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MikroMir: Deutsches "Walter U-Boot" des Typs XVIIB (1/350) Drucken
Donnerstag, 05. Februar 2015 um 06:00

Deckelbild

Modell: German submarine Type XVIIB Walter boats
Hersteller: Mirko Mir
Maßstab: 1/350
Umfang: 8 Plastikteile (ohne die Ständerteile) + 8 Fotoätzteile
Art.Nr.: 350-18
Preis: ab ca. ‚ā¨ 13,- Euro, inkl. Porto & Verpackung

Das Original

Anfang der 30er Jahre besch√§ftigte sich das Ingenieursgenie Hellmuth Walter mit der Entwicklung einer Gasturbine, f√ľr deren Betrieb Wasserstoffperoxid (H¬≤O¬≤) als Kraftstoff dienen sollte, welches den Sauerstoff f√ľr die Verbrennung bereits in sich tr√§gt. Das Ziel war also die Entwicklung eines Antriebs, der die bisherigen Tauchboote zu echten Unterseebooten machen sollte. Der Vorteil dieses Antriebs w√ľrde aber aber nur dann voll genutzt werden k√∂nnen, wenn die bisher √ľbliche Form von U-Booten grundlegend ver√§ndert w√ľrde und so entwickelte Walter auch gleich noch eine hydrodynamischere Form f√ľr sein neues Boot. Er hoffte, dass sein Unterseeschnellboot, wie er es nannte, bis zu 30 Knoten schnell sein k√∂nnte. 1933 erhielt er dann den offiziellen Auftrag, ein erstes Versuchsboot mit 300 bis 400 t Verdr√§ngung zu entwickeln. Dies dauerte aber noch bis zum Ende des Jahrzehnts.

Das als V80 bezeichnete Versuchsboot verf√ľgte √ľber eine Gas-Turbine, die bereits 2000 PS Leistung erbrachte, wodurch das V80 getaucht sensationelle 26 bis 28,5 Knoten lief. Die Vorf√ľhrung am 14. November 1941 vor einer Abordnung des OKM, an der nat√ľrlich auch D√∂nitz teilnahm, war ein voller Erfolg. D√∂nitz forderte in der Folge mehrfach und mit Nachdruck, die Entwicklung zum Abschluss zu bringen, doch wie so oft hatten die konservativen Kr√§fte die Entscheidung zu treffen und die sahen keinen echten Bedarf f√ľr so ein revolution√§res neues Boot. So dauerte es noch bis zum Oktober 1943, bis die bei Blohm & Voss gebauten Versuchsboote U 792 und U 793 (Wa 201) in Dienst gestellt werden konnten. Die Indienststellung der bei der Germania-Werft in Kiel gebauten Boote U 794 und U 795 (Wk 202) verz√∂gerte sich sogar bis April 1944. Die Ergebnisse der Versuche mit diesen Booten f√ľhrte trotz diverser ungel√∂ster Probleme zu einem Bauauftrag seitens des OKM √ľber 24 Kampfboote mit der Bezeichnung Typ XVIIB. Blohm & Voss sollte die ersten 12 Boote bauen, war aber durch den Bau der Typ XXIer Boote schon am Rande seiner Leistungsf√§higkeit angelangt, so dass die Anzahl auf 6 reduziert wurde. Tats√§chlich wurden nur drei Boote (U 1405, 1406 und 1407) zwischen Dezember 1944 und M√§rz 1945 fertiggestellt. Alle Boote wurden bei Kriegsende selbst versenkt. Lediglich U 1407, das man in Potsdam den Briten zugeschlagen hatte, wurde nicht nur gehoben, sondern auch repariert und als HMS Meteorite f√ľr die Royal Navy erneut in Dienst gestellt. Die Briten bauten auf Basis dieses Bootes sogar noch zwei eigene Versuchsboote (Explorer und Excalibur), jedoch wurde die Entwicklung eines britischen "Walter-Ubootes" zu Gunsten des Atomantriebs beendet.

R√ľckblickend betrachtet konnten die Kriegsgegner des 3. Reiches wieder mal froh sein, dass bahnbrechende Ingenieurleistungen von den eigenen Stellen nicht rechtzeitig erkannt wurden. Nat√ľrlich h√§tten die Walter-Boote den Kriegsausgang nicht ver√§ndert, aber sicher w√§ren noch viel mehr Opfer zu beklagen gewesen.

technische Daten (Typ XVIIB):
L√ľA: 41,45 m
Breite: 3,30 m
Tiefgang: 4,30 m

Antrieb:
1 x Deutz 8 Zylinder 4 Takt Diesel mit 210 PS
1 x E-Maschine mit 77 PS
1 x Walter-Gasturbine mit 2500 PS
Höchstgeschwindigkeit mit Diesel: 8,5 Kn
getaucht mit E-Maschine: 4,5 Kn
getaucht mit Turbinen: 20 Kn
Tauchtiefe (bei 2,5facher Sicherheit): 100 m

Bewaffnung:
2 x 53,3 cm Torpedorohre, 4 Torpedos

Besatzung: 19 Mann

Der Bausatz

Mikro Mir pr√§sentiert uns hier einen wahren Winzling. Knapp 12 cm ist wirklich nicht viel f√ľr ein U-Boot in diesem Ma√üstab und in Ermangelung irgendwelcher externer Bewaffnung oder sonstiger hervorstechender Merkmale, kommt dieses √ľberaus glatte Modell mit gerade mal mit 8 Plastikteilen aus. 8 √Ątzteile vervollst√§ndigen den Bausatz. Zu diesen geh√∂rt auch der Propeller, und der ist in seiner Form nicht sehr gelungen. Die am Turm entlang laufende Reling wird den Gesamteindruck sicher heben und auch das ge√§tzte Deck mit seinen diversen Zugangsklappen ist eine willkommene Erg√§nzung. Die drehbare Flosse auf der Back liegt ebenfalls als √Ątzteil bei und ist dadurch nat√ľrlich flach, anstatt ein leichtes Profil aufzuweisen, aber dies ist in dem Ma√üstab und bei der geringen Gr√∂√üe akzeptabel.

Die Plastikteile entsprechen in der Qualität des Gusses und der Scharfkantigkeit der Gravuren nicht unbedingt dem heutigen Standard, aber wir haben es bei Mikro Mir ja auch nicht mit einer der High-Tech Firmen aus Asien oder einem der anderen großen Hersteller zu tun. Besonders die Hinterkanten der Ruderanlage leidet unter dem Produktionsmängeln. Die Hinterkante des Ruders- bzw. der Flosse(n) sind bei dem mir vorliegenden Bausatz leicht zerfranst, so dass hier evtl. mit Plastiksheet nachgearbeitet werden muss.

Die wenigen Details der Au√üenhaut sind soweit ok. Mehr ist in diesem Ma√üstab zwar m√∂glich, aber auch nicht zwingend zu erwarten, denn andere, gr√∂√üere Hersteller liefern oft auch nicht mehr. Jedenfalls ist die Ein- und Auslassanlage der Kondensat-K√ľhlung seitlich am Hinterruf gut dargestellt und der Rest ist, wie schon gesagt, ok.

D√ľrftig ist hingegen die Ausstattung des Turms mit Ausfahrger√§ten. Es gibt lediglich einen ge√§tzten Peilring und einen Schnorchelmast. Periskope gibt es gar nicht und der Schnorchelmast ist wohl formbautechnisch nicht in den Griff zu kriegen gewesen. Ein Schnorchel besteht aus einem vorderen Zuluft- und einem hinteren, d√ľnneren Abgasmast. Das Bauteil sieht so aus, als ob es einen d√ľnneren Abgasmast hatte geben sollen, dieser aber einfach nicht vollst√§ndig zu spritzen war. Die beiden "Fragmente" sehen zwar irgendwie "gewollt" aus, so als ob sie Antenne, oder √§hnliches darstellen sollen, aber das ist Quatsch. Immerhin hat man versucht, die Runddipolantenne Bali I oben auf dem Ringschwimmer-Schnorchelkopf darzustellen. L√∂blich! Das war es dann aber auch schon.

Fazit

Endlich ein gutes Modell eines der ber√ľhmten Walter-U-Boote in Pastikspritzguss. Die Basis ist ok, aber ganz ohne Eigenleistung geht es wohl nicht. Wer sich die M√ľhe macht, die Korrektur des Schnorchelmastes durchzuf√ľhren und evtl. auch noch einige Erg√§nzungen vorzunehmen, erh√§lt eine sch√∂nes Modell, das in jede Sammlung deutscher U-Boote hineingeh√∂rt.

alt empfehlenswert

Olaf