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Zerstörer HMS Glamorgan (Skytrex, 1/700) von Lars Scharff Drucken
Samstag, 24. November 2007 um 00:13

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Original

Die Royal Navy versuchte in der Nachkriegszeit neue Kreuzer und Zerstörer anzuschaffen. Aber trotz zahlreicher Studien, wurden aus Kostengründen keine Schiffe gebaut. Die Kreuzer-Entwürfe waren zu groß (mehr als 18 000 t) und damit zu teuer. Der Entwurf für einen Kreuzer/Zerstörer als Gegengewicht gegen die russischen Leichten Kreuzer der Sverdlov-Klasse scheiterte ebenso. Der Versuch ein Lenkwaffensystem in eine verbesserte Daring-Klasse (1946-59 gebaute Zerstörer-Klasse) einzubauen, führte zu einer starken Größenzunahme. Angesichts fehlender Kreuzer-Neubauten wurde dieser Entwurf weiter vergrößert und sollte so auch als Flaggschiff dienen können. Er erhielt deshalb nicht nur erweiterte Kommandoeinrichtungen, sondern auch Räume für einen Admiral und seinen Stab. Ansonsten wurde der Entwurf von den Erfordernissen für die Flugabwehrrakete Seaslug dominiert. Ihr Magazin für 24 Raketen (39 nach anderen Quellen) reichte vom Starter achtern bis unterhalb des Fockmasts! Die Schiffe fielen letztendlich doppelt so groß wie die Vorgänger-Klasse aus, so dass man die Klassifikation als Zerstörer damals wohl in erster Linie wählte, um die Schiffe leichter finanzieren zu können. Die Wahl von typischen Kreuzer-Namen unterstreicht, welchen Stellenwert die Klasse bei der Royal Navy hatte.

HMS Glamorgan gehörte zum zweiten Baulos der Devonshire- bzw. County-Klasse mit verbesserten Seaslug-Raketen und Radars. Das auffälligste Merkmal des zweiten Bauloses war die "doppelte" 965-Radarantenne. Dieses Baulos erhielt 1972 zur Verbesserung der Anti-Schiffs-Fähigkeiten statt des zweiten 11,4 cm-Geschützes vier Exocet-Starter.

Glamorgan war 158,7 m lang und 16,5 m breit. Bei 6800 t Verdrängung betrug der Tiefgang 6,3 m. Ihre vier Gasturbinen und zwei Dampfturbinen (COSAG-Antrieb) leisteten zusammen 60000 PS und wirkten auf zwei Schrauben, womit 32,5 kn erreicht wurden.

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Bewaffnung 1966
4 x 11,4 cm Mk VI Mod 1 (zwei Zwillinge)
2 x 2 cm Oerlikon
1 x Seaslug-SAM-Zwillingsstarter (24-39 Raketen)
2 x Seacat-SAM-Achtfachstarter (60 Raketen)
1 x Westland Wessex-Bordhubschrauber

Bewaffnung 1982
2 x 11,4 cm Mk VI Mod 1 (zwei Zwillinge)
2 x 2 cm Oerlikon
4 x Exocet MM.38-SSM-Starter
1 x Seaslug-SAM-Zwillingsstarter (24-39 Raketen)
2 x Seacat-SAM-Achtfachstarter (60 Raketen)
6 x 32,4 cm STWS.1-Torpedorohre (zwei Drillinge)
1 x Westland Wessex-Bordhubschrauber

Bewaffnung 1984
2 x 11,4 cm Mk VI Mod 1 (zwei Zwillinge)
2 x 4 cm Bofors
2 x 2 cm Oerlikon
4 x Exocet MM.38-SSM-Starter
1 x Seaslug-SAM-Zwillingsstarter (24-39 Raketen)
6 x 32,4 cm STWS.1-Torpedorohre (zwei Drillinge)
1 x Westland Lynx-Bordhubschrauber

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HMS Glamorgan wurde von 1962-66 von Vickers, Tyne gebaut. 1972 erhielt sie Exocet-Starter. Bei Ausbruch des Falkland-Kriegs wurde Glamorgan am 2.4.1982 als Flaggschiff von Admiral Woodward zu den Falkland-Inseln beordert. Dort bombardierte sie am 1.5.1982 zusammen mit den Fregatten Arrow und Alacrity Port Stanley, wobei sie von argentinischen Mirage III bombardiert wurde. Nahtreffer verursachten leichte Schäden am Heck. Am 14. und 15. Mai unterstützte Glamorgan einen Angriff der SAS gegen ein Flugfeld auf Pebble Island und bombardierte mit ihren 11,4 cm-Geschützen argentinische Stellungen. In den folgenden Tagen folgten weitere Bombardierungseinsätze, später auch zu Unterstützung der britischen Truppen an Land. Bei zwei von diesen Einsätzen, am 25. und 30. Mai, wurde sie erfolglos mit Exocet angegriffen. Als sie am 12.6. zur Unterstützung von britischen Truppen auf Two Sisters abgeordnet wurde, erzielten argentinische Kräfte mit einem landgestützten Exocet-Starter einen Treffer, der dazu führte, dass der Hangar und Teile des Decks darunter ausbrannten und wohl durch das Löschwasser die Decks (u.a. das Seaslug-Magazin) darunter geflutet wurden. Nach ersten Reparaturen mit Hilfe des Reparaturschiffs Stena Seaspread erfolgten weitere Reparaturen nach der Kapitulation der argentinischen Truppen am 14.6. Eine Woche später konnte sie in Richtung Portsmouth abreisen, wo sie am 10.7. eintraf. Nach den Reparaturen, die 1983 abgeschlossen waren, erfolgte 1984 ein Einsatz zur Unterstützung britischer Truppen im Libanon. 1986 wurde Glamorgan an Chile verkauft und als Almirante Latorre in Dienst gestellt. 1998 erfolgte die endgültige Außerdienststellung. 2005 soll sie auf der Fahrt zum Abwracken gesunken sein.

Das Modell

Für das Internationale Schiffsmodellbautreffen in Laupheim Anfang November 2007 wollte ich ein Modell passend zum diesjährigen Thema "25 Jahre Falklandkrise" bauen. Für mein Sammelgebiet kam da nur die General Belgrano, HMS Antrim, HMS Glamorgan und HMS Bristol in Frage. Über die nötigen Umbauten von einem der erhältlichen Bausätze der Brooklyn-Klasse (Corsair Armada, Niko Models) zur General Belgrano hatte ich kaum Unterlagen und auch keine Zeit mehr, um den Umbau noch rechzeitig fertig zu bekommen. Von der Bristol gibt es zwar von Jecobin Plans gute Pläne, aber ein Eigenbau sollte es auch nicht sein. Blieben also die beiden Schiffe der County-Klasse. Es gibt einen Bausatz der Devonshire von Hi Mold (Pit-Road), aber der ist a) sehr teuer und b) stellt ein Schiff des falschen (d.h. ersten) Bauloses dar. Deshalb habe ich dann beschlossen den Skytrex-Bausatz zu kaufen.

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Als Ziel habe ich mir dann die Darstellung der Glamorgan während der Unterstützung des Kommandounternehmens gegen Pebble Island am 14/15.5.1982 vorgenommen. Der Bausatz von Skytrex gibt die Formen sehr gut wieder, größere Korrekturen waren so nicht nötig. Es war lediglich ärgerlich, dass Skytrex eine Mischung des Bauzustandes im Falkland-Krieg und nach der Reparatur der Schäden durch den Exocet-Treffer fabriziert hat. So mussten die Plattformen mit den zusätzlichen Störkörperwerfern neben dem Brückenaufbau entfernt werden. Zusätzlich habe ich Niedergänge vor den Exocet-Startern, die Corvux-Störkörperwerfer, die 324 mm-Drillingstorpedorohre, eine Andeutung eines Krans auf dem Achterdeck und fast alle Details an den Masten entfernt, um diese durch bessere Teile ersetzen zu können. Um die Davits musste ich eine Menge Grat wegschnitzen. Die Verarbeitung des Weißmetalls erwies sich dabei leichter als gedacht, teilweise ist die Biegsamkeit des Materials sogar ein Vorteil, weil man verbogene Teile problemlos wieder zurecht biegen kann. An der Bordwand musste noch ein paar Luftlöcher verspachtelt werden.

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Nachdem ich das Rumpfteil soweit bearbeitet hatte, montierte ich die beiden Masten. Am Fockmast habe ich noch die obere der beiden nach vorne ragenden Plattformen entfernt – hier waren beim Original nur leichte Antennenträger vorhanden. Am Großmast waren noch die Plattformen für die SCOT-Satellitenantennen angebracht. Bei dem Bausatzteil ist hier der Bogen der Stützkonstruktion nur angedeutet, so dass ich ihn freigeschnitzen musste. Den Laufweg, der vorne am Mast vorbei führt, habe ich aus Plastikplatten neu gemacht.

Der fertige Rohbau wurde mit Fine Surface Primer von Tamiya grundiert, die Holzdecks mit Vallejo 976 Buff, die Stahldecks mit 867 Darkbluegray und die vertikalen Flächen mit 907 Pale Greyblue bemalt.

Anschließend wurden die wenigen verbliebenen Teile des Bausatzes angeklebt. Statt der Bausatzteile habe ich für die Typ 278- und Typ 965- (AKE-2) Radarantennen geätzte Teile aus dem Modern British Warship Fittings Set von GMM benutzt. Die im Bausatz enthaltenen Oerlikons habe ich durch Teile von Pit-Road für die Lafette und gezogene Gussäste für das Rohr ersetzt. Die komplexe Gitterstruktur des Seaslug-Starters wäre natürlich besser durch ein Ätzteil dargestellt, aber ein solches ist nicht erhältlich – so dass ich sie Struktur nur durch die Bemalung darstellen konnte.

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Die Antennenträger an den Masten und dem vorderen Schornstein sowie diverse Peitschenantennen wurden aus gezogenen Gussästen hergestellt. Die ECM (?)-Antennen am Großmast sind eine recht komplizierte Konstruktion, die ich aus gezogenen Gussästen (Haltekonstruktion), Plastikplatten (Plattformen) und Plastikvierkantstäben (Antennen) gebaut habe. Die Typ 975- und Typ 992-Radarantennen am Fockmast bestehen aus runden Plastikstäben verschiedener Dicken. Das gleiche Material habe ich für den Bau der 32,4 cm-Drillingstorpedorohre benutzt. Letztere wollte ich noch mittels dünner Plastikplatten um diverse Details bereichern. Einen Teil der Platten, u.a. die Kästen mit dem Mechanismus für die Rohrdeckel, habe ich allerdings wieder entfernt, weil sie einfach nicht maßstäblich gewirkt haben. Die Corvux-Störkörperwerfer bestehen aus einer dünnen Plastikplatte für den Abweiser und gezogenen Gussästen. Der Werfer hat acht Rohre, die sich in zwei 3er-Gruppen und eine 2er-Gruppe unterteilen. An den Unterbauten der GWS22/Typ 904-Feuerleitgeräte für die Seacat-Flugabwehrraketen befand sich nach achtern zeigen jeweils ein kleiner Kran. Genauso stand auf dem Achterdeck ein Kran, der wohl für das Minenräumgeschirr benutzt wurde. Diese habe ich jeweils durch Teile aus diversen Polystyrol-Vierkant- und Rundstäben ergänzt. Inzwischen würde ich sagen, dass es wohl besser gewesen wäre, auch die Davits der Beiboote neu zu bauen – ich habe allerdings nur die oberen Teile der vorderen Davits durch gebogenen Heftklammern ersetzt.

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Dem Bausatz lag kein Bordhubschrauber bei. Glamorgan hatte eine Westland Wessex HAS Mk.3. Mir standen S-58/Westland Wessex von White Ensign Models und das RN Navy Aircraft Set von Fujimi zur Verfügung. In beiden Fällen hat man einen Rumpf, der für eine HAS Mk.3-Variante modifiziert werden muss. Ich wählte den Rumpf von Fujimi, der mir wegen der deutlichen (und damit leicht zu bemalbaren) Ausprägung der Fenster und weiterer Details besser gefiel. Das Fahrwerk, den Heckrotor, das Höhenleitwerk und ein Teil der Befestigung für den Hauptrotor wurden entfernt. Dazu musste ich noch eine Sinkstelle auf beiden Seiten des Rumpfes verspachteln. Mit Magic Sculp habe ich dann den vergrößerten Bug, den Ausläufer hinter dem Hauptrotor und die Radarantenne auf dem Rumpfrücken modelliert. Das Fahrwerk, das Höhenleitwerk und die Rotoren sind Ätzteile von WEMs Wessex. Angestrichen habe ich die Wessex mit Vallejo 867 Darkbluegray.

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Zuletzt bemalte ich die Sendeantenne des Seacat-Starters gelb, die SCOT-Satellitenantennen schwarz (im Original waren dies schwarze Schutzbezüge), die Innenseiten der Beiboote rot und die Aufbauten der Beiboote weiß. Das hintere Beiboot steuerbord hatte dazu einen dicken roten Streifen am Rumpf, den man auf den Photos nach dem Exocet-Treffer gut erkennen kann. Die Beiboote waren im Falkland-Krieg mit grauen Persenning abgedeckt, auf die ich verzichtet habe, um ein paar mehr Farbtupfer auf dem grauen Schiff zu haben. Die Kennnummer (D19) war bei Glamorgan wohl zeitweise übermalt. Auf den Photos um den 14.5.1982 herum kann man sie nicht ausmachen. Auf Photos nach dem 12.6. sieht man dagegen wieder Reste der Kennnummern. Blätterte die Farbe, die zum Übermalen genutzt wurde, wieder ab? Oder wurden die Kennungen wieder aufgemalt? Die Flugdecksmarkierungen waren stark reduziert. Ich habe deshalb mit einem weißen wasserfesten Stift nur zwei Linien aufgemalt – und ansonsten das Flugdeck gealtert. Der Schlusspunkt war ein Versuch, den verwitterten und verrosteten Zustand der britischen Schiffe nach dem langen Einsatz im Südatlantik wiederzugeben.

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Quellen

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Fazit

Trotz des ungewohnten Materials und der nötigen Detailverbesserungen ging der Bau der Glamorgan recht zügig über die Bühne - und sie wurde einen Tag vor der Abreise nach Laupheim fertig. Insgesamt kann ich jedem, der diese Klasse in 1/700 darstellen will, den Bausatz empfehlen.

Lars