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Gokstad Wikingerschiff (1/72, Emhar) von Alex, Maxi und Wolfgang Kring Drucken
Donnerstag, 31. Oktober 2013 um 06:00

 

Wikingerschiff-Spezial

 

Seit dem ersten Überfall auf das britisches Kloster Lindisfarne im Jahr 793 verbreiteten die Wikinger ĂŒber Generationen Angst und Schrecken an den KĂŒsten Europas. Der Bau eines ihrer Drachenschiffe wurde nun im fernen Bayern zum Projekt fĂŒr zwei Generationen.

Das Wikingerschiff „Gokstad“ von Emhar kam schon vor einigen Jahren auf den Markt, nachdem es bereits seit mehreren Jahren angekĂŒndigt lange auf sich warten lassen hatte. Dementsprechend groß war auch meine Vorfreude und dementsprechend groß dann auch meine EnttĂ€uschung, als ich das Modell in den HĂ€nden hielt. Die Kanten waren rund und weich, Ă€hnlich warmer Butter; am ehesten vergleichbar mit alten BausĂ€tzen aus den 50’ern und 60’ern; reihenweise Sinkstellen anstelle von Holzmaserung, lediglich die wie verschmolzene Schallplatten aneinander klebende Schilde zeigten einige tiefe Furchen. Das glatte, glĂ€nzende Segel war ebenfalls ohne OberflĂ€chenstruktur dargestellt und so wanderte das Modell sehr schnell weit hinten auf die Ablage.

FamiliĂ€re Entwicklungen förderte es nun wieder zu Tage und zurĂŒck auf meinen, oder -inzwischen besser gesagt- auf unseren Basteltisch. So ist das eben, wenn man zwei neugierige Söhne hat, die als Wikinger verkleidet durch die Wohnung toben, alles ĂŒber Normannen wissen wollen und dann, nach erfolgreichem Beutezug auch noch mit großen, leuchtenden Augen und der Schachtel von Emhar vor einem stehen. Da ist man genauso chancenlos, wie seinerzeit die Mönche von Lindisfarne.

Nach dem Zusammenkleben der beiden RumpfhĂ€lften, das besonders an den beiden Schiffsenden etwas sanfter Gewalt bedurfte, ging es an das Imitieren der fehlenden Holzmaserung. Mit einer DrahtbĂŒrste rĂŒckte ich dem Modell zu Leibe und zerkratzte sĂ€mtliche (spĂ€ter sichtbaren) OberflĂ€chen an Rumpf, Deck und den Anbauten.

Die Montage des aus Segmenten bestehenden Decks war interessant, da die Einzelteile in einer wahllos erscheinenden Reihenfolge in den Rumpf einzukleben waren. Meine Jungs hatten Spaß am Suchen des jeweils passenden Teiles. Auch beim Grundieren der Teile waren meine Helfer hoch konzentriert bei der Arbeit.

Entgegen dem ersten Eindruck entwickelte sich langsam ein schönes, elegantes Schiffchen. Die ĂŒberschaubare Zahl der Bauteile ist schnell montiert. Die Bauanleitung ist einfach und verstĂ€ndlich und auch bei der Passgenauigkeit gibt es keine Probleme.

WĂ€hrend des gesamten Projektes durchlöcherten mich meine beiden Nachwuchsforscher mit Fragen ĂŒber die Normannen und ihre Drachenboote. Um ihnen das Thema etwas anschaulicher zu prĂ€sentieren entschloss ich mich ein kleines Diorama rund um das Modell zu bauen, das einen fĂŒr die Wikinger typischen Überfall zeigt. Der Bau von Emhars Gokstad fing an, Spaß zu machen. Die ideale ErgĂ€nzung fĂŒr das Dio war das liebevoll und detailreich in Resin gestaltete „Wikingerhaus II“ von „norsemen miniatures“. Leicht modifiziert sollte es als FischerhĂŒtte am Strand stehen. Um eine kindgerechte Darstellung zu gewĂ€hrleisten erzĂ€hlte ich, dass die Bewohner rechtzeitig fliehen konnten und ihr Haus verlassen hatten.

Schon die erste Stellprobe auf dem aus Styroporplatten gebauten Untergrund gefiel meinen Söhnen. Am liebsten hĂ€tten sie gleich die Figuren dazu gestellt, die sie sich aus mehreren Packungen (Emhar, Revell, HĂ€t und Zvezda) ausgesucht und bereits von ihren GussĂ€sten abgetrennt hatten. Dann entschieden sie sich aber doch lieber wieder fĂŒrs Rumtoben im Kinderzimmer. Nachdem ich sĂ€mtliche Römer, Wehrmachtssoldaten und einen britische WW1 Piloten aussortiert hatte blieben mir etwa 40 Wikinger). Diese befreite ich von den angegossenen Sockeln und klebte jedem einen dĂŒnnen Stahlstift in einen Fuß, um sie spĂ€ter einfach auf den Untergrund (Styropor) stecken zu können. Da das Bemalen der Figuren nicht unbedingt zu meinen Lieblingsaufgaben gehört und ich hier außerdem ĂŒber das Schiffsmodell berichten will, werde ich im Weiteren auch nicht nĂ€her auf die Figuren eingehen.

Die Holzoptik der Gokstad kam durch mehrere Schichten verschiedener Brauntöne zustande. Teils deckend aufgetragen, teils trockengemalt ergaben diese einen leicht verwitterten und gebrauchten Eindruck des Bootes. Die Abbildungen auf dem bekannten Teppich von Bayeux inspirierten mich zur farblichen Gestaltung der oberen Planken, auch wenn eine derartige Bemalung am Originalschiff laut Forschung nicht existierte. Die Schilder meiner Wikinger entnahm ich den verschiedenen Figurensets, da mir die von Emhar so ganz und gar nicht gefielen. Auch hierbei ließ ich meiner Fantasie –und der meiner Jungs- etwas mehr Spielraum und beschrĂ€nkte mich nicht auf die nachgewiesene, abwechselnd schwarz gelbe Bemalung der originalen in Gokstad gefundenen Schilde.

Das Segel besteht aus Papier. Dieses weichte ich in verdĂŒnntem, wasserlöslichem Holzleim ein. Erst nach der Bemalung mit den kinderfreundlichen rot-weißen Streifen trĂ€nkte ich es nochmals mit Wasser und verdĂŒnntem Holzleim, um es am Schiff in die passende Form bringen zu können.

Die Styroporplatten am Ufer erhielten –zur Abrundung der Formen- als Erstes einen Überzug Spachtelmasse aus dem Baumarkt. Nach dem Austrocknen kam eine dĂŒnne Schicht Acrylgel darĂŒber, auf das ich feinen Sand streute. Wiederum eine Trocknungsphase spĂ€ter kippte ich allen ĂŒberflĂŒssigen Sand ab und bemalte den Strand mit stark verdĂŒnnten Enamelfarben. FĂŒr die WasserflĂ€che verwendete ich dasselbe Acrylgel, das sich -einmal getrocknet- mit den ĂŒblichen Enamelfarben problemlos ĂŒbermalen lĂ€sst. Erst spĂ€ter, nach dem Einpassen des Schiffes, kamen noch ein paar dĂŒnne Schichten Gel zum Modellieren der WasseroberflĂ€che dazu.

WĂ€hrend mehreren Trocknungsphasen, in denen ich nicht aus „Asterix und die Normannen“ oder dem Buch „Die Wikinger“ aus der Serie „WAS IST WAS“ vorlesen musste, schmökerte ich in Ă€lteren Modellfan-Heften und holte mir bei den Figuren- und Dioramenbauern ein paar Anregungen zur etwas lebhafteren Gestaltung des Ufers.

Die Takelage der Gokstad blieb an mir hĂ€ngen. Meinen Helfern war das Knoten und FĂ€den ziehen nach kĂŒrzester Zeit zu langweilig. Zum Ausgleich war ihr Enthusiasmus beim Aufstellen der inzwischen fertig bemalten Figuren umso grĂ¶ĂŸer. Aus dem kinderfreundlichen Diorama wurde bald ein wĂŒstes Durcheinander schwertschwingender Wikinger. So wie es damals eben war, wenn die Drachenboote landeten


Mit dem Gokstad Wikingerschiff ist Emhar sicherlich nicht der große Wurf gelungen, dennoch bietet das Modell eine solide Ausgangsbasis, auf der sich mit ein wenig Eigenleistung aufbauen lĂ€sst. Außerdem machte die schöne gemeinsame Zeit mit meinen Jungs unglaublich Spaß und das Ganze somit unbezahlbar. So bleibt mir nur noch zu sagen: Danke Maxi und danke Alex! Mein Großer will inzwischen ArchĂ€ologe werden und Wikingerschiffe ausgraben, der Kleine bleibt vorerst lieber LokfĂŒhrer. Sagt er, grinst unter seinem Helm hervor und stĂŒrmt mit Rundschild und Schwert davon. Bei Odin!

Verwendete BausÀtze und Zubehör:

  • Emhar „Gokstad“ 9th Century Viking Ship Kit EM9001
  • Norsemen miniatures „Wikingerhaus II“ Art Nr. 1707203
  • Zvezda „Medieval life boat“ Art Nr. 9033
  • Emhar „Viking Oarsmen“ Art Nr. 7218
  • Zvezda „Vikings“ Art 8046
  • Revell „Angelsachsen“ Art Nr 02551
  • HĂ€T „Robin Hood“ Art Nr.7015

Alex, Maxi und Wolfgang Kring