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US-amerikanischer Schwerer Kreuzer USS Chicago (Corsair Armada, 1/700) von Lars Scharff Drucken
Mittwoch, 17. Dezember 2008 um 07:00

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Das Original

USS Chicago war einer der Schweren Kreuzer der Northampton-Klasse. Dies war die zweite Klasse von Schweren Kreuzer der US-Marine, die unter den Bedingungen des Washingtoner-Flottervertrages gebaut wurden. Noch während des Baus der vorangegangenen Pensacola-Klasse erkannte man, dass deren Seetüchtigkeit und Flugzeugeinrichtungen verbesserungswürdig waren und die Schiffe beengt ausfielen. Statt des Glattdecks, erhielt die Northampton-Klasse ein zusätzliches Backdeck, um die Seetüchtigkeit zu verbessern. Für die Flugzeuge wurden mittschiffs zwei Hangars eingebaut. Der Antrieb wurde in zwei unabhängig operierende Einheiten aufgeteilt, um so bessere Überlebensmöglichkeiten im Falle eines Torpedotreffers zu haben. Der dafür notwendige Raumgewinn wurde durch eine leichte Verlängerung des Rumpfs und die Konzentration der 20,3 cm-Geschütze in drei Drillingstürmen (statt der zwei Zwillings- und zwei Drillingstürmen) ermöglicht. Die Panzerung wurde gegenüber der Vorgänger-Klasse zwar verbessert, blieb aber schwach.

Die ersten drei Schiffe – Northampton, Chester, Louisville - wurden als Geschwaderflaggschiffe gebaut, die letzten drei – Chicago, Houston, Augusta – als Flottenflaggschiffe, bei denen die Back verlängert wurden, um zusätzlichen Raum für den Stab zu erhalten. Diese Klasse und die nachfolgende, sehr ähnliche Portland-Klasse eigneten sich besser als Flaggschiffe als die spätere New Orleans-Klasse, die zwar besser gepanzert war, aber beengter ausfiel. In den 30er wurden auf den Schiffen der Northampton-Klasse die 12,7 cm-Flak verdoppelt, die Torpedorohre aber entfernt. Vor Kriegseintritt der USA wurde zusätzlich noch die leichte Flak verstärkt.

Chicago war 183 m lang, 20,1 m breit und hatte einen Tiefgang von 5,9 m. Die Standardverdrängung betrug 9300 ts. Ihre Turbinen und acht Kessel leisteten 107 000 PS und trieben vier Schrauben, womit 32,7 Knoten erreicht wurden.

Bewaffnung 8.8.1942:
9 x 20,3 cm L/55 (drei Drillingstürme)
8 x 12,7 cm L/25 (Einzellafetten)
16 x 2,8 cm (Vierlinge)
9 x 2 cm (Einzellafetten)
4 Curtiss SOC Seagull

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Die Chicago wurde zwischen 1928 und 1931 auf der Marinewerft Mare Island bei Vallejo, Kalifornien, gebaut und wurde danach Teil der Scouting Force im Atlantik. Abgesehen von Übungen, die auch im Pazifik durchgeführt wurden, blieb sie bis 1940 Teil dieser Kräfte. Im September 1940 erhielt sie als erster Kreuzer einen CXAM-Radar und wurde zur Pazifik-Flotte verlegt und in Pearl Harbor stationiert. Während des Angriffs auf Pearl Harbor am 7.12.1941 war Chicago auf See und beteiligte sich an der erfolglosen Suchen nach der japanischen Flotte. Anschließend wurde sie zu der Unterstützung der ANZAC-Kräfte abgeordnet und beteiligte sich an Angriffen auf japanisch besetzte Teile Neuguineas. Im Mai schützte sie den Träger Yorktown bei einem Angriff auf Tulagi. Während einer Überholung in Sydney war sie in der Nacht vom 31.5./1.6.1942 das Ziel eines japanischen Angriffs mit Kleinst-U-Booten, blieb aber unbeschädigt.

Am 7. August 1942 war sie an der Invasion von Guadalcanal und Tulagi beteiligt. Bei den folgenden japanischen Luftangriffen blieb sie unbeschädigt. In der Nacht vom 8./9. August 1942 sollte sie zusammen mit dem Schweren Kreuzer HMAS Canberra und den Zerstörern USS Patterson und USS Bagley die südliche Zufahrt zwischen Savo und Guadalcanal und damit die alliierte Invasionsflotte sichern. Von dem Angriff der japanischen Schweren Kreuzer Chokai, Furutaka, Kako, Aoba und Kinugasa, der Leichten Kreuzer Tenryu und Yubari sowie des Zerstörers Yunagi unter Mikawa (Schlacht von Savo Island) wurde Chicago total überrascht. Nach Granattreffern und einem Torpedotreffer im Bug (von der Kako, plus ein weiterer Torpedotreffer, bei dem der Torpedo aber nicht explodierte) zog sich das beschädigte Schiff zurück und spielte während der Schlacht keine Rolle mehr.

Erste Reparaturen der Schäden erfolgten in Nouméa und Sydney. Die endgültigen Reparaturen plus eine Modernisierung wurden in San Francisco durchgeführt. Hierbei wanderte der CXAM-1-Radar auf dem Fockmast, die Brücke wurde reduziert, der Großmast umgebaut, um die Feuerleitgerät aufzunehmen und 4 cm-Vierlinge wurden aufgestellt. Im Januar 1943 geleitete sie zusammen mit den Schweren Kreuzern Wichita und Louisville sowie den Leichten Kreuzern Montpelier, Cleveland und Columbia einen Geleitzug nach Guadalcanal. Japanische landgestützte Mitsubishi G4M Betty-Torpedobomber griffen die US-Kreuzer, die über keine Luftunterstützung verfügten, am 29. Januar 1943 südlich von Guadalcanal an (Schlacht von Rennel Island) und erzielten zwei Torpedotreffer auf Chicago. Der schwer beschädigte Kreuzer wurde von dem Schwesterschiff Louisville nachts abgeschleppt, das morgens von dem Schlepper Navajo abgelöst wurde. Trotz einer Eskorte von sechs Zerstörern plus Jäger des Trägers Enterprise konnten Betty-Torpedobomber am 30. Januar nicht nur den Zerstörer La Vallette durch einen Torpedotreffer schwer beschädigen, sondern auch vier weitere Torpedotreffer auf der Chicago erzielen, die das Schiff zum Kentern brachten. 1049 Mann der Besatzung konnten von den begleiteten Zerstörern gerettet werden, 62 starben. Chicago erhielt drei Battle Stars.

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Das Modell

Im Rahmen der IG Waterline und des Modellboards hatten wir beschlossen, zusammen zur Ausstellung Faszination Modellbau Bremen 2008 ein Diorama der Schlacht von Savo Island im Maßstab 1/700 zu bauen. Ich übernahm u.a. die Chicago. Corsair Armada bietet einen Bausatz (CAP-7008/CA009) an, der aber den Zustand nach der Schlacht darstellt. Also nach den Reparaturen der Schäden, u.a. des Torpedotreffers und nach einer Modernisierung. Corsair Armada bietet aber auch einen Bausatz des Schwesterschiffs Houston (CAP-7014/CA015). Dieser enthält nicht nur Teile für den Bau der Houston im Zustand der späten 30ern und 1941, sondern auch Teile für die Chicago im Zustand der späten 30er bis 1941.

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Der Bausatz besteht für einen Resinbausatz aus sehr vielen Teilen, deren Gussqualität überwiegend gut ist. Relativ gut ist auch die Anleitung, die auch auf die Unterschiede zwischen den Schwesterschiffen und den Bauzuständen eingeht. Ich wollte aber nicht die 1941-Version bauen, sondern den Zustand vor der Schlacht von Savo Island. In den meisten Büchern findet man nur Photos der Chicago in anderen Bauzuständen bzw. auf den Photos kann man nicht viel erkennen. Nach längerer Suche fand ich Photos auf der Seite des Australian War Memorial. Zwei davon bestellte ich (siehe hier und hier). Diese Photos waren meine wesentliche Quelle, z.B. für die Aufstellung der 2 cm-Oerlikon-Geschütze.

Den Rumpf, Schornsteine, Brücke etc. baute ich nach Anleitung zusammen. Zahlreiche Bullaugen am Rumpf habe ich verschlossen und das Entmagnetisierungskabel wurde entfernt (die Anleitung weist auf beides hin!). Statt der beiliegenden Plastikstäbe habe ich Messingdraht für die Masten verwendet.

Die 12,7 cm- und 2,8 cm-Geschütze sowie die Türme für die 20,3 cm-Geschütze stammen aus dem Bausatz. Die 20,3 cm-Rohre stammen von BMK (Sonderanfertigungen für Türme ohne blast bag/Rohrhose, danke Burkhardt!). Nach langem Studium der Photos entschied ich mich dazu, Chicago ohne Feuerleitgeräte für die 2,8 cm-Vierlinge und mit neun 2 cm-Oerlikons zu bauen. Die Oerlikons sind von Paper Lab. Zwei davon wurden auf der Fockmastplattform über der Brücke (Teil 3) aufgestellt, zwei hinter der Brücke hinter aus 0,125 mm dicken Plastikplatten selbst gebauten Splitterschutz, zwei auf der Feuerleitplattform hinter dem achteren Schornstein (Teil 27) anstelle der Feuerleitgeräte für die 2,8 cm-Vierlinge, eines auf einer selbst gebauten Plattform achtern am Großmast (montiert auf Teil 8) und zwei hinter selbst gebauten Splitterschutz auf dem Achterschiff.

Die Anzahl der Beiboote habe ich reduziert. Aufgestellt wurden nur auf beiden Seiten neben dem Großmast je ein 40 Fuß-Boot (Teil 16) und vor dem Mast ein 26 Fuß-Boot (Teil 14). Die Rettungsflöße stammen zum Teil aus dem Bausatz und einem alten Skywave-Satz (jeweils die kleineren), die größeren Flöße seitlich an den Türmen sind aus dem WSW-Bausatz der Quincy.

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Aus Ätzteilen bestehen die beiden Kräne, die Abstützungen der vorderen Plattformen für die 2,8 cm-Vierlinge, CXAM-Radar auf dem Großmast (alles aus dem Satz #716 US HEAVY CRUISER von Tom’s Modelworks), die Katapulte (#715 CRUISER CATAPULTS von Tom’s Modelworks) und das Mk 3 (FC)-Feuerleitradar (US Navy Radars WWII von LionRoar) auf dem Feuerleitgerät Mk 24 auf dem Fockmast. Die Curtiss SOC Seagull sind Spritzgussteile von Trumpeter. Die Takelung erfolgte mit gezogenen Gussast.

Chicago war am 8.8.1942 im Schema 21 gestrichen. Das Navy Blue 5-N habe ich mit Vallejo 964 Field Blue und das Deck Blue 20-B mit Vallejo 994 Dark Grey dargestellt. Die Seagull habe ich mit Vallejo 905 Bluegrey Pale und mit Vallejo 993 White Grey bemalt. Gealtert habe ich mit diversen Ölfarben.

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Quellen

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Lars