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Französischer Großzerstörer Jaguar (1/700, L'Arsenal) von Lars Scharff Drucken
Samstag, 23. Mai 2015 um 05:00

 

23.05.1940 - 75 Jahre Schlacht um Frankreich

 

Heute vor 75 Jahren, am 23. Mai 1940, wurde der französische Großzerstörer Jaguar vor Dunkerque (Dünkirchen) versenkt (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Nach dem deutschen Überfall auf Polen hatten Frankreich und Großbritannien zwar Deutschland den Krieg erklärt, aber an der Front zwischen Frankreich und Deutschland blieb es danach ruhig, weshalb diese Phase als Sitzkrieg, Drôle de Guerre oder Phoney War bezeichnet wird. Auf See sah die Situation wegen der deutschen Angriffe auf alliierte Handelsschiffe anders aus. Nach dem Überfall auf Dänemark und Norwegen begannen die deutschen Truppen aber am 10. Mai 1940 den Angriff auf Frankreich sowie die neutralen Niederlande, Belgien und Luxemburg (Fall Gelb). Dieser Feldzug wurde durch die Land- und Luftstreitkräfte entschieden, aber die französische Marine erlitt im Kanal beim Versuch den deutschen Vormarsch aufzuhalten durch Angriffe der deutschen Luftwaffe und deutscher Schnellboote, aber auch Minen, schwere Verluste. Neben dem Großzerstörer Jaguar wurden ihr Schwesterschiff Chacal und fünf französische Zerstörer versenkt. Auch sieben britische Zerstörer sowie diverse kleinere Kriegs- und viele Handelsschiffe wurden bei den Kämpfen an der Kanalküste versenkt.

Das Original

Der französische Großzerstörer Jaguar war das Typschiff seiner Klasse, die auch Typ 2400 t genannt wurde. Diese Klasse waren die ersten Großzerstörer der französischen Marine. Ausgehend von den Erfahrungen in der Nordsee und in der Adria während des Ersten Weltkriegs, in dem schnelle, ungepanzerte oder schwach gepanzerte leichte Einheiten den Hauptteil der Kämpfe auf See ausfochten, wollte die französische Marie ihre leichten Streitkräfte verstärken. Da kaum moderne Kreuzer vorhanden waren, wurde neben neuen Leichten Kreuzern eine weitere, billigere Alternative gesucht. Vergrößerte Zerstörer mit stärkerer Artillleriebewaffnung sollten Kreuzeraufgaben wahrnehmen können. Sie sollten zur Unterstützung der Flotte als Aufklärer und Schutz gegen Angriffe von Zerstörer dienen, gegnerische Aufklärer und Handelsrouten angreifen und die eigenen Handelsrouten verteidigen.

Ähnliche Überlegungen hatte es bereits vor dem Ersten Weltkrieg in mehreren Marinen gegeben. Bereits 1907 versuchte Admiral Fisher in der britischen Marine mit der Swift einen neuen Typ einzuführen, der die bisherigen kleineren Kreuzer ersetzen sollte. Im Gegensatz zu Fishers bekannteren Dreadnought und Invincible, den Urahnen der Dreadnought-Schlachtschiffe bzw. Schlachtkreuzer, scheiterte dieser Ansatz allerdings. Die argentinische und die chilenische Marine bestellten vor dem Ersten Weltkrieg eine Reihe Großzerstörer, die von der argentinischen Marine Spähschiffe (exploradores) genannt wurden. Ein Teil dieser Schiffe diente später bei der britischen, deutschen, griechischen und französischen Marine, da sie entweder bei Kriegsausbruch beschlagnahmt wurden oder wegen unzureichender Leistungen weiterverkauft wurden. Auch die italienische Marine beschaffte ab 1913 mehrere Klassen von Großzerstörern, die als Leichte Spähschiffe (esploratori leggeri) klassifiziert wurden. Eventuell waren auch die deutschen "Großen Torpedoboote 1916", u.a. die S 113- und V 116-Klasse, für ähnliche Aufgaben gedacht. Die britische Marine entwickelte im Ersten Weltkrieg mehrere Klassen eines weiteren Typs von Großzerstörer, die als Flottillenführer (destroyer leader) die Kreuzer in dieser Aufgabe entlasten sollten. Wegen dieser Schiffe werden die Großzerstörer anderer Marinen oft als Flottillenführer bezeichnet, obwohl diese Marinen ihre Großzerstörer meist anders verwendeten.

Neben der Beobachtung der Einsätze der italienischen esploratori leggeri in der Adria dürfte die deutsche S 113, die als Kriegsbeute nach Frankreich kam, als Inspiration für die französischen Großzerstörer gedient haben. Die französischen Schiffe wurden als contre-torpilleurs bezeichnet, also eigentlich "Zerstörer", während die tatsächlichen Zerstörer der französischen Marine als torpilleurs klassifiziert waren, also eigentlich "Torpedoboot". Insgesamt sechs Schiffe der Jaguar-Klasse wurden gebaut, die alle nach Raubtieren benannt wurden: Jaguar, Tigre, Chacal, Panthère, Léopard und Lynx. Auf diese Klasse folgten die vergrößerte Guépard-, Aigle- und Vauquelin-Klasse, von denen je sechs Schiffe gebaut wurden und die alle vier Schornsteine hatten.

Bei dem Entwurf der Jaguar-Klasse wurde Wert auf eine starke Artillleriebewaffnung, eine hohe Geschwindigkeit und gute Seetüchtigkeit gelegt. Eine große Reichweite wurde mit Hinblick auf Einsätze in der Nordsee und Mittelmeer für unwichtig gehalten. Die hohe Geschwindigkeit wurde als bester Eigenschutz gesehen, weshalb auf eine Panzerung verzichtet wurde. Wie viele erste Klassen eines neuen Typs wies auch die Jaguar-Klasse zahlreiche Mängel auf. Die Feuergeschwindigkeit ihrer Geschütze war zu gering und wegen der hohen Topplastigkeit rollten die Schiffe stark, weshalb der Einsatz der Artilllerie auf große Entfernung schwierig war. Wegen der Topplastigkeit musste ein Teil der Ausrüstung wieder von Bord genommen werden, u.a. einen Teil der Wasserbombenwerfer.

Wegen der Mängel wurden diverse Modernisierungen der Jaguar-Klasse erwogen. Der Ersatz der 13 cm-Geschütze durch die stärkeren und schneller feuernden 13,8 cm-Geschütze konnte wegen der schon zu hohen Topplastigkeit aus Gewichtsgründen nicht durchgeführt werden. Ein Umbauprojekt zu Flugabwehrschiffen mit 10 cm-Zwillingsflak konnte vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nicht mehr realisiert werden. Neben Verbesserungen der Feuerleitung war der Ersatz der beiden 7,5 cm-Flak durch vier 1,3 cm-Zwillingsflak die einzige durchgeführte Modernisierung. Nach Ausbruch des Kriegs musste die U-Jagd-Bewaffnung verstärkt werden, wofür das 13 cm-Geschütz Nr. 3 aus Gewichtsgründen von Bord genommen werden musste. Außerdem wurde der Großmast der Lynx, Panthère und Tigre 1940 entfernt, um den Feuerbereich der Flak zu verstärken. Léopard, die ab August 1940 bei den freien französischen Streitkräfte (FNFL) auf der Seite der Alliierten weiterkämpfte, wurde mit britischen Flak modernisiert, verlor auch ihren Großmast sowie den vorderen Kessel und damit den ersten Schornstein. Letztere waren entfernt worden, um den Fahrbereich durch zusätzliche Treibstoffbunker steigern zu können. Tigre, die ab 1943 auf der Seite der Alliierten kämpfte, wurde ähnlich modernisiert.

Jaguar und Chacal gingen 1940 während der Kämpfe um Frankreich verloren. Lynx wurde 1942 in Toulon selbstversenkt und konnte nicht mehr in Dienst genommen werden, weshalb sie 1944 verschrottet wurde. Léopard lief 1943 bei Bengasi auf und konnte nicht mehr geborgen werden. Panthère und Tigre fielen 1942 nach der  Eroberung von Toulon durch die Achsenmächste den Italienern in die Hände, die Panthère (umbenannt in FR-22) beim Waffenstillstand 1943 versenkten, während die in FR-23 umbenannte Tigre an die französische Marine zurückgegeben wurde und als einziges Schiff der Klasse den Krieg überlebte.

Die Jaguar war 126,8 m lang, 11,3 m breit und verdrängte voll beladen 2950 t. Ihr Antrieb bestand aus fünf Kesseln und zwei Dampfturbinen, die 57 000 PS leisteten und eine Geschwindigkeit von 35 kn ermöglichten. Die Besatzung setzte sich aus 199 Mann zusammen.

Bewaffnung 1939
5 x 13 cm L/40 Modèle 1919 (fünf Einzellafetten)
8 x 1,3 cm L/76 Hotchkiss Modèle 1929 (vier Zwillingslafetten)
6 x 55 cm-Torpedorohre Modèle 1920T (zwei Drillingsrohre für Modèle 1919D-Torpedos)
2 Wasserbombenwerfer (20 Wasserbomben)

Die Jaguar wurde 1922-26 von der Marinewerft Lorient gebaut. Sie gehörte lange zur Atlantikflotte und hatte Brest als Heimathafen. Neben vielen Trainingseinsätzen wurde sie auch auf weitere Reisen geschickt, so 1927 in den Südatlantik. Im Gegensatz zu ihren Schwesterschiffen, die meist zwei Flottillen von Großzerstörern angehörten, diente Jaguar zeitweise auch als Flottillenführer für Zerstörer. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gehörte Jaguar zusammen mit den Schwesterschiffen Léopard und Panthère zur 2e D.C.T. Wie viele Großzerstörer-Divisionen setzte sich auch diese aus drei Schwesterschiffen zusammen, die gemeinsam operieren sollten. Sie patrouillerten während der ersten Monate im Kanal und geleiteten Handelsschiffe nach Gibraltar. Bei einem dieser Einsätze kollidierte Jaguar in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar 1940 in der Biskaya mit dem britischen Flottillenführer Keppel, wobei ein Mann ihrer Besatzung getötet wurde, als sich der Bug der Keppel  auf Höhe der Brücke fast bis zur Schiffsmitte in die Back bohrte. Sie konnte schwer beschädigt Brest erreichen, wo sie bis Anfang Mai 1940 repariert wurde.

Zusammen mit den Schwesterschiffen Chacal und Léopard bildete Jaguar danach die 2e D.C.T. Nach weiteren Geleiteinsätzen wurde sie in den Kanal verlegt, um die französischen Truppen im Raum Dunkerque (Dünkirchen) gegen den deutschen Vormarsch zu unterstützen. Dabei beschoss sie mit der Chacal  und neun Zerstörern deutsche Truppen. Am 22. Mai erhielt sie den Auftrag, Sprengungsteams zur Zerstörung des Hafens von Dunkerque abzusetzen. Auf der Fahrt wurde sie von deutschen Flugzeugen angegriffen, die das Schiff durch MG-Feuer beschädigten, wobei zwei Mann der Besatzung getötet und 15 verwundet wurden. Eine Stunde später, kurz nach Mitternacht am 23. Mai, lauerten ihr vor der Einfahrt in den Hafen von Dunkerque die deutschen Schnellboote S 21 und S 23 auf. Wegen der geringen Geschwindigkeit und da der Angriff zu spät bemerkt wurde, konnte Jaguar einem Torpedo nicht ausweichen. Sie wurde mittschiffs getroffen und bekam schnell Schlagseite. Trotz des Einsatzes von Schleppern konnte sie nicht gehalten werden und musste auf die Sandbäcke vor Dünkirchen auf Grund gesetzt werden. 13 Mann der Besatzung starben und 23 wurden verletzt, die restliche Besatzung beteiligte sich danach an der Verteidigung Dunkerques. Das Wrack war nach der Schlacht um Dunkerque/Dünkirchen noch sichtbar und liegt heute in acht Metern Tiefe.

Das Modell

Mein Modell der Jaguar zeigt sie nicht im Zustand vom Mai 1940, sondern im Zustand von etwa Oktober bis November 1939. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Jaguar ein mehrfarbiges Tarnschema, das damals bei der französischen Marine sehr selten war. Im Mai 1940 sah sie etwas anders aus: das 13 cm-Geschütz Nr. 3 war ausgeschifft, stattdessen waren die beiden 1,3 cm-Zwillinge, die zuvor auf dem Oberdeck standen, auf die Plattform des 13 cm-Geschützes montiert worden. Auf die Position der 1,3 cm-Zwillinge kamen Wasserbombenwerfer. Auch die Ziffernblätter zum Anzeigen der Entfernung für die Feuerleitung innerhalb einer Division (cadran optique de tir groupé) waren entfernt worden. Der Anstrich der Jaguar 1940 war dunkelgrau mit der roten Kennnummer X21.

Aber zurück zum Modell des Zustands von Ende 1939: der Bausatz von L'Arsenal zeichnet sich durch gute Gussqualität, Fotoätzteile und Abziehbilder aus. Er ist für Léopard und Lynx im Zustand von 1936-39 ausgelegt, passt also vom Bauzustand schon recht gut. Ich habe leider ein älteres Exemplar mit einem massiven Anguss unter dem Rumpf erwischt. Bei dessen Entfernung ist mir der Rumpf hinter der Back auch noch in zwei Teile zerbrochen.

Teile der Decks sind als Fotoätzteile ausgelegt. Diese Lösung ist nicht optimal, da die Detaillierung der Gasdruckabweiser bei den Geschützen 2, 3, und 4 nicht sehr gut ausfällt. Auch sonst muss man aufpassen, ob die Fotoätzteile überhaupt sinnvoll sind. Die Teile für die Masten nutzte ich zum Beispiel nicht. Die Abstützungen der Brückenflügel sind für einige Schwesterschiffe richtig, aber Jaguar hatte einfach nur zwei Pfosten ohne die Verstrebung dazwischen. Deshalb kamem hier Metallstäbe statt der Fotoätzteile zum Einsatz.

Für die 13 cm-Geschütze verwendete ich die Teile aus dem Bausatz. Für die 1,3 cm-Zwillingsflak liegen sowohl fotogeätzte Rohre bei als auch entsprechende Teile aus Resin. Leider fehlten bei meinem Exemplar einige der Resinteile bzw. sie waren zerbrochen, sodass ich die flachen Fotoätzteile verwendete. Auch ein Spritzling mit Beibooten fehlte, den ich aus einem zweiten Bausatz nehmen musste - aus dem später die Léopard im Zustand von 1942/43 werden soll. Die Boote waren meiner Interpretation nach nicht auf beiden Seiten identisch aufgestellt: an Backbord stand das Motorboot (vedette) neben dem vorderen Schornstein und das Walboot (baleinière) hing an den Davits, während es an Steuerbord umgedreht war. Die Ziffernblätter zum Anzeigen der Entfernung für die Feuerleitung innerhalb einer Division (cadran optique de tir groupé) fehlten im Bausatz. Am einfachsten zeichnet man diese wohl am Computer und druckt sie aus, aber wegen eines Ausfalls meines Druckers malte ich mit der Lochzange ausgestanzte Plastikscheiben schwarz und deutete mit einem weißen Stift die entsprechenden Ziffern an. Auch der 5 m-Entfernungsmesser auf der Brücke und der 1 m-Entfernungsmesser vor dem hinteren Torpedorohr fehlen im Bausatz und ich musste sie aus Plastik- und Metallteilen selbst bauen.

Die Masten baute ich aus Metallstäben in verschiedenen Stärken statt die beigelegten Resin- und Fotoätzteile zu nutzen. Ich wollte die Resinteile als Vorlage nutzen, aber die Länge der Teile musste ich anpassen, da sie so nicht gepasst hätten. Der Großmast ist schwierig zu bauen, da er asymmetrisch aufgestellt war. Nicht nur die Masten meines Modells sind aus Metall, sondern auch die Bootskräne hinter der Brücke (Metallstäbe), die kleinen Kräne mittschiffs (aus Kupferdraht gebogen) sowie die Schienen für die Wasserbomben (ebenfalls aus Kupferdraht gebogen). Die Kräne und Masten sind mit schwarzem UNI-Caenis 20 Denier-Faden getakelt.

Der Anstrich beruht auf den Angaben und Zeichnungen in Les CT de 2400 tonnes du type Jaguar von Jean Lassaque. Das Tarnschema war symmetrisch aufgebracht und bestand aus drei Grautönen. Für diese habe ich von Vallejo Model Color 153 Hellblaugrau, 156 Blaugrau Hell und 162 Basaltgrau benutzt. Alle Decks, egal ob Stahldecks oder mit Linoleum belegte, waren ab 1931 rötlich gestrichen, wofür ich 136 Rotes Leder genutzt habe. Das mit Holz beplankte Brückendeck bemalte ich mit 124 Iraqui Sand. Für die Beiboote nahm ich 167 Anthrazitgrau (Unterwasserschiff der vier größeren Boote), 153 (Rumpf) und 124 (Innenseiten).

Quellen

Lars