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Kombrig: Schlachtschiff Hoche (1/350) Drucken
Montag, 18. Juli 2011 um 07:00

Deckelbild

Modell: Hoche
Hersteller: Combrig Models
Maßstab: 1/350
Material: Resin, Fotoätzteile
Art.Nr.: 3524 WL; 3524 FH
Preis: Wasserlinie: NNT Einführungspreis ca. 137,00 €; Vollrumpf NNT Einführungspreis ca.193.00 €

Die Hoche war eines von mehreren französischen Schlachtschiffen des ausgehenden 19.Jahrhunderts mit – nennen wir es Mal - eigenwilligem Erscheinungsbild, wie es z.B. auch die Massena oder die Henry IV waren. Aber gerade deren ausgesprochene Hässlichkeit macht sie schon wieder wunderschön! Besonders die französische Marine experimentierte mit unterschiedlichen theoretischen Ansätzen und war bei der Planung ihrer Schiffe natürlich auch begrenzt durch die limitierten Möglichkeiten, die die französischen Industrie (Werftanlagen, Schwerindustrie) damals zur Verfügung stellen konnte. Kombrig hat mit dem Modell der Hoche einen einmaligen Hingucker, weitab von sämtlichen Normen entstehen lassen, der viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird…

Das Original

Das nach einem französischen General aus der Revolutionszeit benannte Schlachtschiff Hoche wurde 1880 in Auftrag gegeben. Ein Jahr später wurde in Lorient mit dem Bau begonnen. 1886 lief sie vom Stapel und wurde 1890 endgültig fertig gestellt.

Ihre massiven Aufbauten - die ihr den Spitznamen „Grande Hotel“ einbrachten - waren der Grund für ihre hohe Toplastigkeit, die zu Problemen bei der Stabilität und zu unbefriedigenden See-Eigenschaften führten.

Die Hauptbewaffnung bestand aus zwei in Einzeltürmen aufgestellten 34 cm/28 Modell 1881-Geschützen und zwei seitlich in Barbetten stehenden 27,4 cm/28 Modell 1881-Geschützen, zudem war sie mit 18 13,8 cm/45 Modell 1888, mehreren kleineren Deckgeschützen und fünf 45 cm-Torpedorohren bewaffnet.

1892 kollidierte die Hoche bei Marseille mit dem Dampfschiff Maréchal Canrobert, wobei 107 Menschen ihr Leben verloren. 1899 und nochmals 1902 wurden bei Umbauten ihre Hauptbewaffnung und die Kesselanlage ausgetauscht und ihre schweren Aufbauten reduziert.

1910 endgültig außer Dienst gestellt, fand sie noch als Zielschiff Verwendung und wurde dabei am 02. Dezember 1913 von den Schiffen Jauréguiberry und Pothuau versenkt.

Der Bausatz

Kombrigs Modell repräsentiert die Hoche in den ersten Jahren ihrer Laufbahn vor den massiven Umbauten.

Rumpf

Das Modell ist in zwei Versionen auf dem Markt. Als Wasserlinienmodell mit einteiligen Überwasserschiff und als Vollrumpfmodell, dem zusätzlich ein ebenfalls einteiliges Unterwasserschiff beiliegt (Ruder und Schrauben sind bei dieser Version als Extrateile mit im Bausatz). Mir liegt das Vollrumpfmodell vor. Dank seines ausgeprägten Rammbugs kommt es auf eine Länge von 30 cm; die Wasserlinien-Version ist gut 1 cm kürzer. Beide hohl gegossenen Rumpfhälften passen perfekt aufeinander. Die überschüssigen Angüsse entlang der Wasserlinie sind mit Messer oder Säge einfach zu entfernen. Die Trennlinie ist mit einer Kerbe gekennzeichnet.

Das Holzdeck des Schiffes ist durch feine Längsrillen angedeutet. Auf den Decks sind sehr wenig Details mit angegossen, was das Bemalen erleichtern wird. Ankerklüsen und Geschützpforten sind einwandfrei ausgeformt, Luken und andere Öffnungen/Vertiefungen sauber wiedergegeben, allerdings fehlen wie scheinbar auf allen neuen Kombrig-Bausätzen sämtliche Schotten.

Kleinteile

Auf zwei dünnen Fischhäuten aus Resin sitzen alle weiteren Decks der Aufbauten, die Unterkonstruktion der seitlichen Barbetten, diverse Plattformen und die zahlreichen Gefechtsmarse. Kleinteile, wie Scheinwerfer, Beiboote, Masten, etc. sind an massiven Sockeln angegossen. Die beiden Haupttürme liegen beinahe ohne jeglichen Anguss mit in der Schachtel. Durch die besondere Bauart der Hoche lassen sich diese beiden Geschütztürme drehbar darstellen. Die sie überragenden Resinteile der Aufbauten besitzen einen „Führungsring“, der exakt angebracht die Türme zwischen Deck und Aufbauten frei beweglich in Position hält.

Besonders die aus Resin gegossenen kleinkalibrigen Deckgeschütze und die Schanzkleider der Aufbauten, aber auch die Plattformen an sich sind so unglaublich fragil und hauchdünn wiedergegeben wie es bei einem Plastikmodell von der Materialstärke her erst gar nicht möglich wäre. Ein paar wenige Mastteile und Streben müssen selbst (aus Draht) hergestellt werden, eine Anleitung mit den benötigten Maßen hierfür liegt bei.

Die der Vollrumpfversion beiliegenden Schiffs-Schrauben entsprechen nicht dem Original und sollten abgeändert oder ersetzt werden.

Die Fotoätzteile

Für Kombrigs Verhältnisse ist der Ätzteilsatz der Hoche relativ klein und dennoch ungewöhnlich. Bedingt durch die besondere Bauart der Hoche sind weit weniger Standards darauf zu finden, dafür die typischen An- und Aufbauten, wie Galerien, Streben, Laufgänge sowie diverse Kräne und Bootsausleger in den verschiedensten Formen. Das verspricht einiges an interessantem Bastelspaß und natürlich auch eine Menge „Gefriemel“. Reling ist leider nicht auf der Platine zu finden und muss extra angeschafft werden.

Die Anleitung

Hier kommen wir - mal wieder - zu Kombrigs Schwachpunkt. Die Bauanleitung besteht aus vier Seiten im Format DinA4. Auf dem ersten Blatt sind ein Seitenriss der Hoche mit angedeutetem Takelplan und die Geschichte des Schiffes (in meinem Modell auf Englisch) zu finden. Auf der zweiten Seite sind alle Resin-Bauteile abgebildet, allerdings fehlt jegliche Nummerierung der Teile. Seite drei zeigt die beiliegenden Ätzteile; ebenso ohne Kennzeichnung. Für Kombrig fortschrittlich sind zumindest die kleinen Skizzen, die die Montage einzelner Baugruppen zeigen. Auf Blatt vier befindet sich dann nun endlich eine Explosionszeichnung als Generalbauplan. Informationen oder Tipps zur Abfolge der einzelnen Bauschritte sind nicht vorhanden.

Quellen

Fazit

Von Kombrigs Hoche bin ich rundum begeistert! Die Auswahl dieses ungewöhnlich hässlich schönen Schiffes ist ein absoluter Glücksgriff. Kombrig setzt erneut Maßstäbe. Dieses Modell muss man einfach haben! 6 von 5 Sternen

alt uneingeschränkt empfehlenswert

Wolfgang