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Japanischer Hilfskreuzer Shinano Maru (1/700, Seals Models) von Christian Höltge Drucken
Mittwoch, 27. Mai 2020 um 05:00

 

27.05.1905 - 115 Jahre Schlacht von Tsushima

 

Am 27. Mai 1905 vor 115 Jahren sichtete der japanische Hilfskreuzer Shinano Maru in der Straße von Tsushima die russische Flotte (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Der Hilfskreuzer führte die japanische Flotte heran, der es gelang die russische Flotte in der Schlacht von Tsushima zu vernichten.

Das Original

Das Fracht- und Passagierschiff Shinano Maru (信濃丸) hatte eine interessante Geschichte hinter sich. So diente es in drei Kriegen, bis es schließlich 1951 verschrottet wurde. Der Stapellauf fand am 31. Januar 1900 auf der Werft W. Henderson Co in Glasgow statt. Dort wurde der Frachter für die Nippon Yusen K.K Shipping Company gebaut. Nach der Fertigstellung im April 1900 nahm die Shinano Maru den Linienverkehr auf, zuerst zwischen Australien und Japan, später zwischen Yokohama und Seattle. Sie hatte moderne und komfortable Kabinen für 238 Passagiere.

Zu Beginn des Russisch-Japanischen Kriegs war die Shinano Maru eines der ersten Schiffe, das von der japanischen Armee als Truppentransporter akquiriert wurde. Der Frachter unternahm daraufhin Truppentransporte und Versorgungsfahrten nach Korea und in die Mandschurei. Im März 1905 wurde die Shinano Maru der Marine unterstellt. Sie wurde in Kure zu einem Hilfskreuzer umgebaut und erhielt ein 15,2-cm-L/40-Geschütz sowie drei 4,7-cm-Hotchkiss. Shinano Maru sollte in der Straße von Tsushima patrouillieren, wo man die Durchfahrt der russischen Ostsee-Flotte erwartete. In der Nacht vom 26. auf den 27. Mai 1905 war sie zusammen mit America Maru, Sado Maru und Manshu Maru als Vorposten zwischen den Gotõ-Inseln und Jejudo eingesetzt. Um 2:45 Uhr nachts sichtete die Shinano Maru ein verdächtiges Schiff und konnte um 4:30 aufschließen. Es handelte sich um das Hospitalschiff Orel, das der russischen Flotte folgte. Diese hatte unbemerkt die Vorposten passiert. Die Orel hielt die Shinano Maru für ein russisches Schiff und signalisierte ihr, dass sich noch weitere russische Schiffe in der Nähe befänden. Und tatsächlich, als die Shinano Maru aufschloss, bemerkte man mehrere russische Schiffe. Daraufhin drehte der Kapitän ab und gab die Koordinaten an die japanische Flotte weiter. Die japanische Dritte Division fuhr zu den angebenden Koordinaten, konnte aber keine russischen Schiffe entdecken. Aufgrund eines Fehlers hatte der Kapitän der Shinano Maru falsche Koordinaten weitergegeben. Um 6:05 Uhr morgens konnte die Shinano Maru allerdings wieder zur japanischen Flotte aufschließen und die richtigen Koordinaten weitergeben. Die russische Flotte bemerkte den Verfolger diesmal, unternahm allerdings nichts dagegen, da man die Funkstille weiter einhalten wollte. Um 6:40 wurde die Shinano Maru von dem geschützten Kreuzer Izumi ersetzt, der nun die russische Flotte weiter verfolgte. Derweil gab der japanische Admiral Togo der Kombinierten Flotte die Nachricht an Japan weiter, dass die russische Flotte gesichtet worden war und unverzüglich angegriffen würde. Um 13:40 kamen beide Flotten in Sichtweite und die darauffolgende Schlacht führte zur vernichtenden Niederlage der russischen Ostseeflotte.

Am nächsten Morgen entdeckte die Shinano Maru zusammen mit der Dainan Maru das sinkenden russische Schlachtschiff Sissoi Weliki. Die japanischen Schiffe forderten die Kapitulation und besetzten die Sissoi Weliki. Als man merkte, dass das Schlachtschiff nicht mehr zu retten war, wurde die Besatzung als Gefangene an Bord genommen.

Nach dem Russisch-Japanischen Krieg nahm die Shinano Maru wieder ihre Route nach Seattle für die Nippon Yusen auf. Sie wurde auf dieser Strecke aber schon bald durch modernere Schiffe ersetzt und nur noch für den Fährverkehr innerhalb Japans verwendet. In den 1930er-Jahren wurde die Shinano Maru an eine Fischereifirma verkauft, von der sie als Fabrikschiff genutzt wurde.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Shinano Maru wieder als Transportschiff von der Marine akquiriert. Sie erhielt dabei nur leichte Beschädigungen und wurde nach dem Krieg eingesetzt, um ehemalige japanische Kriegsgefangene aus Sibirien heimzufahren. Allerdings war der Zustand des Schiffes schon so schlecht, dass Zeitzeugen sich wunderten, wie es mit diesem verrosteten Rumpf noch schwimmen konnte. Einen letzten Einsatz hatte die Shinano Maru dann noch am Anfang des Koreakrieges, als sie als Landungsmutterschiff für die US-Armee diente. 1951 wurde sie zum Verschrotten verkauft

Technische Daten
Länge: 135,6 m
Breite: 14,996 m
Tiefgang: 7,89 m
Verdrängung: 6.388 t
Besatzung: 238 Passagiere
Höchstgeschwindigkeit: 15,4 kn

Bewaffnung
Hauptbewaffnung 1 x 15,2 cm L/40 Typ 41
Mittelbewaffnung 3 x 47 mm Hotchkiss

Das Modell

Das Modell ist ein Resinbausatz der japanischen Firma Foresight/Seals Models. Diese hat mehrere Schiffe aus dem Russisch-Japanischen Krieg im Programm, neben Plastikbausätzen auch Resinbausätze. Der Bausatz der Shinano Maru enthält neben sauber gegossenen Resinteilen auch Messingstangen für die Masten sowie eine Papierflagge.

Die Passgenauigkeit war hervorragend. Nur die dünn gegossenen Decks waren verbogen. Durch den späteren Einbau der Decksstützen konnte ich dies aber ausgleichen. Ich ergänzte zusätzlich noch Ätzteiltüren, Niedergänge und Reling. Aufgrund von Fotos des 1/500er-Bausatzes von Seals Models ergänzte ich noch einen Aufbau am vorderen Mast.

Bemalt habe ich das Modell mit Farben von Vallejo. Für den Rumpf nahm ich 991 und für die Persenning 875.

Christian Höltge