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Peruanische Panzerfregatte Independencia (1/700, Michel Baartmans) von Lars Scharff Drucken
Mittwoch, 21. Mai 2014 um 05:00

 

21.05.1879 - 135. Jahrestag der Schlacht von Punta Gruesa

 

BAP Independencia

Heute vor 235 Jahren ging die peruanische Panzerfregatte Independencia in der Schlacht von Punta Gruesa verloren (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Diese Seeschlacht war Teil des Salpeterkriegs zwischen Chile und Peru, das von Bolivien unterst├╝tzt wurde. Der Krieg wurde um die Atacamaregion (heute im Norden Chiles) gef├╝hrt, in der es reiche Nitrat (Salpeter)-Vorkommen gab. Sowohl Peru als auch Chile, die beide ├╝ber jeweils zwei Panzerschiffe verf├╝gten, versuchten die Seeherrschaft zu erringen. Am 21. Mai 1879 griffen die beiden peruanischen Panzerschiffe, die Panzerfregatte Independencia und das Turmschiff Hu├íscar, unter dem Kommando von Admiral Grau die chilenische Korvette Esmeralda (Kapit├Ąn Prat) und das Kanonenboot Covadonga (Kapitan Condell) an, die den peruanischen Hafen Iquique blockierten.

Die Esmeralda konnte sich wegen Maschinenproblemen vor den ├╝berlegenen peruanischen Panzerschiffen nicht zur├╝ckziehen und wurde von der Hu├íscar durch Rammst├Â├če in der Schlacht von Iquique versenkt. Die Covadonga versuchte vor der Independencia (Kapit├Ąn More) in flachen K├╝stengew├Ąssern zu entkommen. Dabei versuchte sie ihren geringeren Tiefgang (3,35 m vs. 6,62 m der Independencia) auszunutzen. Die Independecia lief bei einem Rammversuch beim Punta Gruesa auf. Die Covadonga versuchte daraufhin die aufgelaufene Panzerfregatte zu zerst├Âren, was durch das Eintreffen der Hu├íscar verhindert wurde. Da die Panzerfregatte nicht geborgen werden konnte, musste sie trotzdem aufgegeben werden und wurde in Brand gesetzt. Obwohl es der peruanischen Marine durch die Schlachten von Iquique und Punta Gruesa gelang, die Blockade von Iquique zu durchbrechen, verlor sie mit der Independencia eines ihrer st├Ąrksten Schiffe. In der Folge gelang es den beiden chilenischen Panzerschiffen am 8. Oktober 1879 bei Angamos die Hu├íscar zu erbeuten und die Seeherrschaft zu erringen, was Chile half, den Krieg zu gewinnen. Noch heute sind Schiffe der peruanischen bzw. chilenischen Marine nach den Befehlshabern in diesen Schlachten wie Grau, Prat und Condell benannt.

BAP Independencia

Das Original

Die Panzerfregatte Independencia wurde 1864 von der peruanischen Marine in Gro├čbritannien bestellt, um europ├Ąischen Geschwadern etwas entgegen stellen zu k├Ânnen. Der Entwurf soll auf der britischen Panzerfregatte Achilles beruht haben, allerdings fiel die Independencia wesentlich kleiner aus und w├Ąre von der Royal Navy vermutlich als Panzerkorvette klassifiziert worden. Die Bewaffnung bestand aus zw├Âlf Kanonen auf dem Batteriedeck, die durch den Seitenpanzer gesch├╝tzt waren, und zwei schweren Kanonen auf dem Oberdeck vorne und achtern, die praktisch ungesch├╝tzt waren. Parallel bestellte die peruanische Marine auch das Turmschiff Hu├íscar, dessen beide schwersten Gesch├╝tze in einem Panzerturm waren, dessen Seet├╝chtigkeit und Bewaffnung insgesamt aber der Independencia unterlegen war. Die beiden Panzerschiffe der peruanischen Marine waren nach ihrer Ankunft in S├╝damerika die st├Ąrksten hochseet├╝chtigen Schiffe in Amerika, auch st├Ąrker als die ├╝blicherweise in S├╝damerika stationierten Schiffe europ├Ąischer Staaten. Mehrere s├╝damerikanische Marinen, darunter die chilenische, reagierten auf die Independencia und Hu├íscar mit der Bestellung eigener Panzerschiffe in Europa.

BAP Independencia

Die Independencia war 65,5 m lang, 13,6 m breit und verdr├Ąngte bis 3750 t. Der Antrieb bestand aus einer 2200 PS starken Dampfmaschine, die eine Schraube trieb. Damit wurden 11-12 kn erreicht. Als Hilfsantrieb stand eine Barkbesegelung zur Verf├╝gung. Die Besatzung bestand aus 375 Mann (250?).

Bewaffnung 1866
2 x 20,3 cm 150-Pf├╝nder Armstrong
12 x 16,3 cm 70-Pf├╝nder Armstrong
4 x 9-Pf├╝nder Armstrong (Bootskanonen)

Bewaffnung 1879
1 x 22,9 cm 250-Pf├╝nder Vavasseur
1 x 20,3 cm 150-Pf├╝nder Parrot
12 x 16,3 cm 70-Pf├╝nder Armstrong
2 x 9-Pf├╝nder Armstrong (Bootskanonen)
2 Maschinengewehre

BAP Independencia

Die Independencia wurde 1864-66 bei Samuda Brothers in London gebaut. Zusammen mit Hu├íscar und der Korvette Am├ęrica verlegte sie nach S├╝damerika, kam aber zu sp├Ąt, um noch in den Spanisch-S├╝damerikanischen Krieg eingreifen zu k├Ânnen. 1877 versuchte sie, zusammen mit anderen peruanischen Schiffen, die┬ávon Putschisten kommandierte Hu├íscar zu stellen. In der Schlacht von Punta Pichalo am 28. Mai 1877 konnte Hu├íscar aber entkommen, u.a. da die Kanonen in der Batterie der Independencia nicht in der Lage waren, die Panzerung der Hu├íscar zu durchschlagen (die Hu├íscar stellte sich sp├Ąter, nachdem auch ein britisches Geschwader sie nicht besiegen konnte, den peruanischen Beh├Ârden). 1878/79 wurde Independecia ├╝berholt, erhielt neue Kessel und neue schwere Kanonen.

Im Salpeterkrieg gegen Chile griff Independencia am 21. Mai 1879 zusammen mit Hu├íscar unter dem Kommando von Admiral Grau das chilenische Blockadegeschwader vor Iquique an. Independencia verfolgte das Kanonenboot Covadonga. Wegen dem schlechten Stand des Trainings der Gesch├╝tzbesatzungen, denen nur wenige Treffer auf dem ungepanzerten Kanonenboot gelangen, versuchte Kapit├Ąn Juan Guillermo More Ruiz die Covadonga durch Rammen zu versenken. Bei einem dieser Versuche lief sie bei Ponta Gruesa auf ein Riff - entweder, weil im entscheidenden Moment ihr Steuermann get├Âtet wurde oder weil sie in zu seichte Gew├Ąsser gelockt wurde. Obwohl die Hu├íscar zur Unterst├╝tzung kam, konnte die Independencia nicht geborgen werden und musste aufgegeben werden. Insgesamt f├╝nf Mann der Besatzung starben, 64 wurden vermisst und 23 wurden verletzt.

BAP Independencia

Das Modell

Mein Modell der Independencia beruht auf einem Rumpf, den Michel Baartmans gebaut hat (siehe hier) und mir ein Exemplar abgegossen hat. Vielen Dank Michel!

Das Modell soll den Bauzustand von 1879 nach der letzten Modernisierung darstellen. Nach Vers├Ąubern des Rumpfteils habe ich einige Details wie Gangspill (geschnitzt aus einem Plastikstab), die L├╝fter (Resinteile von BMK) und Schornstein erg├Ąnzt. Den Schornstein wollte ich urspr├╝nglich aus Messing herstellen, wie hier beschrieben. Allerdings konnte ich kein Messingrohr mit passendem Durchmesser auftreiben. Ich habe erst versucht den Schornstein aus d├╝nnen Plastikplatten zu biegen, was nicht funktioniert hat. Letzlich habe ich ihn aus 80 g Papier (das normale Papier f├╝r den Drucker) gerollt. Als Klebeleiste habe ich innen ein k├╝rzeres schmales St├╝ck Papier genutzt.

Der letzte Bauzustand ist - wie das Schiff insgesamt - leider relativ schlecht dokumentiert. Bekannt ist, dass ihre zwei 150-Pf├╝nder von Armstrong gegen einen 250-Pf├╝nder und ein 150-Pf├╝nder ausgetauscht wurden. Der 150-Pf├╝nder war von Parrot. Laut Conway's war es ein 17,8 cm-Gesch├╝tz, aber die typischen 150-Pf├╝nder von Parrot waren eigentlich 20,3 cm-Gesch├╝tze.... F├╝r die Form des Rohrs habe ich mich an Fotos orientiert, f├╝r die Abmessungen an Zeichnungen der Gesch├╝tze der Alabama in CSS Alabama Anatomy of a Confederate Raider. Das Rohr ist aus einem Plastikstab geschliffen, wobei ich das Rohr per Hand gedreht und die Form mit verschiedenen Feilen produziert habe - keine sehr empfehlenswerte Vorgesehensweise! Das 250-Pf├╝nder-Gesch├╝tz soll von Vavasseur gewesen sein, d.h. hergestellt von Blakely. Laut Conway's war es ein 20,3 cm-Gesch├╝tz, sehr viel wahrscheinlicher war es ein 22,9 cm-Gesch├╝tz, da solche von Blakely als 250-Pf├╝nder angeboten wurden. Hier habe ich eine vergr├Â├čerte Version des 17,8 cm Blakely der Alabama hergestellt.

BAP Independencia mit 250-Pf├╝nder Vavasseur

Ich habe beide Gesch├╝tze auf Pivot-Lafetten montiert, wobei ich vergr├Â├čerte Varianten der Lafetten der Alabama aus verschiedenen Plastikst├Ąben produziert habe. Die Lafetten sind also nach britischer Bauart, was sicher f├╝r die 150-Pf├╝nder von Armstrong zutreffend war, mit denen Independencia urspr├╝nglich ausger├╝stet war. Der 250-Pf├╝nder wird als Vavasseur-Gesch├╝tz beschrieben, was auf eine entsprechende Lafette hinweisen w├╝rde. Im Text des spanischen Wikipedia-Artikels wird beschrieben, dass das Schwenkbereich des Gesch├╝tzes sehr eingeschr├Ąnkt war und man mit dem Schiff zielen musste. Zeichnungen dagegen zeigen eine typische Pivot-Lafette und auch in Warship International wird von einer Pivot-Lafette gesprochen. Da die Schienen f├╝r die Pivot-Lafette von Michel schon am Rumpf angebracht waren und ich keinerlei Informationen ├╝ber die Vavasseur-Lafette gefunden hatte, habe ich mich f├╝r eine Pivot-Lafette entschieden. Auch der 150-Pf├╝nder Parrot kam auf eine solche Lafette.

BAP Independencia achtern mit 150-Pf├╝nder Parrot

Entsprechende Fragen stellten sich auch in Bezug auf die Form der St├╝ckpforten. Mangels besserer Informationen habe ich die St├╝ckpforten so belassen, was zumindest f├╝r den urspr├╝nglichen Bauzustand richtig war. Ich habe die St├╝ckpforten oben offen gelassen. Eventuell war der obere Abschluss entfernbar, um die Gesch├╝tze voll nutzen zu k├Ânnen (zumindest ist dies f├╝r die Alabama so beschrieben). Erg├Ąnzt habe ich noch ein Br├╝ckendeck auf dem gepanzerten Kommandoturm, ein doppeltes Steuerrad (Foto├Ątzteile von Ocean Spirit an Plastikteile geklebt) und die Anker. Die Anker sind von North Star Models und waren urspr├╝nglich als Admiralit├Ątsanker f├╝r russische Schiffe gedacht. Da auf zeitgen├Âssischen britischen Panzerschiffen in The Black Battlefleet Stockanker zu sehen sind (deren Stock aus Holz war), habe ich die Anker mit einem entsprechenden Stock aus Plastik ausger├╝stet. Ein Paar Anker habe ich zwischen die St├╝ckpforten vorne angebracht, ein zweites Paar hinten an den R├╝sten des Fockmasts. Die Ankerketten sind von BJ-Modellbau. Die Ankerkr├Ąne sind ebenfalls von BJ-Modellbau und waren eigentlich als Davits gedacht. Aus dem gleichen Satz habe ich die Davits f├╝r die Beiboote genommen. Die Beiboote selbst sind von Modelkrak und Kombrig.

BAP Independencia

Independencia hatte urspr├╝nglich eine Barkbesegelung mit jeweils drei Rahsegeln an Fock- und Gro├čmast. In der Schlacht Punta Gruesa hatte sie aber eine stark reduzierte Takelage. ├ťber den Marsen waren nur noch leichte Spieren. Sie besa├č nur noch das Fock- und Gro├čsegel sowie Gaffelsegel an allen drei Masten. Die Masten, Spieren, Rahe, Gaffeln und Gaffelb├Ąume habe ich aus Metallst├Ąben verschiedener St├Ąrken hergestellt. Die Marsen sind aus Plastikplatten angefertig. Die eingeholten Segel habe ich mit Wei├čleim dargestellt. Bei der Takelung habe ich mit den Stagen und allen anderen Tauen, die in L├Ąngsrichtung gespannt waren, begonnen. Diese habe ich aus Uni Caenis 20 Denier-Faden hergestellt, der mit einem Hei├čwachsspachtelger├Ąt gespannt wurde. Als n├Ąchstes kamen die Wanten dran, die aus Foto├Ątzteilen von Atlantic Models bestehen. Zuletzt habe ich die Pardunen und Brassen angebracht, die aus dem gleichen Material wie die Stagen angefertigt wurden.

Bemalt habe ich das Modell mit Acrylfarben der Model Color-Serie von Vallejo. Die Decks und die Innenseiten der Beiboote sind mit 110 Achatgrau, die Rumpfseiten mit 167 Anthrazitgrau, Oberlichter, Lafetten und Gangspill mit 139 Mahagonibraun, der Kommandoturm, die R├╝mpfe der Beiboote und die Innenseiten des Schanzkleids mit 4 Cremeweiss, der Schornstein, L├╝fter, Marsen und Masten mit 121 Ockergelb bemalt. Die wei├čen Zierstreifen am Rumpf sind Abziehbilder aus der Restekiste.

Das chilenische Kanonenboot Covadonga (urspr├╝nglich 1858-59 f├╝r die spanische Marine als Virgen de Covadonga gebaut und 1865 von der chilenischen Korvette Esmeralda erbeutet), bei deren Verfolgung die Independencia auflief, ├Ąhnelte vom Aussehen der Sloop CSS Alabama der S├╝dstaaten, die hier als Vergleich gezeigt wird. Die Covadonga war allerdings kleiner (45,6 m L├Ąnge im Vergleich zu 67 m der Alabama) und hatte nur zwei 68-Pf├╝nder-Pivotgesch├╝tze und einen 32-Pf├╝nder (im Vergleich zu einem 68-Pf├╝nder- und einem 100 Pf├╝nder-Pivotgesch├╝tz sowie sechs 32-Pf├╝ndern der Alabama).

Die Independencia war eine relativ kleine Panzerfregatte, hier im Vergleich zu dem franz├Âsischen 74-Kanonenschiff Marengo von 1796 und dem d├Ąnischen Unterst├╝tzungsschiff Absalon (NNT-Bausatz) von 2004 (das Makroobjektiv l├Ąsst das Schiff im Hintergrund kleiner erscheinen, als es tats├Ąchlich ist).

Quellen

Lars