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Chinesisches Kanonenboot Zhongshan (1/700, BigBlueBoy) von Jürgen Klüser Drucken
Mittwoch, 20. September 2017 um 05:00

 

14.09.1937 - 80 Jahre Zweiter Chinesisch-Japanischer Krieg

 

Vor 80 Jahren, im September 1937, verlor die chinesische Marine im Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg den Großteil ihrer Schiffe (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Eines der Schiffe, das den anfänglichen japanischen Angriffen entkommen konnte, war das Kanonenboot Zhongshan. Dies sank aber ein Jahr später durch japanische Luftangriffe in der Schlacht um Wuhan.

Das Original

Das chinesische Kanonenboot Zhongshan (中山舰, Chung Shan) ex Yongfeng (永丰, Yung Feng) war das Typschiff einer Klasse, die als Teil des Programms von 1910 bestellt wurde. Die ersten beiden Schiffe der Klasse, Yongfeng (Yung Feng) und Yongxiang (永翔,Yung Hsiang) wurden 1911-13 von Kawasaki in Japan gebaut. Es waren seetüchtige Schiffe, die von einem Panzerdeck geschützt wurden. Zwei weitere Schiffe der Klasse, Yongjian (永谦, Yung Chien) und Yongji (永解, Yung Chi) wurden 1914-16 in China von Jiangnan (Kiangnan)-Werft in Shanghai gebaut. Diese unterschieden von den ersten beiden Schiffen durch das zusätzliche Poopdeck.

Die Zhongshan war 65,8 m lang, 9,0 m breit und verdrängte voll beladen 1020 t. Der Antrieb erfolgte zwei Kessel und zwei Dreifachexpansionsdampfmaschinen mit insgesamt 1350 PS, womit 13,5 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 105 Mann.

Bewaffnung
1 x 10,5 cm L/40 Krupp
1 x 7,62 cm L/50 Armstrong (14-Pfünder)
4 x 4,7 cm L/40 Hotchkiss (3-Pfünder
2 x 3,7 cm L/27 Maxim (1-Pfünder)

Die Zhongshan wurde 1911-13 als Yongfeng von Kawasaki in Japan gebaut. 1917 unterstützte sie Sun Yat-sen in Guangzhou, als dieser versuchte die erste chinesische Republik zu verteidigen und eine Gegenregierung aufbaute. 1922 musste Sun Yat-sen aus Guangzhou fliehen, wobei er sich auf die Yongfeng rettete. 1925 wurde deshalb die Yongfeng in Zhongshan umbenannt, den in China populärsten Namen von Sun Yat-sen. Sie war danach Flaggschiff des 4. Geschwaders in Guangzhou. 1926 war die Zhongshan der Mittelpunkt des Zhongshan-Zwischenfalls - entweder eine Verschwörung des Kuomintang-Führers Chiang Kai-shek, um seine Macht zu festigen, ein kommunistischer Aufstand in Guangzhou oder ein Missverständnis. Im Oktober 1929 sank sie in Guangzhou nach einer durch einen Unfall ausgelösten Magazinexplosion. Sie wurde wieder gehoben und war danach im Dienst des 1. Geschwaders auf dem Yangtse. Während des Zweiten Chinesisch-Japanischen Kriegs war sie auf dem Yangtse im Einsatz. Sie zog sich vor den vorrückenden Japanern nach Wuhan zurück, wo bei Hankou (Hankow) durch Befestigungen, Minen und sieben Kanonenboote die Japaner gestoppt werden sollten. Während der Schlacht um Wuhan wurde die Zhongshan am 24. Oktober 1938 von japanischen Flugzeugen versenkt.

1997 wurde das Wrack gehoben, restauriert und seit 2001 ist die Zhongshan in Wuhan das Zentrum eines Museums.

Das Modell

Das Modell ist aus dem Bausatz Chung Shan von BigBlueBoy gebaut. Der Rumpf ist ein Stück mit einige angegossenen Details. Aufbauten und einige weitere Teile wie Schornsteine sind aus Resin. Dazu kommt sehr umfangreicher Ätzteilsatz sowie Metall-Stangen für Masten und Rahen.

Die Teile sind in ausgezeichnetem Zustand. Selbst die größten Teile der Aufbauten sind aus Ätzteilen zusmmenzubauen. Hier war teils Rätselraten und auch ein paar fehlgeschlagene Versuche bezüglich der korrekten Biegung und Positionierung die Folge. Hat man das Problem aber verstanden, ist es eigentlich kein Thema mehr und das Modell bietet einen sehr großen Bastelspaß.

Als besonderes Schmankerl hat man die Wahl, die Geschütze aus Resin zu nehmen oder aus mehreren Ätzteilen selbst zu biegen. Ist dann nur Geschmacksache, da beides schön detailliert und realistisch wirkt. Für die Hersteller hält sich der Aufwand in Grenzen, für den Bastler eine großartige Sache.

Relings liegen bei, sie sind sehr dünn und erfordern Geduld bei der Montage. Geklebt habe ich diese wie auch andere Kleinteile mit Gator Acrylkleber. Durch die cremige Konsistenz lassen sich Kleinteile gut anbringen, beim Trocknen verschwindet er quasi unsichtbar. Der hintere Mast ist rein aus Ätzteilen vorgesehen, das ist zu dünn und unstabil, daher habe ich ihn aus Metallstangen angefertigt.

Die Bauanleitung ist sehr schön mit Prinzipskizzen und zeigt die Position der Teile auf Modellbildern.

Die Verspannung ziehe ich aus dünnem Kupferdraht oder ummantelten Basteldraht 0,15 mm. Das wirkt etwas zu dick, vor allem auf Bildern, ist aber für meine eingeschränkten Fähigkeiten der beste Kompromiss.

Bemalt wird das Ganze per Spritzpistole mit diversen Grau- und Brauntönen von Revell Aquacolor. Die Alterung erfolgt mit Jax Kreiden, die ich auf Schleifpaper zerreibe und dann mit einem fast ganz abgeschnittenen Pinsel auf dem Modell aufbringe. Versiegelt wird mit Future per Spritzpistole. Dies holt auch die Kontraste stärker raus. Abschließend eliminiert eine hauchdünne Schicht aus Vallejo Seidenmatt zu viel Glanz.

Abziehbilder für verschiedene chinesische Flaggen, elf an der Zahl, runden den Bausatz ab. Diese sind gut gedruckt und ohne Probleme verwenden. Man sollte sie aber unbedingt vor dem Wässern direkt am Bild abschneiden.

Ein sehr schöner Bausatz, der mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Jürgen Klüser
www.klueser.eu

(Text über Original von Lars)