Das Original

Vor etwas mehr als 80 Jahren, am 26.12.1943, war der britische Schwere Kreuzer HMS Norfolk an der Versenkung des deutschen Schlachtschiffs  Scharnhorst in der Schlacht vor dem Nordkap beteiligt. Norfolk ist außerdem für ihre Rolle an der Versenkung eines weiteren deutschen Schlachtschiffs, der Bismarck, bekannt. Norfolk gehörte zum letzten Untertyp der County-Klasse, der Dorsetshire-Klasse. Die County-Klasse war ein Ergebnis des Washingtoner-Flottenvertrags. Die Royal Navy ging davon aus, dass alle Unterzeichnerstaaten Kreuzer nach den maximal erlaubten Charakteristika, also 10.000 ts Standardverdrängung und 20,3-cm-Geschütze, bauen würden. Deshalb bestellte sie selbst solche Kreuzer, obwohl diese als zu groß und zu teuer betrachtet wurden, um in ausreichender Stückzahl realisiert werden zu können. Die County-Klasse sollte zum Schutz des Handels dienen - und deshalb einen ausreichenden Fahrbereich haben - aber auch mit der Flotte operieren können. Man wählte einen Glattdeckerrumpf mit sehr hohem Freibord, der der Klasse zusammen mit den drei hohen Schornsteinen das typische Aussehen gab.

Von der County-Klasse wurden 1924-30 insgesamt 13 Schwere Kreuzer gebaut. Die ersten sieben Schiffe der Kent-Klasse wurden für die britische und australische Marine gebaut. Es folgten vier Schiffe der London-Klasse für die britische Marine. Bei diesen wurde auf die Torpedowülste verzichtet und die Rumpfform optimiert, so dass sie etwas schneller ausfielen. Die letzten beiden Schiffe für die Royal Navy, die Dorsetshire-Klasse, erhielten ein neuen 20,3-cm-Turm und erstmals auch einen DCT zur Leitung der 20,3-cm-Geschütze. Der hohe Turm auf der Brücke fiel deshalb weg und der Brückenaufbau war niedriger. Außerdem wurde die Panzerung verstärkt. Zwei weitere aus der County-Klasse abgeleitete Schiffe, die Canarias-Klasse, wurde 1928-36 in Spanien gebaut.

Die County-Klasse erhielt eine sogenannte Box-Panzerung, d.h. nur um die Maschinen und insbesondere um die Munitionsmagazine war Panzerung vorhanden, es gab kein durchgehendes Panzerdeck und keinen Seitenpanzer. Als Hauptschutz sollte die Geschwindigkeit dienen. Oft wird mit Verweis auf die bei Skagerrak explodierten Schlachtkreuzer angegeben, dass nach dem Ersten Weltkrieg eine maximale Panzerung oberste Priorität hatte, tatsächlich führten die Erfahrungen aus diesem Krieg bei Kreuzern jedoch zur Fokussierung auf eine hohe Geschwindigkeit.


Der Umfang der Modernisierung der Dorsetshire-Klasse war im Vergleich zu den Kreuzern der Kent-Klasse und der London relativ gering. So wurde die Panzerung nicht durch einen Seitenpanzer verbessert. Die beiden Schiffe erhielten nach Fertigstellung ein Katapult, ein Feuerleitgerät für die schwere Flak achtern und Flugabwehr-Maschinengewehre. 1936/37 wurde die Flugabwehr verstärkt. Ein zweites Feuerleitgerät für die schwere Flak (HACS) kam an Bord und beide wurden auf beiden Seiten der Brücke aufgestellt. Die 10,2-cm-Einzellafetten wurden durch Zwillingslafetten ersetzt und zwei Pom-Pom-Achtlinge wurden ergänzt. Zudem wurde ein stärkeres Katapult eingebaut und die Brücke vergrößert. Norfolk wurde während des Zweiten Weltkriegs mehrfach modernisiert: 1940 erhielt sie zwei UP-Flugabwehrraketenwerfer, 1941 wurden diese und die MG durch sechs 2-cm-Oerlikon ersetzt. 1942 kamen drei weitere und 1943 vier weitere Oerlikon dazu und das Katapult wurde entfernt. Auch die Brücke wurde vergrößert, die Radarausstattung wurde erweitert und sie erhielt Dreibeinmasten. 1944 wurde sie noch einmal stark modernisiert, wobei der Turm X und die Pom-Pom-Achtlinge entfernt wurden. Stattdessen kamen sechs Pom-Pom-Vierlinge und elf 2-cm-Zwillinge hinzu. Die Zahl der Oerlikon in Einzellafetten wurde auf zehn reduziert. 1945 wurden letztere durch 4 cm-Einzellafetten ersetzt.


Norfolk war 192,9 m lang, 20,1 m breit und verdrängte voll beladen 1943 14.834 t. Der Antrieb bestand aus acht Kesseln und vier Dampfturbinensätzen mit insgesamt 81.914 PS, womit 32,1 kn (32,9 kn im leichten Zustand) erreicht wurden. Die Besatzung umfasste ursprünglich 784 Mann.

Bewaffnung Dezember 1943
8 x 20,3 cm L/50 BL Mk VIII (vier Mk II-Zwillingstürme)
8 x 10,2 cm L/45 QF HA Mk XIX (vier Zwillingslafetten)
16 x 4 cm L/39 QF Mk VIII Pom-Pom (zwei Mk VI-Achtlingslafetten)
13 x 2 cm L/70 Mk II Oerlikon (Einzellafetten oder nur zwölf Einzellafetten?)
8 x 53,3 cm QRIV-Torpedorohre (zwei Vierlingsrohre, neun Mk VII-Torpedos)


Norfolk wurde 1927-30 von Fairfield in Govan gebaut. Sie gehörte bis 1932 zur Atlantikflotte. Die Besatzung der Norfolk war massiv an der Invergordon-Meuterei vom 15./16. September 1931, einem Protest gegen Soldkürzungen, beteiligt. 1932-35 wurde Norfolk in Amerika und Karibik ("Westindien") eingesetzt, 1935-39 war sie Flaggschiff der 4. Cruiser Squadron im Indischen Ozean ("Ostindien"). Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Norfolk zur 1. Cruiser Squadron der Home Fleet. Sie wurde zu Kriegsbeginn in der Nordsee, im Nordatlantik und im Mittelmeer eingesetzt. Am 28. November 1939 wurde sie von U 47 angegriffen, aber die Torpedos explodierten achteraus. Am 16. März 1940 fing Norfolk den deutschen Frachter Uruguay ab, der sich selbst versenkte. Am gleichen Tag wurde sie nach ihrer Rückkehr nach Scapa Flow von einer Bombe achtern getroffen, die ein Feuer im Magazin des Turms Y verursachte. Die Reparatur der Schäden benötigte drei Monate. Im Oktober 1940 erhielt Norfolk Radaranlagen. Am 23. Mai 1941 sichtete sie zusammen mit dem Schweren Kreuzer Suffolk das deutsche Schlachtschiff Bismarck und den Schweren Kreuzer Prinz Eugen und führte den Schlachtkreuzer Hood und das Schlachtschiff Prince of Wales heran. Nach der Versenkung der Hood beschattete sie weiter die deutschen Schiffe, wurde aber abgeschüttelt. Am 26. Mai gehörte sie zu den britischen Schiffen, die die Bismarck wieder aufspürten und am 27. Mai versenkten. Norfolk selbst feuerte 527 20,3 cm-Granaten und acht Torpedos ab. Danach diente sie weiter im Nordatlantik. Von Juli bis August 1941, im Februar 1942 und von April bis Mai 1943 wurde sie überholt und modernisiert. Am 26. Dezember 1943 fing sie mit den Leichten Kreuzern Sheffield und Belfast das deutsche Schlachtschiff Scharnhorst ab. Norfolk feuerte 161 20,3 cm-Granaten ab und zerstörte das Feuerleitgerät im Vormars der Scharnhorst. Sie selbst erhielt zwei 28-cm-Treffer, die durch das Schiff gingen, aber sieben Mann töteten und fünf verwundeten. Scharnhorst wurde schließlich durch das Schlachtschiff Duke of York, die Leichten Kreuzer Belfast und Jamaica sowie Zerstörer versenkt. Von Februar bis November 1944 wurde Norfolk umfassend modernisiert. 1945 wurde sie für diverse Angriffe vor der norwegischen Küste eingesetzt. Am 8. Juni 1945 transportierte sie den norwegischen König nach Oslo. Von Juni bis August 1945 wurde sie erneut überholt und ab Oktober 1945 bis 1949 bei der 5. Cruiser Squadron im Indischen Ozean ("Ostindien") eingesetzt. 1949 wurde Norfolk außer Dienst gestellt und 1950 nach Newport zum Abwracken verkauft. Norfolk erhielt sechs Battle Honour.

Das Modell

Das Modell des britischen Schweren Kreuzers HMS Norfolk soll den Bauzustand im Dezember 1943 darstellen. Ich baute das Modell aus dem Bausatz von Aoshima (siehe Bausatzvorstellung). Aoshima hat mehrere Bausätze der Norfolk herausgebracht, darunter den 1942- und 1943-Bauzustand. Letzteren verwendete ich. Ich finde, dass der Bausatz eine relativ gute Grundlage bietet. Man könnte aber auch ein bedeutenderen Teil des Sortiments von MicroMaster kaufen, um das Modell massiv aufzuwerten, darunter die schweren Türme, schwere und leichte Flak, Feuerleitgeräte, Schornsteine, Beiboote, Scheinwerfer etc. Ich habe dies überlegt, aber mich dagegen entschieden und nur folgende Änderungen durchgeführt:

  • Messingrohre für die 20,3-cm-Geschütze von NNT
  • Messingrohre für die 10,2-cm-Geschütze von Master
  • 4-cm-Achtlinge von FineMolds
  • 2-cm-Oerlikon von Starling Models: ich habe nur zwölf montiert, obwohl die übliche Angabe 13 Oerlikon ist. Die Position des 13. konnte ich auf Fotos nichts verifizieren.
  • diverse Teile aus dem Fotoätzteilsatz von Tom's Modelworks für die County-Klasse, darunter auch Decksstützen für die Brückenflügel (eigentlich für Kent gedacht), Decksstützen für das Bootsdeck, den Kran, die Typ-285-Radargeräte und den unteren Typ 284-Radar auf dem DCT. Für den oberen Typ-284-Radar auf dem DCT benutzte ich die Fotoätzteile von Aoshima, die dem Bausatz beilagen.
  • die Masten baute ich überwiegend aus Metallstäben neu auf, wobei ich ein Teil der Plastikteile verwendete, u.a. für die Marsen. Die Typ-281-Radar-Antennen oben an den Mastspieren baute ich aus Metallstäben.
  • die Takelung (Verspannung der Spieren, Funkantennen) stellte ich schwarzen Faden von UNI Caenis (20 Denier) her.

Für das Tarnschema versuchte ich mich an Fotos zu orientieren, nachdem Fotos auftauchten, die zeigten, dass das Tarnschema auf der Backbord-Seite, dass Aoshima in der Anleitung zeigt und dass auch Raven und Wright in ihren Büchern zeigen, nicht dem im Dezember 1943 entspricht. Der genaue Verlauf der Farben an der Backbord-Seite ist etwas schwer zu bestimmen, insbesondere mittschiffs, so dass er dort nicht unbedingt dem Original entspricht. Von den Decks habe ich keinerlei Ansichten gefunden. Bei den Tarnfarben der Royal Navy selbst bin ich inzwischen recht verwirrt - die Erkenntnisse von Sovereign Hobbies haben hier doch sehr viel verändert. Da ich Acrylfarben bevorzuge, habe ich versucht, mich an den  Emailfarben von Sovereign Hobbies zu orientieren und diese mit den Fotos irgendwie in Einklang zu bringen. Ich benutze für das Tarnschema folgende Farben von Vallejo Model Color: 153 (907) Hellblaugrau, 61 (943) Mittelseeblau und 164 (867) Dunkelblaugrau für das Tarnschema. Letztere Farbe benutzte ich auch für die Decks.

Links Norfolk mit ihrem Schwesterschiff Dorsetshire im Zustand von 1941, um zu zeigen, wie umfangreich Norfolk bis 1943 modernisiert worden war. In der Mitte mit zwei etwa gleich alten Schweren Kreuzern, USS Northampton (1930) und Duquesne (1929). Rechts der Schwere Kreuzer Norfolk der County-Klasse mit im Vergleich zu Schiffen von zwei anderen County-Klassen: dem Panzerkreuzer HMS Monmouth (1901) und dem Lenkwaffenzerstörer HMS Glamorgan (1966).

Quellen

  • County class cruisers von Alan Raven und John Roberts, Man O' War 1, Brooklyn, 1978
  • County Class Cruisers, Shipcraft 19 von Les Brown, Barnsley, 2011
  • British Cruisers of World War Two von Alan Raven und John Roberts, London, 1980
  • British Cruisers. Two World Wars and after von Norman Friedman, Barnsley, 2010 (Buchbesprechung)
  • HMS NORFOLK - County-type Heavy Cruiser (Naval History Homepage)
  • HMS Norfolk (78) (Wikipedia)
  • Warships After Washington. The Development of the Five Major Fleets 1922-1930 von John Jordan, Barnsley, 2011 (Buchbesprechung)
  • Cruisers in Camera von Roger Hayward, Thrupp, 2000 (Buchbesprechung)
  • History of British Cruisers, Ships of the World 1996, No. 517
  • Cruisers of the Royal Navy and Commonwealth Navies von Douglas Morris, Liskeard, 1987 (Buchbesprechung)
  • British Warship Recognition. The Perkins Identification Albums. Volume III: Cruisers 1865-1939, Part 1 von Richard Perkins, Barnsley, 2017 (Buchbesprechung)
  • British Cruiser Warfare. The Lessons of the Early War,, 1939-1941 von Alan Raven, Barnsley, 2019
  • HMS Norfolk (C78) (WW2 cruisers)
  • British and Commonwealth Warship Camouflage of WWII, Volume 3. Cruisers, Minelayers and Armed Merchant Cruisers von Malcolm Wright, Barnsley, 2016 (Buchbesprechung)
  • Warship Perspectives Camouflage Volume 3 von Alan Raven, New York, 2000-01
  • Nelson to Vanguard. Warship Design and Development 1923-1945 von D.K. Brown, London, 2006
  • Cruisers of World War Two. An International Encyclopedia von M.J. Whitley, London, 1995
  • Conway's All the World's Fighting Ships 1922-1946 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 1980


Lars