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Britisches Schlachtschiff HMS Agincourt (1/700, Kombrig) von Norbert Thiel Drucken
Mittwoch, 08. Juni 2016 um 05:00

 

31.05.1916 - 100 Jahre Skagerrakschlacht/Battle of Jutland

 

19:24 am 31. Mai 1916: vor 100 Jahren eröffnete das britische Schlachtschiff HMS Agincourt, das letzte Schiff in der britischen Linie, das Feuer auf die deutschen Schlachtkreuzer (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Jellicoe war es gelungen seine Schlachtflotte so zu positionieren, dass seine ganze Linie auf die Spitze der deutschen Flotte feuern konnte, während von dieser nur die vordersten Schiffe zurück feuern konnten ("crossing the T") (siehe Karten hier und hier). Der Entfaltung der britischen Schlachtflotte von ihrer Marschformation in Kolonnen war ein schwieriges Manöver, dass zu einiger Unordnung führte. U.a. wurde die 1st Cruiser Squadron in zwei Teile geteilt und zwei der Panzerkreuzer, HMS Defence und HMS Warrior gerieten zwischen die beiden Flotten. Sie versuchten den bewegungsunfähigen Leichten Kreuzer SMS Wiesbaden zu versenken, gerieten dabei unter schweres Feuer der deutschen Vorhut. Die Defence explodierte - das dritte britische Schiff an diesem Tag - wobei alle 903 Mann der Besatzung getötet wurden. Auch die Warrior wurde so schwer getroffen, dass sie auf dem Rückmarsch sank. Bis dahin war die Schlacht für die deutsche Flotte erfolgreich verlaufen, aber das Eingreifen der britischen Schlachtflotte sollte dies bald ändern - wofür die ersten Salven der Agincourt nur ein Auftakt waren.

Das Original

Der Bau des britischen Schlachtschiffs HMS Agincourt hatte seinen Ursprung in dem südamerikanischen Marinewettrüsten zwischen Argentinien, Brasilien und Chile. Der Ursprung dieses Wettrüsten war der Bau der brasilianischen Schlachtschiffe der Minas Geraes-Klasse, der ersten Schiffe des Dreadnought-Typs die für eine der südamerikanischen Marinen gebaut wurden. Argentinien reagierte mit den Bau der zwei Schlachtschiffe der Rivadavia-Klasse, während Chile zwei Schlachtschiffe der Almirante Latorre-Klasse bestellte. Ursprünglich waren drei Schiffe der Minas Geraes-Klasse geplant. Das dritte Schiff wurde aber wieder gestrichen und schließlich ein Schiff eines neuen Typs bestellt: die Rio de Janeiro. Dessen Entwurfsgeschichte war kompliziert, verschiedene Geschützkaliber wurden erwogen. Schließlich entschied sich Brasilien an dem 30,5 cm-Geschütz festzuhalten, aber die maximale Zahl von Rohren einzubauen. Das Ergebnis waren sieben 30,5 cm-Zwillingstürme, so dass das Schiff das Dreadnought-Schlachtschiff mit den meisten schweren Geschützen wurde. Die Panzerung fiel relativ schwach aus und ähnelte von den Dicken her mehr zeitgenössischen britischen Schlachtkreuzern.

Wegen wirtschaftlicher Probleme und weil das Schiff wegen des Geschützkalibers als zu schwach bewaffnet erschien, verkaufte Brasilien das Schiff an das Osmanische Reich, das es als Sultân Osmân-ı Evvel weiter bauen lies. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs war das Schiff fertig, wurde aber zusammen mit einem weiteren für das Osmanische Reich gebauten Schlachtschiff, der Reşadiye, von Großbritannien beschlagnahmt - ein Schritt, der dazu beitrug, dass das Osmanische Reich auf der Seite der Mittelmächte sich am Ersten Weltkrieg beteiligte. Die Royal Navy nannte das Schiff in Agincourt um und lies das Schiff für ihre Bedürfnisse umbauen. So wurden die Bootsdecks über den mittleren beiden Türmen entfernt. 1916 wurde auch der Dreibeingroßmast hinter dem hinteren Schornstein entfernt und stattdessen eine Spiere auf den Kranpfosten mittschiffs aufgesetzt.

Die Agincourt war 204,7 m lang, 27,1 m breit und verdrängte voll beladen 30.250 ts. Der Antrieb erfolgte über 22 Kessel und vier Dampfturbinen, die 34.000 PS leisteten, womit 22 kn erreicht wurden. Die Besatzung setzte sich aus 1115 Mann zusammen.

Bewaffnung
14 x 30,5 cm (sieben Zwillingstürme)
20 x 15,2 cm
12 x 7,62 cm (zwei davon Flak)
3 x 53,3 cm-Torpedorohre (unter Wasser)

Die Agincourt wurde 1911-14 bei Armstrong in Newcastle erst als Rio de Janeiro und dann als Sultân Osmân-ı Evvel gebaut. Sie kam im September 1914 als Agincourt zur 4th Battle Squadron der Grand Fleet, 1915 wurde sie zur 1st Battle Squadron verlegt. Ihr einziger Kampfeinsatz war während in der Schlacht von Skagerrak, in der sie innerhalb von kurzer Zeit 144 Granaten abfeuerte. Ihre Breitseiten sollen wie einer der explodierenden Schlachtkreuzer gewirkt haben. Sie selbst erhielt keinen Treffer. 1918 wurde sie zur 2nd Battle Squadron zugeteilt, 1919 wurde sie außer Dienst gestellt. Ein Angebot an Brasilien lehnte dieses ab, so dass das Schiff 1922 abgewrackt wurde.

Das Modell

Das Modell der HMS Agincourt ist aus dem Resinbausatz von Kombrig gebaut.

Norbert Thiel