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Leichter Kreuzer Coventry (HP Models, 1/700) von Lars Scharff Drucken
Mittwoch, 01. Juni 2011 um 07:00

HMS Coventry

Am 01.06.1941, d.h. heute vor 70 Jahren, kapitulierten die verbliebenen britischen Truppen auf Kreta. Die Royal Navy, die die Aufgabe hatte die alliierten Truppen nach Griechenland zu geleiten (Operation Lustre), musste schließlich diese erst nach Kreta und dann nach Ägypten evakuieren (Operation Demon). Dabei erlitt sie, insbesondere durch deutsche Luftangriffe, schwere Verluste. Sie verlor den Schweren Kreuzer York, die Leichten Kreuzer Gloucester und Fiji, den Flakkreuzer Calcutta, die Zerstörer Greyhound, Hereward, Imperial, Juno, Kashmir und Kelly. Dazu wurde der Flugzeugträger Formidable, die Schlachtschiffe Valiant und Warspite, die Leichten Kreuzer Ajax, Dido, Orion und Perth, die Flakkreuzer Carlisle und Coventry sowie die Zerstörer Kelvin, Napier und Nubian beschädigt. Mehr als 2000 Angehörige der Royal Navy starben.

Der hier vorgestellte Flakkreuzer Coventry war an den Operationen um Kreta beteiligt, ebenso an der Sicherung des letzten Evakuierungskovois aus Sfakia (Sphakia) und wurde wiederholt von der Luftwaffe bombardiert, konnte aber nach Alexandria entkommen. Für weitere Ideen für Projekte zu Jahrestagen siehe hier.

Das Original

Coventry wurde als Leichter Kreuzer der Ceres-Klasse 1916-17 gebaut. Die Ceres-Klasse war eine Weiterentwicklung der Caledon-Klasse und gehörte damit zur der Entwicklungsreihe der C-Klasse Kreuzer im Ersten Weltkrieg. Diese Schiffe waren zur Unterstützung der Flotte in der Nordsee entworfen, waren stark bewaffnet und schnell - es mangelte ihnen aber an Fahrbereich und Seetüchtigkeit. Die Bewaffnung bestand aus fünf 15,2 cm-Geschützen, zwei 7,62 cm-Flaks und vier 53,3 cm-Zwillingstorpedorohren. Durch die Verlegung der Brücke nach achtern konnte das zweite 15,2 cm-Geschütz über dem ersten vor der Brücke angeordnet werden, so dass dessen Feuerbereich stark erweitert werden konnte. Insgesamt fünf Schiffe der Klasse wurden gebaut: Ceres, Cardiff, Coventry, Curacoa und Curlew. Da die Klasse, wie die Vorgänger-Klasse, vorne sehr naß war, erhielt die nachfolgende Capetown-Klasse einen erhöhten Bug (Trawler-Bug).

Die Leichten Kreuzer der Ceres-Klasse gehörten in den 1930ern mit den Schiffen der Caledon- und Capetown-Klasse zu ältesten noch in Dienst befindlichen Kreuzern und waren entsprechend veraltet. Aufgrund des geringen Fahrbereich eigneten sie sich nur für die europäischen Gewässer, wo ihr Einsatz wegen der kaum vorhandenen Flakbewaffnung aber nicht möglich war. Die Royal Navy plante deshalb ihren Umbau zu Flakkreuzern. Coventry und Curlew wurden 1935-36 als erste umgebaut, um die Flakbewaffnung der Mittelmeerflotte zu verstärken - was damals wegen der Abessinien-Krise, also der Gefahr eines Kriegs mit Italien, dringend notwendig erschien. Die komplette Bewaffnung wurde entfernt und durch zehn 10,2 cm-Flak (Einzellafetten) sowie zwei 4 cm-PomPom-Achtlinge ersetzt. Dazu erhielten sie zwei HACS-Feuerleitgeräte für die 10,2 cm-Flak, das eine auf den gekürzten Fockmast, das andere hinter den neu positionierten und stark gekürzten Großmast. Priorität bei dem Umbau hatte die Nutzung von vorhandener Ausrüstung, z.B. die damals durch die Umrüstung auf Zwillingslafetten im Überschuss vorhandenen 10,2 cm-Einzellafetten. Spätere Umbauten erhielten dagegen 10,2 cm-Zwillingslafetten, von der Caledon-Klasse wurde ein Schiff (Caledon), von der Ceres-Klasse ebenfalls nur ein Schiff (Curacoa) und von der Capetown-Klasse vier Schiffe (Cairo, Calcutta, Carlisle und Colombo) so umgebaut. Der übrigen Schiffe wurden entweder versenkt und kaum modifiziert. Bezogen auf die Zahl der Abschüsse waren die umgebauten C-Klasse-Schiffe im Vergleich zu der zu Beginn des Zweiten Weltkriegs neuen Dido-Klasse die besseren Flakkreuzer.

HMS Coventry

Coventry war 137,2 m lang und 13,3 m breit. Sie verdrängte nach dem Umbau 5468 ts. Ihr Antrieb bestand aus Brown-Curtiss-Turbinen und sechs Yarrow-Kessel, trieb zwei Schrauben und leistete 40 000 PS, womit 29,5 kn erreicht wurden.

1938/39 musste Coventry einen der PomPom-Achtlinge aufgrund eines Mangels an entsprechenden Lafetten wieder abgeben. Stattdessen kamen zwei Vierlings-MG an Bord. 1940 erhielten die 10,2 cm-Geschütze Splitterschutz und beide Masten wurden verlängert, um Typ 279-Radar auf ihnen montieren zu können. Die zwei der 10,2 cm neben dem achteren HACS wurden entfernt, eventuell wurde später ein weiteres 10,2 cm-Geschütz entfernt. 1942 erhielt sie fünf 2 cm-Oerlikons, ob die MGs parallel entfernt wurden, ist unklar.

Bewaffnung 1942
8 x 10,2 cm L/45 Mk V (Einzellafetten)
8 x 4 cm L/39 PomPom Mk. VIII (eine Mk VI-Achtlingslafette)
5 x 2 cm L/70 Oerlikon (Einzellafetten)
8 x 1,27 cm L/62 Mk III (zwei Vierlingslafetten)

HMS Coventry

Coventry wurde 1916-18 bei Swan Hunter in Wallsend gebaut und wurde im Ersten Weltkrieg als Teil der 5th Light Cruiser Squadron (Harwich Force) im Kanal und der Nordsee eingesetzt, nach Kriegsende wurde sie in der Ostsee u.a. im Russischen Bürgerkrieg eingesetzt. 1919 kam sie zur Atlantik-Flotte und war 1919-20 sie Flaggschiff der Interalliierten Militär-Kontrollkommission zur Durchsetzung des Versailler Vertrags. 1924 bis 1935 war sie bei der Mittelmeer-Flotte und kam danach in die Reserve.

Ende 1935 (nach anderen Quellen erst Anfang 1936) erfolgte auf der Marinewerft in Portsmouth der Umbau zum Flakkreuzer, worauf sie 1936 wieder ins Mittelmeer verlegt wurde. Bis Kriegsausbruch war sie in Reserve bzw. wurde für Versuche eingesetzt.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde sie erneut der Mittelmeer-Flotte zugeteilt, schon kurze Zeit später aber der Humber Force zugeteilt, die Konvois an der Ostküste Englands verteidigte. Ende 1939, Anfang 1940 diente sie zum Schutz der Flugbootbasis in Sullom Voe auf den Shetland, wobei sie eine He 111 abschoss und von Do 17 beschädigt wurde. Von Februar bis April 1940 wurde sie in Chatham modernisiert, worauf sie nach Norwegen verlegt wurde, um dort die Landungsstellen und die Flotte gegen deutsche Luftangriffe zu verteidigen. Nach der Evakuierung der alliierten Truppen aus Norwegen wurde sie in der Nordsee eingesetzt bis sie im August 1940 ins Mittelmeer verlegt wurde.

Dort war sie an der Sicherung von Konvois nach Malta und Griechenland beteiligt, im September 1940 war sie kurzzeitig im Roten Meer im Einsatz. Am 27. November 1940 war sie Teil der britischen Flotte in der Seeschlacht bei Kap Spartivento (Kap Teulada) gegen die italienische Marine. Während einer abgebrochenen Landbeschießungsaktion wurde Coventry am 13. Dezember 1940 von den italienischen U-Boot Neghelli mit einem Torpedo am Bug getroffen, konnte aber rückwärts fahrend Alexandria erreichen. Dort wurde ihr Bug repariert, fiel bei Probefahrten aber ab und musste erneut repariert werden, konnte aber danach aber nur 23 kn fahren. Ab Ende Januar 1941 war sie wieder Einsatz: bei der Sicherung von Konvois nach Libyen. Es folgte die Sichreung von Konvois nach Griechenland, bald musste sie aber die Evakuierung der alliierten Truppen aus Griechenland und Kreta schützen, wobei sie wiederholt bombardiert wurde, konnte aber selbst entkommen. Im Juni 1941 geleitete sie den Transport von Kommandogruppen ins französische Syrien (Operation Exporter). Sie blieb in der Region und diente wiederholt der Flugabwehr gegen Luftangriffe. Am 14. Juni 1941 jagte sie mit dem Leichten Kreuzer Leander und den Zerstörern Ilex und Isis zwei Vichy-französische Zerstörer, die aber nach Beirut entkommen konnten.

Im Oktober 1941 wurde sie zur Sicherung eines Konvois nach Bombay geschickt, wo sie anschließend  bis Mai 1942 überholt wurde. U.a. erhielt sie einen neuen Bug. Bei ihrer Rückher in Alexandria erhielt sie 2 cm Oerlikon-Flak. Im Juni 1942 war sie Teil einer Ablenkungsgruppe während der Operation Vigorous, eines Konvois nach Malta, der wegen massiver Angriffe der Achsenmächte umdrehen musste. Im September 1942 geleitete sie ein Kommandounternehmen (Operation Agreement) gegen Torbruk, was aber komplett scheiterte. Coventry wurde von vier Bomben deutscher Ju 87 und Ju 88 der I/LG.1 getroffen: drei im Maschinenraum und eine im Bug, worauf das Schiff sank.  Auch die Zerstörer Sikh und Zulu, zwei HDML, vier MTB und mehrere kleinere Boote wurden versenkt. Coventry erhielt sieben Battle Honours.

HMS Coventry

Das Modell

Mein Modell der Coventry ist ein Teil des Reede von Scapa Flow 1942-Gemeinschaftsprojekts der IG Waterline (für Fotos des Dioramas in Fuldatal siehe hier). Gebaut habe ich das Modell aus dem Bausatz von HP Models, der den Bauzustand von 1940/41 darstellt.

Der Bau war weitgehend problemlos, abgesehen von kleineren Anpassungsschwierigkeiten im Bereich der Funkkabine hinter der Brücke. Die Masten habe ich aus Draht und Plastik gebaut. Die Entfernnungsmesser der beiden HACS-Feuerleitgeräte habe durch längere Plastikstäbe ersetzt.

Der genaue Bauzustand 1942 war schwer zu ermitteln. Einerseits habe ich mich an den Zeichnungen im Profile Morskie orientiert, die aber den 1941-Bauzustand zeigen. Ich habe lediglich zwei Fotos der Backbord-Seite gefunden: hier und hier. Diese zeigen, dass zwei 2 cm neben der Brücke auf der Back hinter Splitterschutz, zwei vor dem Steuerhaus und eines hinter dem achteren HACS standen. Für die zusätzlichen 2 cm-Flak habe ich den Splitterschutz auf der Back neben der Brücke und auf dem Deckshaus hinter dem HACS ergänzt. Dazu habe ich noch Spliterschutz neben dem Großmast auf dem Oberdeck angebracht, hinter dem aber auf dem Foto keine weiteren Geschütze erkennbar waren. Leider sind auf dem Fotos das Achterschiff nicht erkennbar, d.h. ich kann nicht sagen, ob ein dort ein weiteres 10,2 cm-Geschütz und die beiden 1,27 cm-MGs entfernt wurden - ich habe sie deshalb am Modell dargestellt.

HMS Coventry

Die 10,2 cm-Flak und 1,27 cm-MG stamen von Niko Models, der 4 cm-Achtling von WEM und die 2 cm Oerlikon von Paper Lab. Die Boote stamen aus dem Bausatz, getakelt wurden mit gezogenen Gussast.

Für den Anstrich habe ich mich an den erwähnten Fotos plus Fotos von 1941 orientiert - die Zeichnungen im Warship Perspectives Camouflage habe ich nicht genutzt, da sie nicht mit den Fotos übereinstimmten. Das Tarnschema besteht aus Vallejo 166 Dunkelgrau (für 507A) und Vallejo 152 Hellgrau (für 507C), die Decks sind mit Vallejo 110 Deckgrau und Vallejo 166 gestrichen. Die falsche Bugwelle ist mit Vallejo 4 Cremeweiss dargestellt.

HMS Coventry

Quellen

HMS Coventry

Lars