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FlyHawk: deutsches U-Boot U 47 (Typ VIIB) (1/700) Drucken
Dienstag, 14. Oktober 2014 um 05:00

 

14.10.1939 - 75 Jahre Versenkung der Royal Oak durch U 47

 

Deckelbild

Modell: DKM U-47 (U-boat Type VII B)
Hersteller: FlyHawk
Maßstab: 1/700
Material: Polystyrol (Spritzguss), Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: FH1100
Preis: ca. 12 €

"Das Heck berührt noch die Ankerkette (des Sperrschiffs), Boot ist frei, wird rasch nach Backbord herumgerissen und lässt sich nur mit harten, schnellen Maßnahmen wieder auf Kurs bringen, aber wir sind in Scapa Flow." Mit diesen Worten beschrieb der Kommandant, Kapitänleutnant Günter Prien im Kriegstagebuch von U-47 die schwierige Einfahrt ins Herz der britischen Home Fleet. Heute jährt sich diese seemännische Meisterleistung zum 75. Mal (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Grund für uns, neben dem Gedenken auch den 1/700er Bausatz von U-47 von Flyhawk unter die Lupe zu nehmen. Der erste Eindruck ist sehr gut. Doch bestätigt sich dieser bei genauem Hinsehen?

Das Original

Das Internet ist voll von Beschreibungen über den U-Boot-Typ VII. Daher erspare ich uns hier eine weitere Wiederholung. Informationen mit technischen Daten gibt es zum Beispiel hier oder hier. Nur kurz ein paar Worte zu U-47: Das Boot des deutschen Typs VII B lief am 29. Oktober 1938 auf Krupp Germaniawerft in Kiel vom Stapel. Einziger Kommandant war Kapitänleutnant Günter Prien. Auf zehn Feindfahrten versenkte er mit seiner Besatzung 30 Schiffe mit insgesamt 164.953 BRT. Acht weitere Schiffe mit 62.751 BRT wurden beschädigt. Seit 07. März 1941 ist U-47 im Nordatlantik mit seiner Besatzung verschollen. Die Ursache des Untergangs konnte nie zweifelsfrei geklärt werden.

Der Überraschungsangriff auf Scapa Flow

Dieser Paukenschlag, gleich zu Beginn des Krieges, versetzte der britischen Flotte einen schweren Schlag. Gleichzeitig stellte der Überfall des gerade mal 753 t großen Bootes die Leistungsfähigkeit der deutschen U-Boote am Anfang des Zweiten Weltkriegs unter Beweis.

Durch die dortige Internierung und Selbstversenkung der deutschen Hochseeflotte nach dem ersten Weltkrieg 1919 hatte Scapa Flow eine hohe Symbolkraft für die deutsche Marine. Im ersten Weltkrieg scheiterten zwei U-Boote bei dem Versuch dort einzudringen: SMS U 18 im November 1914 und SMS UB 116 im Oktober 1918.

Scapa Flow liegt bei den Okney Inseln an der schottischen Nordküste. Er war der wichtigste Marinestützpunkt der britischen Home Fleet und entsprechend stark gesichert. Ein System aus Mienen, Netzen, Balken, Blockschiffen, Wachposten und Patrouillen sollten jeden Angreifer fernhalten. Zudem erschwerten starke Strömungen das Eindringen. Ein U-Boot der damaligen Zeit konnte diese, wegen seiner geringen Unterwassergeschwindigkeit, nur aufgetaucht bezwingen. Die Planungen des Befehlshabers der Unterseebote, Admiral Karl Dönitz liefen unter größter Geheimhaltung. Aufklärungsflüge und eine Erkundung von U-16 entdeckten schließlich eine 17 m breite Lücke an der Schiffssperre zwischen den Inseln Lamb Holm und Mainland.

Am 8. Oktober 1939 laufen Prien und seine 40 Mann Besatzung aus Kiel aus. Vor Scapa Flow verbringen sie den Tag auf dem Meeresgrund. In der Nacht zum 14. Oktober versuchen sie bei einlaufender Strömung den seemännisch schwierigen Einbruch. Im Kriegstagebuch von U-47 ist zu lesen: „Es bewährt sich jetzt, dass ich die Karte auswendig gelernt habe, denn die Durchfahrt geht mit unglaublicher Geschwindigkeit vor sich.“ U-47 läuft kurz auf Grund und berührt dann mit dem Heck die Ankerkette eines Sperrschiffs. Doch das Boot dringt unentdeckt ein. Um 0:58 Uhr lösen sich aus 3000 m Entfernung die ersten von insgesamt vier Torpedos auf zwei große Schiffe. Nur ein „Aal“ detoniert. Keine Reaktion der Briten. Prien entscheidet sich nachzuladen. Um 1:22 heißt es erneut „Torpedo los!“ für den zweiten Angriff. Der 3-er Fächer schlägt auf dem 35.000 t Schlachtschiff H.M.S. Royal Oak ein. Da die Schotten offen sind, kentert sie schnell. 833 Seeleute, die sich im sicheren Hafen wähnten sterben. Im Kriegstagebuch von U-47 heißt es weiter: „…jetzt ist in der Bucht von Scapa Flow der Teufel los.“ Die Briten gehen zunächst von einem Luftangriff aus. Das hilft Prien aufgetaucht gegen die starke Strömung zu entkommen. Am 17. Oktober läuft U-47 schließlich in Wilhelmshaven ein. Die Besatzung wird ausgezeichnet und als Helden gefeiert.

Der Bausatz

Die Faltschachtel des 2012 erschienenen Bausatzes enthält die Teile für zwei U-Boote des Typs VII B. Pro Boot sind es je 18 Spritzgussteile und 16 bzw. 17 Messing-Ätzteile plus einem geätzten Ständer. Alle Teile sind vorbildlich einzeln verpackt. Die beiden kleinen Türme für den Typ VII B sind unterschiedlich: eine frühe Ausführung, wie sie U-47 zum Zeitpunkt des Überfalls auf Scapa Flow hatte und eine spätere Ausführung mit einer runden Plattform für eine 2 cm Flak. Die Flak liegt als Ätz- oder Spritzgussteil bei. Die Sehrohre können alternativ ein- und ausgefahren dargestellt werden. Der zweiteilige Rumpf ist an der Wasserlinie getrennt.

Alle Teile sind sehr fein und scharfkantig ausgeführt. Die Detaillierung ist erstklassig. Bei den sehr feinen Decksdetails muss man aufpassen, dass man sie nicht mit Farbe zuschmiert. Insgesamt zeigt der Bausatz ein sehr stimmiges Bild des Vorbildes. Die Torpedoklappen im Bug und die unteren Einlassöffnungen der Tauchzellen sind offen dargestellt.

Packen wir nun den Messschieber und den Taschenrechner aus und schauen mal ganz genau hin: Die Maße verglich ich mit den Zeichnungen von David Westwood (siehe unten). Die Länge stimmt mit 95,0 mm exakt. Da die Typ VII B-Boote länger als die des Typs VII A und kürzer als die des Typs VII C waren, kann man nur diese 24 Boote bauen, also U-4555, U-7376, U-8387 und U-99102. Die Satteltanks sind um je 0,3 mm zu breit. Ebenso ist die Rumpfhöhe um 0,4 mm zu hoch. Insgesamt fällt das aber nicht wirklich auf.

Schon mehr fällt auf, dass die Satteltanks etwas zu hoch und die Flutschlitze darüber zu breit sind. Dadurch ist in diesem Bereich das Freibord sichtbar zu klein und die Schlitze unterhalb des Turmes fehlen. Vorne sind die Flutschlitze sehr schön modelliert. Achtern sind sie dagegen sehr eng beieinander und wirken fast wie ein Schlitz. Die Flutschlitze am Unterwasserschiff fehlen ganz.

Sind wir bei den bisherigen Kritikpunkten noch im „akademischen Bereich“ kommen wir zum Schluss zum einzigen, auf Anhieb sichtbaren Fehler: Die Öffnung für das achterne Torpedorohr fehlt.

Abziehbilder

Der fein ausgeführte Decal-Bogen enthält Flaggen in zweierlei Ausführungen und die Friedenskennungen für U-45 bis 48 und 51, 52, 54 und 55. Außerdem sind drei Turmzeichnungen von U-47 vorhanden – inklusive des berühmten „Stiers von Scapa Flow“, den der 1. Wachoffizier während der Rückfahrt mit Ölfarbe angebracht hatte. Dieses Bild wird später Wappen der 7. U-Boot Flottille.

Die Anleitung

Kurz und gut: Der zweiseitige chinesisch/englische Bauplan ist sehr übersichtlich und ich konnte keinen Fehler finden. Auch die Bemalungsanleitung ist sehr übersichtlich und korrekt.

Quellen

  • Anstriche und Tarnanstriche der deutschen Kriegsmarine von Jung, Abendroth und Kelling, Bernard & Graefe, 1997
  • Clausewitz 5/2014, GeraMond
  • Die deutschen und österreichischen U-Boot Verluste in beiden Weltkriegen von Kemp, Urbes, 1998
  • Graue Wölfe auf allen Meeren U-VII von Heinz Nowarra, Podzun-Pallas-Verlag, 1977
  • Typenkompass Deutsche Kriegsschiffe von Mallmann-Showell, Motorbuch, 2009
  • U-Boot Operationen im zweiten Weltkrieg Band 1 von Wynn, Bernard & Graefe, 2007
  • U-Boot Typ VII von David Westwood, Neckar Verlag, 1986
  • U-Boote, Garant, 2011
  • Vom Original zum Modell: Uboottyp VII C von Fritz Köhl und Axel Niestle, Bernhard & Graefe Verlag, 1989
  • Warship Pichtorial 27, Kriegsmarine Type VII U-Boats von Steve Wiper, Classic Warship Publishing, 2004

Fazit

Der kleine Bausatz ist nichts für Leute, die Angst vor kleinen Teilen haben. Für alle anderen ist er dagegen sehr zu empfehlen. Trotz der fehlenden Öffnung des achternen Torpedorohres und der Maßabweichungen beim Freibord Mittschiffs ist das einer der besten Bausätze, die ich im Vorratskeller habe. Die fein ausgeführten Details und die spannende Geschichte von U-47 machen Lust auf ein Modellbauabenteuer.

alt empfehlenswert

Jürgen (Stuttgarter Interessengemeinschaft Modellbau)

Wir danken FlyHawk für das Bausatzmuster