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Polarforschungsschiff Fram (1/700, Eigenbau) von Lars Scharff, Teil 1 Drucken
Mittwoch, 14. Dezember 2011 um 07:00

 

14.12.1911 - 100 Jahre Entdeckung des Südpols

 

Fram

Heute vor 100 Jahren erreichten Amundsen, Bjaaland, Hanssen, Hassel und Wisting als erste den Südpol per Ski und Hundeschlitten. Um in die Antarktis zu gelangen, benutze die Expedition das schon damals berühmte norwegische Polarforschungsschiff Fram, was zuvor schon Nansen und Sverdrup für ihre Expeditionen genutzt hatten und was heute noch in Oslo zu besichtigen ist (siehe auch 14.12.1911 - 100 Jahre Entdeckung des Südpol durch Amundsen und Jahrestage auf Modellmarine).

Das Original

Die Fram wurde von Colin Archer, der bekannt für sehr seegängige Konstruktionen war (siehe z.B. hier), für Fridtjof Nansen gebaut. Nansen hatte aus Wrackteilen des amerikanischen Polarforschungsschiffs Jeannette (ex HMS Pandora), die von Sibirien nach Grönland getrieben waren, geschlossen, dass das Packeis in Bewegung war. Er plante deshalb, sich mit einem Schiff am Untergangsort der Jeannette nahe der Lena-Mündung einfrieren zu lassen und sich mit dem Packeis über den Nordpol in den Atlantik treiben zu lassen. Das hierfür notwendige Schiff musste das Einfrieren überstehen können, weshalb es nicht nur extrem stabil, sondern auch sehr rund gebaut wurde, um dem Eis möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Das Schiff sollte aus dem Eis gehoben werden, um nicht zerdrückt zu werden. Ruder und Schraube waren durch die Heckform geschützt und dazu einziehbar. Die Fram war sehr gut isoliert - was bei einer Reihe von anderen Polarforschungsschiffen der Zeit vergessen wurde...

Fram ist 39 m lang, 11 m breit und verdrängte ursprünglich 800 t (1100 t im letzten Bauzustand). Der Antrieb erfolgte durch eine Dreifach-Expansionsdampfmaschine mit 220 PS sowie eine Dreimast-Schonertakelage mit 600 Quadratmeter Segelfläche. In Vorbereitung der Expedition von Amundsen erhielt sie statt der Dampfmaschine einen 180 PS-starken Diesel. Dazu wurde die Segelfläche auf 618 Quadratmeter vergrößert.

Fram wurde 1891-92 in Larvik auf Archers Werft gebaut. 1893-96 wurde sie von Nansen für die Expedition in die Arktis genutzt. Der Plan, den Nordpol durch die Drift des Packeis zu erreichen, misslang. Zwar war die Fram stabil genug gebaut und überlebte das Einfrieren, sie driftete allerdings am Nordpol vorbei. Nansen und Johansen gelang es auch mit Ski und Hundeschlitten nicht den Nordpol zu erreichen.

In Vorbereitung der nächsten Expedition wurde die Fram in Larvik umgebaut. Sie erhielt ein neues Backdeck, um die Seetüchtigkeit (Freibord) zu erhöhen und den Wohnraum im Schiff zu vergrößern. Dazu erhielt sie einen falschen Kiel und das Deckshaus auf dem Achterdeck wurde entfernt. 1898 bis 1902 wurde Fram von Otto Sverdrup für eine Expedition nach Nordwestgrönland, Ellesmere und die Sverdrup-Inseln genutzt, wobei diese Region der Arktis kartiert und erforscht wurde.

Nach der Expedition wurde die Fram in Horten eingemottet und erst wieder für die Expedition von Roald Amundsen aktiviert. Für die Expedition wurde sie gründlich überholt, erhielt eine neue Diesel-Maschine sowie ein neues Deckshaus unter der vergrößerten Brücke. Amundsen kündigte ursprünglich an, dass die Expedition in Richtung Nordpol gehen sollte, wobei die Expedition über Kap Horn und die Bering-Strasse in die Arktis fahren sollte. Nachdem aber Cook und Peary beide (sehr wahrscheinlich fälschlicherweise) behaupteten, dass sie den Nordpol erreicht hätten, plante Amundsen den Südpol zu erreichen, womit er ein Wettrennen mit Robert Scotts Terra Nova-Expedition auslöste. Am 9. August 1910 brach man von Norwegen auf, hielt aber noch das eigentliche Ziel der Expedition, den Südpol, geheim. Am 14. Januar 1911 wurde die Bucht der Wale, ein Teil des Ross-Schelfeis, in der Antarktis erreicht und ein Basislager errichtet. Von diesem aus wurde im ersten antarktischen Sommer Depots für die Expedition gelegt und im zweiten Sommer neben der berühmten Expedition zum Südpol auch eine Expedition nach Osten zum Edward-VII-Land durchgeführt. Die Fram lief im Februar 1911 wieder aus, wurde von April bis Juni in Buenos Aires überholt und führte danach bis September eine ozeanographische Expedition im Südatlantik durch. Nach einem erneuten Aufenthalt in Buenos Aires, lief die Fram wieder in Richtung Antarktis aus, wo sie im Januar 1912 ankam und die Expedition wieder aufnahm. Über Australien, von wo aus die Ergebnisse der Expedition veröffentlicht wurden, kehrte die Expedition wieder nach Norwegen zurück.

Nach Amundsens Expedition wurde die Fram nicht mehr genutzt und verfiel. U.a. Sverdrup bemühte sich um ihre Erhaltung, so dass sie ab 1929 restauriert wurde. 1935 konnte sie in Oslo an Land gebracht und überdacht werden, wo sie seither im Frammuseet ausgestellt wird.

Das Modell

Die Bauzustände der Fram während der Expeditionen von Nansen, Sverdrup und Amundsen unterschieden sich deutlich. Die meisten Modelle zeigen die Fram im Zustand der Grönland-Expedition 1898-02, was auch kein Zufall ist, da das norwegische Schifffahrtsmuseum (Norsk Maritimt Museum, das frühere Norsk Sjøfartsmuseum) in Oslo einen hervorragenden Plan dieses Bauzustands im Maßstab 1/50 (mit Details im Maßstab 1/25) anbietet:

Im Fram-Museum (Frammuseet) in Oslo sind Modelle der verschiedenen Bauzustände ausgestellt (siehe auch hier). Hier der Bauzustand während der Expedition von Nansen in die Arktis 1893-96 (links) und während der Grönland-Expedition Sverdrups 1898-02 (rechts):

Ich wollte allerdings den Zustand während Amundsens Expedition zum Südpol 1910-12 bauen:

Das heutige Museumsschiff ist teilweise wieder in den Zustand von Sverdrups-Expedition zurück gebaut worden, trotzdem sind die Fotos des echten Schiffs (Bildergalerie Teil 1 und Teil 2) eine gut Hilfe. Für die Charakteristika der Version von 1910-12 habe ich mich an Zeichnungen in Polarschiffe (nur Längsschnitt) und Ordeal by Ice (hier findet sich auch eine Aufsicht) sowie an Fotos in Cold Recall (siehe Quellen) orientiert.

Für den Bau des Rumpfes habe ich die 1/50-Pläne vermessen sowie den Plan aus Polarschiffe (des 1898-Zustands) auf 1/700 reduziert. Der Rumpf ist 0,5 mm dicken Plastikplatten aufgebaut:

Fram

Auf diese wurden die Decksbeplankung, die mit V-Groove-Plastikplatten von Evergreen dargestellt wurde, aufgeklebt. Hierbei entsteht auch gleichzeitig der Deckssprung.

Fram

Die entstehenden Lücken wurden verspachtelt und der Rumpf in Form geschliffen.

Fram

Das Schanzkleid am Achterdeck wurde aus 0,25 mm dicken und 0,5 mm hohen Streifen aufgebaut, auf die innen 0,3 mm dicke Plastikstäbchen als Spanten aufgeklebt wurden. Danach wurde der Decksabschluss auf dem Backdeck mit den gleichen Streifen und Stäbchen dargestellt. Anschließend wurde der Rumpf bemalt, um Unebenheiten besser erkennen zu können. Der Eispanzer, der wir ein Seitenpanzer wirkt, aber wie der Rumpf beim Original aus Holz besteht, habe ich aus 0,25 mm dicken und 0,5 mm hohen Streifen gebaut. Hierfür wurde der Oberteil erst aufgeklebt, um den Schwung darstellen zu können.

Fram

Anschließend wurde der Eispanzer an der Unterseite an die Wasserlinie angepasst.

Fram

Quellen

Die Decksaufbauten, Niedergänge, Masten, Beiboote etc. werden in Teil 2 beschrieben

Lars