Dutch Fleet Naval Miniatures: niederländisches Hochseepatrouillenschiff Holland (1/700) Drucken
Dienstag, 16. September 2014 um 05:00

Zr. Ms. Holland

Quelle: Wikimedia Commons

Modell: Holland Class
Hersteller: Dutch Fleet Naval Miniatures (auf Shapeways)
Maßstab: 1/700
Material: Plastik (3D Druck, Frosted Ultra Detail)
Art.Nr.: -
Preis: 50,61 € (bei Shapeways)

Das Original

Das niederländische Hochseepatrouillenschiff Holland ist das Typschiff seiner Klasse. Hochseepatrouillenschiffe, meist offshore patrol vessel (OPV) genannt, sind ein Schiffstyp, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut.

Es sind hochseegängige Schiffe, die aber nur relativ leicht bewaffnet sind und deshalb relativ billig sind. Sie dienen für Polizeiaufgaben wie die Bekämpfung von Schmugglern und Piraten, Überwachung von Fischgründen, Sicherung von Öl- und Gasförderung oder auch miltärische Aufgaben, bei denen die Schiffe keinem hohen Risiko ausgesetzt sind, z.B. keine hochentwickelte Raketenabwehr notwendig ist. Ein Beispiel wäre die asymmetrische Kriegsführung, wie man sie im großen Umfang im letzten Jahrzehnt im Rahmen des "Kriegs gegen den Terror" gesehen hat. Die Bewaffnung besteht meist aus einer Bordkanone und mehreren leichten Geschützen. Dazu ist oft ein Hubschrauberhangar vorhanden, womit das offensive Potential des Schiffs abhängig von der Hubschrauberbewaffnung auch relativ stark sein kann. Die Hochseepatrouillenschiffe ersetzen in einigen Marinen Fregatten. Dies ist ein Ergebnis der politischen Entwicklung in vielen Staaten, die keiner direkten militärischen Bedrohung mehr ausgesetzt sind, aber trotzdem hochseegängige Schiffe zur Sicherung von Handelswegen und Rohstoffen sowie dem Zeigen der Flagge einsetzen wollen. Damit erfüllen diese Schiffe die gleichen Aufgaben wie Kanonenboote, Sloops und Avisos früherer Epochen.

Die Holland-Klasse wurde als Ersatz für die Fregatten der Karel Doormann-Klasse gebaut und (zum Teil?) durch den Verkauf von vier Schiffen der Klasse finanziert. Sie ist unter anderem zur Sicherung der Wirtschaftszone der Niederlande und der Niederländischen Antillen gedacht. Allerdings ist die Holland-Klasse auf eine reduzierte Radarsignatur optimiert und wird mit hochentwickelten Sensoren ausgestattet werden, die im Inneren des Masts angebracht sind (mit dem einige Schiffe der Klasse, u.a. die Friesland, noch nachgerüstet werden müssen). Dazu sollen die Schiffe teilweise gepanzert sein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie mit zusätzlichen Waffensystemen nachgerüstet werden können, da sie eine größere Verdrängung als die Fregatten der Karel Doormann-Klasse haben. Die aktuelle Bewaffnung besteht aus einer Bordkanone, ferngesteuerten leichten Geschützen, MG und einem Bordhubschrauber. Es können zwei FRISC-Beiboote (Fast Raiding Interception Special Forces Craft) mitgeführt werden, von denen eines über eine Klappe unter dem Flugdeck ausgebracht werden kann.

Die Holland ist 108,4 m lang, 16 m breit und verdrängt voll beladen 3750 t. Der Antrieb erfolgt über zwei Diesel mit insgesamt 14 850 PS, mit denen 21,5 kn erreicht werden. Die Besatzung besteht aus 54 Personen (Platz für weitere 40 vorhanden).

Bewaffnung
1 x 7,62 cm Oto Melara Super Rapid
1 x 3 cm Oto Melara Marlin WS
2 x 1,27 cm Oto Melara Hitrole NT
6 x 7,62 mm FN MAG Maschinengewehren
1 NH90 NFH Bordhubschrauber;

Von der Klasse wurden von 2008-13 vier Schiffe gebaut: Holland (P840), Zeeland (P841), Friesland (P842) und Groningen (P843). Die ersten beiden Schiffe wurde von Damen Schelde in Vlissingen gebaut, die letzten beiden Schiffe vom gleichen Konzern in Galați, Rumänien.

Der Bausatz

Eigentlich ist dies kein Bausatz, da es nur um ein einziges Teil geht. Dieses wurde im 3D-Druckverfahren hergestellt. Man findet inzwischen immer mehr gedruckte Modelle im Maßstab 1/700, während ursprünglich dies nur für Urmodelle für Resinbausätze verwendet wurde. Ein Grund ist der sinkende Preis für das Drucken. Neben Flugzeugen und Hubschraubern (siehe z.B. hier und hier) findet man inzwischen auch ganze Schiffsmodelle. Ein Entwickler ist Dutch Fleet Naval Miniatures, dessen Modelle man sich bei Shapeways ausdrucken lassen kann. Dabei sind verschiedene Qualitätsstufen möglich, deren Preis auch stark unterschiedlich ist: im Falle der Holland-Klasse von etwa 24 € bis etwa 51 €.

Das gezeigte Modell der Holland-Klasse ist in der aktuellsten besten, aber auch eben teuersten Qualität gedruckt. Es besteht, wie schon geschrieben, nur aus einem Teil, das vom Rumpf, Aufbauten, Mast, Geschützturm bis hin zum Kran bereits alles umfasst. Das Modell ist als Wasserlinienmodell ausgelegt und entspricht von den Abmessungen und Form dem Vorbild. Das Modell ist gut detailliert, aber die Oberflächen sind teilweise etwas rau, müssen also noch geschliffen werden (was man erst nach einer Grundierung sieht), das gilt neben der Rumpfseiten insbesondere für den Heckspiegel. Hier kann man auch die eingravierten Markierungen auf dem Hubschrauberdeck verspachteln. Einige Details an den Oberflächen fehlen, z.B. die Lufteinlässe unterhalb der Schornsteine (Dieselabgass-Auslässe). Das Schanzkleid an den Brückenflügeln wirkt sehr dick, ist beim Original an den Oberkanten auch sehr dick. Die Öffnungen unterhalb des Hubschrauberdecks sind hier nur angedeutet.

gedrucktes Modell gedrucktes Modell gedrucktes Modell
gedrucktes Modell gedrucktes Modell gedrucktes Modell
gedrucktes Modell gedrucktes Modell gedrucktes Modell
gedrucktes Modell gedrucktes Modell gedrucktes Modell

Für ein vollständiges Modell, müssen noch ein paar Details ergänzt werden, z.B. Navigationsradar, Satellitenantennen, Peitschenantennen, Geschützrohre, Beiboote, Ankerketten, Netze am Flugdeck und einen Hubschrauber. Einen passender NH90 NFH-Hubschrauber gibt es von Orange Hobby. Diese fehlenden Details und das Fehlen von Fotoätzteilen und Abziehbilder muss man bei einem Vergleich mit sehr viel vollständigeren Resinbausätzen berücksichtigen. Im Wesentlichen erinnert dies an frühe Resinbausätze, denen auch nur Rumpf und Aufbauten beilagen.

Es liegt natürlich auch keine Anleitung bei. Man bekommt von Shapeway nur das gedruckte Modell zugeschickt. Dies sollte man sorgfältig reinigen, bisher habe ich eine Mischung aus Ethanol und Detergentien (Fensterreiniger) ausprobiert und das Modell sorgfältig mit einer Zahnbürste abgebürstet. Die Oberflächen müssen dann noch teilweise nachgeschliffen werden, wobei es sich empfiehlt, das Modell erst zu grundieren, da man so diese Stellen besser sieht. Hier Ansichten nach Grundierung und etwas Testbemalung auf dem Hubschrauberdeck:

Grundiert und mit Testbemalung Grundiert und mit Testbemalung Grundiert und mit Testbemalung

Für die Details, Anstrich und Markierungen muss man sich an Zeichnungen und Fotos orientieren (siehe Links unten). Der Anstrich der Holland-Klasse weicht von den anderen niederländischen Schiffen ab, da die vertikalen Bereiche hier nicht in einem sehr hellen Grau gestrichen sind, sondern in einem sehr hellen Blau!

Quellen

Fazit

Diese Form von Modellen wird nach Bedarf gedruckt und bietet so das Potential, auch weniger gefragte Modelle anzubieten. Das gedruckte Modell der Holland-Klasse bietet eine sehr gute Grundlage für ein detaillierstes Modell im Maßstab 1/700. Es ist aber noch etwas Eigeninitiative bei den Details und Nacharbeiten bei den Oberflächen notwendig.

alt empfehlenswert

Lars