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Wikingerschiff (Revell, 1/60) von Albrecht Baier Drucken
Donnerstag, 01. Dezember 2011 um 07:00

Da ich in diesem Jahr nicht in Urlaub fahren konnte, blieben mir drei Wochen Zeit mich etwas intensiver um meine ungebauten Modelle zu kümmern. Um Platz in den Regalen zu schaffen, habe ich mal ein paar kleinere Modelle nacheinander weggebaut. Als erstes fiel mit das Wikingerschiff von Revell in die Hand.

Der Kit liegt schon ewige Zeiten bei mir und wartete darauf endlich gebaut zu werden. Zurzeit wird das Modell mit ansprechendem Deckelbild immer noch von Revell angeboten. Mein Kit ist noch eine alte Verpackungsversion von 1980! Damals mit einem fotografierten und gebautem Modell als Coverart wurde der Kit auch mit anderen Decals für die Schilde und einem anderen Motiv für das Segel angeboten.

Heute ist ein dicker Wikingerkopf als Segelverzierung im Kit Standard, damals war es ein stilisierter schwarzer Vogel. Beides kein schönes Motiv. Dafür sind die Decals der Schilde in der aktuellen Verkaufs-Version wesentlich schöner. Der Bau des Modells geht sehr schnell vonstatten, da nicht besonders viele Teile verbaut werden müssen. Den stilisierten Drachenkopf fand ich erst etwas seltsam, konnte aber in Büchern einen fast identischen Originalkopf entdecken.

Um nicht die sonst übliche Bauweise bei Wikingerschiffen (mit gesetztem Segel und angebrachten Rudern) zu zeigen, habe ich einen anderen Weg gewählt. Das Plastiksegel wanderte in den Müll und ich fertigte mir ein neues aus Leinen an. Dieses wurde mit einem Liektau eingefasst. Ein bisschen Näharbeit, die man auch als „Mann“ und Modellbauer hinbekommen kann. Das naturfarbene Leinen-Segel wurde in Bahnen abgeklebt und bekam mit Airbrush beidseitig einige grüne Streifen aufgespritzt. Auf sein Segelmotiv verzichtete ich, da das ganze gerefft auf den dafür vorgesehenen Halterungen liegen sollte.

Die Ruder wurden beim Original eigentlich auch auf den dafür vorgesehenen Stützen verstaut. Beim Modell stehen diese aber soweit auseinander, dass man die Ruder nicht auflegen kann. Die Stützen können auch nicht einfach enger zusammengesetzt werden, da sie erstens immer mit einem Spant verbunden sein müssen und mit einer Art Mastfisch, der am Deck des Modells angegossen ist, abschließen. Diesen zu versetzen, würde die ganze Holzstruktur des Decks kaputt machen. Also habe ich die Ruder gebündelt auf das Vordeck gelegt. Wohlwissentlich, dass ich damit gegen das ungeschriebene deutsche Modellbauergesetz verstoße und es jede Menge Diskussionen gibt.

Die Holzstruktur des Decks und der beiden Rumpfhälften ist sehr gut. Manko: Der Mast und einige Kleinteile weisen keinerlei Holzstruktur auf. Schade, gerade beim Mast. Mit Airbrush und einem kräftigen Mittelbraun habe ich das Modell lackiert und einige Tage später ein dunkelbraunes Wash mit einem großen Pinsel aufgebracht. Dann wurde mit einem sehr hellen Braun und einem flachen Pinsel alles noch mal trocken gemalt. Die Decals der Schilde hatten keine Klebekraft mehr. Mit Weichmacher und einer abschließenden Glasur aus Mattlack wurden diese aber wieder brauchbar. Die im Revell Kit angegebene Takelung ist wohl nicht ganz richtig. Dabei sind es wirklich nur wenige Taue, die gespannt werden müssen.

Egal in welchen Modellbauforen ich mir Infos zur Takelung eines Wikingerschiffs holen wollte, immer wurde das Gokstad-Schiff als ultimative Quelle angegeben. Scheint mir ein wenig einseitig gut 200 Jahre nordischer Schiffsbau an diesem einen Schiffsfund festzumachen.

Überrascht stellte ich beim Googlen fest, dass es jede Menge Nachbauten gibt, die meisten hochseetüchtig und zur Zeit in Betrieb. Vom Langschiff bis zum kleinen Boot findet man hier so ziemlich alles was Wikinger-Schiffsbaukunst betrifft. Auch genug Fotos um sein Modell zu takeln. Vielleicht nicht alles wie beim Gokstad-Vorbild, aber Modellkritiker werden es kaum glauben: Die Neubauten segeln auch.
Eine Flagge habe ich mir im Grafikprogramm gebaut und angebracht. Der beiliegende Sockel ist wieder mit Graniteffektspray behandelt worden anstatt ihn zu lackieren.

Insgesamt ein Modell das auch dem Anfänger Bauspaß garantiert und durch seine wenigen Teile keinen Frust aufkommen lässt.

Albrecht Baier