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Britischer Leichter Kreuzer HMS Chester (1/700, HP Models) von Lars Scharff Drucken
Dienstag, 07. Juni 2016 um 05:00

 

31.05.1916 - 100 Jahre Skagerrakschlacht/Battle of Jutland

 

18:35 am 31. Mai 1916: vor 100 Jahren wurde der britische Leichte Kreuzer HMS Chester von den deutschen Leichten Kreuzern Frankfurt, Pillau, Elbing und Wiesbaden überrascht und schwer beschädigt (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Die deutsche Flotte folgte zu diesem Zeitpunkt den Schlachtkreuzern Beattys nach Norden, während die britische Grand Fleet auf südöstlichen Kurs auf diese zu steuerte. Als Vorhut der Grandfleet diente die 3rd Battlecruiser Squadron unter Hood, für die die Leichten Kreuzer Chester und Canterbury aufklärten (siehe Karte). Die vier deutschen Kreuzer gehörten zum II. Aufklärungsgeschwader, das für Hippers Schlachtkreuzer aufklärte. Bei schlechter Sicht wurde Chester überrascht und erhielt 17 Treffer, wodurch 29 Mann getötet und 49 verwundet wurden. Die vier deutschen Kreuzer wurden ihrerseits von den Schlachtkreuzern Hoods überrascht, wobei Invincible die Antriebsanlage der Wiesbaden zerstörte, so dass diese bewegungsunfähig zwischen den Linien liegen blieb. Auch die Pillau wurde von der Inflexible schwer getroffen, konnte sich aber zurückziehen (siehe Karte).

Das Original

Der Leichter Kreuzer HMS Chester gehörte zur Birkenhead-Klasse, die den Höhepunkt der Entwicklung der Kreuzer des Town-Typs darstellte. Diese beiden Schiffe wurden ursprünglich von Griechenland bestellt, aber unfertig 1915 von der britischen Marine übernommen. Die Birkenhead-Klasse war im Endeffekt eine Kopie der Birmingham-Klasse. Der wesentliche Unterschied bestand darin, dass bei der Birkenhead-Klasse neu entwickelte 14 cm Geschütze installiert wurden, die leichter als die 15,2 cm Geschütze der Birmingham-Klasse waren, so dass ein Geschütz mehr installiert werden konnte. Bemerkenswert ist, dass zwei Flak schon im Entwurf vorgesehen waren. Die beiden Schwesterschiffe der Birkenhead-Klasse unterschieden sich leicht, da Chester über drei Meter länger war und durch die ausschließliche Nutzung von Öl als Brennstoff auch einen Knoten schneller war. Ein leichtes Unterscheidungsmerkmal war dazu der Großmast, der bei Birkenhead senkrecht stand, während er bei Chester den gleichen Fall wie der Fockmast hatte. Im Vergleich zur Chatham- und Birmingham-Klasse war der Großmast sehr niedrig, was ein weiteres charakteristisches Merkmal war.

Die Chester war 139,3 m lang, 15,2 m breit und verdrängte voll beladen 5845 ts. Der Antrieb erfolgte mit 12 Kesseln und vier Dampfturbinen, die 31 000 PS leisteten, womit sie 26,5 kn erreichte. Die Besatzung setzte sich aus 450 Mann zusammen.

Bewaffnung 1916
10 x 14 cm L/50 BL Mk I
2 x 7,62 cm Mk 1 Flak
2 x 53,3 cm Torpedorohre (unter Wasser)

Chester wurde von 1914-16 bei Cammel Laird (Teil des Coventry Syndikats) in Birkenhead gebaut. Der wahrscheinlich griechische Name war Lambros Katsonis, sie wurde aber vor dem Stapellauf am 8. Dezember 1915 von der britischen Marine übernommen und Chester getauft. Nach der Indienststellung kam sie zur 3rd Light Cruiser Squadron (LCS) der Grand Fleet. Schon drei Wochen später war sie an der Skagerrakschlacht als Aufklärer für Hoods Schlachtkreuzer beteiligt. Sie wurde von den deutschen Leichten Kreuzern (Kleinen Kreuzer) Frankfurt, Wiesbaden, Pillau und Elbing der II. Aufklärungsgruppe unter Konteradmiral Boedicker überrascht und durch 17 Treffer stark beschädigt. 29 Mann der Besatzung wurden getötet und 49 verwundet. Viele der Opfer waren Teil der Geschützbesatzungen und erlitten Verletzungen unterhalb der Knie, da die Schutzschilde nicht tief genug bis zum Deck reichten. Der nur 16 Jahre alt gewordene Jack Cornwell, der zur Bedienung des vordersten Geschütz gehörte, erhielt posthum das Victoria Cross verliehen, da trotz seiner Verletzung nicht seinen Posten verließ.

Nach der Schlacht waren umfassende Reparaturen notwendig. Chester blieb bei der 3rd LCS im Laufe des Kriegs und war an einigen Versuchen beteiligt, deutsche Verbände abzufangen. Sie blieb bis 1919 in Dienst und befand sich bis 1921 in Reserve. Ein Verkauf an Griechenland wurde nicht realisiert, weshalb sie 1921 zum Abwracken verkauft wurde.

Das Modell

Von der Chester gibt es zwei Bausätze im Maßstab 1/700: von HP Models und White Ensign Models (WEM). Letzterer ist aktuell nicht erhältlich, eventuell findet man noch Exemplare aus zweiter Hand. Von den Fotos der Bausätze zu schließen, sind die Aufbauten bei WEM etwas besser, wobei der HP Models-Bausatz hier auch eine gute Grundlage bietet. Bei den Kleinteilen, insbesondere den Geschützen und Beibooten, ist der HP Models-Bausatz nicht gut. Ich hatte aber einen Bausatz schon seit mehr als zehn Jahren im Vorrat, so dass ich mir die 14 cm-Geschütze von WEM extra kaufte (wahrscheinlich aktuell auch nicht lieferbar). Dazu habe ich mir noch den Ätzteilsatz von WEM gekauft (WWI British Cruiser/Destroyer, dürfte lieferbar sein), der für die Chester entworfen wurde.

Wegen eines Gussfehlers musste ich den unteren Teil des Bugs neu modellieren. Im Bereich der Brücke und der Flak habe ich den Splitterschutz durch Plastikstreifen neu gemacht, da er im Bausatz nur unvollständig angedeutet war. Dazu sind die einzelnen Elemente deutlich zu sehen und wirken auf dem Schiff auch vor der Skagerrakschlacht schon etwas unordentlich, weshalb ich die Elemente absichtlich nicht immer gerade aufgeklebt habe.

Die Masten sind aus verschiedenen Metallstäben neu gebaut. Bei dem Feuerleitstand am Fockmast musste ich das Dach ergänzen. Die Takelung machte ich aus schwarzem UNI-Caenis 20 Denier-Faden, den ich mit einem Heißwachsspachtelgerät spannte. Die Beiboote ersetzt ich durch welche von Kombrig. Von den WEM-Fotoätzteilen verbaute ich u.a. die für die Davits, Anker, Semaphore und Bootslager.

Wie oben schon geschrieben, benutzte ich die 14 cm-Geschütze von WEM. Die im Bausatz enthaltenen Geschütze haben massive Blöcke als Schutzschilde, bei WEM sind die Öffnungen zumindest angedeutet und der hintere Teil mit dem Verschluss auch schöner dargestellt. Nur das Rohr ist noch etwas dick. Für die 7,62 cm-Flak benutzte ich Teile von Artist Hobby (3" Marks I Gun (76 mm) & 3pdr Saluting Gun-Satz), der schön detaillierte Lafetten aus Fotoätzteilen enthält. Diese Fotoätzteile brechen aber leicht. Das enthaltene Rohr ist leider nur aus Resin.

Bemalt habe ich die Chester mit Vallejo Model Color-Acrylfarben. Für die vertikalen Fläche benutzte ich 153 Hellblaugrau, da das Schiff auf den nach der Schlacht aufgenommenen Fotos sehr hell wirkt. Die Holzdecks bemalte ich mit 110 Achatgrau und die Stahldecks mit 162 Basaltgrau.

Zum Abschluss noch ein paar Größenvergleiche: links mit dem Geschützen Kreuzer SMS Nürnberg (1908) der Königsberg-Klasse und der Fregatte Carlo Margottini (2014) der FREMM-Klasse. In der Mitte mit zwei anderen Leichten Kreuzern der Town-Klassen aus dem Ersten Weltkrieg: HMS Southampton (1912) der Chatham-Klasse und HMS Glasgow (1910) der Bristol-Klasse. Rechts der Vergleich mit zwei Leichten Kreuzern aus dem Zweiten Weltkrieg: HMS Sirius (1942) der Dido-Klasse und USS Nashville (1938) der Brooklyn-Klasse.

Quellen

Lars