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Dänisches Unterstützungsschiff Absalon (1/700, NNT) von Lars Scharff Drucken
Mittwoch, 13. April 2016 um 05:00

Das Original

Mitte der 1990er begann die dänische Marine mit der Planung für einen Ersatz der Minenleger der Falster-Klasse und der Korvetten der Niels Juel-Klasse. Die dänische Marine war im Kalten Krieg darauf spezialisierst, die Ostseeeingänge und die eigenen Küsten zu verteidigen. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurde die Marine auf eine neue Aufgabe ausgerichtet: globale Interventionen ("Krisenprävention"). Die Ersatzbauten wurden für die neue Aufgabe optimiert und fallen deutlich größer aus. Auf der Basis eines gemeinsamen Rumpfs wurden zwei Klassen entworfen: die Absalon- und die Iver Huitfeldt-Klasse.

Während letztere auf Flugabwehr optimierte Fregatten mit ähnlichen Sensoren und Bewaffnung wie die deutsche Sachsen- und die niederländische De Zeven Provincië-Klasse sind, ist die Absalon-Klasse schwer einzuordnen. Sie ist relativ schwer bewaffnet und kann u.a. Schiffe, Ziele an Land, U-Boote und Flugzeuge bekämpfen. Die Ausstattung mit Sensoren ist weniger umfangreich. So ist die Iver Huitfeldt-Klasse mit APAR und SMART-L Radar ausgerüstet, während die Absalon-Klasse nur über einen weniger leistungsfähigen SMART-S verfügt. Das besondere Merkmal der Absalon-Klasse ist ein Mehrzweckdeck unterhalb des Hubschrauberdecks. Dort können 130 Personen (z.B. Marineinfanterie), 55 Fahrzeuge inklusive bis zu sieben Kampfpanzer (Leopard II), 300 Minen, Minenräumgerät oder ein Lazarett für 40 Personen untergebracht werden. Über eine Laderampe am Heck erfolgt die Be- und Entladung, die Fahrzeuge können allerdings nur in Häfen angelandet werden. Eine amphibische Landungsoperation ist nur mit leichten Kräften möglich, die mit zwei EH-101-Transporthubschraubern und zwei Storebro SB90E/SRC90E/LCP-Landungsbooten angelandet werden können. Die Landungsboote werden auch im Mehrzweckdeck gelagert und über das kleinere der beiden Hecktore ins Wasser gelassen. Über die Hecktore können auch die Minen und Minensuchdrohnen ausgebracht werden, theoretisch kann man sich auch die Nachrüstung mit einem Schleppsonar dort vorstellen.

Die dänische Marine nennt diese Schiffe flexible Unterstützungschiffe (Fleksibelt Støtteskib), was ein neuer und damit relativ unklarer Begriff ist, und klassifiziert sie als Landungsschiffe (was nur teilweise passend ist). Auf jeden Fall eignen sich die Schiffe von typischen Aufgaben von Mehrzweckfregatten über Flaggschifffunktionen, Transport von Truppen und der Anlandung von leichten Kräften bis hin zu Einsätzen als Minenleger und Minenjäger für eine Vielzahl von Aufgaben.

Die Flexibilität wird nicht nur durch das Mehrzweckdeck vermittelt, sondern auch dadurch, dass ein Teil der Bewaffnung aus Stanflex-Modulen besteht, die relativ leicht und schnell ausgetauscht bzw. modernisiert werden können. Zumindest die beiden Geschütze vor der Brücke sowie die Harpoon- und ESSM-Starter sind Teil solcher Module. Der Hubschrauberhangar unterstützt ebenfalls die Vielseitigkeit. Bis zu zwei AgustaWestland AW-101-Hubschrauber können dort untergebracht werden, wobei Dänemark bisher nur die Transportvariante dieses Typs angeschafft hat. Üblicherweise sind die Schiffe mit zwei Westland Lynx Mk 90B ausgerüstet, die zur U-Jagd, Schiffsbekämpfung, Aufklärung, Seenotrettung, Transport und für Entern (z.B. für Inspektionen) genutzt werden können. Die Lynx sollen in Zukunft durch Sikorsky MH-60R Seahawk ersetzt werden. Das Landedeck selbst ist für Hubschrauber bis zum Gewicht von CH-47 Chinook-Transport-Hubschraubern ausgelegt. Bemerkenswert ist der große Rumpf mit hohem Freibord – die Absalon war bei Fertigstellung das größte je für die dänische Marine gebaute Schiff -, der eine gute Seetüchtigkeit bietet. Der Dieselantrieb ermöglicht dazu einen relativ großen Fahrbereich, was globale Einsätze erleichtert.

Von der Absalon-Klasse wurden 2003-05 zwei Schiffe, Absalon (L16) und Esbern Snare (L17), gebaut. Von der Flugabwehrvariante wurden 2008-11 die Iver Huitfeldt (F361), Peter Willemoes (F362) und Niels Juel (F363) gebaut.

Die Absalon ist 137 m lang, 19,5 m breit und verdrängt 6600 t. Der Antrieb erfolgt über zwei Diesel, die insgesamt 22 300 PS leisten, womit 24 kn erreicht werden. Die Stammbesatzung umfasst 100 Personen, Unterbringungen für weitere 70 Leute sind vorhanden (sowie optional Unterbringungen für weitere 130 auf dem Mehrzweckdeck).

Bewaffnung 2012
1 x 12,7 cm L/62 cal Mk 45 Mod 4-Geschütz
2 x 3,5 cm Mk M/04 Oerlikon Millennium GDM-008-Nahbereichsabwehrgeschütze
7 x 1,27 cm Browning M2 MGs
4 Harpoon Block 2-Vierfach-Antischiffs-Raketenstarter (je Starter nur zwei Raketen an Bord)
2 Mk 56 Zwölffach-Flugabwehrstarter für ESSM (optional auch drei Starter möglich, es waren nur je sechs bzw. acht Raketen pro Starter an Bord)
4 Stinger Lv M/93-Flugabwehrraketenstarter
4 x 32,4 cm Mk 32 Mod 14-Torpedorohren (zwei Zwillingsrohre für MU-90-Torpedos)
2 Westland Lynx Mk 90B Bordhubschrauber

Die Absalon (L16) wurde von 2003-04 von der Odense Staalskibsværft gebaut. Sie gehört zur 2. Eskadre und ihr Heimathafen ist Frederikshavn. Sie war ab 2008 wiederholt im Indischen Ozean im Einsatz, u.a. im Rahmen von Operation Ocean Shield und der Combined Task Force 150 (CTF-150) und CTF-151 bzw. als Teil der Standing NATO Maritime Group 1 (SNMG1). Dort war sie sehr erfolgreich im Kampf gegen Piraten. 2015 wurde sie ins Mittelmeer geschickt.

Der Bausatz

Die Absalon habe ich aus dem sehr guten NNT-Bausatz gebaut. Mein Modell soll den Zustand im Juni 2012 darstellen, als Michael Delf und ich das Schiff ausführlich auf der Kieler Woche fotografiert haben (siehe hier und hier). Der Bau war unproblematisch, lediglich bei dem Übergang zum oberen Verschluss des Mehrzweckdecks musste ich spachteln. Das Mehrzweckdeck kann alternativ auch hinten offen dargestellt werden, z.B. um das Aussetzen eines der im Bausatz enthaltenen SRC90E-Landungsboote oder das Beladen mit (nicht enthaltenen) Fahrzeugen zu zeigen. Bei meinem Modell sind die Hecktore allerdings geschlossen dargestellt. Als optische Abwechslung habe ich die Beiboot-Bucht an Steuerbord offen dargestellt. Der Bausatz bietet die Option, diese auf beiden Seiten entweder offen oder geschlossen zu bauen.

Einige Kleinigkeiten habe ich am Modell ergänzt: das Resinrohr des 12,7 cm-Geschützes habe ich durch ein gedrehtes Messingrohr von Master (USN 5in/62 Mk 45) ersetzt. Vor der Brücke wurden die Salutgeschütze, die ausgezogenen Gussast für das Rohr und geätzten Lafetten aus dem Modern USN Weapon II-Satz von FlyHawk bestehen, ergänzt (siehe Originalfotos hier und hier).

Auf der Brücke habe ich eine der Satellitenantennen (Teil 17) weggelassen, da diese beim Original zumindest zeitweise wieder entfernt wurde (siehe hier). Hinzugefügt dagegen habe ich eine weitere kleinere Antenne (hier auf dem Original) sowie zwei Scheinwerfer (von denen nur die Basis im Bausatz enthalten ist, siehe hier). Der vordere Einstieg ist auf See durch eine herunterklappbare Plattform halb verschlossen (im Hafen dient diese als Basis für ein Fallreep, siehe hier und hier), so dass ich dort einen dünnen Plastikstreifen eingeklebt habe. Im Bausatz liegt nur ein Fender bei (Teil 8), auf dem Original waren mittschiffs aber vier gelagert (siehe hier und hier). Die fehlenden habe ich aus Gussästen gefeilt. Bei den Rahen, Stabantennen und Funkantennen zwischen den beiden achteren Masten habe ich mich an Originalfotos orientiert (siehe hier und hier), da die Anleitung hier nicht eindeutig war. Die Stabantennen sind aus 0,05 mm dicken Kupferdraht gemacht (abgesehen von den beiden dickeren an Backbord, für die ich die enthaltenen Resinteile genutzt habe), die Takelung erfolgte mit Uni Caenis 20 Denier-Faden.

Bemalt habe ich die Absalon nach einer Grundierung mit weißem Tamiya Surface Primer mit Vallejo Model Color Farben. Für den Großteil des Schiffs (auch die meisten Decks) habe ich 153 Hellblaugrau, für das Hubschrauberdeck 159 Staubgrau, den Lynx-Hubschrauber sowie eine Hälfte der Navigationsradargeräte 53 Brilliantblau und für den Schwimmkörper des RHIB-Beiboots eine 1:1-Mischung aus 22 Hellrotorange und 27 Blutorange verwendet. Die Deckel der Harpoon- und ESSM-Starter sind mit 28 Verkehrsrot bemalt. Gealtert habe ich das Schiff mit senkrecht zur Wasserlinie aufgetragenen Streifen aus 139 Mahagonibrau, 152 Hellgrau bzw. 154 Signalgrau, die mit der Trockenmaltechnik aufgetragen wurden (139 für Rostspuren, 152 und 154 für Schmutz am Rumpf. 152 ist etwas heller als die Rumpf, 154 etwas dunkler). Dazu kam noch etwas stark verdünnte Farbe, um Vertiefungen zu betonen bzw. weitere Alterungseffekte hinzuzufügen. Hierfür habe ich Vallejo Model Wash Hellgrau und Grau benutzt. Dies sind bereits stark verdünnte Farben auf Wasserbasis, die aber eine geringe Oberflächenspannung aufweisen und so auch in kleine Ritzen laufen. Die Fenster der Brücke, des Hubschrauberleitstands sowie der Lynx sind mit einem dünnen Fineliner (glänzendes Schwarz) aufgemalt. Die Kennnummern, das Wappenschild sowie die Markierungen des Landedecks bzw. der Lynx sind mittels Abziehbilder aus dem Bausatz dargestellt. Der weißen Punkt der dänischen Kokarde habe ich aufgemalt, nur für den roten Kreis habe ich die Abziehbilder genutzt.

Hier noch ein Vergleich mit einem anderen, wesentlich kleineren und schwächer bewaffneten Mehrzweckschiff, auf dem ebenfalls austauschbare Module für die Schiffsbekämpfung und U-Jagd sowie das Minenräumen montiert werden können, die USS Freedom (LCS-1) der US Navy:

Quellen

Lars