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Niko Model: Leichter Kreuzer Java (1/700) Drucken
Dienstag, 27. September 2011 um 07:00

Deckelbild

Modell: Netherlands Light Cruiser Java 1942
Hersteller: Niko Model
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Fotoätzteile, Messingdraht
Art.Nr.: 7077
Preis: 50 €

Das Original

Der niederländische Leichte Kreuzer Java war das Typschiff einer Klasse, die bei Kiellegung zu den stärksten der Welt gehört hätte - wegen einer Bauzeit von neun Jahren bei der Fertigstellung aber bereits veraltet war.

Die niederländische Marine war aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, Schlachtschiffe oder wenigstens neue Küstenpanzerschiffe für die Verteidigung der südasiatischen Kolonien zu bauen. Als Alternative setzte man auf U-Boote, für die Kreuzer und Flugzeuge aufklären sollten. Bei den Kreuzern entschied man sich für einen Leichten Kreuzer. Der Entwurf wurde mit Hilfe der Germania-Werft (Krupp) erstellt. Bei dem Kaliber plante man anfangs 10,5 cm, ging aber auf 15 cm hoch, um ein gegenüber der japanischen Chikuma-Klasse gleichwertiges Schiff zu haben. Schließlich wurde die Zahl der 15 cm-Geschütze auf zehn erhöht, wobei die vordersten und hintersten beiden Geschütze übereinander angeordnet waren, so dass eine Breitseite sieben Geschütze stark war. Die Leichten Kreuzer erhielten keine Torpedobewaffnung, was damals ungewöhnlich war. Ursprünglich waren keine Flugzeuge vorgesehen, bald nach der Fertigstellung wurden aber zwei Fairey IIID an Bord genommen. Diese mussten aber zum Start ausgesetzt werden, es war kein Katapult vorhanden.

Ursprünglich waren drei Schiffe geplant - Java, Sumatra und Celebes. Celebes, die als etwas vergrößert als Flaggschiff dienen sollte, wurde aber vor der Kiellegung gestrichen. Während des Kriegs verzögerte sich der Bau, u.a. da Teile aus Deutschland nicht geliefert wurden - die nach dem Krieg dann aus anderen Quellen besorgt werden mussten. Die Lieferung der 15 cm-Geschütze wurde z.B. von der damaligen Krupp-Tochter Bofors in Schweden übernommen. 1934-35 wurden beide Schiffe modernisiert, wobei sie einen neuen Fockmast für die Feuerleitung erhielten und der Großmast durch eine kurzen Stumpf ersetzt wurde. Durch letztere erhielten die neuen 4 cm-Flak auf der Hütte einen guten Feuerbereich. Anfangs hatten beide Schiffe sechs 4 cm-PomPom von Vickers, Java erhielt 1937 stattdessen aber vier 4 cm-Bofors-Zwillinge auf stabilisierten Hazemayer-Lafetten. Die automatische Flak der Java war nach der Modernisierung sehr modern, es fehlte allerdings eine schwere Flak.

Java war 155,3 m lang, 16 m breit und verdrängte 8208 t (nach der Modernisierung 8446 t). Die drei Turbinensätze leisteten 73 000 PS, womit bei den Probefahrten 30,83 kn erreicht wurden.

Bewaffnung 1925
10 x 15 cm L/50 Bofors no 6 (tatsächlich 14,91 cm L/53)
4 x 7,5 cm L/55
4 x 1,27 cm Vickers-MG
2 Fairey S.IIID-Bordflugzeuge (ab 1929 Fokker C-VII.w, ab 1930 auch Van Berkel W-A (eine Lizenz-Version der Hansa-Brandenburg W.12)
36-40 Minen

Bewaffnung 1942
10 x 15 cm L/50 Bofors no 6 (tatsächlich 14,91 cm L/53)
8 x 4 cm L/60 Bofors (vier Hazemayer-Zwillingslafetten)
6 x 1,27 cm Vickers-MG
4 x 7,7 mm Lewis-MG
4 x 4,7 cm Salutgeschütze
2 Fokker C-XI.w-Bordflugzeuge
10 Wasserbomben (zwei Abwurfschienen)

Java wurde von 1916-1925 von der De Schelde-Werft in Vlissingen gebaut. 1925 bis 1937 war sie in Niederländisch Ostindien in Surabaya auf Java stationiert. Von dort transportierte sie im März 1927 Kommunisten, die für die indonesische Unabhängigkeit gekämpft hatten, in das Konzentrationslager von Boven-Digoel in Neuguinea. Im Dezember 1928 nahm sie an der Parade zur Krönung des japanischen Kaisers teil, wo sie auf den Schweren Kreuzer Nachi traf, der 14 Jahre später für die Versenkung der Java verantwortlich sein sollte. 1934-35 wurde sie in Surabaya modernisiert, u.a. erhielt sie sechs 4 cm PomPom und der Großmast wurde versetzt und gekürzt. 1937 wurde Java zurück nach Europa geschickt, wo sie in der Straße von Gibraltar Handelsschiffe während des Spanischen Bürgerkriegs geleitete. Am 20. Mai 1937 nahm sie an der Flottenparade in Spithead teil. Ende 1937 bis Anfang 1938 erhielt Java in Den Helder 4 cm-Zwillingslafetten, worauf sie im Januar und Februar erneut Handelsschiffen in der Straße von Gibraltar geleitete. Im Mai 1938 wurde sie erneut nach Niederländisch Ostindien geschickt, wo sie auch bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war.

Nach dem deutschen Angriff auf die Niederlande im Mai 1940 beschlagnahmte Java die deutschen Handelsschiffe Bitterfeld, Wuppertal, Rheinland und Paula, später wurde sie zum Geleitschutz eingesetzt, was auch ihre Aufgaben nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor und dem Beginn des Kriegs im Pazifik war. Am 13. Februar wurde sie Teil der Striking Force unter Konteradmiral Doormann. Ein Angriff zusammen mit den Schweren Kreuzer HMS Exeter, den Leichten Kreuzern Hr. Ms. De Ruyter (Flaggschiff) und Hr. Ms. Tromp sowie zwei niederländischen und zwei amerikanischen Zerstörern auf japanische Transporter in der Banka-Straße am 15. Februar wurde nach Luftangriffen, wobei zwei amerikanische Zerstörer beschädigt wurden, abgebrochen. Am 19. Februar griff Java zusammen mit De Ruyter, Tromp und sechs amerikanischen sowie einem niederländischen Zerstörer die japanische Landungsflotte vor Bali an, wurden aber in der Seeschlacht in der Straße von Badung von vier japanischen Zerstörern, die den Zerstörer Hr. Ms. Piet Hein versenkten und Java leicht, Tromp und den Zerstörer USS Stewart stark beschädigten, gestoppt (drei der japanischen Zerstörer wurden beschädigt). Am 27. Februar lief die Striking Force – die Schweren Kreuzer USS Houston und HMS Exeter, die Leichten Kreuzer Hr. Ms. De Ruyter, Hr. Ms. Java und HMAS Perth sowie vier amerikanische, drei britische und zwei niederländische Zerstörer aus, um die japanische Landungsflotte vor Java anzugreifen. In der folgenden Seeschlacht in der Javasee trafen sie auf die japanischen Schweren Kreuzer Nachi und Haguro, die Leichten Kreuzer Naka und Jintsu sowie 14 Zerstörer. Die Alliierten verloren die Leichten Kreuzer De Ruyter und Java sowie die Zerstörer HMS Electra, HMS Jupiter und Hr. Ms. Kortenaer, zusätzlich wurde der Schwere Kreuzer Exeter schwer beschädigt, auf japanischer Seite wurde lediglich der Zerstörer Asagumo schwer beschädigt. Java wurde von ein oder zwei Torpedos der Nachi getroffen, die die achtere Munitionskammer zur Explosion brachten, worauf das Heck abbrach und das Schiff innerhalb von 15 Minuten mit dem Großteil der Besatzung sank.

Am 1. Dezember 2002 wurde das Wrack der Java von einer Expedition auf der Empress gefunden.

Der Bausatz

Der Bausatz stellt laut Hersteller den Zustand von 1942 dar und ist nur als Wasserlinienmodell baubar. Der Rumpf ist von den Abmessungen und der Form her stimmig. Der Großteil der Aufbauten ist bereits angegossen und die Detaillierung sowie die Gussqualität sind überwiegend gut. Die Ausnahme stellen die Rumpfseiten dar. Sowohl am Bug als auch am Heck muss Überlauf an der Wasserlinie entfernt werden. Die Andeutungen der Plattengänge müsste auch dezenter ausfallen, was aber durch leichtes Abschleifen wahrscheinlich leicht realisierbar ist

Die Schornsteine sind oben schon aufgebohrt. Die dicken Teile der Masten sind aus Resin, während die Spieren und Rahe aus beigelegtem Draht hergestellt werden sollen (für deren Abmessungen sind aber keine Angaben in der Anleitung enthalten).

Die restlichen Teile der Aufbauten sowie die Feuerleitgeräte etc. sind gut gemacht. Die Kranpfosten und der Großmast müssen mit Hilfe von heißem Wasser gerade gebogen oder durch Drahtteile ersetzt werden.

Auch die Bewaffnung ist gut gemacht. Bei den 15 cm-Geschütze sind die Schutzschilde als extra Teil ausgeführt und entsprechend hinten auch offen. Auch die 4 cm-Zwillinge bestehen aus zwei Teilen. Bei diesen und den MG muss etwas Grat entfernt werden. Die 4,7 cm-Salutgeschütze, die zwischen Fockmast und vorderen Schornstein auf einer Plattform unterhalb der MG-Plattform standen, sowie die 7,7 mm-Lewis-MG, deren Position mir nicht bekannt ist, sind im Bausatz nicht enthalten.

Es liegen zwei Fokker C-XI.w-Bordflugzeuge bei, für die geätzte Verstrebungen und Propeller im Bausatz enthalten sind. Bei der Versenkung der Java waren die Flugzeuge nicht an Bord.

Die Beiboote sind gut gemacht. Bei den beiden Motorbooten fehlt das Verdeck, was bei den Originalen aber herunterklappbar war.

Die Fotoätzteile

Die Ätzteile umfassen Ankerketten, Sailinge für die Masen, Niedergänge, Reling, Schornsteingitter, Teile für die Bordflugzeuge, Schraubenschutz und kleine Plattformen. Die Reling für die Plattform um den vorderen Schornstein hat bereits die richtige Länge, ansonsten müssen die Teile selbst angepasst werden.

Die Anleitung

Die Anleitung umfasst eine Übersicht über die enthaltenen Teile sowie eine vierstufige Bauanleitung (plus sieben weitere Untergruppen). Die Bemalanleitung besteht aus einem Farbfoto eines gebauten Models, die Farbangaben beziehen sich auf Humbrol.

Für die Positionierung mancher Teile dürften weitere Zeichnungen hilfreich sind. Ebenso ist man auf solche für die Abmessungen der Rahe und Spieren angewiesen. Farbangaben (und Abziehbilder) für die Bordflugzeuge fehlen.

Bei der Versenkung hatte Java ein zwei-farbiges Tarnschema, was wahrscheinlich schon 1941 aufgebracht wurde und von dem es eventuell zwei Varianten gab. Angesichts der Angabe, dass der Bausatz den 1942-Zustand darstellt, hätte man erwarten können, dass das Tarnschema der Anleitung beiliegt. Das auf dem Deckel und in der Anleitung gezeigte Farbschema entspricht dem Zustand vor Ausbruch des Kriegs im Pazifik.

Die beiden Maschinen der Java hatten die Kennungen W-14 und W-15 und wurden im Dezember 1941 von Bord gegeben. Während der Schlacht in der Javasee waren die Fokker nicht an Bord, sondern auf einem Stützpunkt bei Surabaya. Welchen Anstrich die Fokker damals hatten, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen.

Falls man das Schwesterschiff Sumatra bauen will, muss man darauf achten, dass diese nicht über 4 cm-Zwillinge verfügte, sondern stattdessen 1942 immer noch mit sechs 4 cm PomPom ausgerüstet war. Das Tarnschema der Sumatra unterschied sich von dem der Java.

Quellen

Fazit

Der Bausatz der Java von Niko Models ist überwiegend gut detailliert und gegossen. Für den erfahrenen Modellbauer sollte es unproblematisch sein, daraus ein gutes Modell zu bauen. Allerdings empfiehlt sich Zeichnungen und Fotos zu berücksichtigen - insbesondere, wenn man das Schiff im letzten Bauzustand bauen will.

alt empfehlenswert

Lars