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Zvezda: Black Swan 1/72 Drucken
Montag, 21. Mai 2012 um 06:00

Seitentitel

Modell: Black Swan
Hersteller: Zvezda
Maßstab: 1/72
Material: Polystyrol, Garn
Art.Nr.: 9031
Preis: ca. 99,- €

Das Original

Ein historisches Original zu diesem Modell gibt es nicht. Es ist der Black Pearl aus den Hollywood-Filmen der „Fluch der Karibik“-Serie nachempfunden. Da dieses Schiff bereits historisch inkorrekt ist, werde ich an dieser Stelle auch nicht weiter darauf eingehen, sondern mich auf die Umsetzung im Modell konzentrieren.

Der Name des ursprünglich auch als Black Pearl betitelte Bausatzes wurde vermutlich aus urheberrechtlichen Gründen in Black Swan geändert. Der einziger Unterschied stellt nur die geänderte Gallionsfigur dar.

Der Bausatz

In einem ca. 64 x 48 x 9 cm messenden Stülpkarton bekommt man die 897 Bauteile des Modell geliefert. Der Karton hat praktischerweise an der Oberseite einen eingearbeiteten Tragegriff.

Beim ersten Betrachten fällt die modulare Bauweise des Modells auf. So werden die beiden Rumpfhälften, mit Hilfsspanten versteift, zusammengeklebt und an diese die mehrteiligen Seitenwände des Schiffs angebracht. Dies erinnert an die Bausätze der antiken Galeeren. Diese haben alle den gleichen Grundkörper, an welchen je nach Bausatzthema verschiedene Anbauteile angebracht werden und so die unterschiedlichen Varianten entstehen. Möglicherweise behält sich Zvezda hier vor, mit diesen Rumpf andere Segelschiffe durch Beigabe neuer Spritzlinge für die Aufbauten anzubieten?

Die später sichtbaren Teile des Schanzkleides sowie des Rumpfes weisen durchgehend eine schöne Holzstruktur auf. Störend ist hierbei, dass die Teilung des Schanzkleides an einer sichtbaren Stelle ist. In diesem Fall hat man entweder eine Unterbrechung der Plankengänge oder falls man spachtelt gehen diese verloren bzw. müssen nachgraviert werden.

Das Innenleben des Schiffes wird durch mehrere Decks wiedergegeben, wobei sich die Darstellung auf das Batteriedeck und die davor und achtern befindlichen Hohlräume beschränkt. In den Decks befinden sich kleine Bohrungen, welche dem späteren Positionieren der Kanonen dienen. Diese können wahlweise in Stau- oder Gefechtsposition eingebaut werden.

Auf dem nächsten Spritzling sind Teile zur Vervollständigung der Decksausrüstung und des Rumpfes verteilt: Stückpforten, der Spill, Grätings, Nagelbänke (haben leider Sinkstellen) etc. Auf den Unterseiten der Püttings finden sich Auswerfermarken und die Holzstruktur wurde hier nicht fortgesetzt.
Zwar wurde an den kleinen Baldachin für die Schiffsglocke gedacht, letztere aber fehlt. Diese sollte zwingend selbst ergänzt werden, da sie eines der wichtigsten Instrumente im Bordbetrieb ist und, allerdings nicht so extrem wie die Galionsfigur, in gewisser Weise die Seele des Schiffes repräsentiert.

Die Masten sind weitestgehend zweiteilig ausgeführt. Nur die oberen Bereiche sind wegen geringerem Durchmesser als ein Stück geformt. Geteilt sind die Masten unterhalb der Dopplung an den Mars-/Bramplattformen. Auf das obere Ende des Untermastes wird zunächst der Unterbau der Mars geklebt. Die Marsstenge, an welcher noch das fehlende oberste Stück des Untermastes angeformt ist, wird dann in diese Baugruppe gesteckt. Durch Verdrehsicherungen soll ein falsches Einbauen ausgeschlossen werden. Bei dem Verbauen der oberen Stengen wird auf die gleiche Weise verfahren.
Gespritzte Masten neigen beim Verspannen der Takelage bei zu starkem Zug dazu sich zu biegen. Wegen der hohlen Ausführung bietet es sich hier aber an, diese mit Holz- oder Metallstäben zu verstärken.

Neben den Masten befinden sich der Modellständer, welcher mit „der Zeit entsprechenden“ Verzierungen geschmückt ist, das Steuerrad und die Anker auf dem Spritzling.

Die Wanten sind aus dem gleichen Kunststoff wie der restliche Bausatz hergestellt. Bei diesem Maßstab und der daraus resultierenden Taustärke ist das Material stark genug, um beim Heraustrennen und Verarbeiten nicht beschädigt zu werden. Bei den unteren Wanten der Masten müssen aus Einzelteilen bestehende Jungfern zusammen- und angeklebt werden. An die anderen Wanten sind die Jungfern samt Tauen bereits angeformt.

Ein weiterer Spritzling stellt Teile für die erhöhte Back und Schanz bereit. Die Galerien der Kapitänskajüte und Seitenteile der Gallion finden sich hier ebenso.

Mit der Gallionsfigur, ein zum Flug ansetzender Schwan, und mehrteiligen Figuren und Ornamente der Heckzier stellt Zvezda unter Beweis, dass der russische Hersteller im Bereich Figuren in puncto Detaillierung in1/72 eine herausragende Stellung hat.

Viermal vorhanden sind die Gießäste mit den Bauteilen für die Kanonen. Aus fünf Teilen werden die Lafetten zusammengesetzt. Interessent hierbei ist, dass die Kanonenrohre in den Seitenteilen aufgehängt und anschließend durch das Bauteil der vorderen Achse, welches einen nach oben gerichteten Fortsatz mit halbrunder Mulde am Ende hat, gestützt wird. Das selbe Bauteil hat auch einen nach unten gerichteten Fortsatz, welcher der Positionierung auf dem Oberdeck dient. Da die Kanonen in Feuer- bzw. in Stauposition gebaut werden können, sind diesen unterschiedlich lange Spritzteile für Blöcke mit angeformten Tauen beigelegt.

Ebenfalls vierfach vorhanden ist der Spritzling für die mehrteiligen Jungfern samt Tauen, deren Befestigung auf den Püttings und ein- und zweischeibige Blöcke.

Das Beiboot ist ein alter Bekannter. Hierzu verwendet Zvezda einfach das einzeln erhältliche sog. „Medieval Life Boat“. Dieses Boot hat einen zweiteiligen Rumpf in den ein Boden und die einteiligen Duchten geklebt werden. Neben den Riemen sind auch ein entsprechender Mast und Rah mit gerefftem Segel vorhanden. Selbst an ein Wasserfass, Bootshaken und das Ösfass wurde gedacht

Wie bereits bei den antiken Galeeren sind die Segel als Spritzteile vorhanden. Anders als bei den früheren Modellen wurde aber die Leinenstruktur weggelassen und einzelne Stoffbahnen sind nur durch Prägungen angedeutet. Dies ist besonders Schade, da es ja technisch machbar ist und bereits gemacht wurde. So bleibt einem nur der mühselige Gang sich an dem Deckelbild, auf welchem dies wunderschön abgebildet ist (wenn auch nicht zwingende historisch korrekt), zu orientieren und selbst nachzuempfinden. Alle Segel sind mit angeformten Rahen dargestellt und besitzen Zurrösen. Will man gereffte Segel darstellen müssen diese vorsichtig von der Rah getrennt und durch einen Eigenbau ersetzen werden.

Der Display-Ständer wurde von den Galeerenbausätzen übernommen. Unterschiedliche Garne liegen für die Ankertrosse, das stehende und laufende Gut bei.

Das Tauwerk wurde früher aus Hanf hergestellt. Dieser ist nicht weiß. Somit muss die Ankertrosse entweder gefärbt oder eben ersetzt werden. Für das stehende Gut liefert Zvezda zwei unterschiedliche dicke schwarze Garne. Das dickere davon ist relativ weich. Das dünnere Garn ist sehr steif und behält nach dem Abwickeln Knicke, welche erst bei sehr starker Spannung nachgeben.

Zwar ist ein Farbunterschied beim laufenden Gut berücksichtigt, allerdings ist die Darstellung durch das hellbraune beigegebene Garn falsch. Höchsten im "fabrikneuen" Zustand würde so ein Farbton zutreffen. Bei ständiger Beanspruchung und durch die Einwirkung der Naturgewalten verwittert das Tauwerk und ein braun-graues Material wäre hier besser.

Das Tauwerk historischer Segelschiffe war je nach Verwendungszeck und Einsatzort unterschiedlich stark. Das beigelegte Tauwerk sollte daher durch zuätzliche Garne aus dem Programm der Anbieter historischer Schiffsmodelle (z.B. Heller oder krick) ergänzt werden.

Der letzte Spritzling des Bausatzes ist aus transparentem Kunststoff gespritzt. Dieser enthält Fenster für die Kapitänskajüte und Bauteile für die drei Laternen am Heck. Bei zwei der Fenster sind deutliche Spritzfehler auszumachen. Diese werden aber vermutlich nach dem Verbauen nicht mehr auffallen.

 

Die Anleitung

Die DIN A4 große Anleitung führt in 61 Abschnitten zum fertigen Modell. Die Abschnitte sind sehr übersichtlich gestaltet. Während des Baus wird, wenn nötig, auf die Unterschiede der beiden baubaren Versionen, also Geschütze verzurrt oder in Feuerstellung, eingegangen.

Einen großen Teil der Anleitung nimmt die umfangreiche Takelung ein. Knapp 20 Bauabschnitte erläutern das Anbringen des stehenden und laufenden Guts. Dabei wird jedem Segel ein einzelner Bauschritt gewidmet, wobei die zuvor angebrachten Segel teilweise ausgeblendet sind. In jeweils nebenstehenden Kästchen wird zusätzlich auf die genaue Position der Taue an den Belegnägeln hingewiesen. Außerdem werden die genaue Länge anzubringender Taue und deren Laufrichtung aufgezeigt.

Auf der letzten Seite ist eine Seiten- und Draufsicht des Schiffes abgebildet, anhand derer die Farbgebung erläutert wird bzw. Farbvorschläge gemacht werden. Will man das Modell halbwegs historisch korrekte gestalten, sind die Angaben zu hell bzw. nicht ganz stimmig. So soll das Unterwasserschiff in Radom Tan, einem cremeweißen/beigen Farbton, lackiert werden. Wenn, dann wäre ein richtiges Weiß hier korrekt.

Für die Farben des übrigen Rumpfes werden hauptsächlich Holzfarbtöne angegeben. Diese sind allerdings für beanspruchtes Holz zu hell und man sollte auf dunklere Töne zurückgreifen. Für die Segel werden keine Angaben gemacht.

Das A und O eines Piratenschiffes ist dessen Flagge, der „Jolly Roger“. Diese ist in der Anleitung neben der Auflistung des Bausatzinhalts abgedruckt und soll ausgeschnitten werden. Papier- oder Farbqualität lassen diese verblichen wirken.

Fazit

Gerade der Nachwuchs oder Neulinge sollen durch dieses Modell angesprochen werden und in ungezwungener Weise (keine vorschriftsmäßigen Tarnmuster oder Ausrüstungszustände in gewissen Zeiträumen etc.) für den Modellbau begeistert werden. Nebenbei wird man an die Thematik der Takelung historischer Segelschiffe herangeführt. Die Bekanntheit des Vorbilds und der große Maßstab erleichtert dieses Vorhaben noch dazu. In puncto Farbgebung kann man grundsätzlich seiner Phantasie freien Lauf lassen.

Den erfahrenen Modellbauer werden die an die Rahen angegossenen Segel genauso wenig überzeugen, wie die fertigen Wanten und Webleinen oder die Geschütztakel. Um ein realistischeren Eindruck zu erzielen, bietet es sich an, diese gegen Tauwerk auszutauschen.

Zvezda hat sich hier ein „fiktives Original“ ausgesucht und insgesamt sehr gut umgesetzt und liebevoll die Details in diesem Bausatz realisiert. Einzig der Preis wird abschrecken. Vermutlich wird kaum ein Jugendlicher 100 € in die Hand nehmen, um sich ein Piratenschiff zu kaufen. So gesehen eignet sich dieser Bausatz ideal als Geschenk für den Nachwuchs. Aber auch Erfahrene, die mal ungezwungen bauen wollen, werden sich hier erfreuen. 

alt sehr empfehlenswert

Bleibt nur zu hoffen, dass Zvezda in naher Zukunft passende Piratenfiguren herstellt.

Sven

Wir danken HOBBY PRO MARKETING GmbH aus Österreich für die freundliche Unterstützung