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Doggy Industries: französischer Panzerkreuzer Bayard/Turenne (1/700) Drucken
Dienstag, 04. Oktober 2016 um 05:00

Panzerkreuzer Bayard Deckel

Modell: French 2nd class Ironclad Bayard/Turenne
Hersteller: Doggy Industries
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Fotoätzteile, gedrehte Messingrohre, Plastikstäbe
Art.Nr.: MDW002
Preis: ca. 57 €

Das Original

Der französische Panzerkreuzer Bayard und sein Schwesterschiff Turenne folgte auf die La Galissonnière-Klasse. Die 1876-82 gebaute Bayard-Klasse war eine verkleinerte Version der Schlachtschiffe der Amiral Duperré-Klasse. Die Bewaffnung war ebenfalls in vier Barbetten aufgestellt, zwei in Schwalbennestern neben der Brücke und zwei auf dem Achterdeck, allerdings erhielt sie nur 24 cm-Geschütze anstatt der 34 cm-Geschütze auf den Schlachtschiffen. Die Bayard-Klasse sollte als Flaggschiff und Rückhalt von in den Kolonien eingesetzten Geschwadern dienen. Hierfür war insbesondere die Reichweite wichtig, weshalb sie noch eine vollständige Vollschiffstakelage erhielt. Außerdem sollte ihre Panzerung und Bewaffnung sie in die Lage versetzen, mit Panzerschiffen schwächerer Marinen fertig zu werden. Für den Einsatz gegen stärkere Marinen waren die Schiffe wegen der zu schwachen Bewaffnung und Panzerung bzw. zu geringen Geschwindigkeit nicht geeignet.

Klassifiert waren die Schiffe als corvette cuirassée (Panzerkorvette), croiseur cuirassé (Panzerkreuzer),  cuirassé 2e classe (Schlachtschiffe 2. Klasse), cuirassé de station (Stationsschlachtschiff) oder cuirassé de croisière (Kreuzerschlachtschiff). Die Bayard-Klasse hatte einen hölzernen Rumpf mit einem Rammbug aus Stahl. Die folgende, aber ansonsten sehr ähnliche 1878-86 gebaute Vauban-Klasse, erhielt einen Rumpf aus Stahl. Die beiden Schiffe der Bayard-Klasse konnte man am Schornstein unterscheiden: zwei dünne Schornsteine mit einer gemeinsamen Ummantelung an der Basis bei der Bayard, dagegen ein dickerer Schornstein bei der Turenne. Die Vollschiffstakelage beider Schiffe wurde in den 1890ern durch niedrigere Masten mit Gefechtsmarsen ersetzt. Die Vauban-Klasse hatte einen dünneren Schornstein und nur zwei Masten (anfangs mit Segeln, später mit Gefechtsmarsen). Die Vauban hatte ein ähnliches Heck wie Bayard, während es bei der Schwester Duguesclin in einem Bogen bis zur achteren Barbette eingezogen war. Auf die Vauban-Klasse folgte kein weiterer Panzerkreuzer dieses Typs, sondern die Dupuy de Lôme, der erste Panzerkreuzer ohne Segeltakelage.

Die Bayard war 81,0 m lang, 17,5 m breit und verdrängte 5915 t. Der Antrieb bestand aus acht Kesseln und zwei Dampfmaschinen mit insgesamt 4400 PS, womit 14,5 kn erreicht wurden. Dazu gab es anfangs eine Vollschiffstakelage. Die Besatzung bestand aus 451 Mann.

Bewaffnung
4 x 24 cm L/19 Modèle 1870 (einzeln in Barbetten)
2 x 19 cm Modèle 1870 (im Bug und Heck)
6 x 14 cm L/30 Modèle 1882 (in Stückpforten mittschiffs)
4 x 4,7 cm 3-Pfünder Hotchkiss
12 x 3,7 cm Revolverkanonen

Die Bayard wurde 1876-82 von der Marinewerft Brest (Arsenal de Brest) gebaut. Ihre erste Fahrt war als Flaggschiff von Admiral Courbet nach Südostasien, wobei sie von dem Panzerkreuzer Atalante und dem Ungeschützten Kreuzer Châteaurenault begleitet wurde. Der Einsatz erfolgte im Rahmen zunehmender Spannungen zwischen Frankreich und China, als Frankreich versuchte Indochina zu erobern. Am 20. August 1883 war sie an der Schlacht von Thuận An beteiligt, in der die französischen Truppen die Forts eroberten, die den Zugang zur vietnamesischen Hauptstadt Huế sicherten. Das französische Vorgehen führte schließlich im August 1884 zum Chinesisch-Französischen Krieg. Die Bayard wurde das Flaggschiff der französischen Marineverbände. An der ersten Schlacht, der Schlacht von Fuzhou, in der die chinesische Fujian-Flotte zerstört wurde, konnte die Bayard wegen zu großem Tiefgang nicht teilnehmen. Sie unterstützte im Oktober die Landung in Keelung und Tamsui, danach beteiligte sie sich an der Blockade von Formosa (heute Taiwan). Am 13. Februar 1885 versuchte die chinesische Nanyang-Flotte mit den Kreuzern Nanchen (Nan Chen), Nanrui (Nan Shui) und Kaiji (Kai Chen), der alten Fregatte Yuyuan (Yu Yuan) und der Sloop Chengqing (Teng Ching) die Blockade zu durchbrechen. Die französische Flotte mit den Panzernkreuzern Bayard und Triomphante, den Kreuzern Nielly und Éclaireur, dem Kanonenboot Aspic und dem Truppentransporter Saône versuchte die chinesische Flotte abzufangen. Die schnelleren chinesischen Kreuzer konnten aber entkommen, während Yuyuan und Chengqing in der Buch von Shipu (Sheipoo) Zuflucht suchten. Dort wurden sie nachts am 14. Februar 1885 von zwei dampfgetriebenen Beibooten der Bayard angegriffen, die die Yuyuan und Chengqing mit Spierentorpedos versenkten. Danach beteiligte sich Bayard an der Blockade von Zhenhai und der Eroberung der Penghu (Pescadores)-Inseln. Während letzterer Kampagne starb Admiral Courbet an Bord der Bayard an Cholera, worauf diese mit dem Leichnam nach Frankreich zurückkehrte. Die Bayard blieb bis 1899 in Dienst. Danach wurde sie bis 1910 als Hulk verwendet und schließlich abgewrackt.

Die Turenne wurde 1876-82 von der Marinewerft Lorient (Arsenal de Lorient) gebaut. Sie wurde in der Schlussphase des Chinesisch-Französischen Kriegs 1885 nach Indochina geschickt, wo sie bis 1890 blieb. Sie war bis 1901 in Dienst und wurde danach abgewrackt.

Der Bausatz

Der Bausatz dieses relativ neuen chinesischen Kleinserienherstellers ermöglicht den Bau von zwei Versionen: 1884 (Originalphoto Bayard, Originalbild Turenne) und 1894 (Originalphoto Bayard). Der Bausatz ermöglicht den Bau eines Wasserlinienmodels und entspricht von den Teilen her mehr der Turenne.

Der Rumpf ist in Form und Abmessungen originalgetreu. Die Details sind allerdings teilweise etwas grob, insbesondere die Bullaugen und Ankerklüsen, aber auch die zahlreichen Deckel der Stückpforten und anderen Rumpföffnungen sind relativ dick. Die Zahl und Positionen der Bullaugen am Bug passt für die Turenne, aber nicht für die Bayard. Auch die kleine Plattform vor den Schwalbennestern für die vorderen beiden Barbetten war nur auf Turenne vorhanden.

Ein Spritzling mit Marsen und den Schutzschilden für die 24 cm-Barbetten ist viermal enthalten. Dazu findet man u. a. noch das Brückendeck, den Schornstein und den Aufbau unterhalb des Schornsteins. Ein Teil der Bauteile liegt alternativ auch als Fotoätzteil bei (siehe unten), so die Seitenwände des Aufbaus, die Brücke, die Details für die Oberlichter und die 4,7 cm-Geschütze. Der Schornstein entspricht von der Form dem der Turenne. Die Bayard hatte oberhalb der Ummantelung zwei dünne, dicht beinander stehende Schornsteine. Leider liegen für die Marsen keine alternativen Fotoätzteile bei. Hier gibt es nur Resinteile für die Variante von 1884 mit Vollschiffstakelage und die Variante von 1894 mit reduzierter Takelage und Gefechtsmarsen.

Dazu findet man auf den Spritzlingen noch Lüfter, Davits, weitere 4,7 cm-Geschütze, Ankerkräne, Heckgalerie, Anker und Beiboote. Auch für diese Teile liegen vielfach alternativ auch Fotoätzteile bei.

Die 3,7 cm-Revolverkanonen, die in vielen Quellen über die Bayard erwähnt werden, sind nicht enthalten.

Die Fotoätzteile

Es liegen zwei Platinen mit Fotoätzteilen bei, wobei viele dieser Teile Alternativen für Resinteile sind - und überwiegend auch die bessere Alternative sein dürften. Außerdem findet man Fallreeps, Bootsspieren, Ankerlager, Niedergänge, aber auch das Bugspriet und Rahe. Letztere sollte man besser durch Metallstäbe ersetzen (Bugspriet) oder zumindest aufdicken (Rahe).

Leider fehlen Fotoätzteile für die Marsen und die Heckgalerie.

Gedrehte Messingrohre

Für die 24 cm-Geschütze liegen gedrehte Messingrohre bei. Leider sind keine Rohre für die 19 cm-Geschütze am Bug und Heck und die 14 cm-Geschütze mittschiffs enthalten.

Die Anleitung

Die Anleitung umfasst drei Seiten und erklärt den Zusammenbau in 19 Schritten, wobei ein Teil davon sich auf die alternativen Bauzustände bezieht. Die Anleitung enthält auch kurze Angaben in Chinesisch und Englisch zum Original. Die Masten soll man aus beiliegenden Plastikstäben bauen - hier eignen sich Metallstäbe besser! Auf die Unterschiede zwischen den beiden Schiffen wird nicht eingegangen. Direkt aus dem Kasten lässt sich nur die Turenne bauen (siehe oben).

Leichte Geschütze - acht Stück - findet man in der Anleitung nur für die 1894-Variante. Die Zahl der Geschütze passt zu keiner der Angaben in den Quellen, allerdings sieht man diese Geschütze sehr wohl auf den Fotos. Leider konnte ich weder genauere Angaben für die leichten Geschütze für die 1884- noch die 1894-Variante finden. In diversen Beschreibungen des Chinesisch-Französischen Kriegs findet man Beschreibungen über die Wirkung leichter, schnell-feuernder Geschütze, so dass man davon ausgehen kann, dass diese schon an Bord waren. Leider kann man sie auf den Fotos nicht eindeutig ausmachen, aber möglicherweise standen zwei 3,7 cm auf der Back, sechs in den Marsen, zwei auf der Brücke und zwei auf der Poop. Eventuell wurden in den 1890ern zwölf 3,7 cm-Revolverkanonen durch acht 4,7 cm-Hotchkiss ersetzt.

In der Anleitung finden sich auch keine Angaben über die Bemalung. In Indochina hatten beide Schiffe weiße Rümpfe mit ockerfarbenen Aufbauten, Schornstein(en), Schutzschildern der 24 cm-Geschütze und Masten. Im späten Zustand war der Rumpf schwarz und die Aufbauten weiß. Der Schornstein war wahrscheinlich ockerfarben (die Farbe hing vom Geschwader ab). Für die Farbangaben siehe auch hier.

Quellen

Fazit

Dies ist meiner Meinung nach 2016 eine der interessantesten Neuheiten im Maßstab 1/700. Bausätze von Schiffen der Übergangszeit von Segel auf Dampfantrieb sind sehr selten und es ist absolut begrüßenswert, dass sich Doggy Industries an dieses Schiff gewagt hat - wahrscheinlich auch nur mit wenigen Quellen als Grundlage. Der Bausatz zeichnet sich einerseits durch umfangreiche Fotoätzteile und Messingrohre aus. Andererseits könnten die Resinteile etwas detaillierter sein und der Bausatz könnte vollständiger sein (z.B. mit 19 cm- und 14 cm-Rohren). Es ist zwar positiv, dass für viele (grobe) Resinteile auch alternative Fotoätzteile beiliegen, aber leider wurden die Marsen und die Heckgalerie dabei vergessen. Für den Modellbauer ergibt sich außerdem noch das Problem, dass man die Positionen der leichten Geschütze identifizieren muss. Angesichts der Kritikpunkte finde ich den Preis, trotz der zahlreichen Fotoätzteile, auch etwas hoch. Insgesamt ist der Bausatz

alt guter Durchschnitt

Lars