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Russisches Schlachtschiff Zessarewitsch (1/700, Kombrig) von Ingo Renk Drucken
Sonntag, 10. August 2014 um 05:00

 

10.08.1904 - 110 Jahre Schlacht im Gelben Meer

 

Heute vor 110 Jahren, am 10. August 1904, kam es im Gelben Meer zu der ersten großen Seeschlacht im Russisch-Japanischen Krieg (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Der Krieg war durch die Konkurrenz zwischen Japan und Russland verursacht worden, die beide Korea als Kolonie erobern wollten. Am 8. Februar kam es bei Tschemulpo zu den ersten Zusammenstößen, worauf ein japanischer Angriff auf den russischen Flottenstützpunkt Port Arthur folgte. Port Arthur, in dem das Erste Pazifische Geschwader stationiert war, wurde darauf sowohl von Land als auch See in dem kommenden Monaten belagert. Am 10. August wagte schließlich das Geschwader unter Admiral Wilhelm Withöft den Ausbruch nach Wladiwostok.

Das russische Geschwader bestand aus den sechs Schlachtschiffen Zessarewitsch, Retwisan, Pobeda, Pereswet, Sewastopol und Poltawa sowie den vier Geschützten Kreuzern Askold, Diana, Nowik und Pallada und 14 Zerstörern. Die japanische Flotte unter Admiral Tōgō umfasste die vier Schlachtschiffe Mikasa, Asahi, Fuji und Shikishima, die Panzerkreuzer Nishin und Kasuga, acht geschützte Kreuzer, 18 Zerstörer und 30 Torpedoboote. Der Ausbruch gelang zwar, aber die japanische Flotte konnte die russische einholen und stellen. In der folgenden Schlacht wurden von beiden Seiten deutliche Schäden verursacht und es sah lange so aus, als würde der russische Flotte der Durchbruch nach Wladiwostok gelingen, als Treffer auf der Brücke der Zessarewitsch erst Admiral Withöft und schließlich die gesamte Brückenbesatzung töteten und das Ruder blockierten. Zessarewitsch fuhr deshalb einen Kreis, was die Schlachtordnung auseinanderbrechen lies. Die russische Flotte zog sich darauf überwiegend nach Port Arthur zurück und auch die japanische Flotte musste wegen der Schäden und Munitionsmangel die Schlacht abbrechen. Einige beschädigte Schiffe, darunter Zessarewitsch, gingen in neutrale Häfen in Internierung, der Kreuzer Nowik versuchte den Durchbruch nach Wladiwostok, wurde aber gestellt und versenkte sich selbst. Der Großteil der Flotte in Port Arthur fiel als Faktor für den Rest des Kriegs aus und wurde durch japanische Belagerungsartillerie versenkt oder beim Fall des Stützpunkts im Januar 1905 selbst versenkt. Die russische Ostseeflotte als Zweites Pazifisches Geschwader war im Oktober 1904 zu spät ausgelaufen, um dem Ersten Geschwader noch helfen zu können und wurde im Mai 1905 in der Schlacht von Tsushima vernichtet.

Das Original

"Die Zessarewitsch war ein Linienschiff der kaiserlich-russischen Marine, gebaut von der Werft Forges et Chantiers de la Méditerranée in la Seyne in Frankreich. Sie war ab Dezember 1903 im Pazifik stationiert und diente Admiral Withöft während des Russisch-Japanischen Krieges in der Seeschlacht im Gelben Meer als Flaggschiff. Der Admiral fiel auf der Brücke seines Flaggschiffs, das nach der Schlacht nach Tsingtau lief und dort für die restliche Dauer des Krieges interniert wurde. Das Linienschiff kehrte 1906 nach Europa zurück und diente bei der Baltischen Flotte. Die Zessarewitsch wurde 1917 in Graschdanin (russisch „Bürger“) umbenannt, überlebte den Ersten Weltkrieg und wurde 1924 abgewrackt.

Die Zessarewitsch gehörte zu keiner Klasse als solcher, da sie keine direkten Schwesterschiffe besaß, stellte aber das Vorbild für die im Anschluss in Russland gebaute Borodino-Klasse dar. Die Kaiserlich Russische Marine entschloss sich nach dem Japanisch-Chinesischem Krieg von 1894/1895 zu einem Ausbau ihres Pazifischen Geschwaders. Das Bauprogramm von 1898 sah den Bau von Linienschiffen, Kreuzern und Zerstörern für diese Station vor. Ein Teil dieser Schiffe sollte im Ausland gebaut werden, da die russischen Ostseewerften ausgelastet und nicht hinreichend leistungsfähig waren. So wurde 1898 die Retwisan bei Werft William Cramp and Sons in Philadelphia bestellt. Es folgte ein Vertrag über den Bau eines Linienschiffes mit der Société Nouvelle des Forges et Chantiers de la Méditerranée am 6. Juli 1898, die zuvor in ihrem Zweigbetrieb in Graville bei Le Havre den Kreuzer Swetlana auf Wunsch des Großfürsten Alexei gebaut hatte und im Vorjahr dem Auftrag für einen Panzerkreuzer für die russische Pazifikflotte erhalten hatte, der 1903 als Bajan in Dienst kam.

Die Zessarewitsch litt daran, dass ihr Schwerpunkt zu hoch lag, die Bordwände im sogenannten Tumblehome-Design oberhalb der Wasserlinie nach innen zeigten, dass das in der Rumpfmitte laufende Längsschott die Gefahr des Kenterns heraufbeschwor und der niedrige Gürtelpanzer bei voller Gefechtsbeladung unter Wasser gedrückt wurde. Sie hatte allerdings keine Kasemattgeschütze, die bei Seegang unbrauchbar waren, sondern die Mittelartillerie in separaten Türmen, was zu der Zeit als moderner galt, sich aber erst nach dem Weltkrieg durchsetzte. Die Zessarewitsch erhielt die seinerzeit modernste Panzerung System Krupp. Obwohl die Retwisan als solider konstruiert galt und weniger topplastig als die Zessarewitsch war, wurde die Zessarewitsch Modell für die fünf russischen Nachbauten der Borodino-Klasse. Die Mängel des Rumpfaufbaus hatten diese auch, und die drei bei Tsushima versenkten Schiffe der Borodino-Klasse kenterten, bevor sie sanken.

Nach dem Ende des Russisch-Japanischen Krieges wurde die Zessarewitsch in die Ostsee verlegt. Dort nahm sie während des Ersten Weltkriegs im August 1915 am Vorstoß in die Rigaer Bucht und im September 1917 an den Gefechten im Golf von Riga teil, als die russische Ostseeflotte die deutsche Besetzung der Inseln Ösel und Dagö zu verhindern versuchte. Nach der Februarrevolution 1917 wurde das Schiff in Graschdanin umbenannt. Unter diesem Namen nahm sie an der Schlacht im Moon-Sund teil. Im Jahre 1918 wurde sie zur Hulk abgerüstet und schließlich 1924 in Deutschland abgewrackt."

Technische Daten
Verdrängung 12.915 t, max. 13.122 t
Länge 118,5 m
Breite 23,2 m
Tiefgang 8,5 m
Besatzung 803 Mann

Antrieb
20 Belleville-Dampfkessel
2 Dreifach-Expansions-Dampfmaschinen
16000 PS
2 Schrauben
Geschwindigkeit 18,5 kn
Reichweite 2.590 sm bei 10 kn

Bewaffnung
4 × 305-mm-Geschütze
12 × 152-mm-L/45-Canet-Schnellfeuergeschütze
16 × 75-mm-L/45-Canet-Schnellfeuergeschütze
4 × 47-mm-L/43-Hotchkiss-Schnellfeuergeschütze
6 × Torpedorohre 38,1 cm
2 × 64-mm-L/19-Baranowski-Landungsgeschütze

Zitat: Wikipedia

Das Modell

Wie in einem anderen Artikel von mir erwähnt wurde mein Interesse an Pre-Dreadnough-Modellen durch Jim Baumanns Beispiele erweckt. Ich kannte noch sehr wenige Schiffe aus dieser Ära. Die von Jim Baumann gebaute Zessarewitsch (Tsessaravitch) viel mir sofort ins Auge. Durch das Recherchieren im Internet fand ich weitere sehr interessante Bilder von diesem Schiff. Besonders die Rundungen am Rumpf gefielen mir. Irgendwie erinnerte mich diese Bauart an einer alten Festungsanlage. Im Gegensatz zu Baumanns Modell bemalte ich das Schiff in den Gefechtsfarben der Ersten Pazifischen Geschwaders um 1903.

Der Bausatz wurde mit den üblichen Materialien verfeinert und ergänzt. Die Masten wurden zum größten Teil aus Messingdraht und Messingröhrchen ersetzt und natürlich erhielt das Schiff eine Reling aus Ätzteilen. Ein Großteil der Luken wurde mit Deckeln aus Papier bestückt. Die beiden großen rechteckigen gerüst-artigen Davits mittschiffs entstanden aus Messingstreifen und gebogenen Leitern. Im Originalbausatz sind diese Gerüste nicht durchbrochenen. Die Ankerketten stammen nicht aus dem Bausatz. Es sind sehr feine echte Messingketten. Ausgeschmückt wurde das Modell mit mehreren Messsingleitern und -Aufstiegen.

Bemalt wurde das Modell mit Humbrol und Revellfarben. Den Grundanstrich habe ich mit einer Airbrush aufgetragen, danach erhielt das Modell Washings mit aufgehellter oder abgedunkelten Grundfarbe. Die sichtbare Unterwasserbemalung entstand aus einem sehr feinen rotem Plastikband: “TrimLine“. Es wird auch für RC Schiffsmodelle benutzt. Die Takelage entstand aus gezogenen Gussast, wie von Jim Baumann beschrieben.

Die Wasserimitation besteht aus bemaltem Aquarellpapier. Das Schiff liegt im ruhigen Gewässer vor Anker. Auf einigen Fotos erkennt man das die Kette leider gerissen ist und auch die Takelage hat bei einem Transport zu einer Ausstellung durch meine Dummheit stark gelitten. (Die Masten waren doch höher als ich dachte ). Aber Gott sei Dank sind die Schäden nicht so groß wie bei der Schlacht im Gelben Meer.

Den Bausatz von Kombrig finde ich, wie die meisten Modelle von Kombrig, sehr gelungen. Die Teile sind sehr fein gegossen und müssen nicht sehr viel nachgearbeitet werden

Ingo Renk