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Deutscher Zerstörer G 40 (1/700, FlyHawk) von Lars Scharff Drucken
Mittwoch, 22. Juni 2016 um 05:00

 

31.05.1916 - 100 Jahre Skagerrakschlacht/Battle of Jutland

 

04:20 am 01. Juni 1916: vor 100 Jahren wurde der deutsche Zerstörer G 40 schwer getroffen, als er versuchte durch einen britischen Zerstörerverband zu Horns Riff durchzubrechen (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Richard Beitzen auf der G 40 kommandierte den kleinen Verband, dem auch G 37, G 38 und V 45 angehörte, der die Besatzung der Lützow nach deren Selbstversenkung an Bord genommen hatte. Bereits um 03:20 gab es ein kurzes Gefecht mit den britischen Zerstörern Contest und Garland, um 04:20 trafen sie auf den Verband, der zuvor die Von der Tann angegriffen hatte: der Leichte Kreuzer Champion, der Flottillenführer Marksman und die Zerstörer Maenad, Moresby und Obdurate. Die G 40 erhielt einen Treffer in der Maschine, konnte aber noch zehn Minuten mit 26 kn fahren und so entkommen. Danach blieb sie liegen und musste eingeschleppt werden. Der Kern der Hochseeflotte hatte schon um 4:00 Horns Riff erreicht, aber auf die Lützow gewartet. Als die G 40 verspätet meldete, dass die Lützow selbst versenkt worden war (schon um 02:50), befahl Scheer um 05:07 die Rückkehr der Flotte in die Häfen. Die britische Flotte fand am Morgen das Schlachtfeld leer vor.

Das Original

Der Zerstörer (klassifiziert als Großes Torpedoboot) G 40 war eines von vier Schiffen der G 37-Klasse. Diese Klasse gehörte zu der 1913er Klasse, dem Mobilmachungstyp. Mit dieser Klasse führte die Kaiserliche Marine einen vergrößerten Typ von Zerstörer ein, der mehr den damaligen Standard entsprach - der Vorgängertyp (V 1 bis S 24) waren als Rückschritt im Vergleich zu älteren Klassen empfunden worden. Der neue Typ war größer, so dass ein drittes 8,8 cm-Geschütz und ein zusätzliches 50 cm-Zwillingstorpedorohr (insgesamt sechs Torpedorohre) eingebaut werden konnten. Statt der Kohle-Kessel der Vorgänger wurde der neue Typ ausschließlich mit Öl befeuert, was eine höhere Geschwindigkeit eine Reduktion des Maschinenraumpersonals ermöglichte. Zum 1913er Typ gehörte S 25 bis G 95. Die von Germania gebauten Zerstörer mit den "G"-Nummern unterschieden sich von den anderen von Schichau und Vulcan gebauten Unterklassen, da sie keine Torpedokuhl hatten. Stattdessen war die Brücke am Ende der Back und die vorderen Torpedorohre dahinter angeordnet. Der Fahrbereich des Typs war nicht ausreichend, so dass ein Teil um 3,5 m verlängert wurde, um die Bunkerkapazität zu erhöhen. Germania baute G 41, G 42 sowie G 85 bis G 95 der verlängerten Variante.

Die G 40 war 79,5 m lang, 8,4 m breit und verdrängte 1051 t. Der Antrieb erfolgte mit drei Kesseln und zwei Dampfturbinen und leistete insgesamt 25.010 PS, womit 34,5 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 87 Mann.

Bewaffnung
3 x 8,8 cm L/45 TK
6 x 50 cm-Torpedorohre (zwei Einzel- und zwei Zwillingsrohre)

Der Zerstörer G 40 wurde 1914-15 bei Germania in Kiel gebaut. Sie war danach an mehreren Vorstößen in die Nordsee beteiligt und wurde auch für U-Jagd eingesetzt.

In der Skagerrakschlacht gehörte G 40 zur I. Torpedobootsflottille, die die Schlachtflotte begleitete. Während G 39 aus ihrer Flottille Konteradmiral Hipper an Bord nahm, übernahm G 40 zusammen mit G 38 sowie G 37 und V 45 der VI. Torpedobootsflottille das Geleit des schwer beschädigten Schlachtkreuzers Lützow, bis dieser selbst versenkt werden musste. Bei dem Durchbruch zu Horns Riff erhielt G 40 einen Treffer, der einen Mann tötete und zwei verwundete sowie den Ausfall der Maschinen bewirkte. Sie wurde erfolgreich eingeschleppt.

Nach der Schlacht wurde G 40 erneut mit der Hochseeflotte eingesetzt, u.a. im August 1916 beim abgebrochenen Vorstoß nach Sunderland und im November 1916 zur dänischen Küste, um die aufgelaufenen U-Boote U 20 und U 30 zu bergen. Im April 1917 erhielt sie eine Minensuchausrüstung. Ein Jahr später war sie am letzten Vorstoß der Hochseeflotte im April 1918 dabei. Nach Kriegsende wurde sie mit dem Rest der Hochseeflotte in Scapa Flow interniert, wo sie am 21. Juni 1919 selbst versenkt wurde. Das Wrack wurde 1929 gehoben und abgewrackt.

Das Modell

Das Modell der G 40 baue ich aus dem FlyHawk-Bausatz der G 37-Klasse, der bisher nur eine Spezialausgabe des Lützow-Bausatzes beilegt. Das Modell lässt sich gut bauen. Ich musste bei der Wasserplatte etwas schleifen, was aber auch mein Fehler gewesen sein kann.

Die Brücke des Bausatzes entspricht den Zeichnungen im Die deutschen Kriegsschiffe von Gröner, allerdings nicht dem einzigen Foto, das ich bisher gefunden habe (in Die Deutsche Flotte 1848-1945 von Kroschel-Evers und Z-Vor von Fock; in beiden Bücher ist das gleiche Foto abgedruckt). Das Foto entspricht dafür der Zeichnung in Die Schiffe der Kaiserlichen Marine 1914-1918 und ihr Verbleib von Jung. Ich habe deshalb diesen kleinen Aufbau auf dem Peildeck entfernt, habe das Schanzkleid vorne auf dem Peildeck erhöht und verlegte den Scheinwerfer auf eine neue Plattform am Mast.

Das Beiboot habe ich schräg über den Lüftern zwischen den Schornsteinen platziert. Das war auf einem Plan der G 41 in Z-Vor! zu sehen und scheint zu dem einem Foto der G 37-Klasse, das ich habe, zu passen. Die Davits muss man weglassen, da das Boot mit dem Kran ausgebracht wurde. Genauso habe ich das das zweite Boot weggelassen, da ich denke, dass nur eines an Bord war. Ein Teil der 1913er-Torpedoboote hat noch ein zweites, kleines Beiboot, das nahe der Bordwand um 90° gedreht gelagert wurde, aber so eines konnte ich auf erwähnten dem Foto nicht finden. Die Masten sind aus Metall (Albion Alloys-Stäbe im Durchmesser 0,4 mm und 0,2 mm) neu gebaut. Getakelt habe ich mit schwarzem UNI-Caenis 20 Denier-Faden, den ich mit einem Heißwachsspachtelgerät gespannt habe.

Für die deutschen Zerstörer (Großen Torpedoboote) wird meist ein schwarzer Anstrich angenommen. Laut Die deutschen Kriegsschiffe in Gröner waren die Zerstörer bis Dezember 1916 schwarz gestrichen und erst danach wurden die vertikalen Bereiche in der hellgrauen Rumpffarbe der Kaiserlichen Marine ("Dunkelgrau") gestrichen. Im Gegensatz wird in den diversen Fachforen die Meinung vertreten, dass die Zerstörer schon 1915 grau gestrichen waren, was zu den vorhandenen Fotos passt. Ich benutze dafür Vallejo 154 Signalgrau. Die Decks sind in Vallejo 167 Anthrazitgrau gestrichen. Den achteren Schornstein habe ich dann noch rot (28 Verkehrsrot) gemalt - das typische Erkennungsmerkmal deutscher Schiffe während der Skagerrakschlacht.

Links noch ein Größenvergleich mit zwei Kreuzern aus dem Ersten Weltkrieg, dem Geschützen Kreuzer SMS Emden (1909) der Dresden-Klasse und dem Leichten Kreuzer HMS Glasgow (1910) der Bristol-Klasse. Rechts ein Vergleich mit einem Zerstörer aus dem Zweiten Weltkrieg, der USS Ellet (1939) der Benham-Klasse, und einer heutigen Fregatte, der Méndez Núñez (2006) der Álvaro de Bazán-Klasse.

Quellen

  • Z-vor! Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten 1914 bis 1939 von Harald Fock, Herford, 1989
  • Die Schiffe der Kaiserlichen Marine 1914-1918 und ihr Verbleib von Dieter Jung, Bonn, 2004
  • Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945 von Erich Gröner, München, 1966
  • Conway's All the World's Fighting Ships 1906-1921 von Robert Gardiner, London, 1985
  • Die deutsche Flotte 1848-1945 von Günter Kroschel und August-Ludwig Evers, Wilhelmshaven, 1973
  • Jutland. The German perspective von V.E. Tarrant, London, 1995
  • Naval Weapons of World War One von Norman Friedman, Barnsley, 2011
  • Fighting the Great War at Sea. Strategy, tactics and technology von Norman Friedman, Barnsley, 2014

Lars