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Flyhawk: britischer Flugzeugträger HMS Hermes (1/700) Drucken
Montag, 14. November 2016 um 06:00

HMS Hermes Deckelbild

Modell: HMS Hermes 1942
Hersteller: FlyHawk
Maßstab: 1/700
Material: Spritzguss, Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: FH 1122
Preis: zwischen € 42,50 und € 56,80

Das Original

Die HMS Hermes war das erste Schiff der Welt, welches als Flugzeugträger entworfen und gebaut wurde. Aufgrund von Verzögerungen bis zur Inbetriebnahme, wurde sie vom japanischen Flugzeugträger Hosho im „Wettkampf“ um den Titel ersten Flugzeugträger im Einsatz geschlagen.

Aufgrund der Unerfahrenheit im Design und Bau von Flugzeugträgern zur damaligen Zeit, litt die HMS Hermes während ihrer gesamten Einsatzperiode an einigen Unzulänglichkeiten, welche nur zum Teil bei späteren Umbaumaßnahmen beseitigt werden konnte. Zum Beispiel war der Hangar viel zu klein dimensioniert. Nur 20 Flugzeuge konnten gelagert werden und deren Zahl wurde im Jahre 1934 durch die Nachrüstung eines Katapultes und eines zweiten Aufzugs auf 15 reduziert. Ein weiteres Problem stellte bei starkem Wellengang die Instabilität dar, welche durch die großen Brückenaufbauten verursacht wurden.

1924 diente die HMS Hermes zu Beginn als Mitglied der Atlantikflotte, später dann in der Mittelmeerflotte und anschließend in der China-Station wo sie unteranderem zur Piratenbekämpfung im Chinesischen Meer eingesetzt wurde. 1938 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 wurde sie als Trainingsschiff in Heimatgewässern eingesetzt. Ab Oktober 1939 wurde die HMS Hermes in den Südatlantik verlegt und nahm dort an verschiedenen Einsätzen teil. Bei einem Angriff auf die Flotte Vichy-Frankreichs in Dakar am 8. Juli 1940 torpedierten zwei ihrer Swordfish-Torpedoflugzeuge das Schlachtschiff Richelieu. Nach einer Havarie mit dem Hilfskreuzer Corfu vor Freetown, musste sie in Süd Afrika repariert werden und kreuzte danach im Indischen Ozean, dem Roten Meer und dem Persischen Golf.

Im April 1942 lag sie ohne Flugzeuge im Hafen von Trincomalee als die Japaner einen Flugzeugangriff auf den Hafen starteten. Rechtzeitig vor der ersten Angriffswelle am 9. April konnte die Hermes auslaufen, um jedoch, gegen 11 Uhr bei Batticaloa, von einer zweiten Angriffswelle von 70 Flugzeugen gestellt zu werden. Zusammen mit dem Zerstörer Vampire, der Korvette Hollyhock und zwei Tankern wurde die HMS Hermes versenkt. Bei der Attacke und dem Untergang kamen 307 Mann der Besatzung ums Leben, 590 wurden vom Hospital Schiff Vita gerettet.

Technische Daten

Verdrängung: 10.850 ts leer, 12.950 ts beladen
Länge: 182 m
Breite: 21,4 m
Tiefgang: 6,9 m
Besatzung: 660 (ohne Flugpersonal)
Antrieb: 2 Dampfturbinen, 40.000 PS
Geschwindigkeit: 25 Knoten
Reichweite: 6000 Nautische Meilen bei 18 Knoten
Bewaffnung: 6 x 140-mm-Geschütze, 3 x 102-mm-Flak, 6 x 20 mm-Oerlikon, 2 x 12,7 mm-Vierlings-Vickers-MG
Panzerung: 51-76 mm (Gürtel), 25 mm (Hangardeck, Geschützschutzschilde)
Anzahl Flugzeuge: maximal 20

Der Bausatz

Der Bausatz wird in einer stabilen Kartonschachtel geliefert. Das Deckelbild zeigt den Angriff der Japaner auf die HMS Hermes am 9. April 1942 mit Aichi D3A Sturzkampfbombern. Auf dem Schachtelboden sind Farbtabellen und Farbschemata abgebildet. Die Farben sind als Gunze, Tamiya und WEM Colourcoats sowie der Farbbezeichnung in Englisch, Chinesisch und Japanisch angegeben. Die Schachtel ist in einen kleineren und einen größeren Bereich unterteilt. Die Gussäste sind einzeln oder in zusammengehörenden Gruppen in Klarsicht Tüten verpackt. Die Fotoätzteile sind mit einem stabilen Kartonrücken und Klarsichttüte gesichert. Außerdem findet sich in der Schachtel einen Druck der Deckelillustration, Bauanleitung, Abziehbilder für Flugzeug- und Schiffsmarkierungen sowie ein Metallgewicht, wie man es von Tamiya und anderen Wasserlinien Produzenten kennt. Alles macht einen sauberen und aufgeräumten ersten Eindruck. Allerdings sollte Flyhawk die Fixierung der großen Teile in der Schachtel nochmals überdenken. Genaueres weiter unten im Abschnitt Kritikpunkte.

Da die Hermes in ihrer Laufbahn mehrfach modernisiert wurde und auch weitere geplant waren, gibt es in der Literatur und bei den Plänen Widersprüche. Flyhawk wie auch von Profile Morskie zeigen im vorderen Bug Bereich ein Vierfach-Pom-Pom (Bauteil Gruppe 12 / Abschnitt 6). Dies ist auch so als im deutschen Wikipedia-Eintrag als letzte Bewaffnung aufgeführt. Norman Friedman und David Brown gehen von zwei Vickers-MG und sechs Oerlikons aus (eines der MG auf der Position des Pom-Pom). Ich habe jedenfalls keine definitiven Bildbelege gefunden für die Variante mit dem Vierfach-Pom-Pom. Auf dem definitiv letzten Foto von oben, ist der Bugbereich leider schon gesunken.

Rumpf

Der Bausatz kann als Wasserlinien- oder Vollrumpfmodell gebaut werden. Ähnlich wie bei Trumpeter und anderen, liegt der Rumpf in vier Teilen vor: Oberer Rumpf bis zur Wasserlinie, Wasserlinienplatte und Unterwasserschiff sowie das Hangardeck und Landedeck.

Die obere Rumpfhälfte ist sehr schön detailliert, die Beplankung ist schön ersichtlich ohne übertrieben zu wirken. Diese dürfte auch nach einer dünnen Pinselbemalung noch sichtbar sein. Die Bullaugen verfügen über angedeutete, feine „Augenbrauen“ und sind genauso scharf und fein gegossen wie die anderen Aussparungen und Löcher im Rumpf. Ankeröffnungen und entsprechende Durchbrüche auf dem Deck sind ebenfalls vorhanden.

Die untere Rumpfhälfte ist ebenfalls sehr sauber und knackig detailliert, jedoch nicht in der gleichen Detailverliebtheit wie der obere Teil. Sehr schön sind allerdings die Schlinger- und Andockkiele. Vielleicht sollte ich die Hermes doch als Vollrumpfmodell bauen?

Alles in allem ergibt das Nachmessen eine hohe Maßstabstreue. Die Proportionen stimmen und geben das Schiff sehr schön wieder.

Das Hangardeck wird als großes Stück geliefert, welches nahtlos in den Rumpf passt. Der Hangar ist Innen und Außen detailliert, so dass man durch die Schotten auch was zu sehen bekommt.

Flugdeck

Das Flugdeck ist in einem Stück gespritzt und weißt sehr schöne und präzise Details auf beiden Seiten auf. Die Fangseile und die Stützstruktur sind genau und fein dargestellt.

Brückeninsel

Der untere Teil der Insel ist im Slide Mold-Verfahren (bewegliche Formen) gespritzt und zeigt sehr schöne Details. Die Luken sind in verschiedenen Ausführungen, offen und geschlossen, vorhanden. Ebenfalls hervorragend gemacht sind die Rohrleitungen, Leitern und wasserdichte Türen. Der Rest der Inselteile sind über mehrere verschiedene Angüsse verstreut.

Gussrahmen M

Hier finden Sie die wichtigsten Beine des Mastes, der die Feuerleitplattform unterstützt sowie einige Ventilatoren für die Außenseite des Hangar Decks.

Gussrahmen N

Hier findet man den Schornstein und ein Teil der Feuerleitplattform, Plattformen mit angegossenen Munitionskisten, Direktoren sowie den Entlüftungsschacht für die Innenseite des Schornsteins. Die Details des Schornsteins sind hervorragend gemacht. Die Fenster der Feuerleitplattform sind angegossen, was ein bisschen komisch wirkt. Ich werde diese wohl aufbohren und mit Fotoätzteilen aus dem Restefundus ergänzen.

Gussrahmen O

Ein weiterer Teil der Feuerleitplattform und der offene Brücke, die auf den großen Teil der Insel passt. Auch hier sind die Details hervorragend.

Gussrahmen H

Weitere Teile für die Feuerleitplattform und zwei Flugabwehrkanonen, die alle sehr scharf geformt sind.

Gussrahmen I

Teile der Flugdeckunterstützung und einer Art Kanonenlafette oder Ähnliches (I2) finden sich hier. Allerdings taucht dieses Teil nirgends in der Anleitung auf und scheint damit bei dieser Version der Hermes keine Anwendung zu finden.

Gussrahmen K

Auf diesem Gussrahmen sind die Schutzschilde für die 14 cm-Geschütze. Die Detaillierung und Feinheit ist atemberaubend.

Gussrahmen D

Dieser "Gussrahmen" besteht nur aus einem Teil, welches die Unterseite des hinteren Flugdecks darstellt.

Gussrahmen E

Hier finden wir die Backbord- und Steuerbord-Plattformen für das Hangardeck. Ausserdem die hinteren Hangartüren und die Aufzüge. Die Detailierung auch hier einzigartig in 1/700 Spritzguss.

Gussrahmen P

Jetzt wird es fummelig: Auf diesem Gussrahmen finden sich Wellen, Schrauben, Ruder und Plattformen. Viele Teile sind hauch dünn und somit ist Vorsicht beim Abtrennen geboten.

Gussrahmen Q

Dieser Gussrahmen enthält weitere Teile für den Mast. Teil 17 ist ein bisschen unglücklich, da der dünne Mast leicht brechen kann. Die Verpackung ist leider hier auch nicht ganz optimal.

Gussrahmen R

Auf diesem Gussrahmen ist eine Kunststoff-Version des Krans. Falls man es sich nicht zutraut den fotogeätzten Kran zu verwenden oder diesen „zusammen gefaltet“ hat, findet sich hier ein sehr guter Ersatz, welcher nichts mit den hässlichen Teilen älterer Bausätze gemein hat. Außerdem finden sich noch kleinere Teile für die Ausgestaltung des Decks und der Plattformen.

Gussrahmen S

Die 14 cm-Geschütze, Ausleger, Anker, ein Rettungsfloss, einige Rohre und Lüftungsöffnungen. Alle hervorragend geformt aber auch sehr filigran. Vorsicht also beim Abtrennen der 14 cm-Rohre.

Gussrahmen GB01

Sehr schön gemachte vierrohrige Pompons finden sich hier, deren Verwendung allerdings nicht gesichert ist (siehe oben). Geschützplattformen mit angedeuteten Strukturen sind ebenso vorhanden wie 1,27 cm-Vierlingsmaschinengewehre und 4,7 cm (3-Pfünder)-Salutgeschütze.

Gussrahmen GB02

Kleine und kleinste Scheinwerfer und Signalleuchten finden sich hier. Zum Abtrennen sollte man vielleicht einen größeren Gefrierbeutel verwenden, um die Fütterung des Teppichmonsters zu verhindern.

Gussrahmen GB15

Hervorragende Rettungsboote sind hier zu finden. Unterschiedliche Spantendicke und Sitzplanken in verschiedenen Formen sind detailliert wiedergegeben.

Gussrahmen GB19

Super detaillierte Rettungsflöße sind hier gegossen. Die Verzurrungen der Floßböden mit den Gummi-Schwimmkörpern sind mit das Beste, was ich je gesehen habe, und das gilt nicht nur für diesen Maßstab.

Gussrahmen GB23

Sehr feine 20 mm-Geschütze ohne Schilde finden sich auf diesem Gussrahmen.

Flugzeug (Gussrahmen GB28 - x4)

Kommen wir zu einem absoluten Highlight dieses Baukastens, den Flugzeugen. Dieser Rahmen liegt vier mal vor und bietet jeweils zwei Fairey Swordfish-Flugzeuge an, insgesamt also acht Flugzeuge. Diese können mit gefalteten oder ausgefahrenen Flügeln gebaut werden. Jedes der Flugzeuge ist fast ein Bausatz für sich. Ein Flieger setzt sich aus Rumpf, Fahrwerk links und rechts, Flügel oben und unten sowie Kühler und Propeller zusammen. Ergänzt wird das Ganze durch Fotoätzteile für die Streben und Propeller als Alternative. Auch ein separater Torpedo will an den Flieger gefummelt werden. Die Detailierung ist auch hier hervorragend.

Die Fotoätzteile

Die relativ kleine Ätzteilplatine beinhaltet reliefgeätzte Teile für die Swordfish-Flugzeuge (Streben und Propeller) und winzige Flugabwehrkanonen. Daneben finden sich Teile für den Kran, verschiedene Verstrebungen, Leitern, Netze, Ankerketten und Details für die Brücke. Außerdem findet sich ein großes, ovales Teil, welches für die Laufkatze für den Hangar darstellt.

Abziehbilder

Auf dem Abziehbilderbogen finden sich die Flugdeckmarkierung, Flugzeugmarkierungen und Royal Ensigns. Für die Swordfish gibt es zwei unterschiedlichen Markierungsoptionen. Unterschiedliche Rondelle und Heck Markierungen sind vorhanden.

Sämtliche Abziehbilder sind im Register und sauber gedruckt.

Die Anleitung

Die Anleitung ist auf einem doppelseitig bedruckten Faltplan untergebracht. In sechs Schritten wird man zur fertigen Hermes geführt. Die Explosionszeichnugen sind detailliert, manchmal ein bisschen unübersichtlich.

Auf der Schachtelrückseite finden sich genaue Bemalungs- und Markierungsanweisungen. Die Hermes wird als Seiten- und Drauf-Sicht dargestellt.

Kritikpunkte

Außer der erwähnten Unsicherheit mit der Bewaffnung, ist das einzig negative, was ich zu kommentieren habe, die Verpackung und die daraus resultierenden Schäden an der
Wasserlinien Platte und dem Flugdeck. Das ist schade und bräuchte nicht zu sein, wenn man ein bisschen Schaumstoff um die Spitzen gelegt hätte (wie z.B. Trumpeter). Offensichtlich kann man hier schon von einem Serienschaden sprechen; mir sind dieselben Schäden bei drei Modellbaukollegen bekannt.

Fazit

In den letzten Jahren sind Spritzgussbausätze immer besser und detaillierter geworden. Allerdings legt die Flyhawk HMS Hermes die Messlatte noch um ein paar dutzend Meter nach oben. Das Niveau der Detaillierung, die Feinheiten und die technische Umsetzung sind bisher unerreicht. Bis auf ein paar kleine Dinge, die der geneigte Nietenzähler immer findet, ist die Hermes ein Bausatz der Superlative. Mich erstaunt auch der Aufwand, den Flyhawk in diesen doch eher in die Spezialistenecke gehörenden Bausatz gesteckt hat. Erfreulich auch in Spritzguss solche Modelle zu sehen und nicht die x-te Bismarck, Hood oder Tripitz.

Dieser Bausatz eignet sich aufgrund der hohen Anzahl und der filigranen Einzelteile eher weniger für Einsteiger. Die Flyhawk HMS Hermes ist der detaillierteste 1/700 Bausatz in Spritzguss, der mir jemals unter die Augen kam. Sämtliche Teile sind sauber und detailliert gegossen, oft am Limit des in Spritzguss möglichen. Vorsicht ist geboten, beim Abtrennen von Kleinteilen, sonst verschwinden diese auf ewig im Teppichmonster.

Für den geneigten Superdetaillierer bleibt wenig zu tun. Einzig die Masten, Rahen und die Fenster der Aussichtsplattform könnte man noch verfeinern. Aber das ist Jammern auf ganz hohem Niveau.

Erste Passproben versprechen eine sehr gute Passgenauigkeit.

alt sehr empfehlenswert

Eric Euerlings

Wir danken FlyHawk für das Bausatzmuster