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Trumpeter: russisches Schlachtschiff Zessarewitsch (1/350) Drucken
Donnerstag, 26. Februar 2015 um 06:00

Deckelbild

Modell: Russian Navy Tsesarevich Battleship 1917
Hersteller: Trumpeter
Maßstab: 1/350
Material: 397 Plastikteile, 165 Fotoätzteile, 15 cm Ankerkette und Abziehbilder
Art.Nr.: 05337
Preis: ab ca. € 43,- aufwärts zzgl. Porto & Verpackung

Das Original

Zum großen Vorbild, dem russischen Schlachtschiff Zessarewitsch, siehe den Beitrag von Ingo Renk.

Der Bausatz

Die Ankündigung dieses Trumpeter-Bausatzes verbreitete sich in der Szene wie ein Lauffeuer. Fotos eines gebauten und unlackierten Modells auf einem Messestand in Fernost machten im Internet die Runde und der erste Eindruck war schon ziemlich gut. Alle wesentlichen Merkmale des "Kronprinzen" waren bereits zu erkennen. Nun ist der Bausatz endlich erhältlich, allerdings nicht in der Ausführung, die man auf den Vorabfotos erkennen konnte, sondern im Bauzustand 1917, wie auch der Schachtelaufdruck ausweist. Das Karton-Deckelbild verwirrt diesbezüglich etwas, doch dazu am Schluss mehr.

Es ist schon erstaunlich, wie viele Teile Trumpeter in diesen relativ kleinen Bausatz presste. Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass laut Plan vier der Teile für diese Bausatzvariante nicht benötigt werden. Tatsächlich ist die Anzahl der nichtbenötigten Teile sogar noch größer, aber es bleiben noch immer reichlich Plastik- und Ätzteile zum Verbauen übrig.

Der erste Eindruck ist wie gewohnt gut bis sehr gut. Wie bei Trumpeter-Schiffen mittlerweile üblich, besticht der Bausatz durch hohe Oberflächengüte und zum Teil hauchzarte Details wie Leitern, bei denen man Angst haben muss, dass sie unter einer zu dicken Farbschicht verschwinden könnten.

Der Rumpf

Aufgrund zweier Verbindungszapfen in Bug und Heck sowie zweier kräftiger "Spannten" wird der Rumpf zu einer sehr, sehr stabilen Baugruppe. Man darf nur nicht übersehen, dass man vor dem Zusammenbau ein paar Löcher in die Rumpfhälften zu bohren hat, da man sonst Probleme bei der Montage einiger Außendetails bekommt. Vor dem Zusammenbau werden auch noch die knapp über der Wasserlinie liegenden Kasematten von innen verschlossen, da die dort eingebauten Geschütze 1917 nicht mehr vorhanden waren. Ihr Einsatz wäre nur bei kleiner Fahrt und ohne nennenswerten Seegang problemlos möglich gewesen. Die Schlingerkiele sind als separate Bauteile ausgeführt, was grundsätzlich zu begrüßen ist.

Vor dem Aufsetzen der Decksteile müssen noch die beiden Kasemattmulden für die mittschiffs angeordneten Türme der 15,2 cm Mittelartillerie eingebaut werden. Etwas unglücklich, aber wohl nicht zu vermeiden, ist die zum Teil ovale Form der Bullaugen am Rumpf. Die ist natürlich durch die Rumpfwölbung bedingt.

Das Deck

Die Decksteile weisen eine deutliche, dabei aber keinesfalls grobe, Darstellung der Plankengänge auf. Sie sind sicher auch noch nach einem Farbauftrag mit einem Pinsel gut zu sehen und mit einem Washing herauszuarbeiten, ohne als hässliche Gräben zu erscheinen.

Aufbauten und Bewaffnung

Die Deckshäuser sind, wie bei Trumpeter mittlerweile üblich, mittels gleitender Formen erstellt worden und werden noch durch aufzusetzende Details, wie z.B Oberlichter, ergänzt. Bereits jetzt hat man die ersten Ätzteile zu verbauen, denn Trumpeter hat Winden und Haspeln mit geätzten Bauteilen versehen. Aber auch die Rohrwiegen der Meller-Lafetten der freistehenden 75 mm Canet-Geschütze werden mit Ätzteilen verfeinert. Wem die fummelige Arbeit je so ein Geschütz aus zwei Plastik- und einem Ätzteil zusammenzubauen zuviel ist, der hat Glück. Trumpeter bietet die Geschütze auch komplett aus einem (Spritzguss)Bauteil an! Bei genauerer Betrachtung stellt man ohnehin fest, dass es reichlich kleinere Geschütze gibt, die für diese Bausatzversion nicht benötigt werden. Das liegt unter anderem an den nicht mehr vorhandenen Gefechtsmarsen an den Masten, die nach dem Russisch-Japanischen Krieg entfernt wurden, deren Bewaffnung aber dieser Bausatzvariante dennoch beiliegt.

Desweiteren verfügt der Bausatz noch über kleinkalibrigere Waffen auf Dreibeinlafetten, die wohl die 47 mm Hotchkiss-Schnellfeuergeschütze darstellen sollen. Auch die Geschütztürme der Haupt- und Mittelartillerie sind mit gleitenden Formen erstellt worden. Dennoch fehlen die Ausblicköffnungen an den Visierkuppeln. Hier kann man mit kleinen Bohrungen nachhelfen oder gleich Ersatztürme aus Resin kaufen, die es für die Schiffe der Borodino-Klasse bereits von der Firma Komplekt Zip gibt. Da wird es sicher nicht lange dauern, bis es solche auch für den Zessarewitsch geben wird.

Die Beiboote

Der Bausatz verfügt über vier 16 Riemen-Arbeitskutter und ebenso viele 6 Riemen-Brandungsboote. Des Weiteren bietet der Bausatz zwei kleinere und zwei größere Dampftorpedoboote an, die selber schon kleine Bausätze darstellen. Die Kutter entsprechen der heutzutage üblichen Machart, während die Torpedoboote schon etwas darüber hinaus gehen. Wer es noch besser und detailreicher wünscht, kann auch hier auf die Produkte des ukrainischen Herstellers 'Komplekt Zip' zurückgreifen, denn dieser hat all die unterschiedlichen Beiboote sowie zwei verschiedene Dampftorpedoboote im Sortiment. Bei der ansonsten hohen Detaillierung des Bausatzes wäre dies vielleicht zu überlegen.

Die Fotoätzteile

Die Fotoätzteile sind in diesem Bausatz so zahlreich vorhanden, dass die meisten Konsumenten wohl nicht mehr benötigen oder sich wünschen würden. Relings, Leitern, Niedergänge, Admiralstreppen, kleine Kräne, die Gitter über den Schloten oder die schon erwähnten Ätzteile an den Winden, Haspeln und Geschützlafetten...eigentlich braucht man kaum mehr. Natürlich geht es immer noch besser und aufwändiger, aber das kostet dann auch mehr Geld. Mit dem, was hier schon von Haus aus in der Schachtel liegt, kann man an sich zufrieden sein, wenn, ja wenn da nicht wieder ein Fragezeichen aufkommen würde. Bei all den Ätzteilen ist es unverständlich, warum nicht auch noch die beiden Wappenadler dabei sind! Die gibt es nur als Abziehbild und das wirkt dann nicht ganz so überzeugend!

Abziehbilder

Der Abziehbilderbogen beinhaltet die schon genannten Wappenadler sowie zwei unterschiedliche Flaggen, die es jeweils 'steif' und 'bewegt' gibt. Zwei Namenszüge vervollständigen das Bild. Das war es.

Diskrepanzen

Nun noch ein paar Worte zu der ganz oben erwähnten Verwirrung, zu der das Deckelbild Anlass gibt.

Ursprünglich verfügte der Zessarewitsch über zwei Brücken-Portaldavits zum Zuwasserlassen der Kutter und Brandungsboote. Diese Portaldavits sind auf dem Deckelbild dargestellt, aber im Bausatz gar nicht vorhanden und sie tauchen auch im Bauplan nicht auf! Was stimmt denn nun? Es ist gar nicht so einfach, dazu etwas zu finden, aber nach eingehender vergleichender Fotorecherche (siehe z.B. hier) bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass die Darstellung auf dem Deckelbild tatsächlich falsch ist und der Bausatz in diesem Bereich vollkommen korrekt den Bauzustand ab 1917 darstellt. Dies tut übrigens auch der Bemalplan.

Es gibt aber auch noch etwas anderes, was den Machern im fernen China entgangen ist. Irgendwann vor 1917 wurden die geschlossenen Schanzkleider um die Türme der Mittelartillerie entfernt. Auch im Bereich des Achterdecks fehlen 1917 Teile des Schanzkleides: gleich unterhalb der Decksstufe. Glücklicherweise sollen in diesem Bereich zwei einzelne Bauteile eingesetzt werden (Teile K17 + K18), ebenso wie vor den beiden vorderen Türmen der Mittelartillerie (Teile C4 + C9). Die kann man dann einfach weglassen. Die Bereiche der betroffenen Schanzkleider, die Teil der Rumpfhälften sind, also die neben den Türmen der Mittelartillerie, muss man wegschneiden. Das betrifft auch die Schanz der "Schwalbennester" mittschiffs.

Ob Trumpeter noch mehr "nicht gesehen" hat, weiß ich nicht zu sagen, aber ich denke die aufgezählten Punkte sind die auffälligsten, und wenn man die bereinigt hat, sieht das Modell gut und richtig aus.

Fazit

Es ist schon ungewöhnlich, dass ein Bausatzhersteller sich eines Schiffes annimmt, das aus der Zeit um 1900 stammt und noch dazu ein Einzelstück war. Trumpeter hat es getan und die Ausführung des Bausatzes ist meines Erachtens exzellent. Die Kombination der guten Plastikteile mit einer großen Anzahl an Ätzteilen und einer feinen Ankerkette macht den Bausatz beinahe schon zu einer 'Rund-um-Wohlfühlpackung'. Raum für Korrektur und Verfeinerung gibt es trotzdem und wen der zusätzliche Aufwand und das zusätzlich zu investierende Geld nicht schreckt, kann hier ein wahres Spitzenmodell erschaffen. Nach Ansicht dieses Bausatzes bin ich schon sehr auf die in Nürnberg angekündigte Danton gespannt!

alt sehr empfehlenswert

Olaf Krabbenhöft

Wir danken Faller für das Bausatzmuster