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HP Models: Schwerer Kreuzer HMS Frobisher (1/700) Drucken
Dienstag, 22. April 2014 um 05:00

Deckelbild

Modell: Leichter Kreuzer der Hawkins-Klasse H.M.S. Frobisher
Hersteller: HP Models
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Messingrohre, Papierflaggen
Art.Nr.: WW II-WL-GB-173
Preis: 79 €

Das Original

Die Frobisher war einer der Schweren Kreuzer der Hawkins-Klasse. Die Klasse beruhte auf den Erfahrungen mit der Bekämpfung deutscher Kreuzer und Hilfskreuzer, die zu Beginn des Ersten Weltkriegs gegen britische Handelsschiffe eingesetzt wurden. Da weitere ähnliche Einsätze erwartet worden waren, wurde 1915 eine neue Klasse entworfen. Anforderungen waren ein großer Fahrbereich, ein Teil der Kessel sollte Kohle-befeuert sein (da man meinte, dass der Ölnachschub nicht überall gewährleistet werden konnte), eine Geschwindigkeit von 30 kn und eine Bewaffnung, die es den neuen Kreuzern ermöglichen sollte, fliehende deutsche Kreuzer zu stellen und zu versenken.

Um diese Anforderungen zu erfüllen, war ein relativ großer Rumpf notwendig. Obwohl die Hawkins-Klasse auch als verbesserte Birmingham-Klasse bezeichnet wurde und der Rumpf eine ähnliche Auslegung hatte (ein weit nach achtern verlängertes Backdeck), beruhte die Form des Rumpfs auf dem des Großen Leichten Kreuzers Furious. Der Seitenpanzer neigte sich nach außen, so dass die Schutzwirkung erhöht war. Zusätzlich gab es eine Panzerung um die Magazine. Es gab auch Torpedowülste, die allerdings zu schmal waren, um wirksam zu schützen. Nur zwei der Schiffe, Hawkins und Cavendish (die als Vindictive fertig gestellt wurde), erhielten Kohle-befeuerte Kessel. Frobisher und Effingham erhielten statt der vier Kohle-befeuerten Kessel zwei Öl-befeuerte Kessel, Raleigh erhielt vier Öl-befeuerte Kessel und so die stärkste Antriebsanlage. Verschiedene Varianten der Bewaffnung wurden erwogen, u.a. 14 15,2 cm-Geschütze oder zwei 23,4 cm- und acht 15,2-Geschütze. Um Salven auf große Reichweite feuern zu können, entschied man sich für eine einheitliche Bewaffnung mit 19 cm-Geschützen.

Das Ergebnis waren die ersten Schweren Kreuzer, die lange vor dem Washingtoner Flottenvertrag von 1922 geplant wurden. Sie beeinflussten die im Vertrag für Kreuzer gesetzten Höchstgrenzen stark, da einerseits Großbritannien diese Schiffe behalten wollte, andererseits die amerikanische und japanische Marine mit ähnlich starken Kreuzern reagieren wollten. Allerdings veraltete die Hawkins-Klasse schnell, da ihre Hauptbewaffnung aus Hand-betriebenen Geschützen hinter leichten Schutzschilden bestand. Hierfür war der Kaliber einfach zu schwer, da eine Granate etwa 100 kg und das Geschütz 14 t (die gesamte Lafette mit Schutzschild 46 t) wog.

Nachdem klar wurde, dass die deutsche Marine im Ersten Weltkrieg keine starken Kreuzer mehr auf die Weltmeere schicken würde, sondern voll auf U-Boote setzte, wurde der Bau der Kreuzer der Hawkins-Klasse ohne Priorität fortgesetzt. Lediglich die Cavendish, die nach dem berühmten Geschützen Kreuzer der Angriffe auf Zeebrügge und Ostende in Vindictive umbenannt worden war, wurde noch vor Ende des Ersten Weltkriegs als Flugzeugträger fertig gestellt. Vindictive wurde 1923 wieder zum Kreuzer umgebaut. Wegen der Flottenverträge wurden die vier überlebenden Schiffe, Raleigh ging schon 1922 durch Auflaufen verloren, ab 1932 abgerüstet und entweder außer Dienst gestellt oder als Schulschiffe verwendet. Bei Vindictive wurde ein Teil der Kessel entfernt, weshalb sich der Rückbau zum Kreuzer nicht mehr lohnte und sie zum Reparaturschiff umgebaut wurde. Effingham wurde 1937-39 zum Leichten Kreuzer umgebaut und erhielt 15,2 cm-Geschütze, die von zu Flakkreuzern umgebauten Schiffen der C-Klasse verfügbar waren. Die beiden übrigen Schiffe, Hawkins und Frobisher, wurden bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wieder als Schwere Kreuzer bewaffnet.

Die Frobisher war 184,2 m lang, 19,8 m breit und verdrängte voll beladen etwa 12500 t. Der Antrieb erfolgte über zehn Kessel und vier Dampfturbinensätze, die vier Schrauben trieben und insgesamt 65000 PS leisteten. Hiermit wurden 30,5 kn erreicht. Die Besatzung setzte sich aus 709 Mann zusammen.

Bewaffnung 1924
7 x 19 cm L/45 BL Mk VI (sieben Mk V-Einzellafetten)
3 x 10,2 cm L/45 QF MK V (drei Mk III HA-Einzellafetten)
2 x 4 cm L/39 Mk II 2-Pfünder Pom-Pom (zwei Mk II-Einzellafetten)
6 x 53,3 cm-Torpedorohre (zwei unterwasser, vier überwasser)

Bewaffnung 1942
5 x 19 cm L/45 BL Mk VI (fünf Mk V-Einzellafetten)
5 x 10,2 cm L/45 QF MK V (fünf Mk III HA-Einzellafetten)
16 x 4 cm L/39 Mk VIII 2-Pfünder Pom-Pom (vier Mk VII-Vierlingslafetten)
7 x 2 cm L/70 Oerlikon (Einzellafetten)
6 x 53,3 cm-Torpedorohre (zwei unterwasser, vier überwasser)
Wasserbomben

Die Frobisher wurde 1916-24 auf der Marinewerft Devonport gebaut. Von 1924-29 war sie Flaggschiff der 1st Cruiser Squadron und meist im Mittelmeer stationiert - abgesehen von einem Einsatz 1926 in China. 1927 erhielt sie ein viertes 10,2 cm-Geschütz sowie ein Katapult auf dem Achterdeck. 1929 wurde sie zur 2nd Cruiser Squadron im Atlantik verlegt, aber schon 1930 zur Reserveflotte verlegt. Von 1932-39 diente sie als Schulschiff, wobei nach und nach der Großteil der Bewaffnung entfernt wurde. Anfang 1939 wurde Frobisher aufgelegt.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs entschied man sich Frobisher wieder zum Schweren Kreuzer auszurüsten, was zuerst in Portsmouth und dann in Devonport erfolgte. Nur fünf der 19 cm-Geschütze wurden wieder eingeschifft, dafür wurde die Flak-Bewaffnung deutlich verstärkt. Die Werftliegezeit zog sich bis Januar 1942 hin. Von 1942-1944 wurde sie bei der 4th Cruiser Squadron im Indischen Ozean als Geleitschiff eingesetzt, im März 1944 kehrte sie nach Großbritannien zurück und wurde der 1st Cruiser Squadron der Home Fleet zugeteilt, um die Landung in der Normandie zu unterstützen. Sie erhielt zwölf zusätzliche 2 cm Oerlikon. Ab dem 6. Juni 1944 unterstützte Frobisher die Landung am Sword Beach durch Feuerunterstützung, genauer bombardierte sie eine Batterie und den Grand Bunker in Ouistreham. Beim Aufmarsch wurde sie von deutschen Schnellbooten angegriffen, die den geleitenden norwegischen Zerstörer Svenner versenkten. Am 7. Juni wurde sie von Küstengeschützen leicht beschädigt, am 18. Juli erhielt sie einen Bombentreffer auf Geschütz B, wobei sechs Mann getötet und zwölf verwundet wurden. Am 3. August rettete sie die Besatzung des Geleitzerstörers Quorn, der von einem Sprengboot des Typs Linse versenkt worden war. Schließlich wurde sie am 8. August durch einen Torpedo des Typs Dackel (ein Torpedo mit großer Reichweite, der Schleifenmuster im Zielgebiet fährt), der von einem Schnellboot abgefeuert worden war, am Vorschiff getroffen. Sie musste sich nach Chatham für Reparaturen zurückziehen.

Von Oktober 1944 bis März 1945 wurde Frobisher in Rosyth zum Schulschiff umgebaut, wobei die Bewaffnung stark reduziert wurde. In dieser Funktion diente sie bis 1947, worauf sie bis 1949 in Devonport bei der Reserveflotte lag. 1949 wurde sie zum Abwracken nach Newport verkauft.

Frobisher erhielt einen Battle Honour: Normandy 1944.

Der Bausatz

Es ist immer wieder interessant, dass die Royal Navy und ihre Schiffe zu den bekanntesten und am besten in der Literatur belegten gehören, aber in Bezug auf Bausätze doch lange vergleichsweise stiefmütterlich behandelt wurden. HP Models bringt aber seit einigen Jahren regelmäßig neue Bausätze heraus, die Lücken in der Sammlung britischer Schiffe im Maßstab 1/700 schließen. Zu den letzten Neuheiten gehören zwei Bausätze der Hawkins-Klasse: HMS Hawkins im Zustand von 1942 sowie die hier besprochene HMS Frobisher ebenfalls im Zustand von 1942. Die Bausätze dürften nicht identisch sein, da Hawkins in diesem Bauzustand noch mit allen sieben 19 cm-Geschützen ausgerüstet war, während Frobisher nur noch über fünf verfügte.

Der Bausatz ist als Wasserlinienmodell ausgelegt. Der Rumpf meines Exemplars ist etwa 2 mm zu kurz (0,8% der Länge), aber sonst von der Form und den Details sehr gut wiedergegeben. Lediglich die Unterschiede im Verlauf der Oberkante des Seitenpanzers am Achterschiff im Vergleich zu den Zeichnungen in Raven-Roberts bzw. Friedman, die fehlenden Ankerklüsen sowie die fehlende Schrägstellung der Bordwand mittschiffs fallen auf. Letztere ist auf den Plänen im Raven-Roberts erkennbar, aber auf Fotos kaum auszumachen. Die Gussqualität des Rumpfs ist überwiegend sehr gut. Bemerkenswert ist der sehr dünn gegossene Splitterschutz. Es gibt ein paar Luftblasen, die aber leicht korrigierbar sein dürften.

Die Aufbauten wirken im Vergleich zu den Plänen richtig dargestellt, auch die Gussqualität ist sehr gut. Einige werden die Oberseiten der Schornsteine, deren Grille und Öffnungen nur angedeutet sind, sowie die nur als Relief dargestellten Abstützungen der Plattformen für die 10,2 cm Flak mittschiffs bzw. der vorderen Pom-Pom-Vierlinge verbessern wollen.

Auch die Bewaffnung ist sehr gut gemacht. Die 19 cm-Geschütze bestehen aus einem hinten offenen Schutzschild (siehe unten), der Lafette und einem Messingrohr (siehe unten). Auch die leichten Flak bestehen aus mehreren Teilen, während die 10,2 cm-Flak aus einem Teil besteht, aber trotzdem gut wirkt. Die Rohre für die PomPom und der Oerlikon können eventuell verbessert werden.

Hier die Beiboote, Schutzschilde der 19 cm-Geschütze, Rettungsflöße, Anker, Otter, Scheinwerfer und Entfernungsmesser. Die Teile sind gut gemacht und die Beiboote ähneln zumindest britischen Vorbildern. Lediglich bei den Entfernungsmessern gab es etwas Bruch (siehe oben links).

Weitere Teile

Dem Bausatz liegen Messingrohre für die 19 cm-Geschütze bei, wobei nur der vordere Teil des Rohrs aus Messing dargestellt wird, der hintere Teil mit dem Verschluss ist an die Lafette angegossen (siehe oben).

Dazu liegen auf dünnem Papier gedruckte Flaggen bei:

Flaggen

Die Anleitung

Die Anleitung umfasst technische Angaben, eine Seitenansicht, eine Auflistung der Resinteile, die Abmessungen der Masten, die man aus Metall selbst anfertigen sollte, eine Explosionszeichnungen sowie zwei Ansichten des Tarnschemas.

 

Neben der Explosionszeichnung und der Seitenansicht wäre für den Zusammenbau noch eine Aufsicht hilfreich gewesen. Einen entsprechenden Plan der Frobisher im Zustand von 1942 findet man im Raven-Roberts und Friedman (siehe Quellenangeben unten). Beim Tarnschema gibt es einige Unterschiede zu dem in Warship Perspectives Camouflage Volume Two: Royal Navy 1942 (Seite 17), z.B. bei der Farbe von Geschütz B und X an Steuerbord. Hier empfiehlt sich ein genaues Studium von Fotos. Auch fehlen Angaben für die Farben. Laut Raven war Frobisher mit MS1, B5 und 507C gestrichen, während die Holzdecks unbemalt waren, die Dächer der Schutzschilder von Geschütz A, B, Q und X dunkelgrau und das von Y hellgrau gestrichen war.

Zur Komplementierung bräuchte man noch einige Fotoätzteile, z.B. für den Type 285-Radar auf den Feuerleitgeräten für die 4 cm-Flak (die hinter dem hinteren Schornstein stehen) und den Type 281-Radar an den Mastspitzen. Diese gibt es z.B. von WEM und LionRoar.

Der Umbau von Frobisher in den Zustand von 1944 sollte nicht zu kompliziert sein, wenn man ausreichend gute Fotos findet, die zeigen, wo die zusätzlichen Oerlikons aufgestellt waren. Für den Umbau in einen früheren Zustand, z.B. mit Tropenanstrich (weißer Rumpf, ockerfarbene Aufbauten und Schornsteine) in China 1926, sollte der Bausatz der Hawkins die bessere Ausgangslage sein, da hier alle sieben 19 cm-Geschützen enthalten sein sollten. Es bleibt zu hoffen, dass noch Bausätze der Effingham als Leichter Kreuzer sowie der Vindictive (als Flugzeugträger-Kreuzer-Hybrid oder mit dem Katapult an Stelle von Geschütz B) erscheinen werden.

Quellen

Fazit

Der Bausatz der Frobisher ist auf den ersten Blick hervorragend, sowohl bezüglich der Vorbildtreue als auch der Gussqualität. HP Models legt jetzt auch Messingrohre bei, allerdings noch keine Fotoätzteile. Nach längerem Studium von Plänen und Fotos fallen ein paar Fehler auf, wovon die nicht schräg gestellten Rumpfseiten mitschiffs der gravierendste sein dürfte. Obwohl alles dafür spricht, dass dies Rumpfseiten beim Original wirklich mittschiffs schräg waren, habe ich bisher kein Foto gefunden, auf dem man dieses Merkmal eindeutig sieht. Der Fehler könnte also zu verschmerzen sein. Insgesamt ist der Bausatz

alt empfehlenswert

Lars