Ozean entlassen, während das restliche Geschwader den Pazifik überquerte (siehe hier). Im Indischen Ozean versenkte Emden 15 Handelsschiffe und brachte sieben weitere auf. Dazu beschoss sie am 22. September 1914 die Öltanks des Hafens von Madras. Am 28. Oktober drang sie in den Hafen Penang ein und versenkte den russischen Geschützten Kreuzer Schemtschug (3153 t, 89 Mann der Besatzung starben) und den französischen Zerstörer Mousquet (310 t, 40 Tote).

Am 9. November griff die Emden die britische Funkstation auf Direction Island, eine der Kokosinseln, an, der es aber gelang den australischen Leichten Kreuzer Sydney zu Hilfe zu holen. Nach einem etwa 1,5stündigen Gefecht musste die Emden auf Strand gesetzt werden. Von der Besatzung der Emden starben 134 Mann, 197 Mann (darunter 65 Verwundete) wurden gefangen genommen. 50 Mann, die auf der Insel zur Zerstörung der Funkstation gelandet waren, konnten mit dem Schoner Ayesha entkommen und erreichten über die Arabische Halbinsel am 23. Mai 1915 Istanbul und wieder Anschluss an die deutsche Marine. Die Sydney wurde in dem Gefecht nur leicht beschädigt, vier Mann der Besatzung starben und 16 wurden verwundet.

Das Modell

Im Maßstab 1/700 gibt es aktuell zwei Bausätze der Emden: von Blue Ridge Models und von HP Models. Der Bausatz von Blue Ridge Models enthält die besseren 10,5 cm-Geschütze und recht gute, wenn auch nicht ganz vollständige Fotoätzteile. Dafür ist die Detaillierung des Rumpfs und der Aufbauten des Bausatzes von HP Models deutlich besser. Deshalb entschied ich mich, als Grundlage für mein Modell den Bausatz von HP Models zu nehmen.

Wie bei vielen Bausätzen von HP Models muss man auch hier die relativ dicken Angüsse unter den Decks abschleifen, also die Decks im Endeffekt dünner schleifen. Die Brücke selbst ist gut detailliert. Das Steuerhaus ist nach hinten offen und das Kartenhaus dahinter ist korrekt als davon getrennter Teil dargestellt - im Gegensatz zu dem Bausatz von Blue Ridge Models oder auch dem Bausatz von Revell im Maßstan 1/350. Dafür sind die Unterstände an den Brückenflügeln nicht ganz korrekt, da deren Dach fehlt, dafür aber eine beim Original nicht vorhandene Rückwand existiert. Die mit Persenning behängte Reling auf dem Peildeck habe ich aus Fotoätzteilen von OceanSprit gebaut, die mit Weißleim bestrichen wurde, um den angehängten Persenning darzustellen. Die Plattform des Peilkompass ist ein Fotoätzteil aus dem Bausatz von Blue Ridge Models, während die Plattform des achteren Feuerleitstands aus einer Plastikplatte besteht, die mit einer Lochzange ausgestanzt wurde. Deren mit Persenning behängte Reling wurde wie beim Peildeck der Brücke gebaut.

Die 10,5 cm-Geschütze in dem HP Models-Bausatz waren unbrauchbar: die Schutzschilde sind massive Blöcke, die hinten geschlossen sind, so dass der hintere Teil des Geschützes selbst gar nicht dargestellt ist. Dies ist, wie schon geschrieben, einer der Nachteile dieses Bausatzes im Vergleich zu dem von Blue Ridge Models. Die Geschütze habe ich deshalb neu gemacht und zwar aus folgenden Komponenten: britische 10,2 cm L/45-Rohre von Master (die sind halbwegs von den Abmessungen stimmig), fotogeätzte Schutzschilde von Blue Ridge Models (extra gekaufte Platinen aus den Bausätzen der Kleinen Kreuzer) und selbst gebaute Lafetten aus Plastikstäben und Platten. Die 5,2 cm-Geschütze habe ich weggelassen, da diese vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs ausgebaut wurden.

Die Masten habe ich aus Metall neu gebaut. Die Plattformen sind teilweise Fotoätzteile von Blue Ridge Models. Die Marsen und Fleckerstände sind aus Plastikplatten. Die Beiboote sind von Kombrig und sollen die im Kriegsfall reduzierte Belegung repräsentieren. Die drei geruderten Beiboote sind von Kombrig, das dampf-getriebene Beiboot ist eine modifiertes Boot aus dem HP Models-Bausatz. Hier sind die Ruderbänke entfernt und stattdessen eine Maschine eingebaut. Die Davits sind Fotoätzteile von Blue Ridge Models. Getakelt wurde die Emden mit schwarzem UNI-Caenis 20 Denier-Faden.

Die Emden ist mit Farben der Vallejo Model Color-Serie bemalt. Der untere Teil des Rumpfs ist mit 154 Signalgrau gestrichen, alle vertikalen Bereiche darüber mit 153 Hellblaugrau. Die Holzdecks sind mit 110 Achatgrau, die mit Linoleum belegten Decks mit 35 Schwarzrot und die Stahldecks mit 167 Anthrazitgrau bemalt. Den Persenning habe ich mit 106 Pastelolivgrün bemalt, um ihn von den umgebenden Stahlteilen zu unterscheiden.

Quellen

  • S.M.S. Emden (1909 bis 1914) Baupläne des Kleinen Kreuzers von Peter Huff, Kassel, 1996
  • S.M.S. Emden von Karl-Theo Beer und Helmut Debelius, Herford, 1992
  • SMS Emden (1908) (Wikipedia)
  • S.M.S. Emden (Kaiserliche Marine)
  • The Kaiser's pirates. German surface raiders in World War One von John Walter, London, 1994
  • Kleine Kreuzer 1903-1918. Bremen- bis Cöln-Klasse von Gerhard Koop und Klaus-Peter Schmolke, Bonn, 2004 (dieses Buch dürfte die meisten Leser ziemlich enttäuschen!)
  • Kleine Kreuzer der Kaiserlichen Marine 1898-1918. Aussagen hinterfragt; eine Gegenüberstellung mit britischen Konstruktionen von Axel Bader, Berlin, 2008
  • Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945, Band 1 von Erich Gröner, München, 1966
  • Die Deutschen Kriegsschiffe von Hans H. Hildebrand, Albert Röhr und Hans-Otto Steinmetz, Hamburg, 1988
  • Die Schiffe der Kaiserlichen Marine 1914-1918 und ihr Verblieb von Dieter Jung, Bonn, 2004
  • Conway’s All the World Fighting Ships 1906-1921 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 1992

Lars