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Oceanmoon: chinesische Sloop Wan Nien Ching (1/700) Drucken
Donnerstag, 08. M├Ąrz 2018 um 06:00

Wan Nien Ching Deckelbild

Modell: The Imperial Chinese Foochow Arsenal Wan Nien Ching
Hersteller: Oceanmoon
Ma├čstab: 1/700
Material: Resin, Foto├Ątzteile, gedrehte Messingrohre
Art.Nr.: WM03303
Preis: 37,6 ÔéČ (bei NNT)

Das Original

Die chinesische Sloop Wan Nien Ching (ŔÉČň╣┤ŠŞů, Wannianquing) war das erste dampfgetriebene Kriegsschiff, das in China gebaut wurde und das erste Schiff, das von dem Fuzhou (Foochow) Arsenal gebaut wurde. Das Schiff war daf├╝r konzipiert, in Friedenszeiten als Transportschiff und in Kriegszeiten als Sloop (Korvette/Kanonenboot) zu dienen, weshalb es relativ schnittig gebaut und stark bewaffnet war, aber auch einen Laderaum hatte.

Das Fuzhou Arsenal wurde mit Hilfe von franz├Âsischen Beratern aufgebaut, weshalb wohl auch der franz├Âsische Aviso 2. Klasse Lamotte-Picquet (La Motte-Picquet), der 1858-59 gebaut worden war, als Vorbild gedient haben soll. Die Wan Nien Ching fiel aber deutlich gr├Â├čer aus und erhielt statt zwei 16 cm-Gesch├╝tze zehn Gesch├╝tze. Das Ergebnis war eine typische Sloop/Glattdeckkorvette der 1860er. Die Bewaffnung bestand nicht aus ├╝berschweren Gesch├╝tzen auf Pivotlafetten (wie z.B. bei der US Navy), sondern aus leichteren Kalibern auf der Breitseite (wie bei der Royal Navy). F├╝r den Bau wurde die Maschine und die Spanten importiert. Das Schiff war von seiner Auslegung bald veraltet, was wohl der Grund war, warum sie 1881 zum Transportschiff mit Kabinen und gr├Â├čeren Ladebaum umgebaut wurde. Dabei erhielt sie auch eine neue, in Fuzhou gebaut, Maschine.

Die Wan Nien Ching war 76,2 m lang, 8,9 m breit und verdr├Ąngte 1450 t. Der Antrieb erfolgte ├╝ber zwei Kessel und eine Zweifachexpansionsdampfmaschine mit 600 PS, womit 12 kn erreicht wurde, bzw. eine Barketintakelage.

Bewaffnung
12 Kanonen (Kaliber ?) oder 6 Kanonen (14 cm ?)

Die Wan Nien Ching wurde 1868-69 vom Fuzhou-Arsenal gebaut und diente bei der Fukien Flotte. 1874 diente sie dazu, einen Aufstand auf Taiwan niederzuschlagen. 1881 wurde sie, wie oben schon erw├Ąnt, in Fuzhou zum reinen Transportschiff umgebaut. Die Wan Nien Ching sank am 20. Januar 1887 als sie vor Anker im Nebel von dem britischen Frachter Nepal geramt wurde. Dabei wurden 114 Mann der Besatzung get├Âtet.

Der Bausatz

Oceanmoon bietet mit der chinesischen Sloop Wan Nien Ching den ersten Bausatz im Ma├čstab 1/700 dieses Schiffstyps aus den 1860ern an! Wer h├Ątte vor zehn Jahren gedacht, dass dies ausgerechnet ein au├čerhalb China wohl relativ unbekanntes Schiff sein w├╝rde? Und nicht z.B. USS Kearsarge oder CSS Alabama? Der Bausatz besteht aus Resin- und Spritzgussteilen plus Foto├Ątzteilen und gedrehten Rohren. Die kleineren Teile sind in einer typischen Kiste verpackt, die man danach auch zur Sortierung anderer Teile nutzen kann.

Der Rumpf ist von der Form ├╝berwiegend gut wieder gegeben. Man sieht aber, wenn man selbst einen solchen Rumpf gebaut hat, wo der Urmodellbauer etwas Probleme hatte: am Bug ist der Spantenausfall nicht ausgepr├Ągt, das Schanzkleid am Heck ist etwas unregelm├Ą├čig und auch am ├ťberhang des Hecks gibt es kleine Unsauberkeiten. Dazu war beim Urmodell der ├ťbergang vom Rumpf zum Schanzkleid an der Bugspitze nicht sauber verspachtelt, was man am Abguss noch gut sieht. Der Guss ist gut, aber an der Wasserlinie muss man etwas Material wegschleifen. Abgesehen vom Bug, dessen Form man nur schwer verbessern kann, sollte der Rumpf ok sein.

Der Bausatz enth├Ąlt ansonsten nur noch f├╝nf Resinteile: Schornstein, L├╝fter sowie zwei Decksh├Ąuser, die gar nicht gebraucht werden. Der Schornstein ist oben leider nicht aufgebohrt, auch die L├╝fter haben keine ├ľffnungen. Diese kann man entweder mit den etwas besseren Spritzgussteilen oder Teilen aus dem Zubeh├Ârhandel ersetzen.

Dem Bausatz liegt der Zubeh├Ârspritzling von S-Model bei, der diverse leichte Gesch├╝tze, Beiboote, Anker etc. enth├Ąlt. Man soll laut Anleitung nur die Beiboote verwenden.

F├╝r die Gesch├╝tze liegen gedrehte Rohre dabei - sehr bemerkenswert bei diesen kurzen Rohren!

Als Alternativen f├╝r die Masten und f├╝r das Bugspriet liegen Plastikst├Ąbe bei.

Plastikst├Ąbe sind bei einem getakelten Modell nicht optimal, da sie sich relativ leicht verbiegen. Es ist besser hier Metallteile zu verwenden.

Die Foto├Ątzteile

Die Foto├Ątzteilplatine ist sehr umfassend. Man findet hier die Teile f├╝r die Br├╝cke, Luken, Lafetten, Steuerrad, Anker und Ankerketten, Davits, Fallreeps Wanten und Masten sowie Rahe.

Einige Teile sind gut gemacht, z.B. f├╝r die Br├╝cke und die Wanten. Die Lafetten sind etwas vereinfacht, die R├Ąder sind nur eingraviert. Aber bei der Gr├Â├če d├╝rfte dies f├╝r viele akzeptabel sein. Die fotoge├Ątzten Masten w├╝rde ich nur als Vorlage f├╝r selbst abgel├Ąngte Metallst├Ąbe oder gedrehte Teile verwenden. Wenn man das Modell takelt, d├╝rften die Foto├Ątzteile einerseits nicht stabil genug sein, andererseits d├╝rften zweidimensionale, nicht runde Masten auch etwas seltsam aussehen.

Die Abziehbilder

Die Abziehbilder umfassen Flaggen.

Die Anleitung

Die Anleitung umfasst einen kurzen Text auf Chinesisch ├╝ber das Original, eine Seitenansicht und Aufsicht sowie eine Bauanleitung in f├╝nf Schritten. Die enthaltene Zeichnung d├╝rfte f├╝r das Positionieren der Teile und das Takeln sehr n├╝tzlich sein. Die Bauanleitung ist einfach und d├╝rfte keine gr├Â├čeren Probleme verursachen. Die wenigen Kommentare auf Chinesisch kann man, falls man sie verstehen will, ja mit einem passenden Programm ├╝bersetzen.

Bei der Bewaffnung orientiert sich Oceanmoon an den Zeichnungen in ńŞşňŤŻňćŤŔł░ňŤżň┐Ś(1855-1911). Die gleiche Bewaffnung sieht man auch auf einigen Museumsmodellen, deren Fotos man im Internet finden kann. Allerdings findet man zahlreiche andere Angaben, sowohl in B├╝chern als auch im Internet - selbst in ńŞşňŤŻňćŤŔł░ňŤżň┐Ś(1855-1911) sind im Text sechs Gesch├╝tze unbekannten Kalibers angegeben, obwohl die Pl├Ąne zw├Âlf Gesch├╝tze zeigen...

├ťber die Bemalung des Originals gibt es keine Angaben. Die meisten damaligen chinesischen Schiffe hatten schwarze R├╝mpfe und eventuell ockerfarbene Schornsteine. Die Wen Nien Ching war vor dem Stapellauf aber noch nicht schwarz gestrichen - und das ist das einzige Foto, das ich kenne. Auf dem Deckelbild ist sie auch hell dargestellt. Im Internet findet man Fotos eines Modells mit blauen Rumpf, was mir auch relativ unwahrscheinlich erscheint - aber sicher in der Sammlung ein sehr auff├Ąlliges Modell generieren w├╝rde.

Quellen

Fazit

Baus├Ątze von Schiffen aus den 1860ern und 1870er im Ma├čstab 1/700 sind Mangelware - der Bausatz der Wan Nien Ching ist meines Wissens der erste einer Sloop der 1860er. Abgesehen von Problemen bei der Bugform ist dies ein guter Bausatz mit vielen Details, der mit etwas Eigenarbeit bei den Masten ein gutes Modell erm├Âglichen sollte.

alt guter Durchschnitt

Lars