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Deutscher Zerstörer B 110 (1/700, NNT) von Lars Scharff Drucken
Dienstag, 31. Mai 2016 um 05:00

 

31.05.1916 - 100 Jahre Skagerrakschlacht/Battle of Jutland

 

15:28 am 31. Mai 1916: heute vor 100 Jahren gerieten die beiden deutschen Zerstörer B 109 und B 110 unter Feuer der britischen Leichten Kreuzer HMS Galatea und HMS Phaeton (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Dies waren die ersten Schüsse der Skagerrakschlacht. B 109 und B 110 waren vom westlichen Flügel der deutschen Aufklärungsstreitkräfte zur Untersuchung des dänischen Dampfers N.J. Fjord abgestellt worden. Dessen Abblasen der Kessel beim Stoppen wurde von dem britischen Leichter Kreuzer HMS Galathea am östlichen Flügel der britischen Aufklärungsstreitkräfte entdeckt, wodurch der Kontakt zwischen den beiden Flotten hergestellt wurde (siehe die Karte hier). Galathea griff zusammen mit dem Schwesterschiff Phaeton die beiden Zerstörer an, die von dem Leichten Kreuzer Elbing und B 111 und kurz darauf auch von den Leichten Kreuzern Pillau und Frankfurt unterstützt wurden (siehe Karte).

Das Original

Der deutsche Zerstörer B 110 war eines von sechs Schiffen der B 97-Klasse, die für die Kaiserliche Marine gebaut wurden und als Große Torpedoboote klassifiziert waren. Der Ursprung der Klasse lag in bei Blohm & Voss vorhandenen Antriebsanlagen und Schiffsbauteilen, die von der deutschen Werft für die russischen Zerstörer der Leitnant Ilin/Orfej/Gawril-Klasse hergestellt wurden. Diese wurden nach Blohm & Voss-Plänen u.a. von der russischen Putilow-Werft gebaut, an der Blohm & Voss beteiligt war. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden die Teile nicht mehr geliefert, so dass Blohm & Voss anbot, diese für Zerstörer für die Kaiserliche Marine zu verwenden.

Die russischen Zerstörer der Leitnant Ilin/Orfej/Gawril-Klasse gingen auf den Prototypen Nowik zurück, die 1910-13 von der Putilow-Werft nach Plänen von Vulcan gebaut wurden. Diese Schiffe waren Teil der Programme, um die Verluste aus dem Russisch-Japanischen Krieg zu kompensieren. Sie waren wesentlich größer als die damals typischen Zerstörer (fast 2000 t Verdrängung), schwer bewaffnet und schnell. Die beiden deutschen Werften, die an dem Programm beteiligt waren, Blohm & Voss und Vulcan, boten an entsprechende Schiffe für die Kaiserliche Marine zu bauen. Blohm & Voss erhielt im August 1914 den Auftrag für B 97 und B 98, Vulcan für V 99 und V 100. Ende 1914/Anfang 1915 erhielt Blohm & Voss Aufträge für weitere vier Schiffe (B 109 bis B 112). Das Angebot von Blohm & Voss für vier zusätzliche Schiffe wurde nicht angenommen.

Die B 97-Klasse ähnelte von der Auslegung und Abmessungen den russischen Schiffen stark, erhielt aber typische Modifikationen. Statt der langen Back und der auf dieser angeordneten Brücke der russischen Schiffe, erhielten die deutschen Schiffe eine kürzere Back, eine Torpedokuhl und eine dahinter angeordnete Brücke - typisch für damalige deutsche Zerstörer. Die beiden in der Torpedokuhl aufgestellten Einzeltorpedorohre konnten fast direkt nach vorne feuern. Allerdings macht diese Anordnung die Schiffe nass. Die B 97-Klasse fiel mit einer Verdrängung von fast 2000 t fast doppelt so schwer aus wie der damalige 1913er-Standardtyp. Trotz dieser deutlich größeren Abmessungen war die Bewaffnung anfangs ähnlich: vier (statt drei) 8,8 cm-Geschütze und ebenfalls sechs Torpedorohre. Die russischen Schiffe waren mit vier 10,2 cm-Geschützen und neun Torpedorohren wesentlich schwerer bewaffnet. Nach negativen Erfahrungen mit der schwachen Geschützbewaffnung deutscher Zerstörer gegen britische und russische Schiffe, wurden die 8,8 cm-Geschütze 1916 durch 10,5 cm-Geschütze ersetzt. Die sechs Zerstörer der B 97-Klasse bildeten zusammen mit den vier ähnlich großen und gleich bewaffneten Zerstörern der G 101-Klasse (ursprünglich für Argentinien als Santiago-Klasse begonnen) die II. Torpedoboots-Flottille.

Die B 110 war 98,0 m lang, 9,4 m breit und verdrängte voll beladen 1843 t. Der Antrieb erfolgte über vier Kessel und zwei Dampfturbinen, die 40.000 PS leisteten, womit sie 36,5 kn schnell war. Bei Probefahrten wurde im leichten Zustand (1354 t) bis 38,1 kn erreicht. Die Besatzung setzte sich aus 114 Mann zusammen. Ein Stab aus 14 Angehörigen konnte eingeschifft werden.

Bewaffnung 1916
4 x 10,5 cm L/45 TK C/16 (Einzellafetten)
6 x 50 cm-Torpedorohre (zwei Einzelrohre, zwei Zwillingsrohre)
24 Minen

Der Zerstörer B 110 wurde 1914-15 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut. Sie gehörte zur II. Torpedoboots-Flottille, die meist mit den Aufklärungsgruppen in erster Linie oder unabhängig für Vorstöße in der Nordsee gegen britische Verbände und Handelsschiffe operierte. Bei einem ihrer ersten Vorstöße traf B 110 mit vier anderen Zerstörern am 16/17. August 1915 auf den britischen Minenleger HMS Princess Margaret, der von acht Zerstörern gesichert wurde. Der Minenleger wurde verfehlt, aber der Zerstörer HMS Mentor durch einen Torpedo beschädigt. Bei einem weiteren Unternahmen stieß B 110 mit 24 weiteren Zerstörern am 10./11. Februar 1916 bei der Doggerbank auf britische Sloops (Minensucher) der Flower-Klasse, die für Kreuzer gehalten wurden. Die britische Sloops HMS Arabis wurde versenkt. Die II. Torpedoboots-Flottille war auch an dem Angriff mit den Schlachtkreuzern auf Lowestoft und Yarmouth am 24/25. April beteiligt.

Mit allen ihren Schwesterschiffen war B 110 an der Skagerrakschlacht am 31. Mai/1. Juni 1916 beteiligt. Sie fuhr zusammen mit den Leichten Kreuzern Frankfurt, Pillau, Elbing und Wiesbaden und weiteren Zerstörern der II. und VI. Torpedoboots-Flottille Aufklärung vor der Flotte. Ihr Stoppen des dänischen Dampfers N.J. Fjord führte indirekt dazu, dass der Kontakt zwischen den beiden Flotten hergestellt wurde. Während des Schlachtkreuzergefechts befand sich die II. Torpedoboot-Flottille im Feuerlee an der Spitze der deutschen Flotte und griff von dieser Position die 3rd Battlecruiser Squadron an, als diese als Vorhut der britischen Schlachtflotte in Sicht kam. Nach der dritten Gefechtskertwende der deutschen Schlachtflotte blieb die II. Torpedoboot-Flottille am Ende der Flotte und wurde zusammen mit Zerstörer der 12. Torpedoboot-Halbflottille für einen Nachtangriff auf die britischen Schlachtschiffe eingesetzt, der aber abgewehrt wurde. Die gesamte II. Torpedoboot-Flottille konnte in der Schlacht nur einen Torpedo abfeuern, setzte aber zum Teil im großen Umfang die eigene Artillerie ein.

Nach der Schlacht verlegte B 110 mit der II. Torpedoboot-Flottille nach Flandern. Dort trafen sie 22./23. Juli auf die britischen Leichten Kreuzer HMS Carysfort und HMS Canterbury und acht Zerstörer, wobei es aber keine Seite Treffer erzielte. Ende Juli kehrte die Flottille nach Wilhelmshaven zurück. Danach waren sie an mehrere Vorstößen mit Kreuzern und anderen Zerstörern, teilweise mit der Hochseeflotte beteiligt. Im Oktober 1917 wurden die B 110 im Rahmen der Landung bei Ösel eingesetzt und war am 14. Oktober an der Versenkung des russischen Zerstörers Grom beteiligt. Nach der Rückkehr in die Nordsee folgten erneute Vorstöße. Bei einem dieser kam es am 17. November 1917 zu einem Gefecht mit britischen Schlachtkreuzern, Kreuzern und Zerstörern. Am 11./12. Dezember versenkten B 110 mit drei weiten Zerstörern zwei Dampfer (oder nur einen schwedischen?) in der Tyne-Mündung. Bei einem Angriff auf britische Patrouillen im Kanal versenkten B 110 mit zwei Schwesterschiffen zwei britische Drifter und beschädigen mehere weitere.

Die B 110 wurde mit ihren Schwesterschiffen mit der Hochseeflotte in Scapa Flow interniert. Dort versenkte sie sich am 21. Juni 1919 selbst. Das Schiff wurde 1925/26 gehoben und abgewrackt.

Das Modell

Das Modell des Zerstörers B 110 baute ich aus dem Bausatz der B 98 von NNT. Dieser Bausatz stellt bereits den richtigen Bauzustand für die Skagerrakschlacht dar. Ich wollte eines der Schiffe bauen, das direkt an der Eröffnung der Schlacht beteiligt war. Etwas zu den Unterschieden zwischen den Schwesterschiffen fand ich hier. Der auffälligste Unterschied waren wohl die Lüfter neben dem mittleren Schornstein. Hier meine Interpretation davon:

Deshalb entschied ich mich die B 110 zu bauen, da hier keine Umbauten notwendig waren. Der Bausatz lies sich weitgehend problemlos bauen. An der Wasserlinie musste etwas Grat entfernt und einige Spalten geschlossen werden. Die geschlossene Reling an den Plattformen für die beiden 10,5 cm-Geschütze mittschiffs sowie an der Scheinwerferplattform am Fockmast habe ich entfernt, da hier nur eine offene Reling vorhanden war. Die Masten sind aus 0,4 mm- und 0,2 mm-Metallstäben gebaut. Ergänzt wurde noch ein Krähennest am Fockmast. Mit einem Metallstab wurde auch der fotogeätzte Bootskran verstärkt.

Bei den Zwillingsrohren soll man laut Anleitung die gleiche Basis wie bei den Einzelrohren darunter bauen - was ja nicht stimmen kann, da es dann keine Zwillingsrohre wären. Ich benutzte für die Zwillingsrohre Plastikscheiben mit 2 mm Durchmesser als Basis, für die Einzelrohre 0,75 mm dicke Plastikstäbe. Bei den 10,5 cm-Geschützen habe ich die Rohre durch Messingrohre von Master ersetzt, die eigentlich für britische 10,2 cm-Flak gedacht sind.

Die im Bausatz enthaltenen Beiboote ähneln deutlich späteren Motorbooten, weshalb ich sie durch Kutter aus der Restekiste ersetzt habe. Die Scheinwerfer im Bausatz wirken wie alte Pit-Road-Teile für die US Navy, so dass stattdessen welche von HP Models an Bord kamen. Ansonsten ergänzte ich noch die Entfernungsmesser aus Draht, einen angedeuteten Peilkompass aus Plastik und fotogeätzte Rettungsringe von NNT. Getakelt habe ich mit schwarzem UNI-Caenis 20 Denier-Faden, den ich mit einem Heißwachsspachtelgerät gespannt habe.

Im Gegensatz zu dem, was in Gröner über deutsche Anstriche steht, scheinen die Zerstörer der Hochseeflotte schon 1915 in einem hellem Grau statt dem davor üblichen Schwarz gestrichen gewesen zu sein. Dieses Grau entsprach dem der Rümpfe der großen Schiffe, war also die Farbe, die irreführend auch als "Dunkelgrau" bezeichnet wurde. Bei den Zerstörern waren aber Rumpf und Aufbauten in dieser Farbe gestrichen, die ich mit Vallejo Model Color 154 Signalgrau dargestellt habe. Für die Decks verwendete ich 167 Anthrazitgrau, für den hinteren Schornstein 28 Verkehrsrot. Der hintere Schorntein war das Erkennungsmerkmal während der Skagerrakschlacht. Er wurde auf See rot gestrichen und vor der Ankunft im Hafen wieder grau übermalt.

Links ein Größenvergleich mit einem typischen deutschen Zerstörer der Epoche, der G 40 (FlyHawk), und dem italienischen Spähschiff Carlo Mirabello aus dem Ersten Weltkrieg. In der Mitte ein Vergleich mit zwei Kreuzern aus dem Ersten Weltkrieg, dem Geschützen Kreuzer SMS Frauenlob und dem Leichten Kreuzer HMS Southampton . Rechts die B 110 mit einem Zerstörer aus dem Zweiten Weltkrieg, der USS Ellet, sowie einer modernen Fregatte, der Méndez Núñez.

Vielen Dank an Frank Fey, der mir viele Fotos von Zerstörern der B 97-Klasse zur Verfügung gestellt hat!

Quellen

Lars