Das Original
Die südafrikanische Fregatte SAS Jan van Riebeeck (D278, ex HMS Wessex) war eines von zwei Schiffen, die ursprünglich als britische Zerstörer der W-Klasse, eine der Klassen der Emergency Destroyer, 1942-44 gebaut wurden und 1950 bzw. 1952 von der südafrikanischen Marine übernommen wurden. Ihr Schwesterschiff war Simon van der Steel (D237, ex HMS Whelp). Die beiden Zerstörer waren lange die stärksten Schiffe der südafrikanischen Marine. 1962-66 wurden beide Schiffe zu U-Jagd-Fregatten modernisiert (aber die D-Kennnummer beibehalten). Dieser Umbau wird teilweise als ähnlich zum britischen Typ 16 beschrieben, unterschied sich aber u.a. deutlich dadurch, dass statt Squid-U-Jagd-Mörsern Westland Wasp-U-Jagd-Hubschrauber die Hauptbewaffnung waren.
Um die U-Jagd-Hubschrauber unterbringen zu können, wurde das hintere 53,3-cm-Vierlingstorpedorohre entfernt. Der achtere Aufbau wurde vergrößert, um einen Hubschrauberhangar und -deck unterbringen zu können. Die ursprüngliche Geschützbewaffnung wurde entfernt und durch zwei 10,2-cm-Zwillinge und vier 4-cm-Bofors ersetzt. 1972 wurde sie erneut modernisiert, wobei zwei 4-cm-Bofors und das das verbliebene 53,3-cm-Vierlingstorpedorohr entfernt wurden und stattdessen zwei 32,4-cm-Drillingstorpedorohre an Bord kamen (eventuell war dies nur für Simon van der Steel der Fall und Jan van Riebeeck wurde gleich entsprechend modernisiert?). Das Feuerleitsystem für die Geschütze wurde durch ein italienisches NA 9-Feuerleitsystem ersetzt. Die südafrikanische Marine kaufte 1956 einen weiteren Zerstörer der W-Klasse, SAS Vrystaat (F157, ex HMS Wrangler), der davor zur Typ 15-U-Jagd-Fregatte umgebaut worden war und sich somit stark von seinen beiden Schwesterschiffen unterschied.
Jan van Riebeeck war 110,6 m lang, 10,9 m breit und verdrängte 2750 t . Der Antrieb bestand aus zwei Kesseln und zwei Sätzen Dampfturbinen und leistete ursprünglich 40.000 PS. Nach dem Umbau wurden 31,3 kn erreicht. Die Besatzung bestand aus 186-210 Mann.
Bewaffnung 1972
4 x 10,2 cm L/45 Mk XVI Flak (zwei Mk XIX-Zwillingslafetten)
2 x 4 cm L/60 Mk 9 (Einzellafetten)
6 x 32,4 cm Mk 32 Torpedorohre (zwei Drillingsrohre)
2 Westland Wasp HAS 1 (mit je zwei Mk 44-Torpedos oder zwei Mk 11-Wasserbomben)
Jan van Riebeeck wurde 1942-44 von Fairfield in Govan als HMS Wessex (R78) für die Royal Navy gebaut. Sie wurde in den Indischen Ozean geschickt, wo sie Träger bei Angriffen auf japanische Einrichtungen auf Sumatra geleitete. Danach kam sie zu britischen Pazifikflotte und kämpfte in der Schlacht von Okinawa. Nach dem Krieg half sie aus der Kriegsgefangenenschaft befreite alliierte Soldaten nach Hause zu bringen und wurde 1946 zur Reserveflotte in Devonport verlegt, 1947 zur Reserveflotte in Simon's Town. 1950 wurde sie an Südafrika verkauft und in Jan van Riebeeck umbenannt. Sie war nur kurz in Dienst und kam 1953 wieder zur Reserve. 1964-66 wurde sie modernisiert, blieb aber in Reserve. 1972 wurde sie erneut modernisiert und übernahm danach die Rolle von Simon van der Steel als Schulschiff. Aber schon 1975 kam sie wieder zur Reserveflotte. Am 25. März 1980 diente sie als Zielschiff für eine Skerpioen-Anti-Schiffsrakete, die von dem Schnellboot Jim Fouché abgefeuert wurde. Das Wrack wurde mit Geschützfeuer versenkt.
Das Modell
Die südafrikanische Fregatte SAS Jan van Riebeeck war mir unbekannt bis ich zu den britischen Fregatten des Typs 16 recherchierte, als Starling Models einen 1/700er Bausatz ankündigte (siehe Bausatzbesprechung). Ich kaufte mir zwei Bausätze des Typs 16, aus dem ersten baute ich HMS Terpsichore, aus dem zweiten Jan van Riebeeck. Da es der fünfte Bausatz eines Emergency Destroyers von Starling Models war, den ich baute, hatte ich inzwischen auch einiges an Teilen übrig, was sich für den Umbau als nützlich erwies. Als Grundlage für den Umbau wollte ich ursprünglich eine Zeichnung auf Navypedia (ursprünglich aus dem Weyer?) nutzen, die erwies sich aber von den Dimensionen nicht passend zu den Fotos - so dass ich mich für den Umbau auf Fotos stützte. Ich entschied mich für den Zustand ab 1972.
Ich verwendete die Brücke aus dem Bausatz, die der ursprünglichen Brücke als Zerstörer ähnelte. Die Brücke der Jan van Riebeeck war nach vorne erweitert worden. Die Erweiterung baute ich aus Plastikstreifen. Aus diesen baute ich auch den vorderen Teil der Reling und den Gasdruckabweiser um das 10,2-cm-Geschütz neu, da diese anders geformt war, als bei den britischen Typ 16. Das Feuerleitgerät stellte mich anfangs vor viele Rätsel, bis ich einem Band über den italienischen Kreuzer Vittorio Veneto aus der Storia Militare Briefing-Reihe Fotos von Orion-Feuerleitradars des NA 9-Feuerleitsystems für die 7,6-cm-Geschütze entdeckte - der Orion-Feuerleitradar passte genau zu den Fotos des Feuerleitradars der Jan van Riebeeck. Ich hatte davor schon die Information gefunden, dass die südafrikanische Marine das NA 9-System für die Feuerleitung auf Jan van Riebeeck gekauft hatte und die Fotos des Orion-Feuerleitradars war der fehlende Puzzlestein. Ich nutze eine Radarschüssel eines SPG-60 von Pit-Road und versuchte mittels der Fotos der Vittorio Veneto den Rest des Feuerleitradars aus Plastik- und Metallteilen darzustellen. Den Mast baute ich aus den Fotoätzteilen, die vielen der Bausätze der Emergency Destroyer von Starling Models beiliegen (aber nicht dem Typ 16-Bausatz), da hier eine kurze und eine lange Variante beiliegt. Für Jan van Riebeeck nutze ich die längere. Die Radargeräte sind aus dem Typ 16-Bausatz.
Das Deckshaus hinter dem Schornstein erhielt ein neues Deck und wurde mit Laufgängen mit den Aufbauten davor und dahinter verbunden. Den achteren Aufbau mit dem Hubschrauberhangar und -deck baute ich aus Plastikplatten komplett neu. Für die Hangartore nutze ich V-Groove-Platten von Evergreen. Das 10,2-cm-Geschütz dahinter ist von Starling Models, genauso wie die 32,4-cm-Torpedorohre auf diesem. Auch das Motorboot und die Rettungsinseln stammen aus Sätzen von Starling Models. Die Peilantenne vor der Brücke ist eigentlich eine japanische von YXModel. Die Stabantennen sind aus 0,05 mm-Kupferdraht. Der Westland Wasp-Hubschrauber ist von Starling Models. Die Netze am Hubschrauberdeck sind Fotoätzteile von Ocean Spirit.
Das Modell ist mit Acrylfarben von Vallejo Model Color bemalt: 153 (907) Hellblaugrau für die Seiten, 73 (969) Türkisgrün für die meisten Decks, 139 (846) Mahagonibraun für die Grätings auf der Brücke und 167 (995) Anthrazitgrau für den Mast. Die Beiboote sind mit 4 (820) Cremeweiß), 57 (963) Enzianblau und 139 (846) Mahagonibraun gestrichen, die Westland Wasp mit 161 (836) Londongrau. Die Abziehbilder sind selbst gezeichnet und von Tailormadedecals gedruckt.
Hier meine bisherigen Modelle von Emergency Programme Destroyer: der norwegische Zerstörer HNoMS Stord (1943, S-Klasse), der niederländischen Fregatte Hr. Ms. Piet Hein (1943, umgebaute S-Klasse), der britischen Fregatte HMS Terpsichore (1944, umgebaute T-Klasse), der südafrikanischen SAS Jan van Riebeeck (1944, umgebaute W-Klasse), und der israelischen Eilat (1944, Z-Klasse).
Hier noch mal SAS Jan van Riebeeck mit den anderen beiden zu U-Jagd-Fregatten umgebauten Schiffen, der niederländischen Hr. Ms. Piet Hein (1943, umgebaute S-Klasse) und der britischen HMS Terpsichore (1944, umgebaute T-Klasse).
Zum Abschluss mit einer heutigen südafrikanischen Fregatte, der Amatola (2003, MEKO A-200/Valour-Klasse):
Quellen
- Conway’s All the World’s Fighting Ships 1947-1995 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 1995
- HMS Wessex (R78) (Wikipedia)
- Wager class Destroyers (1950) (Naval Encyclopedia)
- SAS Jan van Riebeeck D278 (Shipspotting)
- SAS JAN VAN RIEBEECK going into Durban (Facebook)
- Incrociatore lanciamissili portaelicotteri Vittorio Veneto. Storia Militare Briefing N. 51 von Michele Cosentino, Milano, 2025 (Fotos des Orion-Feuerleitradars)
Lars














