Modellsuche

Suchen

GTranslate

English French Italian Japanese Russian Spanish Swedish

Niederländische Lenkwaffenfregatte Tromp Drucken
Sonntag, 24. Mai 2015 um 05:00

Tromp

Die Zr.Ms. Tromp ist eine niederländische Lenkwaffenfregatte der De Zeven Provinciën-Klasse, die auch als LCF-Klasse (Luchtverdedigings- en commandofregat, d.h. Flugabwehr- und Kommandofregatte) bezeichnet wird. Der Ursprung dieser Klasse liegt im NFR-90-Programm (NATO Frigate Replacement for 90s). In diesem Programm versuchten Ende der 1970er die britische, deutsche, französische, italienische, kanadische, niederländische, spanische und US-amerikanische Marine gemeinsam eine Fregatte zu entwerfen. Dieses Programm scheiterte 1989 an unterschiedlichen Entwurfsvorstellungen und überraschenderweise insbesondere daran, dass jeweils die eigene Industrie gefördert werden sollte. Die deutsche, niederländische und spanische Marine schlossen sich daraufhin zur Trilateral Frigate Cooperation zusammen. Ihr Ziel war die Entwicklung von Flugabwehrfregatten als Ersatz für die Lütjens-, Tromp- bzw. Baleares-Klasse.

Diese Zusammenarbeit war sehr lose, d.h. die daraus resultierenden Klassen mit den Typschiffen Sachsen (F124), De Zeven Provinciën (LCF) und Álvaro de Bazán (F100) weisen sehr deutliche Unterschiede auf. Am ähnlichsten fällt noch die Bewaffnung aus, die wahrscheinlich aus Kostengründen gemeinsam bestellt wurde: SM-2- und ESSM-Flugabwehrraketen sowie Harpoon-Anti-Schiffsraketen. Dagegen wählten die drei Marinen für das Bordgeschütz jeweils ein unterschiedliches Modell. Auch für die Nahbereichsabwehr gab es unterschiedliche Lösungen: die niederländischen Fregatten verfügen über Goalkeeper-Geschütze und ESSM-Raketen, während die deutschen neben ESSM RAM-Raketen einsetzen können und die spanischen Schiffe nur über das ESSM-System verfügen. Für die U-Jagd stehen auf allen drei Klassen Bordhubschrauber und Torpedorohre zur Verfügung. Die niederländischen Schiffe haben, wie die spanischen, einen Hangar für einen Hubschrauber, die deutschen dagegen für zwei.

Während die spanischen Schiffe mit dem SPY-1-Radar als Teil des AEGIS-Systems ausgerüstet sind, wurden die De Zeven Provinciën- und die Sachsen-Klasse mit den europäischen APAR- und SMART L-Radarsystemen ausgestattet. APAR ist ein fest montierter aktiver phasengesteuerter Radar (Active Phased Array Radar), der präzise genug ist, um sowohl als Such- als auch als Feuerleitradar für die Flugabwehrraketen dienen zu können. Da dafür kurzwellige Radarstrahlung (X-Band) notwendig ist, ist die Reichweite begrenzt, weshalb als Suchradar zusätzlich SMART-L vorhanden ist. Dies ist ein drehender aktiver phasengesteuerter Radar, er arbeitet allerdings auf dem längerwelligen L-Band. Der Vorteil von APAR/SMART-L gegenüber dem SPY-1-Radar (ein passiver phasengesteuerter Radar) in Kombination mit SPG-62-Feuerleitradar dürfte in einer größeren Präzision und Reichweite sowie höherer Flexibilität und geringerer Störanfälligkeit liegen.

Die Tromp ist 144,2 m lang, 18,8 m breit und verdrängt 6050 t. Der Antrieb erfolgt über zwei Diesel und zwei Gasturbinen, die bei Höchstfahrt zugeschaltet werden. Gemeinsam leisten sie 60 800 PS, womit 30 kn erreicht werden. Die Besatzung setzt sich aus 169 Personen plus zehn für den Hubschrauber (Besatzung, Mechaniker) zusammen. Unterbringungsmöglichkeiten sind für 207 Personen vorhanden, so dass auch ein Geschwaderstab aus 18 Personen Platz finden kann.

Bewaffnung
1 x 12,7 cm L/54 OTO Melara Compact
1 x 3 cm Goalkeeper-Nahbereichsabwehrgeschütze (ein siebenrohriger Gatling, Platz für einen weiteren vorhanden)
4 x 1,27 cm Browning M2-MG
2 Vierfach-Harpoon-Anti-Schiffsraketen-Starter
1 40fach Mk 41 VLS-Starter (für SM-2- und ESSM-Flugabwehrraketen, je 32 vorhanden, 4 ESSM passen in einen Starter)
4 x 32,4 cm-Torpedorohre (fest eingebaute Zwillingsrohre für Mk 46-Torpedos
1 NH90 NFH-Bordhubschrauber (früher Westland Lynx)

Die Tromp (F803) wurde 1999-2003 bei Royal Schelde in Vlissingen gebaut. Sie kam schon weit in der Welt herum, so war sie 2006 für Übungen im Pazifik. 2010 operierte sie im Rahmen von Operation Atalanta im Indischen Ozean und jagte Piraten, u.a. rettete sie den Frachter Lübeck und befreite den Frachter Taipan. 2011 griff sie in den Libyenkrieg ein. Die Besatzung ihres Lynx-Bordhubschraubers geriet dabei während eines Evakuierungseinsatzes in libysche Gefangenschaft.

Im Maßstab 1/350 gab es einen Bausatz der De Zeven Provinciën (LCF)-Klasse von Artitec (siehe auch MW Models/Naval Models). Im Maßstab 1/700 kann man sich von Shapeways ein Modell von Dutch Fleet Naval Miniatures ausdrucken lassen.

Die Tromp besuchte im Mai 2015 mit anderen Schiffen der Standing NATO Maritime Group 2 Kopenhagen. Hier Fotos, die am 17. Mai 2015 aufgenommen wurden:

Link zur Bildergalerie

 

Quellen

Siehe auch die Fotos des Schwesterschiffs Evertsen.

Lars