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Britischer Flottillenführer HMS Valentine (1/700, Tamiya) von Lars Scharff Drucken
Samstag, 18. November 2017 um 06:00

 

17.11.1917 - 100 Jahre Zweite Schlacht von Helgoland

 

In der Zweiten Schlacht von Helgoland vor 100 Jahren, am 17. November 1917, führte der Flottillenführer HMS Valentine die britischen Zerstörer (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Die meiste Zeit verbrachten die Zerstörer im Feuerlee der größeren Einheiten. Valentine versuchte aber zusammen mit dem Zerstörer Vanquisher einen Torpedoangriff gegen die deutschen Kreuzer zu fahren, musste dies aber erfolglos abbrechen.

Das Original

Der britische Flottillenführer HMS Valentine war eines von fünf Schiffen der V-Klasse. Ihre Schwesterschiffe waren Vampire, Valhalla, Valorous und Valkyrie. Die Royal Navy plante bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs für die neueren Zerstörer-Klasse spezielle Flottillenführer zu bauen, die Kreuzer für diese Aufgabe ersetzen sollten. Diese Flottillenführer waren nicht mehr kleine Kreuzer, sondern vergrößerte Zerstörer mit stärkerer Artilleriebewaffnung, größerer Reichweite und besserer Kommunikationsausrüstung. Damit versprachen sie einerseits billiger zu sein, andererseits aber auch mit den gestiegenen Geschwindigkeiten der Zerstörer mithalten zu können. Nach den ersten speziell als Flottillenführer gebauten Klassen, der Marksman- und Parker-Klasse, forderte die Admiralität einen billigeren Flottillenführer, der aber von der Geschwindigkeit mit den neuen Zerstörern der R-Klasse mithalten sollte. Den Konstrukteuren gelang dies. Sie kombinierten die Antriebsanlage der R-Klasse mit einem größeren Rumpf (aber kleiner als bei der Parker-Klasse) und der Bewaffnung der Parker-Klasse. Sie ordneten die vier 10,2 cm-Geschütze aber neu an: sowohl vorne als auch achtern übereinander angeordnet. Der so entstandene Flottillenführer diente dann als Prototyp für Zerstörer der V/W-Klasse und von der Auslegung her als Prototyp für die meisten der zwischen den beiden Weltkriegen gebauten Zerstörer. Der Versuch einen billigeren Flottillenführer zu entwerfen endete in einem neueren stärkeren Zerstörer. Diese übertrafen die Flottillenführer der V-Klasse auch bald in Bezug auf die Bewaffnung, da sie 12 cm- statt 10,2 cm-Geschütze und Drillings- statt Zwillingstorpedorohre erhielten.

Die Valentine war 95,1 m lang, 9,0 m breit und verdrängte 1497 t. Der Antrieb bestand aus drei Kesseln und zwei Dampfturbinen, die 27.000 PS leisteten, womit 34 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 115 Mann.

Bewaffnung 1917
4 x 10,2 cm L/40 QF Mk V (Einzellafetten)
1 x 7,62 cm Flak
4 x 53,3 cm-Torpedorohre (zwei Zwillingsrohre)

Die Valentine wurde 1916-17 von Cammell Laird in Birkenhead gebaut. Sie führte während des Ersten Weltkriegs die 13th Destroyer Flotilla und war mit dieser an der Zweiten Schlacht von Helgoland beteiligt. Nach dem Krieg diente sie in der Ostsee während der britischen Intervention in den russischen Bürgerkrieg, später bei der Atlantik- und Mittelmeerflotte. 1939-40 wurde sie zu einem Flugabwehrschiff umgebaut, ein sogenannter Wair-Umbau. Dabei wurde ihre gesamte Bewaffnung entfernt und sie erhielt zwei 10,2 cm-Zwillingsflak und entsprechende Feuerleitung, zwei Vierlings-Maschinengewehre, Wasserbomben und modernen Sonar. Sie ging schon am 15. April 1940 bei Terneuzen verloren, nachdem sie von Stukas so schwer beschädigt worden war, dass sie auf den Strand gesetzt werden musste. Durch die Angriffe waren 31 Mann getötet und 21 verwundet worden.

Das Modell

An der Zweiten Schlacht von Helgoland waren zahlreiche deutsche und britische Leichte Kreuzer beteiligt - aber der einzige Bausatz im Maßstab 1/700 ist bisher der von WSW der SMS Pillau, die ich bereits gebaut habe (siehe hier). Also entschloss ich mich einen britischer Flottillenführer, also einen billigeren Kreuzerersatz, zu bauen: die HMS Valentine im Zustand von 1917. Hier gibt es einen Bausatz - und zwar den der HMAS Vampire von Tamiya. Auf dem ersten Blick ein normaler Zerstörer der V/W-Klasse, tatsächlich aber ein Flottillenführer der V-Klasse, aus der später die Zerstörer der V-Klasse entwickelt wurden. In British destroyers from earliest days to the Second World War befindet sich eine sehr detaillierte Zeichnung der Valhalla im Zustand von 1918, die erstaunlich genau mit dem Bausatz der Vampire im Zustand von 1941 übereinstimmt. Nach dem Studium diverser, leider meist sehr dunkler Fotos, der Valentine im Zeitraum 1917-19 fand ich dann doch einige minimale Unterschiede: der Kartenkasten an der Brücke war noch nicht nicht vorhanden und die Boote waren anders angeordnet. Dazu kommt natürlich noch, dass die meisten Flottillenführer der V-Klasse mit Ausnahme der Vampire mit Zwillingstorpedorohren statt Drillingstorpedorohren fertig gestellt wurden.

Der Bausatz von Tamiya ist insgesamt gut gemacht. Ich ersetzte die Masten durch Metallteile, die Davits durch Fotoätzteile von Starling Models und ordnete die Boote neu an. Bei den Torpedorohren ließ ich das obere Rohr weg und stellte sie so als Zwillingtorpedorohre dar. Für die Abstützungen der Brückennocks verwendete ich Fotoätzteile von NNT. Die Takelung stellte ich mit schwarzem UNI-Caenis 20 Denier-Faden dar.

Die Valentine habe ich, wie üblich, mit Acrylfarben von Vallejo Model Color bemalt. Für die vertikalen Flächen benutze ich 153 (907) Hellblaugrau, für die Stahldecks 166 (994) Dunkelgrau und Teile der Aufbautendecks 149 (872) Schokaldenbraun. Die Kennnummer habe ich aus Abziehbildern, die aus dem dem Bausatz der Bergamini-Klasse von Gwylan Models übrig geblieben sind, erstellt.

Links ein Vergleich mit einem typischen Zerstörer aus dem Ersten Weltkrieg, der deutschen SMS G 40 (1915, FlyHawk). Rechts ein Vergleich mit zwei sehr großen Zerstörern des Ersten Weltkriegs, SMS B 110 (1915, NNT) und Nowik (1913, Kombrig).

Links die Valentine im Vergleich mit einem typischen Zerstörer der Zeit zwischen den Weltkriegen, der USS Ellet (1939, Midship Models), und dem deutlich größeren Flottillenführer Taschkent (1939, Kombrig). Rechts noch ein Vergleich mit einem kleinen Lenkwaffenzerstörer aus dem Kalten Krieg, HMS Cardiff (1979, Revell) und einer modernen Fregatte, SAS Amatola (2006, Dutch Fleet Naval Miniatures).

Quellen

  • British destroyers from earliest days to the Second World War von Norman Friedman, Barnsley, 2009
  • HMS Valentine (L69) (Wikipedia)
  • Photo collection Imperial War Museums
  • Conway's All the World's Fighting Ships 1906-1921 von Robert Gardiner, London, 1992
  • The Grand Fleet Warship design and development 1906-1922 von David K. Brown, Barnsley, 2010

Lars