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Leichter Kreuzer Java (1/700, Niko Models) von Lars Scharff Drucken
Montag, 27. Februar 2012 um 07:00

 

27.02.1942 - 70 Jahre Schlacht in der Javasee

 

Leichter Kreuzer Java

Das Original

Der niederländische Leichte Kreuzer Java war das Typschiff einer Klasse, die bei Kiellegung zu den stärksten der Welt gehört hätte - wegen einer Bauzeit von neun Jahren bei der Fertigstellung aber bereits veraltet war.

Die niederl√§ndische Marine war aus finanziellen Gr√ľnden nicht in der Lage, Schlachtschiffe oder wenigstens neue K√ľstenpanzerschiffe f√ľr die Verteidigung der s√ľdasiatischen Kolonien zu bauen. Als Alternative setzte man auf U-Boote, f√ľr die Kreuzer und Flugzeuge aufkl√§ren sollten. Bei den Kreuzern entschied man sich f√ľr einen Leichten Kreuzer. Der Entwurf wurde mit Hilfe der Germania-Werft (Krupp) erstellt. Bei dem Kaliber plante man anfangs 10,5 cm, ging aber auf 15 cm hoch, um ein gegen√ľber der japanischen Chikuma-Klasse gleichwertiges Schiff zu haben. Schlie√ülich wurde die Zahl der 15 cm-Gesch√ľtze auf zehn erh√∂ht, wobei die vordersten und hintersten beiden Gesch√ľtze √ľbereinander angeordnet waren, so dass eine Breitseite sieben Gesch√ľtze stark war. Die Leichten Kreuzer erhielten keine Torpedobewaffnung, was damals ungew√∂hnlich war. Urspr√ľnglich waren keine Flugzeuge vorgesehen, bald nach der Fertigstellung wurden aber zwei Fairey IIID an Bord genommen. Diese mussten aber zum Start ausgesetzt werden, es war kein Katapult vorhanden.

Urspr√ľnglich waren drei Schiffe geplant - Java, Sumatra und Celebes. Celebes, die als etwas vergr√∂√üert als Flaggschiff dienen sollte, wurde aber vor der Kiellegung gestrichen. W√§hrend des Kriegs verz√∂gerte sich der Bau, u.a. da Teile aus Deutschland nicht geliefert wurden - die nach dem Krieg dann aus anderen Quellen besorgt werden mussten. Die Lieferung der 15 cm-Gesch√ľtze wurde z.B. von der damaligen Krupp-Tochter Bofors in Schweden √ľbernommen. 1934-35 wurden beide Schiffe modernisiert, wobei sie einen neuen Fockmast f√ľr die Feuerleitung erhielten und der Gro√ümast durch einen kurzen Stumpf ersetzt wurde. Durch letztere erhielten die neuen 4 cm-Flak auf der H√ľtte einen guten Feuerbereich. Anfangs hatten beide Schiffe sechs 4 cm-PomPom von Vickers, Java erhielt 1937 stattdessen aber vier 4 cm-Bofors-Zwillinge auf stabilisierten Hazemayer-Lafetten. Die automatische Flak der Java war nach der Modernisierung sehr modern, es fehlte allerdings eine schwere Flak.

Leichter Kreuzer Java

Java war 155,3 m lang, 16 m breit und verdrängte 8208 t (nach der Modernisierung 8446 t). Die drei Turbinensätze leisteten 73 000 PS, womit bei den Probefahrten 30,83 kn erreicht wurden.

Bewaffnung 1925
10 x 15 cm L/50 Bofors no 6 (tatsächlich 14,91 cm L/53)
4 x 7,5 cm L/55
4 x 1,27 cm Vickers-MG
2 Fairey S.IIID-Bordflugzeuge (ab 1929 Fokker C-VII.w, ab 1930 auch Van Berkel W-A (eine Lizenz-Version der Hansa-Brandenburg W.12)
36-40 Minen

Bewaffnung 1942
10 x 15 cm L/50 Bofors no 6 (tatsächlich 14,91 cm L/53)
8 x 4 cm L/60 Bofors (vier Hazemayer-Zwillingslafetten)
6 x 1,27 cm Vickers-MG
4 x 7,7 mm Lewis-MG
4 x 4,7 cm Salutgesch√ľtze
2 Fokker C-XI.w-Bordflugzeuge
10 Wasserbomben (zwei Abwurfschienen)

Leichter Kreuzer Java

Java wurde von 1916-1925 von der De Schelde-Werft in Vlissingen gebaut. 1925 bis 1937 war sie in Niederl√§ndisch Ostindien in Surabaya auf Java stationiert. Von dort transportierte sie im M√§rz 1927 Kommunisten, die f√ľr die indonesische Unabh√§ngigkeit gek√§mpft hatten, in das Konzentrationslager von Boven-Digoel in Neuguinea. Im Dezember 1928 nahm sie an der Parade zur Kr√∂nung des japanischen Kaisers teil, wo sie auf den Schweren Kreuzer Nachi traf, der 14 Jahre sp√§ter f√ľr die Versenkung der Java verantwortlich sein sollte. 1934-35 wurde sie in Surabaya modernisiert, u.a. erhielt sie sechs 4 cm PomPom und der Gro√ümast wurde versetzt und gek√ľrzt. 1937 wurde Java zur√ľck nach Europa geschickt, wo sie in der Stra√üe von Gibraltar Handelsschiffe w√§hrend des Spanischen B√ľrgerkriegs geleitete. Am 20. Mai 1937 nahm sie an der Flottenparade in Spithead teil. Ende 1937 bis Anfang 1938 erhielt Java in Den Helder 4 cm-Zwillingslafetten, worauf sie im Januar und Februar erneut Handelsschiffen in der Stra√üe von Gibraltar geleitete. Im Mai 1938 wurde sie erneut nach Niederl√§ndisch Ostindien geschickt, wo sie auch bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war.

Leichter Kreuzer Java

Nach dem deutschen Angriff auf die Niederlande im Mai 1940 beschlagnahmte Java die deutschen Handelsschiffe Bitterfeld, Wuppertal, Rheinland und Paula, sp√§ter wurde sie zum Geleitschutz eingesetzt, was auch ihre Aufgaben nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor und dem Beginn des Kriegs im Pazifik war. Am 13. Februar wurde sie Teil der Striking Force unter Konteradmiral Doormann. Ein Angriff zusammen mit den Schweren Kreuzer HMS Exeter, den Leichten Kreuzern Hr. Ms. De Ruyter (Flaggschiff) und Hr. Ms. Tromp sowie zwei niederl√§ndischen und zwei amerikanischen Zerst√∂rern auf japanische Transporter in der Banka-Stra√üe am 15. Februar wurde nach Luftangriffen, wobei zwei amerikanische Zerst√∂rer besch√§digt wurden, abgebrochen. Am 19. Februar griff Java zusammen mit De Ruyter, Tromp und sechs amerikanischen sowie einem niederl√§ndischen Zerst√∂rer die japanische Landungsflotte vor Bali an, wurden aber in der Seeschlacht in der Stra√üe von Badung von vier japanischen Zerst√∂rern, die den Zerst√∂rer Hr. Ms. Piet Hein versenkten und Java leicht, Tromp und den Zerst√∂rer USS Stewart stark besch√§digten, gestoppt (drei der japanischen Zerst√∂rer wurden besch√§digt). Am 27. Februar lief die Striking Force ‚Äď die Schweren Kreuzer USS Houston und HMS Exeter, die Leichten Kreuzer Hr. Ms. De Ruyter, Hr. Ms. Java und HMAS Perth sowie vier amerikanische, drei britische und zwei niederl√§ndische Zerst√∂rer aus, um die japanische Landungsflotte vor Java anzugreifen. In der folgenden Seeschlacht in der Javasee trafen sie auf die japanischen Schweren Kreuzer Nachi und Haguro, die Leichten Kreuzer Naka und Jintsu sowie 14 Zerst√∂rer. Die Alliierten verloren die Leichten Kreuzer De Ruyter und Java sowie die Zerst√∂rer HMS Electra, HMS Jupiter und Hr. Ms. Kortenaer, zus√§tzlich wurde der Schwere Kreuzer Exeter schwer besch√§digt, auf japanischer Seite wurde lediglich der Zerst√∂rer Asagumo schwer besch√§digt. Java wurde von ein oder zwei Torpedos der Nachi getroffen, die die achtere Munitionskammer zur Explosion brachten, worauf das Heck abbrach und das Schiff innerhalb von 15 Minuten mit dem Gro√üteil der Besatzung sank.

Am 1. Dezember 2002 wurde das Wrack der Java von einer Expedition auf der Empress gefunden.

Leichter Kreuzer Java

Das Modell

Niko Models hat die Java (Bausatzbesprechung) laut Beschriftung der Schachtel im Zustand von 1942 herausgebracht - was alleine schon wegen des fehlenden Tarnschemas nicht stimmig ist. Ich habe in der unten aufgelisteten Literatur nur vier Fotos der Java gefunden, die sie mit Tarnschema zeigen, die aber zu verschiedenen Zeitpunkten aufgenommen wurden. Auf einem der Fotos, schr√§g von vorne aufgenommen und wahrscheinlich Ende 1941 aufgenommen (Hr. Ms. Kruisers 'Java' en 'Sumatra' von J. Anten, S.119, Dutch Warships of World War II von Henk van Willigenburg, S. 23), sieht man, dass zumindest eines der Bordflugzeuge an Bord war. Die Kombination aus zweifarbigem Tarnschema mit den silbernen Bordflugzeugen schien mir besonders interessant, weshalb ich mich f√ľr diesen Bauzustand entschied - also nicht ganz passend zum Jahrestag (siehe auch Jahrestage auf Modellmarine). Der Zustand w√§hrend der Schlacht in der Javasee unterscheidet sich zumindest in diesen Punkten: die 4 cm-Flak erhielten Schutzschilde, am Heck waren Wasserbombenschienen montiert, weitere leichte Flak waren an Bord (z.B. neben dem achteren Aufbau), zahlreiche Rettungsfl√∂√üe waren √ľber das Schiff verteilt und die Bordflugzeuge waren nicht an Bord.

Die zu prominenten erhabenen Linien am Rumpf habe ich etwas flacher geschliffen, was das Problem aber nicht komplett gel√∂st hat. Dazu waren an Bug und Heck etwas Schleifen notwendig, um den unsauberen Guss auszugleichen. Bei der Br√ľcke weist der Bausatz - wie √ľbrigens auch der Profile Morskie-Band - einen Fehler auf: statt der erweiterten Br√ľckenfl√ľgel, die Java ab 1937 hatte, liegen nur leichte, eventuell abklappbare Br√ľckenfl√ľgel der √§lteren Bauzust√§nde bei. Die erweiterten Br√ľckenfl√ľgel sind aus Plastikplatten erstellt. Der Zusammenbau des Focksmasts und der Plattformen an diesem erfordert etwas Sorgfalt, da die Passgenauigkeit nicht perfekt ist. Die Relings an den Plattformen um den Fockmast waren auf meinem Vorbildfoto mit Persenning bespannt, was ich mit Wei√üleim dargestellt habe. Am Fockmast habe ich nur die √Ątzteile Nr. 8 angebracht, nicht die in der Anleitung gezeigte Rah, die auf den Fotos des Originals nicht auffindbar ist. Den Gro√ümast habe ich durch einen Metalldraht ersetzt, an denen ich die Plattformen des Resinteils geklebt habe - das Resinteil war zu verbogen, um verwendbar zu sein.

Leichter Kreuzer Java

Ansonsten habe ich den Bausatz nach Anleitung gebaut (abgesehen von ein paar mir √ľblichen Eigenarten). Lediglich die Beiboote Nr. 44 habe ich nicht an Davits aufgeh√§ngt dargestellt, sondern auf die Boote Nr. 42 mittschiffs gelagert (die genaue Position und Zahl der Beiboote l√§sst sich auf den Fotos nur schwer bestimmen). Die Takelung erfolgte mit gezogenem Gussast.

Bemalt wurde das Modell mit Vallejo-Farben. Das Tarnschema habe ich mit 155 Silbergrau und 162 Basaltgrau dargestellt. Die beplankten Decks sind mit 110 Achatgrau und die Stahldecks mit 158 Mittelgrau gestrichen. Die Persenning habe ich mit 154 Signalgrau bemalt.

Leichter Kreuzer Java

Quellen

Lars