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Russisches Ballistisches Raketen-U-Boot der Delta III-Klasse (1/700, Dragon) von Filipe Ramires Drucken
Donnerstag, 05. September 2013 um 06:00

Nach meinem letzten Artikel über HMS Tireless am Nordpol präsentiere ich nur ein weiteres U-Boot, was ich aus der Dragon Modern Sea Power Series gebaut habe - in diesem Fall ein sowjetisches/russisches U-Boot der Delta III-Klasse im Maßstab 1/700.

Das Original

Die Delta III-Klasse (Projekt 667BDR Kalmar) war eine Weiterentwicklung der vorangegangen Delta I und II-Klassen. Sie wurde von S.M. Koralyow entworfen und war die erste Klasse von russischen U-Booten mit ballistischen Raketen, die Mehrfachgefechtsköpfe (MIRV) trugen (drei bis sieben atomare Sprengköpfe pro R-19/SS-N-18-Rakete, von denen 16 mit geführt wurden). Zwischen 1975 und 1984 wurden 14 Boote der Klasse in Sewerodwinsk gebaut. Heute sind die meisten dieser Boote außer Dienst gestellt oder bei der Reserveflotte. Nur eine sehr kleine Zahl ist immer noch bei der Pazifikflotte aktiv.

Die Länge des Rumpfs ist 155 m und die Verdrängung beträgt 8940 t über Wasser und 10 600 t unter Wasser. Neben den 16 ballistischen Raketen ist jedes dieser U-Boote mit vier 53,3 cm- und zwei 40,6 cm-Torpedorohren ausgerüstet. Zwei Reaktoren und zwei Dampfturbinen leisten zusammen 60 000 PS und treiben zwei Schrauben an, womit den U-Booten eine Geschwindigkeit zwischen 14 (über Wasser) und 25 kn (unter Wasser) ermöglicht wird.

Das Modell

Der Bausatz des Delta III stammt von Dragon und enthielt dazu noch ein japanisches Jagd-U-Boot der Yushio-Klasse, eine P-3C Orion sowie ein paar HSS-2B Sea King-Hubschrauber der japanischen Marine. Von den Bausätzen der Modern Sea Power Series von Dragon ist der des Delta III wahrscheinlich der detaillierteste. Er besteht aus 14 Teilen und enthält auch Abziehbilder für die Luken und Tiefenstandsmarkierungen. Der Rumpf besteht aus zwei Teilen und ist wie üblich nicht an der Wasserlinie geteilt, sondern 3 bis 4 mm entfernt von dieser. Wenn man ein Wasserlinienmodell bauen will, muss man entweder diese 3-4 mm zu viel entfernen oder die Wasserfläche so gestalten, dass man den Rumpf entsprechend tief versenken kann (genau dies habe ich gemacht).

Bei einer Vollrumpfvariante muss man darauf achten, dass man gute Quellen, d.h. Pläne und insbesondere Fotos hat, die die Schrauben und Wellen sowie die Torpedorohre zeigen. Die des Modells sind nicht vorbildgetreu, was nicht wirklich überraschend ist, wenn man bedenkt, wie wenig Informationen bekannt waren, als diese Bausätze herausgekommen sind.

Der Bau des Modells ist einfach, was es mit den meisten anderen U-Booten in diesen Maßstab gemeinsam hat. Am Rumpf musste ich lediglich das vertikale Ruder am Heck überarbeiten, da einige Sensoren dort fehlten. Auch hier sind eigene Recherchen empfehlenswert, da nicht alle U-Boote der Klasse dies aufwiesen. Dazu muss man wissen, dass diese U-Boote im Laufe der Zeit modifiziert wurden und man Unterschiede bei dem gleichen Boot zu verschiedenen Zeitpunkten feststellen kann. Die Ruder, Sonaranlagen, Schrauben und die Ausrüstung an Turm sind gute Beispiel für derartige Modifikationen.

Der Turm des U-Boots besteht aus fünf Teilen. Mit etwas Sorgfalt und Verspachteln ist der Turm leicht gebaut und am Rumpf angebracht. Auf der Oberseite des Turms habe ich die Öffnungen der Brücke aufgebohrt, so dass Besatzungsmitglieder dort wie beim Original stehen können. Ein Stück fotogeätzter Reling wurde benutzt, um die Windschutzscheiben der Brücke darzustellen. Periskope, Radaranlagen und andere Antennen sind im Bausatz enthalten und sind, im Vergleich zu anderen Bausätzen der Serie, gut detailliert. Trotzdem entschied ich mich die Ausfahrgeräte mit Messingdraht, Fotoätzteilen und Plastikteilen selbst zu machen.

Nach dem der Turmkomplex fertig war, ging es ans Bemalen. Das Bemalen genoss ich bei diesem Modell am meisten. Es gibt buchstäblich hunderte von Detail an einem U-Boot-Rumpf – von den typischen Öffnungen im Rumpf, über die Raketensilos, Luken, Sonaranlagen und deutlich sichtbare Rumpfplatten. All diese haben das Potential für verschiedene Formen von Alterung, Schatten und Rost. Für ein so einfach zu bauendendes Modell ist die Bemalung der beste Weg, um es zu einem ansprechenden Modell zu machen. Nach der Grundierung trug ich mit der Spritzpistole ein bläuliches Dunkelgrau auf, um die normale Farbe des Modells darzustellen. Danach begann ich mit der Alterung mit Acrylfarben. Schwarz wurde benutzt um einzelne Rumpfplatten zu markieren und mit Trockenmalen einzelne Details der oben erwähnten Details zu betonen. Überschüssige Farbe wurde vorsichtig mit einem normalen Baumwolllappen – und etwas Wasser, falls die Farbe bereits trocken war – entfernt. Nach diesen Detailbemalungen habe ich das Modell mit stark verdünnten weißen und schwarzen Acrylfarben bemalt, um die Alterung der Rumpfplatten darzustellen. Das ist nichts besonders. Überschüssige Farbe sollte wie oben erwähnt entfernt werden. Zuletzt habe ich die Ausfahrgeräte am Turm bemalt: Silber für die Masten, mattes Dunkelgelb für die Messingteile sowie das übliche Schwarz und Grau je nach Sensor. Danach brachte ich einen verdünnten Lack auf, um die Bemalung zu schützen und ihr ein metallisches Aussehen zu geben. Noch eine Handvoll Figuren auf der Brücke und auf dem Deck – und das U-Boot war fertig.

Ursprünglich sollte das Modell für ein Diorama einer sowjetischen U-Boot-Basis verwendet werden, was ich bauen wollte, als ich noch jünger war (ich schätze, dass jeder von und Schiffsmodellbauer diesen Traum hatte, als wir noch jünger waren). Natürlich wurde dieses Diorama nie fertig – glücklicherweise, da sonst diese heute seltenen Bausätze von Dragon für ein Kinderprojekt verschwendet worden wären. Deshalb entschied ich mich für ein einfaches Diorama mit einem Boomer, der auf der Oberfläche mit hoher Geschwindigkeit fährt. Zu dieser Zeit begann ich mit auf Acrylgel basierenden Methoden zu experimentieren und dieses Diorama sollte mein erster Versuch einer sorgfältiger ausgearbeiteten Wasserfläche werden. Die Basis des Dioramas besteht aus Holz und der obere Teil besteht aus Balsaholz, so dass ich leicht die 3-4 mm wegschnitzen konnte, um den Rumpf auf das Niveau der Wasserlinie versenken zu können. Nach dem ich die Position des U-Boots markiert habe, wurde 1 mm dicker Karton auf dem Balsa angebracht, um zu verhindern, dass das Acrylgel oder die Farben in Kontakt mit dem Balsa kommen. Feuchtigkeit verträgt sich mit Balsaholz schlecht. Der Karton wurde so angebracht, dass das U-Boot-Modell später passte. Die starken Wellen habe mich mit geringen Mengen Milliput modelliert, was sorgfältig auf den Karton angebracht wurde, um so genau wie möglich an das Wellenmuster des U-Boots darzustellen. Für das Modellieren der Wellen benutze ich alte Zahnbürsten und einfache alte Pinsel.

Die Bemalung erfolgte mit drei verschiedenen Blautönen. Zuerst kam eine Schicht mit Preußisch Blau, das einen Eindruck von Tiefe vermitteln sollte. Darauf kam eine dünne Schicht Dunkelblau, um die Oberfläche des Meeres darzustellen. Als drittes wurde eine dünne Schicht von Dunkelblau gemischt mit Dunkelgrün aufgetragen. Wellenkäme wurden natürlich weiß bemalt und, um nicht scharfe Grenze zwischen dem Blau des Meers und dem Weiß der Wellen zu erzeugen, wurden sehr dünne Schichten des Gemisches von Dunkelblau und Dunkelgrün aufgetragen, die das richtigen Aussehen von turbulenten Wasser erzeugen. Dieser Vorgang wurde mehrfach wiederholt – zuerst mit dunkleren Farbtönen und danach mit immer helleren. Zuletzt wurde Acrylic Gloss Medium Gel als dünne Schicht über der gesamten Wasserfläche verteilt, um ihr einen gleichförmigen Glanz zu geben. Danach wurde eine dickere Schicht des glänzenden Acrylgels aufgetragen, was länger zum Trocknen braucht, so dass damit Wellen geformt werden können. Damit wurden die Wellenwirbel um das U-Boot herum modelliert. Als Abschluss wurde noch einmal eine dünne Schicht des Gels aufgetragen.

Filipe Ramires

IPMS Fine Waterline Special Interest Group

(übersetzt aus dem Englischen von Lars)