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Piotr Olender: Sino-Japanese Naval War 1894-1895 Drucken
Samstag, 20. September 2014 um 05:00

 

17.09.1894 - 120 Jahre Schlacht am Yalu

 

Titel

Titel: Sino-Japanese Naval War 1894-1895
Autor: Piotr Olender
Verlag: Stratus/Mushroom Model Publications (MMP Books)
Erscheinungsjahr: 2014
ISBN: 978-83-63678-30-2
Umfang: 228 Seiten mit schwarz-weißen Fotos, Karten und Plänen
Preis: ca. 31 €

Inhalt

120 Jahre nach dem Chinesisch-Japanisch-Krieg von 1894/95 ist bei Mushroom Model Publications in Zusammenarbeit mit Stratus ein englisch-sprachiges Buch über diesen Krieg erschienen (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Es passt gut zu der zunehmenden Zahl von Bausätzen von an diesem Krieg beteiligten Schiffen, darunter die von Bronco im Maßstab 1/350 (siehe z.B. hier) und den zahlreichen Bausätzen von S-Model, Oceanmoon, Seals Models und Modelkrak im Maßstab 1/700 (siehe für eine Liste hier).

Von dem Autor Piotr Olender sind auf Polnisch bereits zahlreiche Bücher erschienen. Auf Englisch sind im gleichen Verlag wie das hier besprochene Buch auch zwei Bände über den Russisch-Japanischen Krieg und einer über den Chinesisch-Französischen Krieg erschienen. Das Buch über den Chinesisch-Japanischen Krieg ist im DIN A4-Format gedruckt und hat einen Taschenbucheinband. Es beginnt mit einem Vergleich der sehr unterschiedlichen Entwicklung Chinas und Japans in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, den Hintergründen des Konflikts sowie der militärischen Stärke der beiden Kontrahenten. Darauf wird der Verlauf des Kriegs beschrieben, in dem die japanische Marine eine sehr wichtige Rolle einnahm, da auch die Operationen der japanischen Armee von Landungsoperationen und Versorgungskonvois abhingen. Viel Platz nehmen die Schlacht am Jalu und die Eroberung von Weihaiwei ein, aber auch kleinere Zusammenstöße zwischen der japanischen Flotte und der chinesischen Nordflotte (Beiyang Flotte) sowie die zahlreichen Landungsoperationen werden beschrieben. Trotz des Titels des Buchs, Sino-Japanese Naval War, werden auch die Operationen am Land relativ genau beschrieben. Die Schilderung des Ablaufs einzelner Schlachten, z.B. von Pungo, weicht teilweise deutlich von einem meiner anderen Bücher, The Chinese Steam Navy 1862-1945 von Wright, ab. Der Autor des Buchs dokumentiert aber klar, worauf seine Beschreibung beruht. Ein längeres Kapitel am Ende beschäftigt sich mit den Schlussfolgerungen, die aus diesem Krieg gezogen wurden, u.a. in Bezug auf die Überlegenheit von Schnellfeuerkanonen gegenüber langsam schießenden großkalibrigen Geschütze und der stark gepanzerten Schlachtschiffen im Vergleich zu leicht bewaffneten Kreuzern. Die japanische Marine verfügte damals primär über Kreuzer (neben einigen alten Panzerschiffen und Kanonenbooten), die sich dank ihrer Schnellfeuerkanonen mittleren Kalibers gegen die mit schwereren Kanonen bewaffnete chinesische Kreuzer zwar durchsetzen konnten, aber gegen die chinesischen Schlachtschiffe nichts ausrichten konnten. Dazu kamen in diesem Krieg Torpedoboote im größeren Umfang bei der Belagerung von Weihaiwei zum Einsatz, wo japanischen Torpedoboote ein Schlachtschiff und zwei Kreuzer versenkten.

Beispielseite

Illustriert ist das Buch mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotos, die die beteiligten Schiffe sowie Personen und Orte und die Kämpfe selbst zeigen (siehe Beispielseiten). Die Fotos sind relativ groß abgedruckt, aber die Wiedergabe ist nicht immer perfekt - was zum Teil aber auch an den Originalfotos liegt. Für den Modellbauer sind die Fotos aber überwiegend hilfreich. Dazu sind noch zahlreiche zeitgenössische Zeichnungen enthalten. Zum Teil entstammen diese der zeitgenössischen europäischen Berichterstattung, viele sind aber auch aus japanischen Quellen (siehe Beispielseite unten). Diese Zeichnungen zeigen zwar auch Details, sind aber Comic-haft, eben die Vorläufer der Manga. Von vielen der Schiffe sind dazu Seitenansichten im Maßstab 1/350 enthalten. So etwas sucht man als Modellbauer natürlich. Leider sind die Zeichnungen teilweise vereinfacht und es sind auch keine Aufsichten enthalten. Einige chinesische Schiffe sind dazu im Zustand in japanischen Diensten dargestellt, z.B. die Jiyuan (Chi Yuan), die spätere japanische Saien. Die Bebilderung wird durch zahlreiche Karten abgerundet, die die jeweiligen Regionen bzw. die einzelnen Seeschlachten zeigen.

Beispielseite

Den Abschluss des Buchs bildet eine Auflistung aller damals vorhandenen chinesischen und japanischen Marineschiffe. Diese enthält auch Angaben zur Bauwerft und -zeit, Abmessungen, Maschinenleistung, Panzerung, Bewaffnung und Schicksal des jeweiligen Schiffs. Sehr hilfreich ist, dass bei den chinesischen Namen sowohl die alte Wade-Giles-Transkription, die heute noch im englischen Sprachraum häufig genutzt wird, als auch die heutige Pinyin-Transkription verwendet wird. Eine ähnliche Liste gibt es auch für Ortsnamen. Die Transkription chinesischer Namen in lateinische Schrift kann sich teilweise stark unterscheiden. Z.B. wurde der Geschützte Kreuzer Jiyuan (heutige Pinying-Transkription) im deutsch-sprachigen Raum Tsi Yuan und im englisch-sprachigen Raum Chi Yuen geschrieben. Auch Kombinationen sind häufig, z.B. Chi Yuan. Bei anderen Namen kann man erahnen, wie falsch diese früher in Europa ausgesprochen wurden, z.B. das Torpedokanonenboot/Torpedokreuzer Guangbing, das früher Kuang Ping genannt wurde. Meine fränkischen Vorfahren wären begeistert gewesen!

Dazu findet man als Anhang eine Liste der damals eingesetzten Geschütze und Torpedos sowie eine Vergleichstabelle der chinesischen und japanischen Offiziersränge, eine Liste der Kommandeure der japanischen Schiffe sowie ein Literatur- und ein Stichwortverzeichnis.

Fazit

Das Buch enthält sehr viele hilfreiche Informationen über damalige chinesische und japanische Schiffe, die auch für den Modellbauer interessant sind. Dazu ist die Beschreibung des Verlaufs des Kriegs sehr detailliert, so dass es für den historisch Interessierten sehr empfehlenswert ist. Der Modellbauer in mir hätte sich eine etwas bessere Wiedergabequalität der Fotos und insbesondere bessere Pläne gewünscht. Insgesamt ist das Buch

alt empfehlenswert

Lars