Modellsuche

Suchen


Britischer Leichter Kreuzer HMS Southampton (1/700, HP Models) von Lars Scharff Drucken
Montag, 26. Januar 2015 um 06:00

 

24.01.1915 - 100 Jahre Schlacht auf der Doggerbank

 

Vor 100 Jahren diente der britische Leichte Kreuzer Southampton in der Schlacht auf der Doggerbank als Aufklärer und zur Artilleriebeobachtung für die Schlachtkreuzer (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Die Southampton war eines der aktivsten und am meisten ausgezeichnetsten Schiffe der Grand Fleet. Leichte Kreuzer wie sie lagen nicht meist im Hafen herum, wie die Schlachtschiffe, sondern nahmen an zahlreichen Vorstößen und Gefechten teil: die Southampton u.a. an der Schlacht von Helgoland 1914 (wo sie an der Versenkung des Geschützten Kreuzers Mainz beteiligt war), dem Versuch Hippers Schiffe nach dem Beschuss von Scarborough, Hartlepool, und Whitby abzufangen, der Schlacht auf der Doggerbank 1915 und der Schlacht von Skagerrak 1916 (wo sie den Zerstörer S 35 und den Geschützten Kreuzer Frauenlob versenkte).

Das Original

Nach dem klar wurde, dass durch die Konzentration auf den Bau von Schlachtkreuzern und Spähkreuzern (Scouts) es nicht möglich sein würde, ausreichend Kreuzer zu bauen, die es mit gegnerischen Kreuzern aufnehmen konnten, wurden die Leichten Kreuzer der Town-Klassen entworfen. Diese Kreuzer waren deutlich größer als die Spähkreuzer, so dass sie stärker bewaffnet und seetüchtiger ausfielen. Dadurch konnten sie sowohl aus Aufklärer für die Schlachtflotte in der Nordsee als auch für weltweite Einsätze zum Schutz der Handelswege dienen. Die Town-Klassen wurden laufend weiter entwickelt. Während die erste Klasse, die Bristol-Klasse, noch eine gemischte Bewaffnung aus 15,2 cm- und 10,2 cm-Geschützten erhielt, wurde bei der zweiten Klasse, der Weymouth-Klasse, eine einheitliche Bewaffnung aus 15,2 cm-Geschützen eingeführt. Da deren Seeeigenschaften noch nicht zufriedenstellend war, wurde das Backdeck der folgenden Klasse, der Chatham-Klasse, weit nach achtern verlängert. Dadurch konnte der Großteil der Geschütze ein Deck höher auf dem Backdeck aufgestellt werden. Dazu erhielt die Klasse einen Seitenpanzer.

Von dieser Klasse wurden drei Schiffe, Chatham, Dublin und Southampton, für die britische Royal Navy gebaut. Drei weitere wurden für die australische Marine gebaut: Sydney, Melbourne und Brisbane. Die Chatham-Klasse erwies sich als sehr gelungen, so dass die folgende Birmingham-Klasse sehr ähnlich ausfiel. Der deutlichste Unterschied war das zusätzliche 15,2 cm-Geschütz auf der Back, d.h. dort standen zwei Geschütze nebeneinander. Von dieser Klasse wurde Birmingham, Lowestoft und Nottingham für die britische Marine und Adelaide für die australische Marine gebaut. Ein weiteres Schiff, die Reina Victoria Eugenia, wurde für die spanische Marine nach einem leicht modifizierten Entwurf gebaut. Ebenfalls nach einem modifizierten Entwurf wurden zwei Schiffe für die griechische Marine gebaut, die mit zehn 14 cm-Geschützen bewaffnet waren. Diese wurden nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs für die britische Marine fertig und als Birkenhead und Chester in Dienst gestellt. Die Chatham- und Birmingham-Klasse stellte im Ersten Weltkrieg den Kern der Aufklärer der Grand Fleet und bewährte sich in dieser Rolle. Aber auch beim Handelschutz waren diese Kreuzer erfolgreich, z.B. versenkte die Sydney den deutschen Geschützten Kreuzer Emden, der zuvor den Indischen Ozean unsicher gemacht hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Kreuzer in Dienst behalten, da sie besser als die neueren Kreuzer der Arethusa-, C- und D-Klasse für weltweite Einsätze geeignet waren. Ende der 1920er und Anfang der 1930er wurden sie außer Dienst gestellt - nur Adelaide und die spanische Novarra (ex Republica ex Reina Victoria Eugenia) wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg außer Dienst gestellt.

Die Southampton war 139,6 m lang, 14,9 m beit und verdrängte voll beladen 6000 ts. Der Antrieb erfolgte mit zwölf Kesseln und zwei Dampfturbinensätzen, die insgesamt 25 000 PS leisteten, womit 25,5 kn erreicht wurden. Die Besatzung setzte sich 475 Mann zusammen.

Bewaffnung 1914
8 x 15,2 cm L/50 BL Mk XI (Einzellafetten, nach manchen Quellen auch L/45 BL Mk XII)
4 x 4,7 cm (3-Pfünder, Einzellafetten)
2 x 53,3 cm-Torpedorohre (seitlich, unter Wasser)

Die Southampton wurde 1911-12 von John Brown in Clydebank gebaut. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war sie Flaggschiff der 1st Light Cruiser Squadron der Grand Fleet unter Commodore Goodenough. Sie war Teil der Schiffe, die als Rückhalt für die Harwich Force während des Schlacht von Helgoland am 28. August 1914 bereit gehalten wurde. Da die Harwich Force nicht über ihre Anwesenheite informiert war, fiel Southampton fast einem Angriff des britischen U-Boots E6 zum Opfer. Andererseits konnte sie durch ihr Eingreifen die Harwich Force retten, insbesondere den bereits schwer beschädigten Leichten Kreuzer Arethusa. Zusammen mit Birmingham, Falmouth und Liverpool und der Harwich Force versenkte sie den deutschen Geschützten Kreuzer Mainz. Am 16. Dezember war sie zusammen mit Birmingham, Falmouth und Nottingham und Teilen der Grand Fleet auf See, um die deutschen Schlachtkreuzer abzufangen, die Scarborough, Hartlepool und Whitby beschossen hatten. Sie sichtete den deutschen Leichten Kreuzer Stralsund dieses Verbands, brach aber das Gefecht nach Signalfehlern ab, so dass die deutschen Schiffe entkommen konnten.

Am 24. Januar 1915 war ein ähnlicher Versuch erfolgreich: zusammen mit Birmingham, Lowestoft und Nottingham und der Harwich Force klärte Southampton für die Schlachtkreuzer auf, die versuchten Hippers Verband abzufangen. Dies gelang, aber nur der Panzerkreuzer Blücher konnte versenkt werden, während des Rest entkam - die Verfolgung war wegen eines erneuten Signalfehlers abgebrochen worden. Im Februar 1915 wurde Southampton Flaggschiff der 2nd Light Cruiser Squadron. Mit diesem Geschwader, genauer mit Dublin, Birmingham und Nottingham, diente sie in der Schlacht von Skagerrak am 31. Mai und 1. Juni 1916 der Aufklärung für die Schlachtkreuzer. Sie entdeckte als erstes die Hochseeflotte selbst, so dass es gelang, diese in einer Crossing the T-Position zu stellen. Um den Rückzug der Hochseeflotte zu decken, griffen sechs deutsche Torpedobootflottilen an. Die Southampton versenkte zusammen mit dem Schwesterschiff Dublin einen der angreifenden deutschen Zerstörer, die S 35. Nachdem sich die Hochseeflotte zurückgezogen hatte, wurde Southampton bei der Verfolgung in die Nachgefechte verwickelt. Zusammen mit ihrem Geschwader traf sie auf die IV. Aufklärungsgruppe mit den Geschützten Kreuzern Frauenlob, München, Hamburg, Stettin, und Stuttgart sowie dem Leichten Kreuzer Elbing. Sie und Dublin schalteten ihre Scheinwerfer an, während die anderen beiden britischen Kreuzer ihre ausgeschaltet ließen. In Folge konnte sie war zahlreiche Treffer auf den deutschen Kreuzern erzielen und die Frauenlob mit einem Torpedotreffer versenken, wurde aber selbst schwer getroffen. 37 Mann wurden getötet und 40 verwundet. Sie erreichte wegen der Beschädigungen als eines der letzten Schiffe ihren Stützpunkt.

1917 war sie erfolglos an Versuchen beteiligt, deutsche Schiffe abzufangen, die die Konvois nach Skandinavien angriffen. Ende 1917 bis 1919 war sie bei der 3rd Light Cruiser Squadron (nach anderen Angaben bei der 8th). Im Juli 1918 transportierte sie den First Lord of the Admiralty Sir Eric Geddes nach Murmansk während der britischen Intervention in den Russischen Bürgerkrieg. Nach dem Krieg, genauer 1919, wurde sie Flaggschiff der 7th Light Cruiser Squadron in Südamerika. 1921 wurde sie Flaggschiff der 4th Light Cruiser Squadron in Indien. 1924 wurde Southampton in die Reserve verlegt und 1926 zum Verschrotten verkauft.

Southampton erhielt drei Battle Honours: Heligoland 1914, Dogger Bank 1915 und Jutland 1916.

Das Modell

Die Southampton habe ich aus dem Bausatz des Schwesterschiffs Sydney von HP Models gebaut - einer der leider nur sehr wenigen Bausätzen von britischen Leichten Kreuzern aus dem Ersten Weltkrieg, die es im Maßstab 1/700 gibt. Leider habe ich nur sehr wenige Pläne und Fotos der Chatham-Klasse gefunden - obwohl mit der Southampton und Sydney dieser zwei der bekanntesten britischen Leichten Kreuzer der Epoche angehören. Es blieben so einige Fragen offen, insbesondere in Bezug auf die Details unterhalb des Brückendecks, der Feuerleitposition hinter den Schornsteinen und um den Großmast. Es fällt also etwas schwer, den Bausatz diesbezüglich zu bewerten. Es könnte sein, dass die festen Deckshäuser unter dem Brückendeck beim Original nicht existierten, der Unterbau der Feuerleitposition ganz anders aussah und der Bereich um den Großmast anders gestaltet war. Mangels besserer Informationen habe ich den Bausatz hier nicht abgeändert, nur ein paar Abstützungen des Brückendecks aus Metallstäben ergänzt.

Die beiden offensichtlichsten Probleme des Bausatzes sind die Geschütze und die Beiboote. Die Schilder der 15,2 cm-Geschütze sind hinten nicht offen, aber wegen der Form sind diese schwer selbst herzustellen. Ich habe sie so gelassen und nur das Rohr vorne gegen ein Messingrohr von Master ausgetauscht, genauer gegen Rohre aus dem Satz IJN 15cm/50 (6in) 41st Year Type - zumindest sehr ähnliche, wenn nicht identische Geschütze. Die 4,7 cm-Geschütze habe ich durch Fotoätzteile von Artist Hobby ersetzt (aus einem Satz mit 7,62 cm-Flak und 3-Pfünder-Geschützen). Die meisten Beiboote aus dem Bausatz waren komplett unbrauchbar, ich habe nur die beiden Motorboote genutzt und den Rest durch Beiboote von Kombrig ersetzt. An den Schornsteinen habe ich einige der Dampfrohre ergänzt (man könnte hier sehr viel mehr verbessern). Die Masten sind aus Metallstäben verschiedener Stärken neu aufgebaut, der Feuerleitstand am Fockmast ist aus dem Bausatz, erhielt aber noch ein Dach. Aus dem Fotoätzteilsatz der Chester von WEM stammen die fotogeätzten Davits, Semaphore, der Entfernungsmesser auf der Brücke und die Konstruktion, die verhinderte, dass das hintere 15,2 cm-Geschütz ins eigene Achterdeck schießen konnte. Getakelt habe ich, wie üblich, mit schwarzem UNI-Caenis 20 Denier-Faden, den ich mit einem Heißwachsspachtelgerät gespannt habe.

Der Anstrich der Southampton Anfang 1915 ist ein weiteres interessantes Thema, dass ich nicht abschließend klären konnte. Die Schiffe der Grand Fleet waren bei Beginn des Ersten Weltkriegs teilweise in einem sehr dunklen Grau gestrichen. Die meisten Fotos der Southampton aus der Epoche zeigen aber ein mittleres Grau. Ich habe mich deshalb für 158 Mittelgrau von Vallejo Model Color entschieden (auf den Fotos wirkt es heller als es ist). Aus der gleichen Serie stammen 110 Achatgrau und 162 Basaltgrau, die ich für die Holz- bzw. Stahldecks verwendet habe.

Hier noch ein Vergleich mit dem deutschen Geschützten Kreuzer Emden, der durch das Schwesterschiff der Souhampton, die Sydney, am 9. November 1914 versenkt worden war:

Quellen

Lars