Modellsuche

Suchen


Kombrig: SMS Seydlitz Full Hull (1/350) Drucken
Freitag, 30. M├Ąrz 2012 um 07:00

 

30.03.1912: 100 Jahre Stapellauf SMS Seydlitz

 

Seitentitel

Modell: SMS Seydlitz
Hersteller: Kombrig
Ma├čstab: 1/350
Material: Resin/Foto├Ątzteile
Art.Nr.: 3537FH
Preis: k.A.

Der russische Hersteller Kombrig erweitert seit einiger Zeit seine Sparte an Schiffsmodellen im Ma├čstab 1:350. Der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig bei den alten Kohlenk├Ąsten die um die Jahrhundertwende des 19. Und 20. Jahrhunderts gebaut wurden. Traditionell liegt auch ein gro├čer Fokus bei den Schiffen der russischen Marine. Erfreulicherweise bleibt den Leuten von Kombrig aber ausreichend Zeit, um sich den Schiffen anderer Marinestreitkr├Ąfte zu widmen. Nach der SMS Scharnhorst, der HMS Kent und einigen franz├Âsischen Einheiten (siehe hier und hier) liegt nun brandaktuell der Bausatz der SMS Seydlitz auf der Helling in der Modellbauwerft.

Doch bevor sich Sven intensiv dem Bausatz widmet, wollen wir uns vorher ein wenig mit dem Original auseinander setzen, welches auf den Tag genau vor 100 Jahren bei Blohm&Voss in Hamburg vom Stapel gelaufen ist (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Schlie├člich handelt es sich hier nicht um irgendein Schiff, sondern um das wohl bekannteste Deutsche Schiff, welches in der gr├Â├čten Seeschlacht der Geschichte eine nicht unerhebliche Rolle gespielt hat.

Das Original

Nach dem Bau der britischen HMS Dreadnought nahm die Entwicklung von Gro├čkampfschiffen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts rasant an Fahrt auf. Das Wettr├╝sten zur See gipfelte schlie├člich in der gr├Â├čten Seeschlacht der Weltgeschichte, wobei das Vorbild dieses Bausatzes eine bedeutende Rolle spielte.

Doch der Reihe nach! Bereits noch vor dem Bauauftrag der HMS Dreadnought gab die britische Admiralit├Ąt, mit dem ersten Seelord Admiral Fisher an der Spitze, die Ausarbeitung eines neuen Schiffstypen in Auftrag. Erstes Schiff dieser neuen Typenreihe war der Battle Cruiser (Schlachtkreuzer) HMS Invincible. Das Schiff war noch weit revolution├Ąrer als HMS Dreadnought. Im Vergleich f├╝hrte sie eine einheitliche Hauptartillerie von acht 30,5cm Gesch├╝tzen in vier T├╝rmen und erreichte durch eine gr├Â├čere Antriebsanlage eine Geschwindigkeit von 25,5 kn. Das ging allerdings zu Lasten des Panzerschutzes bei gleichzeitiger Erh├Âhung der Gesamtl├Ąnge. Die kaiserliche Marine nahm das Konzept auf, konnte aber mit der SMS Bl├╝cher im Bezug auf die Artillerieleistung und Geschwindigkeit nicht mit dem britischen Konzept mithalten. Erster richtiger Schlachtkreuzer, seinerzeit als Gro├če Kreuzer bezeichnet, war SMS von der Tann. Bewaffnet mit acht 28 cm Gesch├╝tzen in vier T├╝rmen erreichte der Kreuzer eine Geschwindigkeit von 27,5 kn. Im Vergleich zu seinen britischen Gegnern waren Panzerschutz und Stabilit├Ąt des deutschen Entwurfs wesentlich besser ausgef├╝hrt, was sich bei den folgenden Neubauten fortsetzte. Nach zwei weiteren Einheiten, SMS Moltke und SMS Goeben, erfolgte im M├Ąrz 1910 der Bauauftrag bei Blohm&Voss in Hamburg f├╝r den vierten Gro├čen Kreuzer. Der Kiel wurde am 04.02.1911 gestreckt. Der Stapellauf erfolgte am 30.03.1912, wobei das Schiff auf den Namen SMS Seydlitz getauft wurde.

Wie ihre Vorg├Ąnger f├╝hrte Seydlitz zehn 28 cm Gesch├╝tze in f├╝nf T├╝rmen. Auf der Back befand sich ein Doppelturm, mittschiffs zwei Doppelt├╝rme in Fl├╝gelaufstellung, achtern schlossen zwei Doppelt├╝rme in ├╝berh├Âhter Aufstellung an. Die Mittelartillerie bestand aus zw├Âlf 15 cm Gesch├╝tzen in Kasematten sowie bis zu zw├Âlf 8,8 cm Gesch├╝tzen. Bei einer L├Ąnge von 200,6 m, einer Breite von 28,5 m und einem Tiefgang von 8,3 m betrug die Verdr├Ąngung 25.000 metrische Tonnen. Die Schiffspanzerung betrug im G├╝rtelpanzer 300 mm, der Panzer nahm in den weniger gef├Ąhrdeten Bereichen auf 100 mm ab. Das durchgehende Panzerdeck hatte eine Dicke von 30 ÔÇô 80 mm, das Torpedoschott eine Dicke von 50 mm. Der Kommandoturm und die Gesch├╝tzt├╝rme wiesen Panzerdicken von 30 ÔÇô 350 mm Dicke auf. Mit einer Antriebsanlage von vier Parsons Getriebeturbinen mit einer Leistung von zusammen 70.000 PS erreichte der Kreuzer eine Geschwindigkeit von 26,5 kn.

Kapit├Ąn zur See Moritz von Egidy stellte SMS Seydlitz am 22.05.1913 in Dienst. Admiral Hipper, der Befehlshaber der Aufkl├Ąrungsstreitkr├Ąfte setzte seine Flagge am 23.06.1914 auf Seydlitz. Im Sommer geleitete der Kreuzer die kaiserliche Yacht SMS Hohenzollern nach Norwegen. Die Reise wurde aufgrund der aufziehenden Kriegsgefahr jedoch vorzeitig beendet. Nach Ausbruch des I. Weltkrieges f├╝hrten die Aufkl├Ąrungsstreitkr├Ąfte erste Unternehmungen durch, die am 28.08.1914 zum Gefecht in der Helgol├Ąnder Bucht f├╝hrte. Am 02.11.1914 f├╝hrte die 1. Schlachtkreuzerdivision unter Hipper eine Unternehmung zur Beschie├čung von Yarmouth durch. Ziel der K├╝stenbeschie├čung war, Teile der britischen Flotte in ein Gefecht mit eigenen ├╝berlegenen Streitkr├Ąften zu verwickeln. Eine weitere Unternehmung zur Bombardierung von Scarborough, Hartlepool und Whitby schloss am 15.12.1914 an, f├╝hrte aber ebenfalls zu keiner Begegnung mit der britischen Flotte.

Am 23.01.1915 f├╝hrten die Aufkl├Ąrungsstreitkr├Ąfte unter dem Befehl von Admiral Hipper mit den Gro├čen Kreuzern SMS Seydlitz, SMS Derfflinger, SMS Moltke und SMS Bl├╝cher - SMS von der Tann lag in der Werft - den kleinen Kreuzern Graudenz, Rostock, Stralsund und Kolberg sowie 19 Torpedobooten einen Vorsto├č auf die Doggerbank, ein Seegebiet zwischen England und D├Ąnemark, durch. Dabei trafen sie auf die 1st und 2nd Battle Cruiser Squadron sowie ├╝berlegenen Kreuzer- und Zerst├Ârer-Verb├Ąnde. Hipper versuchte die britischen Einheiten auf das in See befindliche Gro├č der Hochseeflotte zu ziehen, wobei sich ein Verfolgungsgefecht entwickelte. Im dem laufenden Gefecht wurde Seydlitz schwer getroffen, wobei eine Granate von HMS Lion die Barbette des achteren Turmes traf. Bei der Explosion der Granate entz├╝ndeten sich Kartuschen in der Umladekammer wodurch beide achteren T├╝rme ausbrannten, wobei 159 Mann der Besatzung Ihr Leben verloren. Bei dem Gefecht ging die langsame und artilleristisch unterlegenen SMS Bl├╝cher unter gro├čen Verlusten an Menschenleben verloren. Seydlitz erreichte besch├Ądigt Wilhelmshaven, wo in der Kaiserlichen Werft bis Ende M├Ąrz alle Sch├Ąden behoben wurden. Dabei wurden der Schutz der Umladekammern verbessert und die Verschlusssysteme der Verbindungst├╝ren optimiert. Im weiteren Verlauf des Jahres 1915 erfolgte eine Unternehmung in der Ostsee gegen russische Seestreitkr├Ąfte. Zur├╝ck in der Nordsee startete das Jahr 1916 mit einem weiteren Einsatz gegen die K├╝ste Gro├čbritanniens. Bei dem Angriff gegen Yarmouth und Lowestoft erlitt Seydlitz beim R├╝ckmarsch einen Minentreffer, der den Schlachtkreuzer f├╝r einen Monat au├čer Gefecht setzte.

Der Befehlshaber der Hochseeflotte, Admiral Reinhard Scheer, plante Anfang Mai eine weitere Operation der Flotte, mit dem Ziel einen Teil der britischen Flotte in der Nordsee zu stellen und zu vernichten. Die Planungen f├╝hrten letztendlich zu Seeschlacht vor dem Skagerrak oder Battle of Jutland (Bezeichnung im englischsprachigen Raum). Das Treffen fand am sp├Ąteren Nachmittag statt, wobei die Aufkl├Ąrungsstreitkr├Ąfte beider Flotten durch Zufall aufeinander trafen. SMS Seydlitz fuhr als drittes Schiff in der Linie, Flaggschiff war die neue SMS L├╝tzow, in das Gefecht. Die deutschen Schiffe er├Âffneten um 15:45 Uhr das Feuer auf die britischen Schlachtkreuzer. Bereits kurze Zeit nach Gefechtser├Âffnung explodierte HMS Indefatigable unter einer Salve von SMS von der Tann und nur 20 Minuten sp├Ąter ereilte die HMS Queen Mary das gleiche Schicksal, die bis dato unter konzentriertem Feuer von SMS Seydlitz und SMS Derfflinger lag. Seydlitz selber wurde ebenfalls getroffen, die nach der Schlacht vor der Doggerbank getroffenen Ma├čnahmen bewahrten Schiff und Besatzung aber vor einem ├Ąhnlichen Schicksal. Im weiteren Verlauf der Schlacht trafen die gesamten Hochseestreitkr├Ąfte der beiden Flotten aufeinander. Bei schlechter Sicht und wechselndem taktischen Geschick gelang es der kaiserlichen Marine am Ende des Tages mehr Tonnage des Gegners zu versenken als die eigenen Verluste betrugen. Aus taktischer Sicht hatte allerding die Grand Fleet das Heft in der Hand, denn am Morgen des 01.06.1916 waren ihre Einheiten die einzigen Schiffe in der Nordsee. Die Hochseeflotte war zur├╝ck in ihren H├Ąfen und sollte diese in derartiger Konstellation nicht mehr verlassen. SMS Seydlitz musste schwer besch├Ądigt in die Werft. Der Schlachtkreuzer hatte 21 schwere und zwei mittlere Artillerietreffer sowie einen Torpedotreffer erhalten und fuhr mit 5.300 Tonnen Wasser im Schiff zur├╝ck nach Wilhelmshaven. Das Schiff lag mit dem Bug so tief im Wasser, dass das Hochwasser abgewartet werden musste, damit Seydlitz ├╝ber die Horns Riff steuern konnte. Die letzte Wegstrecke steuerte das Schiff ├╝ber den Achtersteven. Insgesamt verloren 98 Mann der Besatzung ihr Leben und 55 wurden verwundet. Trotz der schweren Besch├Ądigungen hatte sich die Konstruktion des Schiffes voll bew├Ąhrt. Die umfangreichen Reparaturen dauerten bis Oktober 1916 an. Nach dem Verlust von SMS L├╝tzow vor dem Skagerrak setzte Admiral Hipper im November 1916 erneut seine Flagge aus SMS Seydlitz. Im Jahr 1917 und 1918 erfolgten nur einige wenige Eins├Ątze in die Nordsee. Der Kriegsverlauf und die Meuterei der Matrosen im Oktober 1918 f├╝hrten schlie├člich zur Abdankung des Kaisers und zur Beendigung des Krieges. Die gesamte Hochseeflotte wurde auf Anordnung der Siegerm├Ąchte zur Internierung nach Scapa Flow ├╝berf├╝hrt, um dort das weitere Schicksal abzuwarten. Die Einheiten erreichten den Ankerplatz der Grand Fleet am 24.11.1918 und verblieben dort bis zum Ende. Das Ende kam am 21.07.1919, als die Einheiten auf Befehl von Admiral Reuter selbst versenkt wurden, um nach Beendigung der Friedensverhandlungen nicht in die H├Ąnde der Gegner zu fallen. SMS Seydlitz sank um 13:50 im seichten Wasser. Neben Seydlitz versank die Masse der Gro├čkampfschiffe, lediglich SMS Bayern und einige kleinere Einheiten konnten auf Strand geschlappt werden.

Da die gesunkenen Schiffe teilweise eine Gefahr f├╝r die Schifffahrt darstellten und einen nicht unerheblichen Wert besa├čen, begann bereits in den 1920er Jahren die Firma Cox and Danks mit dem Heben der Schiffe. Die Kiel oben liegende Seydlitz wurde am 02.11.1928 gehoben, nach Rosyth geschafft und dort bis 1930 abgebrochen.┬á Die Schiffsglocke von SMS Seydlitz befindet sich heute im Marine Ehrenmal in Laboe und ein Gesch├╝tzrohr im Marinemuseum in Wilhelmshaven.

Der Bausatz

Der Bausatz ist grunds├Ątzlich als Wasserlinien- oder Vollrumpf-Version erh├Ąltlich und in allen Bauzust├Ąnden baubar. Wir werfen einen Blick in die Schachtel des Vollrumpfmodells. Als erstes fallen die eng gepackten Bauteile auf. In der Schachtel ist gerade genug Raum, dass beide des an der Wasserlinie getrennten R├╝mpfe nebeneinander dort hineinpassen. Das ├ťberwasserschiff ist zur besseren Sicherung der viele angeformten Details nochmals in eine Lage Schaumfolie eingewickelt. Der Unterwasserrumpf liegt lose in dem Karton. In zwei kleinen Kartons befinden sich jeweils in Zip-T├╝ten verpackt ohne weiteren Schutz die verschiedenen Kleinteile bzw. Gie├čriegel. Insgesamt drei ├ätzteilplatinen liegen dem Bausatz bei. Diese sind in mit Kartonst├╝cken verst├Ąrkten T├╝ten verpackt und liegen in der Bausatzschachtel obenauf. Zum weiteren Lieferumfang geh├Ârt eine vierseitige Bauanleitung. Der noch verbleibende Hohlraum in der Schachtel ist mit Styroporst├╝cken aufgef├╝llt. Insgesamt ist dies Art der Verpackung sehr wagemutig bzw. im Fall der Kleinteile sogar fahrl├Ąssig. Dazu sp├Ąter mehr.

Die Rumpf- sowie auch alle anderen Bauteile - sind blasenfrei gegossen. Entlang der Wasserlinie steht umlaufend etwas Angu├č am ├ťber- und Unterwasserschiff. Die Bauteile sind verzugfrei. Au├čerdem sind die Rumpfteile hohl gegossen, wodurch der Hersteller Vergu├čmasse spart und das Modell leichter macht, was sich wiederum positiv auf die Handhabung w├Ąhrend des Baus und des fertigen Modells auswirkt. Eine erste Probepassung zeigt, dass das Unterwasserschiff geringf├╝gig (ca. 0,5 mm) l├Ąnger ist, was sich aber durch etwas Schleifen beheben l├Ąsst.

Im Gegensatz zu dem bislang erh├Ąltlichen Bausatz von Iron Shipwright ist die Au├čenkontur des Rumpfes korrekt wiedergegeben. Die Aufstellung der Kasematten entspricht dem Original.

Vergleiche mit dem mir vorliegenden VTH-Plan der SMS Seydlitz zeigen weitestgehend ├ťbereinstimmung. Einige wenige, nicht weiter ins Gewicht fallende Unstimmigkeiten bei Positionen bzw. der Anzahl der Oberlichtern, Niederg├Ąngen oder der Form der Stahldecks unter den Ankerketten sind zwar auszumachen, allerdings stellt sich aber auch die Frage, inwiefern der Plan in dieser Hinsicht authentisch ist. F├╝r die Gesamtheit des Modells tut dies keinen Abbruch.

Auch die Au├čenhaut des Schiffes ist, soweit Vergleiche mit Pl├Ąnen und Originalfotos dies zulassen, stimmig wiedergegeben. Einzig der ├ťbergang vom Panzerg├╝rtel zur Au├čenhaut ist an wenigen Stellen etwas unsauber.

Der Unterwasserrumpf ist ebenfalls stimmig. Au├čer der minimal gr├Â├čeren L├Ąnge ist der Bereich des Totholzes etwas unsauber ausgef├╝hrt. Dies l├Ąsst sich aber wiederum durch Schleifen beheben, sofern dies st├Ârt, da der Bereich zwischen den massigen Wellenhosen liegt.

Die Unterbauten der Schornsteine und des achteren Aufbaus sind weitestgehend in je einem St├╝ck geformt. Hier fallen die sehr fein dargestellten Lamellen der Ansaugsch├Ąchte f├╝r die Kessel auf. Allerdings macht sich auch gerade in diesem Bereich die mangelhafte Verpackung der Kleinteile bemerkbar. So sind beim Transport durch das lose Verpacken mit vielen anderen Bauteilen in einer T├╝te und entsprechendes Herumschlagen an einigen Lamelle Ecken ausgebrochen. So etwas l├Ąsst sich kaum durch Scratchen reparieren.

An den Schornsteinen sind an den Simsen kleine Bohrungen vorhanden, in welche passende Dampfrohre eingeklebt werden sollen. Diese Rohre liegen nicht bei und sind vom Modellbauer selbst zu recherchieren.

Die Br├╝ckendecks und diverse Plattformen sind auf einen d├╝nnen Tr├Ągerfilm gegossen. Die Wandst├Ąrken des Schanzkleides sind durchweg gleichm├Ą├čig stark und d├╝nn genug, um noch vern├╝nftig gie├čbar zu sein. Die Schotten sind generell nicht angefomt, sondern werden durch ├ätzteile dargestellt.

F├╝r die 280 mm Hauptartillerie liegen die f├╝nf T├╝rme in drei Arten vor. Die Turmdecken sind von feinen Nieten, dargestellt durch winzige Bohrungen, in parallelen Reihen ├╝berzogen.

Alle ├╝brigen Bauteile sind meist sinngem├Ą├č auf Riegeln zusammengefasst. Hervorragend gegossen sind die vier links- bzw. rechtsdrehenden Propeller. Das Doppelruder ist stimmig wiedergegeben. F├╝r die inneren l├Ąngeren Wellen sind die Sch├Ąfte mit einem angeformten Wellenbock, ein zweiter wird einzeln angebracht, vorhanden. Der auf der Back befindliche viertelkreisf├Ârmige Wellenbrecher ist ebenfalls in Resin reproduziert.

Auf den weiteren Riegeln finden sich diverse andere Ausr├╝stungsgegenst├Ąnde des Schiffs. Diese sind durchweg hoch detailliert. Z.B. ist ein Gie├čling mit Decksaugen vorhanden. Diese sind ca. 1,5 mm hoch und obendrein noch quer durchbohrt (!). Am bemerkenswertesten sind allerdings die gabelf├Ârmigen Halterungen der Suchscheinwerfer. Die Enden laufen beinahe spitz aus, jedoch sind alle davon mit Harz ausgelaufen ÔÇô Gie├čkunst auf h├Âchstem Niveau. An den oberen Enden der Pfosten, an denen die Verzurrung der Ladeb├Ąume befestigt ist, besitzen kleine Ebenen, welche eine Wandst├Ąrke von 0,25 mm aufweisen ÔÇô ebenfalls verzugfrei und durchbohrt.

An den vier gro├čen rechtwinklig gebogenen Davits sind die Umlenkrollen der Seile angedeutet.
F├╝r die Artillerie aller Kaliber liegen gegossene Rohre bei. Diese sind durchgehend gerade, haben eine aufgebohrte M├╝ndung und sind in ihren Proportionen korrekt. Alternativ k├Ânnen verschiedene den Bauzust├Ąnden 1913-1915 oder 1915-1919 entsprechende Flakgesch├╝tze gebaut werden. F├╝r die zwei ab 1915 gef├╝hrte 8,8 cm Gesch├╝tze mit ihren charakteristischen von hinten gut einsehbaren Schutzschilden sind sehr feine (Schilde) und detailgetreue (Lafetten) Bauteile vorhanden.

Verschiedenen Kutter, Jollen und Dampfbeiboote vervollst├Ąndigen den Bausatz. Alle Boote sind sehr filigran wiedergegeben. Die Kutter haben angedeutete Holzplanken am Bootsboden auf der Innenseite. Die Duchten der gro├čen Kutter sind zwar nicht ganz vom Boden getrennt, sind aber nach unten hin hinterschnittig geformt, so dass der Eindruck eines freih├Ąngenden Holzbalkens erweckt wird.
Teilweise sind die kleinen Schornsteine der Dampfbeiboote angeformt, teilweise liegen diese als Einzelteile vor. Alle Motorboote haben seitlich feinste Scheuerleisten.

Für die Torpedonetze liegen leider keine Spieren bei. Die Dimensionen und Positionen müssen vom Modellbauer in eigener Regie herausgefunden und hergestellt werden. 

Die Foto├Ątzteile

Die drei Platinen beinhalten, bis auf die Reling, alle wichtigen Teile zur Erg├Ąnzung des Bausatzes. Eine allgemeine Platine umfasst verschiedene Formen f├╝r die Bootsauflieger der Beiboote. Die anderen beiden sind schiffsspezifisch. Auf der ersten sind die Simse f├╝r die Torpedonetze, Bauteile f├╝r die Br├╝cke und Nocken, Ankerketten, Abdeckungen der Schornsteine, Schutzschilde der Flak (├Ąltere Ausf├╝hrung) und die Handl├Ąufe auf den Ankerspills.

Platine Nummer zwei umfasst allgemeinere, f├╝r die Seydlitz abgestimmte Bauteile. Dies sind in der L├Ąnge angepasste Niederg├Ąnge und Leitern, weitere Details f├╝r die Boote und Ladeb├Ąume, Schotten und Wellenbrecher. Zwei kleine reliefge├Ątzte Namensschilder und die Schiffswappen geh├Âren ebenfalls zum Umfang.

Die Ätzteile sind aus einem sehr weichen Messing hergestellt und sind nur teilweise nummeriert.

Die Anleitung

Gerade einmal aus vier Seiten besteht die Bauanleitung. Die erste Seite zeigt das Schiff in einer Drauf- und Seitenansicht zusammen mit einem in Russisch gehaltenem Kurzlebenslauf und technischen Daten. Seite zwei zeigt perspektivisch alle Resinteile des Bausatzes. Die dritte Seite beschreibt in perspektivischen Zeichnungen den Zusammenbau der Beiboote, der Ladeb├Ąume und des Unterwasserschiffes. Die letzte Seite beschreibt den Aufbau des gesamten ├ťberwasserschiffes. Als eine Art Warnung wird darauf hingewiesen, dass die Torpedonetze und deren Ausleger, Dampfrohre und Beiboote nicht aufgezeigt werden. In kleinen nebenstehenden K├Ąstchen werden Unterbaugruppen (Flakgesch├╝tze, Panzert├╝rme, Scheinwerfer und Wellenbrecher) und selbst anzufertigende Masten und Rahen beschrieben.

Da nur die Leitern und Niederg├Ąnge nummeriert sind, werden diese in der Anleitung klar benannt. Alle anderen ├ätzteile werden nur als ÔÇ×PEÔÇť bezeichnet und man muss sich diese selbst heraussuchen.
Einen Takelplan gibt es nicht und muss selbst recherchiert werden. Selbes gilt f├╝r die Farbangaben.

Weiterf├╝hrende Links

http://www.sms-navy.com/bc/sms_bc_seydlitz.htm

http://www.iwm.org.uk/collections/item/object/205129650 

Fazit

In Sachen Gussqualit├Ąt und Detaillierung ist und bleibt Kombrig ├╝ber jeden Zweifel erhaben. An der Verpackung muss allerdings zwingend gearbeitet werden und die Anleitung ist ausbauf├Ąhig. Nichtsdestotrotz liegt mit der SMS Seydlitz ein lang erwarteter, hervorragender Resinbausatz vor. Das Modell ist historisch korrekt wiedergegeben. Einzige Erg├Ąnzung, die der Modellbauer bei Bedarf ben├Âtigt, ist eine ge├Ątzte Reling. Allerdings muss auch dazugesagt werden, dass dieser Bausatz an Fortgeschrittene und erfahrene Modellbauer gerichtet ist. Anf├Ąnger werden sich hier schwer tun und k├Ânnten schlimmstenfalls die Freude am Hobby Schiffsmodellbau verlieren.

Noch ist kein VK-Preis f├╝r Deutschland festgelegt, d├╝rfte aber ├Ąhnlich hoch anzusiedeln sein wie bei den letzten Neuerscheinungen. Dennoch ist dieser Bausatz┬á

alt uneingeschr├Ąnkt empfehlenswert

 Christian Bruer (Text über das Original) und Sven (Text über das Modell und Bilder)