Modellsuche

Suchen


FlyHawk: britischer Zerstörer HMS Lance (1/700) Drucken
Dienstag, 20. November 2018 um 06:00

Deckelbild HMS Lance

Modell: HMS Lance 1941 Deluxe Edition
Hersteller: FlyHawk
Maßstab: 1/700
Material: Kunststoff, Fotoätzteile
Art.Nr.: 11156
Preis: 38,00 € (NNT Modell + Buch)

Das Original

Die HMS Lance war einer von acht im Rahmen der sogenannten L-Klasse hergestellter Zerstörer der Royal Navy. Die L/M-Klasse (beide Klassen beinhalteten den gleichen Zerstörertyp, trugen aber unterschiedliche Namen) war eine direkte Weiterentwicklung der Zerstörer der J/K-Klasse. Die Rumpfform beider Zerstörer war bis auf Details weitestgehend identisch. So waren die L/M-Klasse-Zerstörer ca zwei Meter kürzer als deren Vorgänger. Auch wurde bei dieser neuer Zerstörerklasse die Luftabwehr verstärkt.

Vorgesehen war der Einbau von drei geschlossenen Türmen mit jeweils zwei 120 mm Mk XI Schnellfeuerkanonen. Aufgrund von Lieferengpässen mussten die ersten vier Boote dieser Klasse durchgehend mit 102 mm Mk XVI Flugabwehrgeschützen versehen werden. Zudem verfügten diese erste vier Einheiten über eine 40 mm-Vierfach-Flak („Pompoms“), zwei 20 mm-Oerlikon- Maschinenkanonen und vier Vierfach-13 mm-Vickers .50 Fla-MG. Die Torpedobewaffnung bestand bei den ersten vier Schiffen aus zwei Vierfachfach-Sätzen für 533 mm (21-Zoll)-Torpedos.

Die Zerstörer der L/M-Klasse wurden im Zeitraum von 1938 bis 1943 gebaut. Die HMS Lance gehörte zu den oben genannten ersten vier Zerstörern. Die Kiellegung erfolgte am 01.03.1939 bei Yarrow Shipbuilders in Glasgow. Die Indienststellung erfolgte am 13.05.1941. Die HMS Lance war zunächst Teil der 4. Zerstörerflotille in Scapa Flow. Ein Einsatz gegen das Schlachtschiff Bismarck am 22.05.1941 mit der HMS King George V musste aufgrund eines Maschinenschadens abgebrochen werden. Zwar schloss sie sich vier Tage später dem Verband um die King George V wieder an, zu Kampfhandlungen kam es aber nicht mehr.

Am 22.06.1941 begleitete die HMS Lance, nun als Teil der 11. Begleitgruppe ins Mittelmeer verlegt, mit ihrem Schwesterschiff HMS Legion (gibt es ebenfalls von FlyHawk, siehe Bausatzbesprechung) den Flugzeugträger Furious nach Gibraltar. Der Träger sollte Flugzeuge für das hart umkämpfte Malta liefern. Es folgten Geleitaufgaben u.a. für die HMS Ark Royal (liegt als aktuelles Modell von Trumpeter im Maßstab 1/700 vor, siehe Bausatzbesprechung).

Im August verlegte die HMS Lance zur Sicherung von Konvois zurück in den Atlantik, wurde aber Ende des Monats zurück nach Gibraltar und ins Mittelmeer verlegt. Eine wesentliche Aufgabe hierbei war die Versorgung der Insel Malta mit neuen Flugzeugen. Hierbei verblieb man nach Möglichkeit außerhalb der Reichweite deutscher und italienischer Luft- und Seestreitkräfte. Die Flugzeuge starteten von den Flugdecks britischer Träger und flogen nach Malta, um dort die Luftverteidigung aufrecht zu halten.
Ende September 1941 begleitete die HMS Lance den stark gesicherten aus neun Transporter bestehenden Konvoi GM.2 von Gibraltar nach Malta. Durch Angriffe aus der Luft und durch U-Boote ging ein Transporter verloren. Der Rest des Konvois erreichte Malta am 28.09.1941.

Die HMS Lance wurde anschließend dem neu aufgestellten Verband Force K zugeordnet, der zunächst aus den Kreuzern HMS Aurora und HMS Penelope (beide gibt es von FlyHawk im Maßstab 1/700, siehe hier und hier) und den Zerstörern HMS Lance und HMS Lively bestand. Am 14.10.1941 verlegte dieser Verband zusammen mit der Force H (HMS Rodney, HMS Ark Royal und sieben Zerstörern) nach Malta. Während die Force H in ca. 450 sm Entfernung, von wo aus Flugzeuge nach Malta starteten, umdrehte, fuhr die Force K weiter nach Malta. Aufgabe der Force K war es hier zum einen eigene Konvois zu schützen und zum anderen gegnerische Nachschubkonvois abzufangen.

So wurde am 09.10.1941 den sogenannten „Duisburg-Konvoi“ (ein Schiff war der deutsche Frachter Duisburg) an, der von mehreren italienischen Zerstörern und zwei italienischen Schweren Kreuzern gesichert wurde. Dieser aus insgesamt fünf Frachtern und zwei Tankern bestehende Konvoi wurde vollständig vernichtet. Zudem wurden vier italienische Zerstörer versenkt oder zumindest stark beschädigt. Dieser britische Erfolg führte Vernichtung von 35.000 t Material (u.a. 389 Fahrzeuge, 17.500 t Treibstoff) und zum Tod 200 Soldaten. Ein weiterer, wenn auch wesentlich unspektakulärer, Erfolg folgte am 23.11.1941, als ein von Tarent nach Bengasi fahrender Konvoi angegriffen wurde. Zwei deutsche Frachter wurden bei diesem Angriff versenkt.

Die HMS Lance wurde als Teil der Force K am 17.12.1941 in das Erste Seegefecht im Golf von Syrte verwickelt. Ein von Italien nach Tripolis fahrender, italienischer Geleitzug stoppte für die Dauer dieses Gefechts und nahm nach dessen Ende wieder Fahrt auf. Dies wurde von der Force K bemerkt, die am 19.12.1941 den Versuch unternahm den Geleitzug, bzw. Teile des Konvois zu stellen. Hierbei lief der Verband in ein bis dato unbekanntes, italienisches Minenfeld. Der Kreuzer HMS Neptune sank nach der Detonation von vier Minen. 767 Seeleute verloren hierbei ihr Leben. 30 Seeleute konnten sich auf ein Floß retten, aber nur ein Überlebender wurde fünf Tage später von einem italienischen Torpedoboot gerettet. Auch der Zerstörer HMS Kandahar und die Kreuzer HMS Aurora und HMS Penelope liefen auf Minen. Die HMS Kandahar wurde so stark beschädigt, dass es nach Bergung der Besatzung versenkt werden musste. Die am schwersten beschädigte HMS Aurora wurde von der HMS Lance und der HMS Havock zurück nach Malta eskortiert.

Im Januar 1942 folgten weitere Sicherungsaufgaben in deren Verlauf die HMS Lance keinen Schaden nahm, ihr Schwesterschiff HMS Gurkha aber von einem deutschen U-Boot versenkt wurde. Ab dem 16.02.1941 folgte ein Werftaufenthalt in Malta. Hierbei wurde die HMS Lance während eines deutschen Luftangriffes, im Dock liegend, von einer Bombe getroffen. Das schwer beschädigte Schiff wurde zurück nach England geschleppt wo festgestellt wurde, dass eine Reparatur unwirtschaftlich ist. Die HMS Lance wurde als Totalverlust im Jahr 1944 zum Abwracken verkauft.

Der Bausatz

Wie in den Ausführungen zum Original schon angesprochen wurde, ist der chinesische Hersteller FlyHawk emsig mit den Einheiten der Royal Navy im Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Neben dem Flugzeugträger HMS Hermes (siehe auch die 1937-Version), dem Schlachtschiff HMS Prince of Wales, den Leichten Kreuzern HMS Aurora, HMS Penelope und HMS Naiad und den Zerstörern HMS Legion und HMS Campbeltown kommt nun die HMS Lance in die Regale. Die bisherigen Bausätze lassen Großes erwarten, aber hält die HMS Lance auch das, was die Vorgänger erwarten lassen?

Der Karton ist recht stabil und randvoll gefüllt. Die Gussäste weisen durchweg dünne Angüsse und keine Fischhaut auf. Ein Versatz ist nicht zu erkennen. Die Einzelteile sind so dünn und filigran, dass ein Heraustrennen aus dem Gussast nur sehr behutsam erfolgen darf. Ansonsten droht Bruchgefahr.

In der Schachtel fällt zunächst, wie bei allen neueren Bausätzen von FlyHawk, das gesonderte Bild der Boxart der Schachtel ins Auge.

Diese Besprechung wird der Bauanleitung des Grundbausatzes folgen. Die Bonusteile werden als Abschluss näher betrachtet.

Schritt 1:
Zunächst ist der Rumpf zusammen zu setzen. Hier hat der Modellbauer die Wahl, ein Wasserlinien- oder ein Vollrumpfmodell zu bauen. Im letzteren Fall sind auch die Schrauben und das Ruder zu verbauen. Die Details des Decks sind wirklich sehr schön und scharf gegossen. Hier wie überall gilt es, vorsichtig mit dem Einsatz von Kleber zu sein.

Vorbildlich und FlyHawk-typisch ist die Verpackung der Rumpfteile. Hier sind Schäden beim Transport nahezu ausgeschlossen.

Schritt 2:
In diesem Schritt sind zunächst die vier offenen Doppeltürme der 102 mm Mk XVI Fla-Geschütze zu bauen. Die Geschütze bestehen aus drei Teilen, die sich auf den Ästen GB26-GB27 (Rohre und Unterbau) und als freie Einzelteile in einer Sammeltüte (Schilde) befinden. Angesichts der geringen Zerbrechlichkeit dieser Teile ist diese Form der Verpackung vollkommen in Ordnung.

Im Schritt 2 wird das erste Geschütz auf die Back gesetzt. Zusätzlich werden auf der Back die Ankerkette, der Spritzschutz und verschiedene Kleinteile verbaut.

Auf diesen Ästen finden sich noch diverse weitere Klein- und Kleinstteile, die in den nächsten Bauschritten zum Einsatz kommen. Hierbei ist wieder einmal festzustellen, dass die FlyHawk-Bausätze zum Teil winzige Teile beinhalten, bei denen das Herauslösen aus dem Gußast äußerst vorsichtig erfolgen sollte.

Schritt 3:
Gegenstand dieses Bauschrittes sind die vorderen Aufbauten mit der Brücke. Ins Auge fallen hier besonders die sehr kleinen Brückeninstrumente und Scheinwerfer. Hier ist die Abfolge des Lackierens und Bauens zu bedenken. Ich würde die Brücke zunächst lackieren und dann die schon am Gußast vorlackierten Teile einbauen.

Der Brückenaufbau befindet sich zusammen mit dem Schornstein und den seitlichen Plattformen auf dem Gußast F. Die Teile sind sehr fein gegossen und weisen sehr schöne und feine Details auf.

Schritt 4:
Hier wird nun das in Schritt 3 gebaute Brückenteil zusammen mit verschiedenen Kleinteilen (Geschützturm, zwei Vierlingsflak, Schlauchboote etc.) auf die vorderen Aufbauten gesetzt. In diesem Schritt sind auch die ersten Ätzteile zu verwenden. Alternativteile aus Spritzguss gibt es hier nicht. Aber mit etwas Erfahrung sollte der Einbau dieser Teile keine Probleme bereiten. Die gesamten vorderen Aufbauten werden nun auf den Rumpf gesetzt.

Die in diesem Schritt zu verbauenden Kleinteile (Flak, Schlauchboote etc.) befinden sich auf den schon aus anderen Royal Navy-Bausätzen bekannten Gussästen. Die lassen sich zum Zwischenlagern sehr schön stapeln, ohne dass die feinen Teile Schaden nehmen.

Schritt 5:
Im Schritt 4 wird der Hauptmast aus Kunststoffprofilen aufgebaut. Diese Kunststoffteile sind sehr dünn und filigran. Angesichts der Gefahr des Abbrechens und Verbiegens beim Takeln würde ich diese Teile aus Draht neu aufbauen. Achtung Spoileralarm: Das ist Teil der Bonusteile.

Schritt 6:
Im Schritt 6 werden verschiedene Boote mit den jeweiligen Davids zusammengebaut. Diese Teile finden sich auf den Gußästen P und K. Zudem werden hier die Vierfach-PomPom zusammengesetzt und der Schornstein von Gußast F mit der Kappe und den Dampfrohren bestückt. Die jeweiligen Teilegruppen werden mit eigenen, grünen Nummern versehen, sodass eine Verwendung in den weiteren Bauphasen erleichtert wird. Dies trägt viel zur Übersichtlichkeit des Bauplanes bei.

Schritt 7:
Im Schritt 7 werden die in den vorherigen Arbeitsschritten erstellten Teile (Mast, Schornstein, Rumpf, Vierfach-PomPom) sowie Teile der Aufbauten, Munitionsschränke etc. auf den Rumpf gesetzt. Die zu verbauenden Teile sind zusätzlich zu den oben genannten grünen Nummern farbig dargestellt. Auch dies verbessert die Übersichtlichkeit der Anleitung. Auch wenn diese insgesamt eher kleinformatig ist. Mein Tipp: Einscannen und entweder auf dem PC oder Tablet vergrößert darstellen oder farbig ausdrucken.

Schritt 8:
Der Schritt 8 beschäftigt sich mit den hinteren Aufbauten. Hier sind die letzten beiden Zwillingstürme sowie Munitionsschräke, der hintere Mast und ein Aufbautenteil zu verbauen.

Schritt 9:
Hier wird der im Schritt 8 erstellte Block, der mittlere Flak- und Scheinwerferstand sowie die beiden Torpedosätze auf das Deck geklebt. Zudem finden rund um die hinteren Aufbauten verschiedene Wasserbombensätze ihren Platz.

Schritt 10:
Mit dem Schritt 10 findet der Bau der HMS Lance ihren Abschluss. Hier sind die Wasserbombensätze sowie deren Kräne im gesamten Heckbereich zu verbauen. Um die Übersichtlichkeit zu erleichtern, findet sich auf der rechten Seite dieses Abschnittes in der Bauanleitung eine farbige, tabellarische Übersicht der Einzelteile. Hier sind auch wieder (alterativlos) Ätzteile für die Auflagen der Schlauchboote zu verbauen. Wie bei FlyHawk nicht anders zu erwarten, sind die Ätzteile sehr filigran und bedürfen einer vorsichtigen Behandlung. Vor dem Biegen der Teile sollte man sich unbedingt über die Biegerichtung informieren. Ein nachträgliches Verbiegen führt oft zum Brechen der Teile.

Farbtafel:
Am Ende der Bauanleitung findet sich eine dreiseitige Darstellung der HMS Lance. Die Farben werden für zwei chinesische Hersteller (mit entsprechenden Schriftzeichen), Mr. Hobby, Tamiya und WEM Colourcoats angegeben.

Die Abziehbilder für die Schiffsnummer und die Flagge sind sehr scharf und versatzfrei gedruckt. Schiffsnummern liegen für die HMS Lance (G87), die HMS Legion (L74 – gibt es als eigenen Bausatz von FlyHawk), die HMS Gurkha (G63) und die HMS Liveley (G40) bei. Bezüglich der Bauunterschiede muss man die entsprechenden Quellen durchsuchen.

Die Bonusteile:
Wer schon einmal einen Bausatz z.B. von Trumpeter oder Revell vor sich liegen hatte, wird das Gefühl kennen, dass man diesen an sich sehr schönen Bausatz doch sicherlich noch etwas verbessern könnte. Im Grundbausatz sind, u.a. bedingt durch den Spritzguss, immer Teile etwas zu grob ausgefallen, was sich durch den Einsatz von Ätzteilen optimieren ließe. So ist es auch in diesem Fall. Ohne Zweifel ist der Grundbausatz der HMS Lance schon sehr schön, aber die Entfernungsmesser könnten durch Ätzteile besser wirken, Leitern und Reling fehlen und dann war da ja noch den etwas instabile Hauptmast. Alle diese Punkte hat FlyHawk in seinem Bonuspaket untergebracht.

Dieses Paket besteht aus einer Ätzplatine mit diversen nützlichen und sinnvollen Ätzteilen (Leitern, Reling, Entfernungsmesser, Schornsteingitter etc.), Messing-Rundprofilen für die Masten und gedrehte Rohre für die Flak. Die Bauanleitung ist sehr übersichtlich und besonders die Darstellung der Lage der Relingelemente ist vorbildlich. Bis auf den Wasserabweiser auf der Back, bei dem die angeätzten Dreiecksstreben vorsichtig gedreht und angeklebt werden müssen, stellt die Verwendung der Teile den geübten Modellbauer nicht vor unlösbare Aufgaben. Die Zusammensetzung des Mastes ist nicht ganz ohne, aber mit etwas Überlegung und Geduld ist auch das machbar. Die Verwendung der gedrehten Rohre hingegen kann man nur als „Kür“ bezeichnen. Die Rohre sind unglaublich klein und ich habe keine Idee, wie man die entsprechenden Löcher in das angepasste Bauteil bohren soll. Ich denke mal, dass ich mir diese Sisyphusarbeit ersparen werde, zumal die Bausatzteile aus Spritzguss vollkommen ausreichend sind.

Fazit

FlyHawk hat mit der HMS Lance einen weiteren beeindruckenden Bausatz auf den Markt gebracht. Die Bauteile bestechen durch faszinierende Details und einen sehr sauberen Guss. Durch die Zugabe aller für ein Spitzenmodell erforderlicher Ätzteile kann man die Deluxe-Version getrost als „Rundum-Sorglos-Paket“ bezeichnen. Ein wenig mehr ginge sicherlich noch, durch den Einsatz von 3D-gedruckten PomPoms, aber das sei jedem Modellbauer selbst überlassen. Schon der Grundbausatz ohne die Bonusteile ist großartig, aber durch die Bonusteile wird die HMS Lance perfekt. Der Anfänger wird hier angesichts der sehr filigranen Ätzteile allerdings an seine Grenzen stoßen. Aber man muss ja nicht alle Teile verbauen und letztendlich gilt es, seine eigenen Grenzen mal auszutesten und zu erweitern. Ich werde mir diesen Bausatz demnächst mal vornehmen und gucken, wie sich die HMS Lance bauen lässt. Dieses Modell ist absolut beeindruckend und unbedingt empfehlenswert. Ich gebe diesem Modell

alt sehr empfehlenswert

Jens Bartels

Wir danken FlyHawk für das Bausatzmuster