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Deutscher Geschützter Kreuzer Mainz (1/700, Umbau Blue Ridge Models) von Lars Scharff Drucken
Freitag, 29. August 2014 um 05:00

 

28.08.1914 - 100 Jahre Schlacht von Helgoland (4000. Artikel)

 

In der ersten Phase der Schlacht von Helgoland am 28. August 1914 vor 100 Jahren (siehe Jahrestage auf Modellmarine) war es den Geschützten Kreuzern Frauenlob und Stettin gelungen den Großteil der deutschen Zerstörer der Vorpostenkette vor dem britischen Angriff zu retten. Acht weitere deutsche Geschützte und Leichte Kreuzer liefen zur Verstärkung aus, operierten aber nicht gemeinsam, sondern einzeln, so auch der Geschützte Kreuzer Mainz. Dies wurde ihm zum Verhängnis: die Mainz war alleine von der Emsmündung ausgelaufen, traf auf sechs britische Leichte Kreuzer und 31 Zerstörer und wurde nach einem einstündigen Gefecht versenkt.

Das Original

Die Mainz war einer von vier Geschützten Kreuzern (klassifiziert als Kleine Kreuzer) der Kolberg-Klasse. Diese 1907-10 gebaute Klasse bildeten den Abschluss der Entwicklungsreihe, die 1897 mit der Gazelle-Klasse begonnen und mit der Bremen-, Königsberg- und Dresden-Klasse fortgesetzt wurde. Die Kolberg-Klasse wurde im Vergleich zur Dresden-Klasse etwa zwölf Meter verlängert, so dass zwei weitere 10,5 cm-Geschütze untergebracht werden konnten. Dies war die erste Verstärkung der Hauptartillerie innerhalb dieser Entwicklungslinie. Dies war auch die erste Klasse, in der alle Schiffe mit Turbinen ausgerüstet wurden, wobei vier verschiedene Modelle getestet wurden.

Im Vergleich zur Gazelle-Klasse wurde bei der Kolberg-Klasse mit einer Zunahme der Verdrängung von etwa 66 % eine Erhöhung der Geschwindigkeit um bis zu 35% und eine Verstärkung der Geschützbewaffnung um 20% erreicht. Von den vier gebauten Schiffen - Kolberg, Mainz, Cöln und Augsburg - wurden zwei zu Beginn des Ersten Weltkriegs in der Schlacht von Helgoland versenkt. Die anderen beiden erhielten 1916-17 sechs 15 cm-Geschütze statt der 10,5 cm-Geschütze. Augsburg wurde nach dem Krieg (als japanische Kriegsbeute) abgewrackt, Kolberg war als Colmar bis 1927 bei der französischen Marine in Dienst.

Die Mainz war 130,5 m lang, 14,0 m breit und verdrängte 4915 t. Ihr Antrieb erfolgte über 15 Kessel und zwei Dampfturbinensätze, die insgesamt 28 886 PS leisteten, womit 27,2 kn erreicht wurden. Die Besatzung setze sich zum Zeitpunkt des Untergangs aus 437 Mann (367 Mann im ursprünglichen Zustand) zusammen.

Bewaffnung 1914
12 x 10,5 cm SK L/45
2 x 45 cm Torpedorohre (unter Wasser)

Die Mainz wurde 1907-09 von der A.G. Vulcan in Stettin gebaut und war in den folgenden Jahren bei den Aufklärungsgeschwadern der Hochseeflotte in Dienst. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde sie am 3. August 1914 zur Emsmündung verlegt, wo sie Teil der Sicherung der Deutschen Bucht wurde. Bei mehreren Unternehmungen, u.a. zwei Minenlegaktionen vor den Mündungen von Tyne und Humber, war sie als Sicherung beteiligt.

Am 28. August griff die Mainz in die Schlacht von Helgoland ein. Sie lief alleine von der Emsmündung aus und traf erst auf einen Teil der britischen Zerstörer, die an dem Angriff auf die deutsche Vorpostenkette beteiligt waren. Das Gefecht mit diesen musste Mainz abbrechen, als die vier britischen Leichten Kreuzer Southampton, Birmingham, Falmouth und Liverpool eingriffen. Bei dem Versuch vor diesen Kreuzern zu entkommen, traf sie auf die Leichten Kreuzer Arethusa und Fearless mit den restlichen britischen 20 Zerstörern. Die Mainz konnte die Zerstörer Laurel, Liberty und Laertes beschädigen, erhielt aber selbst mehrere Treffer, u.a. einen, der das Ruder verklemmte. Dadurch konnten die vier anderen britischen Leichten Kreuzer aufschließen. Die Mainz wurde zusammengeschossen und erhielt noch einen Torpedotreffer von dem Zerstörer Lydiard. Die überlebende Besatzung wurde von dem Zerstörer Lurcher, dem Flaggschiff von Keyes, und dem Leichten Kreuzer Liverpool aufgenommen. 89 Mann der Besatzung der Mainz starben, 348 gerieten in Gefangenschaft.

Das Modell

Aktuell (August 2014) gibt es noch keinen Bausatz der Kolberg-Klasse im Maßstab 1/700, so dass entweder ein kompletter Eigenbau oder ein Umbau möglich ist. Ich entschied mich nach einem Vergleich von Plänen der Kolberg- und Dresden-Klasse die Mainz aus dem Bausatz der Emden von Blue Ridge Models umzubauen. Im Maßstab 1/700 ist die Mainz 1,74 cm länger und 0,7 mm breiter als die Emden. Um den Rumpf entsprechenden zu verlängern, habe ich ihn in vier Stücke zersägt. Ein Schnitt erfolgte kurz vor dem Ende des Backdecks und die beiden anderen mittschiffs. Die Schnitte sind schräg, so dass die Klebefläche erhöht wird und der Rumpf so hoffentlich stabiler ist. Mittels Kraftkleber - da ich Sekundenkleber nicht traute - habe ich die Füllstücke eingeklebt. Unter den Rumpf habe ich noch eine dünne Wasserlinienplatte geklebt, um ihn weiter zu stabilisieren. Zuletzt habe ich mittschiffs Platten auf die Rumpfseiten aufgeklebt, die einerseits die Rumpfseiten wieder gerade und andererseits auch der Stabilisierung dienten. Und die Stabilisierung war notwendig, da der Kraftkleber nicht kräftig genug war. Für das nächste ähnliche Projekt werde ich nach Alternativen suchen.

Zusätzlich musste die Form des Stevens modifiziert werden und die Aufbauten und das Schanzkleid mittschiffs angepasst werden. Für den Steven habe ich eine Zweikomponentenspachtelmasse benutzt, die im Gegensatz zu der Einkomponentenspachtelmasse für Plastikbausätze auf dem Resinrumpf besser hielt. Die Aufbauten mittschiffs und hinter dem Kommandoturm habe ich mit Plastikplatten angepasst. Das Schanzkleid und die Kästen für die Hängematten mittschiffs sind aus 1,68 mm hohen und 0,28 mm dicken Evergreen-Streifen gemacht. Im Bereich der mittleren 10,5 cm-Geschütze, von denen es bei der Mainz vier und nicht nur zwei wie bei der Emden gab, habe ich stattdessen 1,09 mm hohe und 0,28 mm dicke Streifen benutzt.

Ein typisches Merkmal der Kolberg-Klasse sind die beiden ovalen vorderen Schornsteine und der runde, deshalb massiver wirkende, hintere Schornstein. Die beiden vorderen Schornsteine sind oval geschliffene Schornsteine aus dem Emden-Bausatz, während der hintere aus einem 5 mm dicken Messingrohr hergestellt ist.

Die Brücke der Mainz bei Fertigstellung ähnelte der der Emden stark. Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Brücke aber umgebaut, u.a. wurde das Steuerhaus nach achtern versetzt, so dass auf dem Kommandoturm ein Entfernnungsmesser aufgestellt werden konnte. Die Brücke baue ich mit der Hilfe von Fotos und der Seitenansicht im Groener, was etwas suboptimal war. Mir fehlen Aufsichten und allgemein fällt es mir schwer mit Hilfe von Fotos Proportionen richtig einzuschätzen. Gebaut habe ich die Brücke aus diversen Plastikplatten. Die Persenning an der Brücke, den Scheinwerferplattformen und dem achteren Feuerleitstand besteht aus fotogeätzter Reling, die mit Weißleim zugestrichen wurde. Der Entfernnungsmesser besteht aus Plastik und Draht, die Kompassgehäuse aus Plastik.

Die Masten sind aus Draht. Die Scheinwerferplattformen sind Fotoätzteile aus dem Emden-Bausatz, während die anderen Plattformen aus Plastik sind. Aus diesem Bausatz stammen auch die Scheinwerfer, Beiboote und Davits. Die Mainz hatte ursprünglich acht Beiboote. Ich habe nur sechs angebracht, wobei ich ein Foto der Augsburg in History of German Cruisers (Ships of the World), das wohl während des Ersten Weltkriegs aufgenommen wurde, als Vorbild genommen habe. Die Geschütze habe ich wie bei der Frauenlob gemacht, d.h. aus britischen 10,2 cm L/45-Rohren von Master und Plastikteilen für die Lafette und den hinteren Teil des Rohrs. Nur für die Schutzschilde habe ich dieses Mal die aus dem HMV-Bausatz der Emden im Maßstab 1/250 genommen, die ich auf 1/700 verkleinert habe. Ich habe keine 5,2 cm-Geschütze angebracht, da diese vor Kriegsbeginn wieder entfernt worden waren.

Bemalt habe ich die Mainz mit Farben der Vallejo Model Color-Serie. Der untere Teil des Rumpfs ist mit 154 Signalgrau gestrichen, alle vertikalen Bereiche darüber mit 153 Hellblaugrau. Die Holzdecks sind mit 110 Achatgrau und 124 Iraksand, die mit Linoleum belegten Decks mit 35 Schwarzrot und die Stahldecks mit 167 Anthrazitgrau bemalt. Die Persenning ist mit 108 Seegrün Hell eingefärbt.

Vielen Dank an Wolfgang Bohlayer vom Arbeitskreis historischer Schiffsmodellbau für die Fotos der Brücke der Mainz! Das hat mich daran erinnert, dass die Mitgliedschaft in diesem Verein durchaus sinnvoll ist. Und vielen Dank an Michi, der mich erinnert hat, wer Informationen haben könnte!

Zuletzt ein Größenvergleich mit der Frauenlob der Gazelle-Klasse (links), dem britischen Leichten Kreuzer Sirius aus dem Zweiten Weltkrieg (mitte) und der modernen italienischen Fregatte Carlo Bergamini (rechts).

Quellen

  • Die deutschen Kriegsschiffe Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart von Hans H. Hildebrand, Albert Röhr und Hans-Otto Steinmetz, Hamburg, ?
  • SMS Mainz (Wikipedia)
  • The Battle of Heligoland Bight von Eric W. Osborne, Bloomington, 2006
  • Battle on the Seven Seas. German Cruiser Battles 1914-1918 von Gary Staff, Barnsley, 2011
  • Ansichtskarten von Schiffen der Kaiserlichen Flotte von Wolfgang Müller, Broschürenreihe zur deutschen Geschichte Nr. 14, Martenshagen, 2008
  • History of German Cruisers, Ships of the World 2002 No. 601
  • Die Schiffe der Kaiserlichen Marine 1914-1918 und ihr Verbleib von Dieter Jung, Bonn, 2004
  • Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945 von Erich Gröner, München, 1966
  • Conway's All the World's Fighting Ships 1906-1921 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 1985

Lars

Angesichts des 4000. Artikels auf Modellmarine.de möchten wir all unseren Lesern und Autoren für ihre Unterstützung und Mitwirkung danken!