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Spanische Lenkwaffenfregatte Méndez Núñez (1/700, BigBlueBoy) von Lars Scharff Drucken
Montag, 24. Februar 2014 um 06:00

 

Spezial – Marine 2014

 

Das Original

Méndez Núñez ist eine Lenkwaffenfregatte der Álvaro de Bazán-Klasse. Der Ursprung dieser Klasse liegt im NFR-90-Programm (NATO Frigate Replacement for 90s). In diesem Programm versuchten Ende der 1970er die britische, deutsche, französische, italienische, kanadische, niederländische, spanische und US-amerikanische Marine gemeinsam eine Fregatte zu entwerfen. Dieses Programm scheiterte 1989 an unterschiedlichen Entwurfsvorstellungen und insbesondere daran, dass jeweils die eigene Industrie gefördert werden sollte. Die deutsche, niederländische und spanische Marine schlossen sich daraufhin zur Trilateral Frigate Cooperation zusammen. Ihr Ziel war die Entwicklung von Flugabwehrfregatten als Ersatz für die Lütjens-, Tromp- bzw. Baleares-Klasse.

Diese Zusammenarbeit war sehr lose, d.h. die daraus resultierenden Klassen mit den Typschiffen Sachsen (F124), De Zeven Provinciën (LCF) und Álvaro de Bazán (F100) weisen sehr deutliche Unterschiede auf. Am ähnlichsten fällt noch die Bewaffnung aus: SM-2- und ESSM-Flugabwehrraketen sowie Harpoon-Anti-Schiffsraketen. Dagegen wählten die drei Marinen  für das Bordgeschütz jeweils ein unterschiedliches Modell. Die spanischen Schiffen erhielten ein 12,7 cm-Geschütz von BAe Systems (früher United Defense), während die deutschen ein 7,62 cm und die niederländischen ein 12,7 cm, beide von OTO Melaria, erhielten. Auch für die Nahbereichsabwehr gab es unterschiedliche Lösungen: die spanischen Schiffe verlassen sich auf ESSM-Raketen, während die deutschen zusätzlich über RAM-Raketen und die niederländischen über Goalkeeper-Geschütze verfügen. Für die U-Jagd stehen auf allen drei Klassen Bordhubschrauber und Torpedorohre zur Verfügung. Die spanischen Schiffe haben, wie die niederländischen, einen Hangar für einen Hubschrauber, die deutschen dagegen für zwei.

Abweichend von den beiden anderen Marinen entschied sich die spanische nicht die europäische APAR- und SMART L-Radarsysteme einzubauen, sondern das amerikanische SPY-1-Radar als Teil des AEGIS-Systems. Den Konstrukteuren gelang es dieses System in einem relativ kleinen Rumpf unterzubringen – die Álvaro de Bazán-Klasse verdrängt nur etwas über 6000 Tonnen im Vergleich zu den 8000 bis 10 000 Tonnen der mit AEGIS-ausgestatteten japanischen, südkoreanischen und US-amerikanischen Schiffe. Die Radarantennen sind bei den spanischen Schiffen nicht unterhalb der Brücke angebracht, sondern in einem Aufbau hinter der Brücke. Dadurch konnten sie auch ein Deck höher als bei den US-amerikanischen Schiffen der Arleigh Burke-Klasse untergebracht werden. Da der passive phasengesteuerte (phased array) SPY-1 Radar, im Gegensatz zu dem aktiven phased array-Radar APAR auf den deutschen und niederländischen Schiffen, wegen der längeren Radarwellen nicht präzise genug für die Lenkung der SM-2-Flugabwehrraketen im Endanflug ist, verfügt die Álvaro de Bazán-Klasse über SPG-62-Feuerleitradar. Hiervon sind nur zwei vorhanden, während die größeren AEGIS-Schiffe anderer Marine über drei verfügen (die Ticonderoga-Klasse sogar über vier). Da der Feuerleitradar für die SM-2-Raketen, anders als bei älteren Raketen, nur im Endanflug notwendig ist, können parallel trotzdem mehr als zwei Ziele bekämpft werden.

Ursprünglich sollten sechs Schiffe für die spanische Marine gebaut werden, dies wurde aber auf fünf gekürzt: Álvaro de Bazán (F101), Almirante Juan de Borbón (F102), Blas de Lezo (F103), Méndez Núñez (F104) und Cristóbal Colón (F105). Der Entwurf erwies sich im Gegensatz zu anderen mit AEGIS-ausgerüstete Typen als Exporterfolg: die australische Marine hat drei ähnliche Schiffe der Hobart-Klasse bestellt. Für die norwegische Marine wurden fünf Schiffe einer verkleinerten Variante, die Fridtjof Nansen-Klasse, gebaut.

Die Méndez Núñez ist 146,7 m lang, 18,6 m breit und verdrängt 6256 t. Der Antrieb erfolgt über zwei Diesel für die Marschfahrt. Zwei Gasturbinen werden für hohe Geschwindigkeiten zugeschaltet. Insgesamt leistet dieser kombinierte Antrieb (CODAG) 48 000 PS, womit 28 kn erreicht werden. Die Besatzung setzt sich aus 201 Personen zusammen.

Bewaffnung
1 x 12,7 cm L/54 Mk 45 Mod 2
2 x 2 cm L/120 GAI-B01 Oerlikon
4 x 1,27 cm Browning M2-MG
2 Vierfach-Starter für Harpoon-Antischiffsraketen
1 48fach VLS Mk 41-Starter für SM-2 und ESSM-Flugabwehrraketen (meist 36 SM-2 und 48 ESSM, je vier ESSM passen in eine Zelle)
4 x 32,4 cm Mk 32-Torpedorohre (zwei Zwillingsrohre für Mk 46-Torpedos)
1 Sikorsky SH-60B Seahawk-Bordhubschrauber

Die Méndez Núñez wurde von 2003 bis 2006 bei Navantia in Ferrol gebaut. Sie gehört zum 31. Geleitgeschwader (31ª Escuadrilla de Escoltas) und hat ihren Heimathafen in Ferrol. Sie wurde wiederholt im Indischen Ozean gegen Piraten eingesetzt, so 2008, 2009, 2012 und 2013. U.a. war sie an der Befreiung und Sicherung der Thunfischfänger Playa de Bakio und Alakrana beteiligt und sicherte die ausgelösten Tanker Royal Grace und Smyrni. Dazu half sie bei der Befreiung des nordkoreanischen Frachters Dae San, der von der somalischen Polizei aus Puntland wegen illegaler Verklappung von Müll oder von somalischen Piraten (je nach Quelle) geentert worden war.

2011 wurde sie im Rahmen der Operation Unified Protector im Libyen-Krieg eingesetzt, wobei sie primär an der Durchsetzung des Waffenembargos beteiligt war. 2012 verabschiedete der Europarat einen Bericht, in dem mehreren NATO-Schiffen, darunter der Méndez Núñez, vorgeworfen wurde, sich auf dem Mittelmeer in Seenot befindliche Flüchtlinge nicht gerettet zu haben.

Das Modell

Das Modell der Méndez Núñez habe ich im Maßstab 1/700 aus dem Bausatz der Álvaro de Bázan-Klasse des chinesischen Kleinserienherstellers BigBlueBoy gebaut. Man sieht es dem Bausatz an, dass der Hersteller meist Fotoätzteilsätze konstruiert, da viele Teile, die andere Hersteller als Resinteile beilegen würden, als Fotoätzteile ausgeführt sind. Wahrscheinlich fehlen auch deshalb einige schlecht mit Fotoätzteilen darstellbare Details, z.B. zwei Antennen (ECM-Geräte?) auf seitlichen Plattformen etwas oberhalb der runden Plattform mit der ringförmigen IFF-Antenne (UPX-29?), eine runde Antenne etwas unterhalb des oberen Endes des eigentlichen Masts (unter der Plattform, auf der die Topspiere aufgesetzt ist) und eine Antenne auf der Plattform unter der Topspiere. Die Antenne, die auf dem Aufbau mit dem hinteren SPG-62-Feuerleitradar steht, soll durch Fotoätzteile dargestellt werden. Ich habe diese durch ein zurechtgeschliffenes Plastikteil auf einem Drahtmast ersetzt.

Der Bausatz ist sehr vollständig. Nur zwei Elemente fehlten: die 2 cm-Geschütze auf den Brückenflügeln und der Seahawk-Hubschrauber. Die 2 cm-Geschütze sind schlecht dokumentiert. Das ursprünglich vorgesehene FABA 2 cm/120 Meroka-Nahbereichsabwehrgeschütz auf dem Hangar wurde nicht eingebaut. Auf den Brückenflügel stehen Oerlikon-Geschütze, wahrscheinlich 2 cm L/120 GAI-B01 oder 5TG (siehe z.B. hier und hier). Diese habe ich aus Plastikstäben und gezogenen Gussast gebaut. Der Seahawk-Hubschrauber ist eine SH-60B von Trumpeter, die bereits die richtigen Modifikationen an der Nase aufweist. Die Rotoren von Trumpeter sind durch Ätzteile von BJ-Modellbau ersetzt worden.

Der Anstrich des Modells besteht aus Farben von Vallejo Model Color, genauer 154 Signalgrau für die vertikalen Flächen und 162 Basaltgrau für die Decks. Die Alterung am Rumpf wurde mit 153 Hellblaugrau und 155 Silbergrau, die mittels Trockenmaltechnik in Streifen senkrecht zur Wasserlinie aufgebracht wurden, dargestellt. Vertiefungen, z.B. die Gitter der Lüfter, wurden mit Vallejo Model Wash Grau betont.

Quellen

Lars