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Nicholas Jellicoe: Jutland The unfinished battle Drucken
Samstag, 18. Juni 2016 um 05:00

 

31.05.1916 - 100 Jahre Skagerrakschlacht/Battle of Jutland

 

Titel Jutland The unfinished battle

Der Enkel des britischen Oberbefehlshabers in der Skagerrakschlacht, Nicholas Jellicoe, hat zum 100. Jahrestag der Schlacht die Seite www.jutland1916.com und das Buch Jutland The unfinished battle veröffentlicht (siehe Jahrestage auf Modellmarine).

Titel: Jutland The unfinished battle
Autor: Nicolas Jellicoe
Verlag: Seaforth Publishing
Erscheinungsjahr: 2016
ISBN: 978 1 84832 321 6
Umfang: 402 Seiten mit einigen Fotos und Karten
Preis: ca. 25 €

Inhalt

Jellicoe teilt das englisch-sprachige Buch in drei Abschnitte: der Kontext, die Schlacht selbst und die Folgen. Im ersten Abschnitt behandelt er die Entwicklung der deutschen Seemacht und die daraus resultierende Rivalität zur britischen Marine. Der Autor hat sich entschieden dies mit Hilfe der Biografie von Fisher und Tirpitz zu machen - was meiner Meinung nur zum Teil funktioniert, da der Schwerpunkt dann bei den Biografien liegt und der eigentliche Kontext zu kurz kommt. Es folgen Biografien der britischen Befehlshaber Jellicoe und Beatty sowie ihrer deutschen Gegenstücke Scheer und Hipper. Den Abschluss dieses Teils bildet eine kurze Beschreibung des Seekriegs bis zur Skagerrakschlacht.

Der größte Abschnitt des Buchs ist natürlich der über die Schlacht. Der Ablauf wird interessant behandelt. Jellicoe analysiert die einzelnen Entscheidungen und geht dabei immer wieder auf die spätere Kontroverse zwischen den Anhängern Jellicoes und Beattys ein - wobei er versucht neutral zu bleiben, was ihm nicht immer, aber doch meist gelingt. Sehr gut finde ich hier, dass nach den einzelnen Phasen der Schlacht immer ein Fazit kommt, z.B. über das Verhältnis der erzielten Treffer unterstützt durch Tabellen. Einzelne Geschwader waren hier deutlich besser als der Durchschnitt, z.B. die 3rd Battlercruiser Squadron (deren Flaggschiff, HMS Invincible, wohl die meisten deutschen Schiffe während des Ersten Weltkriegs versenkt haben dürfte). Interessant auch, dass die deutsche Schlachtflotte relativ wenig Treffer erzielt hat, aber selbst in der relativen kurzen Zeit des Kontakts viele Treffer durch ihre britischen Gegentücke einstecken musste, während bei den Schlachtkreuzern die deutschen in der ersten Phase deutlich besser waren, aber in den letzten Gefechten bei Tageslicht primär Treffer, auch durch britische Schlachtkreuzer, einstecken mussten. In diesem Teil sind diverse Exkurse eingestreut, z.B. über die Feuerleitung, Torpedos und die Aufklärung - wobei hier es mehr um die Versäumnisse der zahlreich vorhandenen britischen Leichten Kreuzer geht, weniger um die erheblichen Probleme, die der Mangel an modernen Leichten Kreuzern für die Aufklärung für die Hochseeflotte verursachte.

Im letzten Abschnitt behandelt Jellicoe die Folgen, also die Auswirkungen auf die Seekriegsführung (u.a. den U-Boot-Krieg), die Meutereien in der Hochseeflotte, ein Fazit über die Bewertung des Ausgangs der Schlacht sowie die über die Kontroverse zwischen Jellicoes und Beattys Anhängern.

Beispielseite Jutland The unfinished battle

Das Buch ist nicht stark illustriert. Es enthält wenige Fotos der Befehlshaber und von einzelnen Schiffen. Dazu gibt es wenige Karten, die meist eine Übersicht bilden (siehe Beispielseite oben). Für detaillierte Karten verweist Jellicoe auf seine Seite, auf der man sowohl die deutschen als auch britischen Karten herunterladen kann. Die deutschen Karten, die ich in dem Spezial zum 100. Jahrestag der Skagerrakschlacht immer wieder in den Einleitungen verlinkt habe, sind übersichtlicher, die britischen sind deutlich detaillierter.

Am Ende des Buch finden sich Anmerkungen, ein Quellen- und ein Stichwortverzeichnis.

Fazit

Insgesamt lässt sich das Buch gut lesen und die Lektüre lohnt sich meiner Meinung nach auch - selbst, wenn man schon einige andere Bücher, z.B. Jutland The German Perspective von Tarrant oder die Kapitel in Castles of Steel von Massie, gelesen hat. Hervorzuheben sind meiner Meinung nach die Analysen und die Bezüge auf die Nachkriegskontroverse. Nicht so gut finde ich den ersten Teil, der sehr Biografie-lastig ist. Auch die Einschätzung der Auswirkungen der Schlacht auf den ganzen Kriegsverlauf finde ich etwas unklar. Wenn man als Modellbauer sich Vorbildmaterial, z.B. Fotos, erwartet, um die Modelle besser detaillieren zu können, ist man hier komplett falsch. Die Stärke des Buchs ist der Text.

alt empfehlenswert

Lars