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Amerikanischer Leichter Kreuzer Savannah (1/700, Niko Models) von Lars Scharff Drucken
Mittwoch, 11. September 2013 um 06:00

 

11.09.1943 - 70 Jahre Fritz X-Angriffe

 

Zwei Tage nach der Versenkung der Roma griffen deutsche Dornier Do 217 erneut mit Fritz X-Lenkbomben an, dieses Mal die Schiffe, die die alliierte Landung bei Salerno unterstützten. Dabei traf heute vor 70 Jahren (siehe Jahrestage auf Modellmarine) eine der Bomben den amerikanischen Leichten Kreuzer Savannah und beschädigte ihn schwer.

Das Original

Der Leichte Kreuzer USS Savannah gehörte zur Brooklyn-Klasse, die als Reaktion auf den Londoner Flottenvertrag von 1930 entworfen worden war, da der Vertrag einen Weiterbau von Schweren Kreuzern untersagte. Für die US Marine konnte nur ein Kreuzer mit maximal möglicher Größe (d.h. 10 000 ts Standardverdrängung) in den Weiten des Pazifiks nützlich sein, deshalb fielen die neuen Leichten Kreuzer genauso groß aus wie die letzten Schweren Kreuzer. Zusätzlich sollten die Schiffe genauso stark wie die japanische Mogami-Klasse werden, die ursprünglich mit 15 15,5 cm-Geschützen bewaffnet war. Auch eine solche Bewaffnung erforderte eine maximale Ausnutzung der erlaubten Tonnagegrenzen.

Mit der Brooklyn-Klasse wurde eine Reihe von Neuheiten eingeführt, die die auch für die späteren US-amerikanischen Kreuzer-Klassen kennzeichnend sein sollten. Der Rumpf wurde in Längsspantbauweise mit Hilfe neuer Materialien und Techniken hergestellt, so dass er leichter ausfiel. Durch die verbesserte Rumpfform (u.a. größere Länge) konnte der Antrieb bei Erhalt der Höchstgeschwindigkeit schwächer ausfallen. Die Flugzeuganlage wurde hier ins Achterschiff verlegt. Der Rumpf war deshalb als Glattdecker ausgelegt und hatte ein Spiegelheck, um achtern ausreichend Raum für den Flugzeughangar über den Schrauben zu gewinnen. Der Panzerschutz fiel relativ stark aus und war teilweise gegen 20,3 cm-Geschütze ausgelegt. Insgesamt sieben Schiffen wurden gebaut: Brooklyn, Philadelphia, Savannah, Nashville, Phoenix, Boise und Honolulu. Zwei weitere Schiffe, St. Louis und Helena, wurden nach einem verbesserten Entwurf gebaut.

Nachdem Savannah vor Salerno 1943 schwer beschädigt worden war, wurde bei den Reparaturen auch die für die gesamte Klasse geplante Modernisierung durchgeführt. Dabei wurden lange Wülste am Rumpf angebracht, die bis zum Oberdeck reichten. Dadurch wurde der Rumpf verstärkt, der Torpedoschutz erhöht und die Stabilität verbessert. Die erhöhte Stabilität ermöglichte, die Flakbewaffnung und deren Feuerleitung auf das Niveau des späten Ausrüstungsstands der neueren Cleveland-Klasse zu verstärken. So wurden die 12,7 cm L/25-Einzellafetten durch 12,7 cm L/38-Zwillingstürme ersetzt. Allerdings erhielt Savannah im Gegensatz zur Cleveland-Klasse nur vier statt sechs dieser Türme - behielt aber den zusätzlichen 15,2 cm-Drillingsturm. Mittschiffs wurden relativ hoch die 4 cm-Vierlinge angebracht, die Zwillinge standen an den Ecken der Aufbauten sowie am Heck auf dem Oberdeck. Neben neuen Feuerleitgeräten für die leichte Flak erhielt Savannah auch Mk 37-Feuerleitgeräte statt der älteren Mk 33 der Schwesterschiffe. Wegen der größeren Breite dürfte Savannah stabiler als die ähnlich bewaffneten Schiffe der Cleveland-Klasse gewesen sein. Obwohl es vorgesehen war, alle Schiffe der Brooklyn-Klasse ebenso zu modernisieren, erfolgte dies nur bei Honolulu, die am 20. Oktober 1944 bei Leyte durch einen Torpedo schwer beschädigt worden war. Brooklyn und Philadelphia erhielten nur die Wülste, aber die Feuerleitung und Bewaffnung wurde nicht modernisiert. Diese Modernisierung ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Savannah und Honolulu im Gegensatz zu den anderen überlebenden Schwesterschiffen nach dem Krieg nicht an südamerikanische Marinen verkauft wurden. Allerdings wird auch oft angegeben, dass die erlittenen strukturellen Schäden der Grund gewesen wären.

Savannah war 185,4 m lang und 18,8 m breit. Durch die bei der Modernisierung angebrachten Wülste erhöhte sich die Breite auf 21,1 m und die Verdrängung im voll beladen Zustand auf 13 162 t. Der Antrieb bestand aus acht Kesseln und vier Dampfturbinensätzen, trieb vier Schrauben und leistete 100 000 PS, womit nach dem Umbau etwa 32 kn erreicht wurden. Die Besatzung setzte sich ursprünglich aus 868 Mann zusammen, im Krieg stieg die Zahl auf 1196 (1363?) Mann.

Bewaffnung 1944/45
15 x 15,2 cm L/47 Mk 16 (fünf Drillingstürme)
8 x 12,7 cm L/28 (vier Zwillingstürme)
28 x 4 cm L/56 (vier Vierlingslafetten, sechs Zwillingslafetten)
14 x 2 cm L/70 Oerlikon (Einzellafetten)
4 Curtiss SC Seahawk Bordflugzeuge (nur zwei?)

Savannah (CL-42) wurde von 1934 bis 1938 bei New York Shipbuilding in Camden gebaut und war danach Teil der Atlantikflotte. Sie operierte meist von Norfolk aus. Abgesehen von zwei kurzen Einsatzzeiten im Pazifik 1939 und 1940/41 blieb sie im Atlantik. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Europa war sie an Neutralitätspatrouillen beteiligt, nach der deutschen Kriegserklärung an die USA am 11. Dezember 1941 überwachte sie Schiffe Vichy-Frankreichs, die in der Karibik stationiert waren. Auch der nächste Einsatz erfolgte gegen Vichy-Frankreich: am 8. November 1942 unterstützte sie die Landung amerikanischer Truppen bei Port Lyautey (heute Kenitra) in Marokko, ein Teil von Operation Torch. Dabei zerstörte sie mit ihrer Artillerie mehrere französische Geschützstellungen. Ihre Seagull-Bordflugzeuge bombardierten mit Wasserbomben (!), deren Zünder modifiziert worden waren, Panzer sowie weitere Geschützstellungen.

Ab Januar 1943 war Savannah gemeinsam mit dem Geleitträger Santee und Zerstörern Teil der Patrouillen im Südatlantik gegen deutsche Blockadebrecher. Dabei fing sie am 10. März zusammen mit dem Zerstörer Eberle den deutschen Blockadebrecher Karin ab, der sich selbst versenkte - wobei elf Mann eines Enterkommandos der Eberle getötet wurden, als die Sprengladungen auf der Karin hochgingen. Im Mai fuhr Savannah ins Mittelmeer, um Operation Husky, die Landung auf Sizilien, zu unterstützen. Ab dem 10. Juli bis zum 5. August unterstützte sie mit Artilleriefeuer die Landung und dann den Vormarsch der Truppen bis nach Palermo, u.a. feuerte sie gegen Panzer und deutsche und italienische Stellungen. Während dieser Einsätze verlor sie drei von vier Seagull-Bordflugzeugen, die von deutschen Bf 109 abgeschossen wurden.

Nach der Eroberung Siziliens erfolgte ab dem 9. September 1943 die alliierte Landung bei Salerno (Operation Avalanche). Savannah unterstützte erneut die Landung, u.a. zerstörte sie eine Eisenbahnbatterie. Immer noch vor Salerno wurden sie und ihr Schwesterschiff Philadelphia von deutschen Dornier Do 217 K-2 mit Fritz X (FX-1400)-Lenkbomben angegriffen. Die erste Bombe verfehlte die Philadelphia knapp, wobei mehrere Mann der Besatzung verwundet wurden. Die nächste traf Savannah, durchschlug Turm 3 und explodierte in der Vorkammer der Munitionskammer. Ein solcher Treffer hätte theoretisch das Schiff vernichten können, allerdings wurde ein Teil des Schiffsbodens herausgesprengt, so dass das einfließende Wasser eine größere Explosion verhinderte. Auch das Schwesterschiff Boise, das in der Schlacht von Cape Esperance am 11. Oktober 1942 von einer tauchenden 20,3 cm-Granate im Magazin getroffen worden war, war durch den folgenden Wassereinbruch gerettet worden. Auf Savannah kam es trotzdem zu einigen kleineren Explosionen und einen größeren Brand, wodurch insgesamt 197 Mann der Besatzung getötet und 15 schwer verwundet wurden. Erst nach acht Stunden waren die Feuer und der Wassereinbruch unter Kontrolle, so dass Savannah aus eigener Kraft Malta für Notreparaturen anlaufen konnte.

Savannah wurde für vollständige Reparaturen zur Marinewerft Philadelphia geschickt, die sie im Dezember 1943 erreichte. Die Gelegenheit wurde genutzt, um den Leichten Kreuzer umfangreich zu modernisieren. Erst im September 1944 war Savannah wieder einsatzbereit - zu einem Zeitpunkt, als es für alliierte Kreuzer im Atlantik nicht mehr viel zu tun gab. Sie wurde hauptsächlich als Schulschiff eingesetzt. Dazu geleitete sie im Januar und Februar 1945 den Schweren Kreuzer Quincy, die den Präsidenten Roosevelt zu der Konferenz von Jalta brachte. Nach Kriegsende transportierte sie mehrfach amerikanische Soldaten zurück in die USA (Operation Magic Carpet) bevor sie am 22. April 1946 zur Reserveflotte in Philadelphia verlegt wurde. Am 3. Februar 1947 wurde sie endgültig außer Dienst gestellt. Sie blieb zusammen mit dem ebenfalls modernisierten Schwesterschiff Honolulu in Reserve, während die restlichen Schiffe der Brooklyn- und St. Louis-Klasse an die argentinische, brasilianische und chilenische Marine verkauft wurden. Erst am 1. März 1959 wurde sie aus der Schiffsliste gestrichen und am 25. Januar 1966 zum Verschrotten verkauft.

Savannah erhielt drei battle stars für ihre Einsätze im Zweiten Weltkrieg.

Das Modell

Mein Modell stellt die Savannah nicht im Zustand während der Landung bei Salerno (Operation Avalanche) dar, als sie von einer Fritz X getroffen wurde, sondern im Zustand nach den Reparaturen der Schäden und der parallel erfolgten Modernisierung. Diesen Zustand gibt der Bausatz von Niko Model wieder. Aus diesem Bausatz könnte auch die Honolulu im gleichen Zustand dargestellt werden. Außerdem könnte der Rumpf und ein Teil der Aufbauten verwendet werden, um die brasilianische Barroso (ex Philadelphia) sowie die chilenische O'Higgins (ex Brooklyn) zu bauen - beides Schiffe, die mit Wülsten nachgerüstet wurden. Allerdings müsste man bei den Aufbauten viel selbst machen oder diese aus dem Bausatz der Nashville von Niko Model nehmen (oder viel einfacher: man nimmt den Bausatz der Philadelphia von Niko Models, der den Rumpf mit Wülsten und die 12,7 cm L/25-Einzelflak enthält).

Niko Model stellt die Savannah etwa im Zustand vom September 1944 dar. Allerdings ist der Steuerstand offen dargestellt, während er tatsächlich bis etwa Mitte 1945 gepanzert war. D.h. ich musste den gepanzerten Steuerstand nachrüsten. Er besteht aus Plastikplatten, die nach den Plänen im Profile Morskie-Heft in Form geschliffen wurden. Ansonsten war der Bau relativ problemlos. Leider legt Niko Model keine gedrehten Rohre und Masten bei. 15,2 cm- und 12,7 cm-Rohre hatte ich keine vorrätig und da dieser Bau unter einem gewissen Termindruck stand, habe ich die Resinrohre verwendet - wovon ich stark abraten muss. Sie sind einfach zu dick und neigen dazu, krumm und schief zu sein. Für die Masten habe ich Teile von BMK sowie diverse Drahtteile verwendet.

Der umfangreiche Fotoätzteilsatz, der im Bausatz enthalten ist, reicht für das Modell aus. Lediglich mehr Körbe für Rettungsmittel wären notwendig. Laut Anleitung sollen neben den achteren Aufbauten pro Seite nur je zwei 2 cm Oerlikon stehen, tatsächlich standen hier drei. Glücklicherweise liegen genügend fotogeätzte 2 cm bei, so dass ich nur den Sockel aus gezogenem Gussast ergänzen musste. Die geätzten Rahe habe ich an beiden Masten mit Drahtteilen aufgedickt. Die Takelung erfolgte mit schwarzem UNI-Caenis-Angelgarn (20 Denier), das mittels Hitze, genauer einem Heißwachsspachtelgerät, nachgespannt wurde.

Da ich innerhalb des letzten Jahres acht Curtiss SOC Seagull Bordflugzeuge gebaut habe, wollte ich für die Savannah nicht schon wieder welche herstellen. Auf Fotos bei Navsource sowie im Profile Morskie-Heft vom April 1945 bzw. Dezember 1944 sieht man Curtiss SC Seahawk. Ansonsten unterscheidet sich der Bauzustand des Schiffs nicht, lediglich der Splitterschutz um die vorderen 4 cm-Vierlinge ist hell und nicht dunkel gestrichen. Also habe ich meine Savannah mit zwei Seahawk verziert, die aus Trumpeter-Teilen gebaut wurden. Die Propeller stammen aus dem Satz von GMM für US Kreuzer und Zerstörer.

Die Savannah war nach der Modernisierung im Schema 22 gestrichen. Für die dunkle Farbe habe ich Vallejo 59 Französisch Blau, für die helle 153 Hell Blaugrau benutzt. Interessant ist, dass im Gegensatz zu den Regeln für das Schema 22 Teile der Aufbauten mittschiffs dunkel gestrichen waren. Die Decks sind mit 166 Dunkelgrau bemalt. Gealtert habe ich den Rumpf, indem ich trocken mit 58 Graublau Hell und 160 Neutralgrau feine Streifen senkrecht zur Wasserlinie aufgebracht habe. Die Seahawk ist mit 151 Grauweiss und abgedunkeltem 57 Enzianblau Hell angestrichen. Die Kennnummern sind von Midship Models, während die Markierungen der Seahawk von Starfighter Decals sind.

Hier noch ein Vergleich der Savannah im modernisierten Zustand mit der Nashville (vorne) im praktisch ursprünglichen Bauzustand der Brooklyn-Klasse und der Helena (hinten) der St. Louis-Klasse, die wie Savannah mit vier 12,7 cm L/38-Zwillingstürmen ausgerüstet war:

Quellen

Lars