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AJM Models: Britischer Minensucher Queen of Thanet (1/700) Drucken
Mittwoch, 13. Juli 2016 um 05:00

Deckelbild HMS Queen of Thanet (1/700)

Modell: HMS Queen of Thanet 1942
Hersteller: AJM Models
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Messingteile, Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: 700-002
Preis: ca. 45 € (z.B. bei NNT und SSN Modellbau)

Das Original

Der britische Minensucher HMS Queen of Thanet war im Ersten Weltkrieg als HMS Melton der Racecource/Ascot-Klasse gebaut worden. Diese Klasse wurde im Rahmen des Emergency War Programme als Minensucher für die Küstenregionen entworfen worden. Eine Besonderheit war der Schaufelradantrieb, der eine hohe Wendigkeit und geringen Tiefgang ermöglichte. Allerdings war die Seetüchtigkeit nicht optimal, insbesondere, wenn die Schaufelrädern beim Schlinkern nicht auf beiden Seiten eintauchten.

Insgesamt 24 Schiffe der Klasse wurden 1916 gebaut, 1918 folgten acht Schiffe einer leicht vergrößerten Variante. Die beiden Varianten können an der Position des Fockmasts unterschieden werden: vor der Brücke in der 1916-Version, innerhalb der Brücke in der 1918-Version. Nach dem Krieg wurden die meisten Schiffe bald außer Dienst gestellt. Einige wurden zu Ausflugsdampfern und Fähren umgebaut, von denen einige im Zweiten Weltkrieg erneut als Minensucher dienten.

Die Queen of Thanet (ex Melton) war 74,9 m lang, 8,8 m breit (17,7 m über die Schraubenkästen) und verdrängte 810 t. Der Antrieb erfolgte über eine Dampfmaschine mit 1500 PS, womit 14,5 kn erreicht wurden. Die Bewaffnung bestand im Ersten Weltkrieg aus zwei 7,62 cm-Geschützen (12-Pfünder oder zwei 5,7 cm/6-Pfünder). Sie war für zwei Bordflugzeuge ausgerüstet, die aber nie an Bord waren. Im Zweiten Weltkrieg bestand die Bewaffnung aus einem 7,62 cm Mk V (12-Pfünder) und einem 4 cm PomPom. Die Besatzung bestand im Ersten Weltkrieg aus 50-52 Mann.

Die HMS Melton wurde 1916 von William Hamilton and Company in Glasgow gebaut. Sie diente während des Ersten Weltkriegs als Minensucher. Auch nach dem Krieg diente sie dazu, die massiven Minenfelder aus dem Krieg zu entfernen. 1927 wurde sie außer Dienst gestellt und 1929 von New Medway Steam Packet Co gekauft. Diese baute das Schiff zum Ausflugsdampfer um und nannten es in Queen of Thanet um. Sie fuhr hauptsächlich von Sheerness und Southend aus auf dem Midway und der Thames, teilweise aber auch bis nach Dover sowie über den Kanal nach Frankreich. 1939 wurde sie von der Royal Navy requiriert und als HMS Queen of Thanet (J20) als Minensucher in Dienst gestellt. Sie operierte von Dover aus an der Südküste Englands. 1940 beteiligte sie sich an der Evakuierung von Dunkerque (Dünkirchen) und rettete insgesamt 4000 Soldaten über den Kanal. Danach war sie in Granton stationiert und operierte an der schottischen Ostküste. Für die Landung in der Normandie wurde sie erneut an die englische Südküste verlegt. Nach dem Krieg wurde sie an New Medway Steam Packet Co zurück gegeben und erneut 1947-48 erneut in Kent und Essex als Ausflugsschiff verwendet. 1949 wurde sie an Isle of Wight & South of England Royal Mail Steam Packet Co. Ltd. verkauft, die sie in Solent Queen umbenannten und von Southampton aus als Ausflugsdampfer einsetzten. Am 22. Juli 1951 wurde sie durch einen Brand schwer beschädigt, der ausbrach, als sie von der White-Werft repariert werden sollte. Danach wurde sie nicht wieder hergestellt, sondern zum Abwracken verkauft.

Der Bausatz

AJM Models hat zwei Bausätze der Minensucher der Ascot-Klasse im Angebot: eine Variante des Zustands aus dem Ersten Weltkrieg und die hier vorgestellte HMS Queen Thanet im Zustand des Zweiten Weltkriegs, genauer des Jahres 1942. Das Modell kann sowohl als Vollrumpf- als auch als Wasserlinienmodell gebaut werden. Der Unterwasserrumpf liegt als extra Teil bei, so dass es möglich ist, dass bei einer Vollrumpfversion Spachtelarbeiten notwendig sind.

Der Überwasserrumpf ist komplett mit den Auslegern für die Schraubenkästen gegossen. Von der Form und den Abmessungen wirkt er stimmig. Im Vergleich zu den Abmessungen, die oben hier im Artikel angegeben sind, ist der Rumpf über die Schraubenkästen etwas zu breit. Am Rumpf sind nur relativ wenige Details angegossen, die aber gut ausgeführt sind. Die Gussqualität ist überwiegend sehr gut. Bemerkenswert sind die unten offen gegossenen Schraubenkästen.

Die wenigen Aufbauteile sind gut detailliert. Die Schornsteine sind oben aufgebohrt. Die Brücke ist offen dargestellt, auch die Brückenfenster sind offen und entsprechend ist auch eine Inneneinrichtung vorgesehen.

Auch die restlichen Kleinteile sind sehr schön detailliert und gut gegossen. Es gibt nur das, bei vielen Herstellern auftretende, Problem, dass sich die Oberseiten der Lüfter wegen Luftblasen in der Form nicht komplett ausgebildet haben. Das kann man meist mit einem Tropfen Sekundenkleber leicht korrigieren.

Dazu enthält der Bausatz auch Messingteile für die Masten.

Die Fotoätzteile

Sehr umfangreich ist die enthaltene Fotoätzteilplatine. Sie umfasst u.a. bereits abgelängte Reling, Splitterschutz, Geschützplattformen, Leitern, Teile für die Geschütze, Davits, Bootslager und den Schleppbügel.

Die Reling hat keine Fussleiste, so dass das Ankleben etwas komplizierter sein dürfte. Das größte Manko ist das Schaufelrad. Dieses ist schön detailliert (zwölf Fotoätzteile und ein Resinteil pro Schaufelrad) und dürfte eine sehr realistische Darstellung ermöglichen. Allerdings liegt nur eine Variante für das Vollrumpfmodell bei. Bei einem Wasserlinienmodell muss man das Schaufelrad entweder in eine Dioramenplatte einbetten oder das Schaufelrad unten entsprechend abschneiden, was sicher nicht einfach ist.

Abziehbilder

Die Abziehbilder umfassen Flaggen und Tiefgangsmarkierungen.

Die Anleitung

Die Anleitung umfasst eine Teileübersicht, eine kurze Bemalanleitung und die Bauanleitung selbst in neun Schritten. Die Anleitung ist sehr übersicht und sollte einen relativ problemlosen Zusammenbau ermöglichen. Allerdings ist der Zusammenbau des Modells wegen relativer komplexer Teile wie die Schaufelräder sicher nicht einfach.

Der Umbau in den früheren Zustand als Ausflugsdampfer sollte relativ einfach sein, da man primär die Bewaffnung und das Minenräumgeschirr weglassen muss und ein paar Anpassungen an der Brücke und bei den Beibooten notwendig sind. Teilweise fuhr Queen of Thanet zwischen den Kriegen mit offener Brücke, d.h. das Steuerhaus müsste entfernt werden.

Quellen

Fazit

AJM Models ist zur Auswahl dieses orginellen Vorbilds zu gratulieren. Der Bausatz der HMS Queen of Thanet gibt die Formen des Originals gut wieder, ist sehr vollständig und sehr gut detailliert. Einziges Manko ist das Schaufelrad, was nicht als Wasserlinienvariante enthalten ist. Dioramenbauer werden sich da sicher zu helfen wissen. Insgesamt ist der Bausatz

alt sehr empfehlenswert

Lars

Wir danken AJM Models für das Bausatzmuster