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Fairy Kikaku: Geschützter Kreuzer Jiyuan und Panzerkreuzer Pingyuan (1/700) Drucken
Dienstag, 17. Mai 2011 um 07:00

Deckel

Modell: Jiyuan und Pingyuan (First Sino-Japanese War (Saien / Heien))
Hersteller: Fairy Kikaku
Maßstab: 1/700
Material: Resin und Ätzteile
Art.Nr.: FIRS002
Preis: ca. 15-17 € (1700 - 2000 Japanische Yen, bei HLJ)

Das Original

Der vorliegende Bausatz enthält zwei Modelle, den chinesischen Geschützten Kreuzer Jiyuan (früher Tsi Yuan oder Chi Yuen geschrieben), die spätere japanische Saien sowie den chinesischen Panzerkreuzer Pingyuan (früher Ping Yuen oder Ping Yuan geschrieben), die spätere japanische Heien.

Jiyuan war einer der ersten Geschützten Kreuzer und wurde von Vulcan für China statt eines weiteren Schlachtschiffs der Dingyuan-Klasse (alte Schreibweise Ting Yuan) gebaut. Von der Konzeption ähnelte sie der ersten Generation der von Amstrong für den Export gebauten Geschützten Kreuzer: eine Bewaffnung aus wenigen, schweren Geschützen auf einem kleinen Rumpf mit geringem Freibord. Die 21 cm-Geschütze standen zusammen in einer stark gepanzerten Barbette auf dem Vorschiff und hatten ein leicht gepanzertes Schild. Das 15 cm-Geschütz stand auf dem Achterdeck und war nur durch ein Schild geschützt. Für die Überführung erhielt sie drei Masten, anschließend blieb davon nur der Großmast mit dem Gefechtsmars.

Jiyuan war 75 m lang (an der Wasserlinie) und 10,5 m breit. Sie verdrängte 2300 ts. Der Antrieb erfolgte über zwei Dreifach-Expansions-Dampfmaschinen und vier Kessel, die 2800 PS leisteten, womit 15 kn erreicht wurden.

Bewaffnung Jiyuan
2 x 21 cm L/22 (?) Krupp (Zwillingslafette)
1 x 15 cm L/35 Krupp
4 x 7,5 cm
6 x 3,7 cm
4 x 35 cm Torpedorohre

Die Angaben bei den leichten Geschützen variieren je nach Quelle, z.B. laut Conway's erhielt sie in den späten 1890ern in der japanischen Marine statt der ursprünglichen vier 6-Pfünder und sechs 2-Pfünder acht 4,7 cm (3-Pfünder).

Pingyuan wurde in Foochow, China gebaut und hatte einen Panzergürtel, weshalb sie als Panzerkreuzer bezeichnet wurde. Es gibt verschiedene Behauptungen, worauf der Entwurf basierte. Möglich ist, dass der Entwurf auf der Jiyuan beruht, allerdings wurde die Panzerung verstärkt und die Geschwindigkeit fiel geringer aus, so dass das Schiff mehr ein kleines Küstenpanzerschiff als ein Panzerkreuzer war. Dazu passte auch mehr der sehr geringe Freibord. Sie erhielt ein 26 cm-Geschütz in einer Barbette mit einem leichten Schild darüber auf dem Vorschiff sowie zwei 15 cm mittschiffs.

Pingyuan war 60,96 m lang und 12,19 m breit. Die Verdrängung betrug 2650 ts. Der Antrieb bestand aus zwei vertikalen Dreifachexpansionsdampfmaschinen und vier Kesseln, die 2400 PS leisteten, womit 10,5 kn erreicht wurden.

Bewaffnung Pingyuan
1 x 26 cm L/25 Krupp
2 x 15 cm L/35 Krupp
8 x 4,7 cm Hotchkiss
3 x 45,7 cm Torpedorohre

Jiyuan wurde 1880-85 bei Vulcan in Stettin gebaut, die Auslieferung wurde wegen des Französisch-Chinesischen Kriegs verzögert, so dass sie erst nach Kriegsende 1885 als Teil der Nordflotte (Beiyang-Flotte) in Dienst gestellt werden konnte. Am 25. Juni 1894 traf Jiyuan zusammen mit dem Torpedokanonenboot Guangyi (Kuang Yi) vor Asan, Korea auf die japanischen Geschützten Kreuzer Yoshino, Naniwa und Akitsushima, woraus sich das Gefecht von Pungdo entwickelte, was wiederum zum Ausbruch des Chinesisch-Japanischen Kriegs führte. Jiyuan entkam beschädigt, während Guangyi versenkt wurde. Jiyuan wurde repariert und nahm als Teil der Nordflotte an der Schlacht am Yalu am 17. September 1894 teil. Jiyuan floh früh vom Schlachtfeld, wobei sie mit dem chinesischen Geschützten Kreuzer Chaoyong (Chao Yung) kollidierte. Sie zog sich erst nach Port Arthur und schließlich mit dem Rest der Flotte nach Weihaiwei zurück. Dort wurde die Flotte ab dem 20. Januar 1895 von den Japanern von Land und See her belagert. Am 17. Februar kapitulierte Weihaiwei und Jiyuan war eines der Schiffe, was von den Japanern erbeutet wurde.

Sie wurde in Saien umbenannt, was der japanischen Aussprache des chinesischen Namens entspricht, und als Kreuzer 2. Klasse klassifiziert. Sie nahm dann auf japanischer Seite noch am Chinesisch-Japanischen Krieg teil, so bombardierte sie am 13.10.1895 während der Invasion Taiwans das Fort Cihou am Hafen von Takow/Takao (heute Kaohsiung). Am 11.11.1904 wurde sie zum Küstenpanzerschiff 3. Klasse umklassifiziert und nahm als Teil des Blockade-Geschwaders von Port Arthur am Russisch-Japanischen Krieg teil. Vor Port Arthur lief sie am 30.11.1904 auf eine Mine und sank.

Pingyuan wurde 1883-90 im Arsenal von Foochow (heute Fuzhou) gebaut und wurde anfangs Longwei (Lung Wei) genannt. Nach Indienststellung wurde sie wie Jiyuan Teil der Nordflotte (Beiyang-Flotte) und in Pingyuan umbennant (alle Schiffe der Nordflotte hatten Namen, die mit "yuan" endeten). Sie nahm 17. September 1894 an der Schlacht am Yalu teil, wo sie zusammen mit dem Torpedokanonenboot Guangbing (Kuang Ping) und zwei Torpedobooten ein extra Geschwader bildete, was die japanischen Schiffe erfolgreich auf Distanz halten konnte. Wie Jiyuan wurde Pingyuan in Weihaiwei mit dem Rest der Flotte belagert und nach der Kapitulation von den Japanern erbeutet.

Die japanische Marine stellte sie am 16. März 1895 als Pingyuan-go Dienst und setzten sie für den Rest des Chinesisch-Japanischen Kreigs weiter ein. Nach dem Krieg wurde als Kanonenboot 1. Klasse klassifiziert und in Heien umbenannt (die japanische Aussprache des chinesischen Namens). Am Russisch-Japanischen Krieg nahm sie - wie Saien (ex Jiyuan) - als Teil des Blockadegeschwaders von Port Arthur teil und lief am 18. September 1904 auf eine Mine. Sie konnte im schweren Wetter nicht gehalten werden und sank.

Der Bausatz

Der Hersteller Fairy Kikaku hat einen Resinbausatz herausgebracht, der bei Hobby Link Japan als "First Sino-Japanese War (Saien / Heien)" bezeichnet wird und zwei Modelle enthält. In der Anleitung werden allerdings die chinesischen Namen verwendet.

Die Bausätze ähneln von der Qualität her den frühen, noch sehr einfachen Resinbausätzen. Die Teile kommen in bunten Farben, überraschend sind die Rümpfe der beiden Schiffe mitschiffs geteilt.

Rümpfe

Der Rumpf der Jiyuan ist von den Abmessungen richtig. Um die beiden Hälften anzupassen, muss der Übergang verschliffen und wahrscheinlich auch verspachtelt werden. Das niedrige Schanzkleid auf dem Vor- und Achterschiff muss für die chinesische Version entfernt werden, bei der japanischen Variante war sie achtern auch anders als im Bausatz gestaltet. Die Erhöhung des Schanzkleids vor dem hinteren 15 cm-Geschütz findet sich auf keinem Foto. Ob die Aufbauten und anderen Decksdetails richtig ist, kann ich mittels der mir vorliegenden Pläne und Photos schwer berurteilen. Zumindest das vordere Ende des Deckshaus wirkt seltsam.

Die 21 cm-Zwillingslafette und das 15 cm-Geschütz sind sehr einfach gemacht. Ersteres hat ein geätztes Schutzschild, was von der Form realistisch sein könnte (manchmal wird es auch rund dargestellt, was aber eher unwahrscheinlich ist). Das Schutzschild des 15 cm-Geschützes ist ein geschlossener Block, hier wäre ein weiteres Ätzteil die bessere Wahl gewesen.

Auch die restlichen Detailteile für die Jiyuan sind sehr einfach und viel Grat muss entfernt werden. Schornstein und Lüfter haben keine Öffnungen, die achtere Kompassplattform ist eine Scheibe statt einer Plattform mit Reling, die Reling - beim Original offen - auf der Brücke und dem Gefechtsmars ist sehr dick.

Hier dann das zweite Modell, die Pingyuan: der Rumpf ist im Vergleich zu den bekannten Abmessungen 1 cm zu lang, die Breite ohne Schwalbennester wäre richtig - wenn sich die Angaben in Bezug auf Breite auf den Rumpf ohne Schwalbennester beziehen. Ob der Rumpf sonst korrekt ist, ist erneut nicht leicht zu beantworten, er scheint die Form richtig wieder zu geben. Ob die Ankerketten wirklich über das Vorschiff geführt waren, ist fraglich. Die hier geschlossen dargestellte Reling um die Brücke war beim Original offen, aber teilweise mit Persenning bespannt.

Die Geschütze sind sehr einfach dargestellt. Bei dem 26 cm-Geschütz reicht eventuell ein neues Rohr, bei den 15 cm-Geschützen muss man auch das Schutzschild, Lafette etc. neu bauen, da das eigentlich hinten offene Schutzschild hier als geschlossener Block dargestellt ist.

Auch die sonstigen Teile sind sehr einfach. Die obere Brückenreling - beim Original erneut eine offene Reling - ist sehr dick, die Lüfter und der Schornstein sind nicht aufgebohrt.

Für beide Modelle sind eine Ladung Hotchkiss-Geschütze gedacht, die voll von Grat sind und man kann auch keine drei verschiedenen Modelle erkennen, die laut der Anleitung an Bord der beiden Schiffe waren.

Auch die Davits sind voll Grat und sollten wohl bessere durch feinere Teile ersetzt werden.

Die Anleitung

Die Anleitung ist sehr einfach. Sie besteht aus zwei einfachen Skizzen der Schiffe, kurzen englisch-sprachigen Angaben ihrer Geschichte und ihrer technischen Daten. Es ist auf jeden Fall ein Studium der Fotos der Originale notwendig, die leider aber überwiegend nicht sehr klar sind.

Englisch-sprachige Farbangaben sind nicht vorhanden. Beide Schiffe hatten ursprünglich einen schwarzen Rumpf bis zum Oberdeck, darüber war der Rumpf und die Aufbauten weiß und der Schornstein ocker. Im Chinesisch-Japanischen Krieg wurden die Schiffe wahrscheinlich in einem Mittelgrau über alles gestrichen, eventuell aber erst 1895. Bei der japanischen Marine nach dem Krieg waren sie sehr hell, eventuell sogar weiß gestrichen (typisch viktorianischer Tropenanstrich?), im Russisch-Japanischen Krieg 1904 waren sie wohl erneut grau, wahrscheinlich in einem relativ dunklen, gestrichen.

Quellen

Fazit

Fairy Kikaku hat hier einen Bausatz für zwei interessante Vorbilder herausgebracht, der aber einiges an Recherche, Nacharbeit und Eigeninitiative erfordern wird.

alt brauchbar

Lars