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USS Constitution in 1/350 - Teil 1 Drucken
Montag, 14. Januar 2013 um 07:00

 

29.12.1812 - 200 Jahre USS Constitution vs. HMS Java

 

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Quelle: wikipedia commons

Am 29.12.2012 war der 200. Jahrestag des Gefechts zwischen den Fregatten USS Constitution und HMS Java, eines der Fregattenduelle im Britisch-Amerikanischen Krieg von 1812. Zu diesem Jahrestag haben wir bereits wÀhrend unserer Weihnachtspause eine Fotogalerie der Constitution im heutigen Zustand veröffentlicht. Hier ist der erste der zu diesem Jahrestag versprochenen weiteren Artikel:

Bei der Durchsicht der Liste mit den Jahrestagen stach mir einer ganz besonders ins Auge: das Gefecht zwischen USS Constitution und HMS Java am 29.12.1812. Die Constitution als eines der wenigen erhalten gebliebenen historischen Segelschiffe ĂŒbte schon lĂ€nger einen gewissen Einfluss auf mich aus. Das sich zum 200sten Mal jĂ€hrende Datum nahm ich zum Anlass mich intensiver mit dem Geschehen und den beteiligten Schiffen auseinanderzusetzten. WĂ€hrend es von der Java kaum Material gibt, erhĂ€lt man von deren Gegenspielerin eine FĂŒlle an Informationen, Bilder und Planzeichnungen. Schließlich bestellte ich mir den Anatomy oft the Ship-Band der USS Constitution. Soweit ich das beurteilen kann, sind die darin enthaltenen Zeichnungen weitestgehend auf einen frĂŒhen Bauzustand des Schiffes bezogen und falls abweichend mit der entsprechenden Jahreszahl des AusrĂŒstungszustandes gekennzeichnet. Diese sollten mir als Grundlage dienen, um ein Modell der Fregatte zu bauen.

BeflĂŒgelt durch die guten Erfahrungen beim Scratchbau der Granado beschloss ich anlĂ€sslich des Jahrestages das Schiff in meinem bevorzugten Maßstab 1/350 zu planen. Die Hauptansichten und –schnitte sind erfreulicherweise oft in 1/175 abgedruckt, so dass ein abgenommenes Maß nur halbiert werden muss. Da ich noch ein paar Monate Vorlauf bis zu dem historischen Datum hatte, begann ich akribisch den Spanten- und Linienriss zunĂ€chst in mein CAD-Programm zu ĂŒbernehmen, da ich mir das SpantgerĂŒst frĂ€sen lassen wollte. Gleichzeitig wollte ich bei dieser Gelegenheit herausfinden, wie viel Arbeit es bedeutet die Linien eines historischen Segelschiffes zu digitalisieren und daraus eine saubere Konstruktion mit tangentenstetigen FlĂ€chen zu erzeugen. Mehrere Abende verbrachte ich damit jeden einzelnen Spant und Horizontalschnitt zu ĂŒbertragen. In die Planung floss ebenfalls mit ein, dass ich das Batteriedeck vollstĂ€ndig darstellen wollte.

Nachdem ich diese Fleißaufgabe absolviert hatte konstruierte ich aus den Spanten und Decks WandstĂ€rkenteile Ă€hnlich dem GerĂŒst von Kartonmodellen nur in anderen Dicken.

Ein Arbeitskollege war so freundlich mir anschließend anhand der Daten die benötigten Teile zu frĂ€sen. Nachdem ich die einzelnen Spanten beschriftet und versĂ€ubert hatte, konnte ich sie zusammenstecken. Den Decksprung habe ich nur in LĂ€ngsrichtung vorgesehen.

Beim Verkleben des SpantgerĂŒsts verzichtete ich auf Standart-Plastikkleber. Ich befĂŒrchtete, dass sich die Klebestellen auf dem Batteriedeck abzeichnen könnten und sich das Gerippe verziehen könnte. Daher benutzte ich weitestgehend Acrylgel dessen Klebekraft ausreichend ist, aber das Material nicht anlöst. An einigen wenigen Stellen half ich mit ein paar Tröpfchen Sekundenkleber nach.

Die Decks sind sog. V-Groove-Platten von Evergreen. Zwischen den Ebenen und fĂŒr das Schanzkleid habe ich keine weiteren Spanten vorgesehen.

Als nĂ€chstes musste ich den Hohlraum verfĂŒllen. ZunĂ€chst markierte ich mir mit Maskiertape den Übergang zwischen Planken und Kiel.

Hier ergab sich eine wunderbare Möglichkeit alte Spachtelmasse aufzubrauchen. In mehreren DurchgĂ€ngen brachte ich die Masse auf und lies sie anschließend 24 h durchhĂ€rten. Mit Nassschleifpapier und mehrere Abenden Freizeit brachte ich die Rumpfkontur in Form. Immer wieder musste ich hierbei Nachspachteln und erneut Schleifen.

Irgendwann kam jedoch der Moment, an dem ohne der restlichen Kontur des Schiffes das in Form Bringen wenig Sinn mehr machte. Dies war der Zeitpunkt mit dem Aufbau der WĂ€nde des Batteriedecks und des Schanzkleides auf dem Oberdeck zu beginnen.

Ich klebte ĂŒber die ganze LĂ€nge des Decks ein Profil, welches bis zur Unterkante der StĂŒckpforten reicht. Dabei orientierte ich mich an den Kanten des Decks, da diese gleich der Außenkontur des Überwasserschiffs in diesem Bereich sind.

Als nĂ€chstes waren die StĂŒckpforten an der Reihe. Ich nahm das Maß zwischen dem Heckspiegel und dem ersten Trempelrahmen von achtern aus von den AOTS PlĂ€nen ab und lĂ€ngte ein im Querschnitt passendes ProfilstĂŒck ab. Da mir dies als Maßbezug fĂŒr die restlichen Pforten dienen sollte, musste ich es sorgfĂ€ltig an die vorgesehene Stelle kleben.

Als Platzhalter fĂŒr die Breite des Durchbruchs der StĂŒckpforten dienten mir quadratische Messingprofile mit 1 mm und 1,5 mm Breite, da ich 2,5 mm benötigte ein derartiges Profil aber nicht griffbereit hatte. Die genaue LĂ€nge der FĂŒllstĂŒcke maß ich mir aus meinen zuvor angefertigten CAD-Daten. Abwechselnd backbord- und steuerbordseitig klebte ich die WandstĂŒcke an. In den Pausen die sich durch die Trocknungszeit des Klebers ergaben plante ich meine nĂ€chsten Arbeitsschritte.

Kurz vor dem Bug klebte ich zuerst an den Steven ein WandstĂŒck mit etwas ÜberlĂ€nge, da sich trotz aller Sorgfalt immer ein paar Ungenauigkeiten einschleichen können (und ich meinen Berechnungen nicht ganz hundertprozentig vertraute). Das letzten WandstĂŒcks gab mir schließlich die hintere Kante der vordersten StĂŒckpforte vor. Mit einem Skalpell und einer Vierkantfeile erweiterte ich zum Bug hin die Öffnung auf das gewĂŒnschte Maß.

Abschließend setzte ich oben eine weitere durchgehende Profilleiste auf. Um den MastfĂŒĂŸen einen sicheren Halte zu garantieren verklebte ich mehrere dicke Profilleisten zu drei Klötzen. An den Positionen der Masten setzte ich diese dann auf das Batteriedeck.

Parallel dazu machte ich mir Gedanken ĂŒber die Details des Schiffes. Als nĂ€chstes wollte ich die Lafetten der 24 PfĂŒnder im Batteriedeck bauen. Weil diese spĂ€ter kaum noch einsehbar sein wĂŒrden, gestaltete ich sie auch nur rudimentĂ€r. Den Grundkörper bildeten Vierkantprofile mit seitlich aufgesetzten Platten. Somit ist die korrekte Höhe der Kanonenrohre und der Seitenhalt gewĂ€hrleistet.

Anschließend befasste ich mich mit den Marsen. Diese haben bei der Constitution eine beachtliche GrĂ¶ĂŸe und es lassen sich einige Details darstellen. Die errechneten Maße zeichnete ich auf 0,25 mm Platten auf und schliff sie in Form. Als nĂ€chstes klebte ich ebenfalls 0,25 mm dicke und 0,75 mm breite Leisten mit etwas ÜberlĂ€nge auf.

Die ÜberstĂ€nde schnitt ich dem Verlauf der Außenkontur der Mars folgend ab und schliff sie in Form. Umlaufend klebte ich eine weitere 0,25 mm x 1 mm messende Leiste in mehreren StĂŒcken auf.
An den Unterseiten befestigte ich zuerst die Trestletrees an die ich dann die Crosstrees anstĂŒckelte. Der Abstand der ersteren wird durch die Mastdurchmesser vorgegeben.

Der vorerst letzte Arbeitsgang an den Marsen war das Anbringen der Marsreling. Dazu klebte ich 0,5 mm Rundmaterial auf die achtere Kante. Obenauf setzte ich anschließend ein 0,5 x 0,5 mm Profil. 

Sven