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Wikingerschiff (Osebergschiff) (1/60, Heller) von Albrecht Baier Drucken
Donnerstag, 07. Juni 2012 um 06:00

In den Tiefen meiner gelagerten Modellbausätze fiel mir neulich das Osebergschiff von Heller in die Hand. Seit Jahrzehnten lagert der Bausatz schon dort. Beim Öffnen und Sichten des Inhalts stach sofort der schön verzierte Bug und Achtersteven ins Auge. Die übersichtliche Anzahl der Teile bewog mich den Kit mit an meinen Modellarbeitsplatz zu nehmen und endlich als kleines Modell zwischen den größeren Projekten einfließen zu lassen.

Übrigens ist hier bei Modellmarine auch bereits eine Bausatzvorstellung des Kits zu finden.

Der Heller Bausatz wird schon viele Jahre nicht mehr produziert. Lediglich das Heller Oseberg Mini-Schiff in 1/180 ist seit langem bei SMER erhältlich. Hat aber mit dem großen Heller Kit nichts gemeinsam. Der hier beschriebene Kit wird mit 1/60 angeben. Was aber, wie oft bei Heller, nicht mit der Realität übereinstimmt. Obwohl der Bausatz aus relativ wenigen Teilen besteht, würde ich ihn nicht einem Anfänger empfehlen. Da ist der Revell-Bausatz des Wikingerschiffs einfacher zu bauen und die bessere Wahl.

Die beiden Rumpfschalen werden in einem spitzen Winkel verklebt und man kann die beiden Teile schlecht mit Klammern fixieren. Erschwerenderweise sind die beiden oberen Plankengänge als extra Teil auf die Rumpfkonstruktion aufzusetzen. Alles in allem eine fummlige Arbeit, die schon etwas Erfahrung erfordert. Die schön verzierten Steven sind auch extra Teile, die dann möglichst passend an den Rumpf angefügt werden. Keine Arbeit für einen Modellbaueinsteiger. Zwischenräume müssen gespachtelt werden, was sehr vorsichtig geschehen muss, um die Struktur nicht zu beschädigen und man muss aufpassen, dass man keinen Leim von den Fingern auf die Verzierungen schmiert.

Auch lässt der Heller Bauplan viele Fragen offen. Ganz wichtig: Das Deck muss eingebaut werden, bevor die oberen Plankengänge aufgesetzt sind. Der Plan zeigt hier mal wieder gar nichts. Die Passgenauigkeit ist noch ok, aber um Spachteln und Schleifen kommt man nicht umhin. Zwischen Deck und Rumpf sind an Bug und Heck seitlich Lücken, die ich mir beim Original so nicht vorstellen kann. Ich habe diese mit Plastikplatten geschlossen. Der schwarze Kunststoff erleichtert das Arbeiten auch nicht gerade. Man klebt ständig im Dunkeln.

Mit einer kräftigen mittelbraunen Grundfarbe und mehreren braunen Washings plus Trockenmalen habe ich das Schiff Ton in Ton lackiert. Auch die Verzierungen wurden nur in dieser Art behandelt, um als Holzschnitzerei zu wirken. In der Vergangenheit habe ich schon gesehen, dass Modellbauer das Schnitzwerk in Gold bemalt hatten, was aber wohl nicht Epochen-typisch ist.

Das dem Kit beiliegende Plastikteil für die Deckpersenning wurde entsorgt und durch einen Eigenbau ersetzt. Die beiden Enden mit den Pferdeköpfen wurden montiert und mit Schnur an Bug und Heck gesichert. Um den Mast kam ein Metallring der ebenfalls mit der Schnur verbunden wird. Die seitlichen Abspannungen werden an den Spanten gesichert (wie auf dem einen Bild zu sehen). Dann wurden Papiertaschentücher über das „Gerüst“ gelegt und mit stark mit Wasser verdünntem Weißleim, z.B. Ponal, eingestrichen. Ein ganz normaler Pinsel reicht hier aus. Das Papier passt sich wunderbar den Schnüren an und wird nach kurzer Zeit hart, so dass es bemalt werden kann. Die Falten die dabei entstehen, sind gewollt und ergeben sich beim Arbeiten auch von selbst. Man kann natürlich Menge und Größe mit dem Pinsel regulieren. Nachdem die Persenning fertig bemalt war, sieht sie wesentlich besser aus als das ursprüngliche Plastikteil.

Der Mast wurde gegen einen aus Holz ausgetauscht. Dieser ist viel stabiler und verbiegt sich nicht wie der dünne Plastikmast aus dem Kit.

Die Schilde des Bausatzes sind oval. Ob dies historisch korrekt ist, kann ich nicht sagen. In der Literatur, die mir zur Verfügung steht, sind immer nur runde Schilde angeführt. Die dazu gehörenden Decals des Bausatzes sind echt Banane. Die Motive sind nur mäßig detailliert und erinnern teilweise an Indianersymbole. Ich habe mir in einem Grafikprogramm neue Decals angefertigt und, um das ganze nicht zu bunt erscheinen zu lassen, nur die Varianten grün-weiß und rot-weiß abwechselnd gewählt. Da der Schiffstyp Oseberg eher ein Küstenfahrzeug war, sind Schilde mit nur zwei verschiedenen Symbolen vielleicht wahrscheinlicher. Eventuell ist man mit der ganzen Familie gerade unterwegs einen Freundschaftsbesuch drei Fjorde weiter zu machen. Auch die Persenning dient dann zum Schutz der Frauen und Kinder vor schlechtem Wetter.

Die seitlichen Halterungen für die Ruder sind beim Original Oseberg Schiff auch vorhanden und wurden auch im Kit zur Aufnahme der Ruder benutzt.

Das Plastiksegel mit einem schönen Nessi Ungeheuer Motiv ;-)) wurde auch entsorgt. Ersatz wurde ein Segel aus Leinen, das mit Airbrush in grünen Streifen lackiert wurde. Der aufgemalte Drache ist ein Motiv des alten Aurora Wikinger Schiffs aus den 1960er Jahren. Ein paar der Drachenschuppen wurden weggelassen, da das Motiv sonst eher chinesische Züge gezeigt hätte. Wie übrigens der ganze Aurora Kit. Bei SMER ist der heute immer noch im Handel. Aufgemalt wurde der Drachen von Hand mit dem Pinsel. Erst in komplett weiß grundiert, damit das Gelb des Rands besser deckt, dann den gelben Rand und zum Schluss schwarz ausgemalt.

Das Segel erhielt noch rundherum ein Liektau und wurde dann mit der Rah am Mast angebracht. Die Flagge wurde auch am PC in einem Grafikprogramm gesetzt.

Insgesamt war der Kit in ca. zwei Wochen fertig.

Geändert wurde allerdings Einiges:

  • Deck mit zusätzlichen Leisten seitlich und an den Enden dichtgemacht
  • Neue Decals für die Schilde erstellt
  • Neues Segel aus Leinen mit aufgemaltem Motiv gefertigt
  • Neuer Mast aus Holz
  • Neue Persenning mit komplettem Unterbau
  • Neue Flagge und neues Namensschild

Insgesamt gefällt mir das Erscheinungsbild des fertigen Modells sehr gut. Der Bau hat Spaß gemacht und man hat in kurzer Zeit ein schönes Modell. Es stellt einen netten Gegensatz zu meinem durch seine vielen farbigen Schilde recht bunten Revell Wikingerschiff dar, nicht zuletzt auch durch seine schönen Stevenverzierungen.

Als Bausatz unbedingt empfehlenswert, allerdings nicht für Modellbau-Einsteiger. Bleibt zu hoffen, dass der Kit irgendwann mal wieder am Markt zu haben ist. Zuletzt erschien er 1992 von Heller in einer Doppelpackung zur 500 Jahr Feier der Entdeckung Amerikas. Heller nutzte die Chance und hat eine 1000 Jahr Feier durch die Wikinger daraus gemacht. Der Kit hieß damals „Leif Eriksson - Jubiläumspackung“ und beinhaltet die beiden Heller Wikingerschiffe (Drakar Oseberg und Reine Mathilde – Guillaume le Conquerant).

Albrecht Baier